Kopfschutz beim Radfahren: Fahrradhelm und Kopfairbag schützen vor Verletzungen

Fahrradhelme reduzieren Risiko für tödliche Hirnverletzungen um bis zu 70 Prozent

Mit dem frühlingshaften Wetter steigt die Zahl der Menschen, die Fahrradfahren. Leider tragen viel zu wenige von ihnen einen Fahrradhelm. Dieser kann bei Unfällen zum Teil über Leben oder Tod entscheiden. Gesundheitsexperten raten daher zu einem Kopfschutz beim Radeln.


Kopfschutz kann Leben retten

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Fahrradhelme bei Unfällen das Risiko für schwere Kopfverletzungen massiv reduzieren können. So berichteten Forscher der University of New South Wales in Australien, dass die Helme bis zu 70 Prozent der tödlichen Kopfverletzungen verhindern können. Gesundheitsexperten wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) raten zu einem Kopfschutz beim Radfahren.

Fahrradhelme können das Risiko für lebensgefährliche Kopfverletzungen bei Unfällen drastisch senken. (Bild: Halfpoint/fotolia.com)

Zu wenige Radfahrer tragen einen Helm

„Jedes Frühjahr geht zum Start der Fahrradsaison die Anzahl der verletzten Fahrradfahrer in unseren Notaufnahmen in die Höhe“, erklärt Prof. Dr. Paul Alfred Grützner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) in einer Mitteilung.

„Oft ist der Kopf betroffen. Daher: Helm auf beim Radfahren!“, rät der Experte.

Den Angaben zufolge liegt die Helmtragequote über alle Altersgruppen hinweg aktuell bei durchschnittlich 18 Prozent.

„Das ist zu wenig“, so Dr. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention und Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Die Gründe, warum Menschen keinen Helm tragen, seien vielfältig. Manche finden ihn unhandlich und umständlich. Andere halten Fahrradhelme für wenig schick oder fürchten, ihre Frisur damit zu ruinieren.

Kopfairbag als Alternative

Eine Alternative zum herkömmlichen Fahrradhelm ist der Kopfairbag. Dieser wird wie eine Art Halskrause um den Hals getragen.

Bei einem Unfall, beispielsweise einem Zusammenprall mit einem PKW, wird der mit Sensoren versehene Airbag wie ein Vollintegralhelm aufgeblasen und schützt den Kopf.

Vorteil gegenüber dem Fahrradhelm ist der gleichzeitige Schutz des Nackens, der Halswirbelsäule, des Kiefers sowie des Gesichts.

Wissenschaftler der Stanford University (USA) bescheinigten dem Kopfairbag in einer Studie ein bis zu achtfach niedrigeres Risiko von Gehirnerschütterungen gegenüber einem Helm.

„Kommt der Airbag bei einem Unfall zum Einsatz, dämmt er den Aufprall des Kopfes und stabilisiert die Halswirbelsäule, sodass sich die Gefahren eines Schädel-Hirn-Traumas und eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule reduzieren“, erläutert Spering.

Immer mehr E-Bike-Fahrer

Wie es in der Mitteilung heißt, wird der Kopfairbag vor der Fahrt um den Hals gelegt und mit einem Reißverschluss geschlossen. Über einen Druckknopf am Reißverschluss muss bei aufgeladenem Akku vor jeder Radfahrt das Sicherheitssystem aktiviert werden.

„Viele kaufen sich teure E-Bikes und sparen dann an einem Kopfschutz. Ob Airbag oder Fahrradhelm – entscheidend ist, dass der Kopf beim Fahrradfahren geschützt wird“, so Fahrradunfallforscher und DGOU-Präventionsexperte PD Dr. Christian Juhra aus der Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Münster.

Gerade für E-Bike-Fahrer lohne es sich, einen Kopfairbag in Erwägung zu ziehen.

„Denn das regelmäßige Aufladen des Airbags über ein USB-Kabel, das von manchen als Nachteil empfunden wird, lässt sich ohne großen Mehraufwand mit dem Aufladen des E-Bikes verbinden“, erklärt Juhra.

„Auch bei diesem muss der Akku regelmäßig an die Steckdose, sodass beide Akkus in einem Arbeitsgang gefüllt werden können“, so der Experte.

Immer mehr ältere Menschen entdecken das E-Bike für sich, da sie mit geringerem Kraftaufwand mobil sein können.

Doch gerade Senioren sind besonders gefährdet: Höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitigen körperlichen Einschränkungen führen nicht selten zu Unfällen mit schweren Verletzungen.

Ein Helm oder Kopfairbag kann hier die Folgen mildern oder Verletzungen verhindern. Mit gut geschütztem Kopf ist Fahrradfahren gerade für Senioren ein Zugewinn an Lebensqualität und verbessert die Gesundheit.

Denn Fahrradfahren stärkt die Muskeln und unterstützt die Gelenkbeweglichkeit insbesondere von Knien.

Jährlich fast 80.000 verletzte Radfahrer

Wie die DGOU erklärt, dämpfen ein aktivierter Kopfairbag oder ein Fahrradhelm die bei einem Unfall auf den Kopf einwirkenden Kräfte, das führt zu weniger schweren Kopfverletzungen.

Zudem können tödliche Hirnverletzungen um 60 bis 70 Prozent reduziert werden. Daten aus dem TraumaRegister DGU® (TR-DGU) zeigen: Bei den lebensgefährlich verletzten Fahrradfahrern ist das schwere Schädel-Hirn-Trauma die Hauptverletzung.

Das TR-DGU erfasst im Durchschnitt jährlich rund 2.500 Radfahrer, die nach einem Unfall in einem Traumazentrum der Initiative TraumaNetzwerk DGU® intensivmedizinisch versorgt werden müssen – die meisten schweren Unfälle ereignen sich im Zeitraum von April bis September.

Im Jahr 2017 gab es nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts 14.123 schwerverletzte und 65.104 leichtverletzte Radfahrer. 382 Menschen starben bei einem Fahrradunfall. (ad)