Krebs frühzeitig per kontrastverstärktem Ultraschall aufspüren

Ultraschalluntersuchung einer auf dem Rücken liegenden Frau

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Strahlenfreie Methode: Mit sanften Kontrastmitteln Krebs früh per Ultraschall aufspüren

Wie bei den meisten anderen Erkrankungen ist auch bei Krebs eine möglichst frühzeitige Diagnose von Vorteil, um positive Behandlungserfolge erzielen zu können. Zudem muss während der Behandlung verfolgt werden, ob die Patientin oder der Patient auf die Therapie anspricht. Bei beiden Punkten können kontrastverstärkte Ultraschalluntersuchungen hilfreich sein.


Krebs gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Über den Verlauf einer Krebserkrankung und somit über Leben oder Tod entscheiden oft eine frühe Diagnostik sowie die exakte Verlaufskontrolle bei der Therapie. Dabei spielt der kontrastverstärkte Ultraschall (CEUS: Contrast Enhanced Ultrasound) eine immer wichtigere Rolle. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) in einer Mitteilung hin, die vom idw – Informationsdienst Wissenschaft veröffentlicht wurde.

Ultraschalluntersuchung einer auf dem Rücken liegenden Frau
Bei der frühen Diagnostik und der exakten Verlaufskontrolle bei der Therapie von Krebserkrankungen spielt der kontrastverstärkte Ultraschall eine immer wichtigere Rolle. (Bild: Aliaksei Smalenski/fotolia.com)

Ultraschall bei Krebserkrankungen

Bei der Ultraschalldiagnostik werden mithilfe von Schallwellen Bilder aus dem Körperinnern erzeugt. Diese können direkt auf einem angeschlossenen Monitor betrachtet und so Veränderungen an Organen und Geweben festgestellt werden. Für Patientinnen und Patienten entsteht keine Strahlenbelastung.

Deshalb kommt die Untersuchung „bei vielen Krebserkrankungen zum Einsatz, meist ergänzend zu anderen Methoden: Um sicher zwischen Krebs und anderen, harmloseren Veränderungen zu unterscheiden, reicht Ultraschall als alleinige Untersuchung meist nicht aus“, schreibt der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Die DEGUM weist jedoch auf die Vorteile des kontrastverstärkten Ultraschalls hin. Mit Hilfe dieser strahlenfreien Methode können Ärzte demnach deutlich eher und mit größerer Sicherheit als bei anderen bildgebenden Verfahren erkennen, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist sowie ob ein Krebspatient gut auf eine Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie anspricht.

Keinerlei Nebenwirkungen an Schilddrüse oder Niere

Laut den Experten ist es für Patienten eine ganz normale Ultraschalluntersuchung: Mit dem Schallkopf fährt der Arzt den Körper im zu untersuchenden Bereich ab. Der einzige Unterschied: Zu Beginn leitet der Mediziner wenige Milliliter eines gashaltigen jodfreien Kontrastmittels in die Armvene des Patienten. Die Mikrobläschen von der Größe eines roten Blutkörperchens gelangen in die kleinsten Gefäße und reflektieren dann die Ultraschallwellen. Schon wenige Sekunden nach der Injektion machen sie die Organdurchblutung sichtbar.

Den Angaben zufolge werden die inerten Gasbläschen nach einigen Minuten über die Lunge wieder abgeatmet und weisen somit im Gegensatz zu anderen Kontrastmitteln (etwa Röntgenkontrastmittel) keinerlei Nebenwirkungen an Schilddrüse oder Niere auf. „Wir können mit Hilfe des kontrastverstärkten Ultraschalls bei einigen Tumoren bereits sehr früh vor allem in soliden Organen wie der Leber, der Niere oder der Bauspeicheldrüse erkennen, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist“, erklärt der Internist Dr. Hans-Peter Weskott.

Der Grad der Durchblutung ist ein entscheidendes Kriterium für die Beurteilung eines Tumors. „Dies lässt sich mit dem kontrastverstärkten Ultraschall aufgrund technisch höchster räumlicher Auflösung besonders gut visualisieren und softwareunterstützt quantifizieren“, so Dr. Weskott. Damit könne vielen Patienten eine wiederholte Untersuchung im Computertomographen (CT) oder Magnetresonanztomographen (MRT) erspart werden.

Studien belegen Gleichwertigkeit der bildgebenden Verfahren

Wie es in der Mitteilung heißt, belegen zahlreiche vergleichende Studien eine Gleichwertigkeit des kontrastverstärkten Ultraschalls mit den anderen bildgebenden Verfahren. Für Tumorpatienten, bei denen eine Jodallergie (Jodunverträglichkeit) vorliegt, die Nierenfunktion eingeschränkt ist, ein Herzschrittmacher den Einsatz eines MRT verhindert oder eine Strahlenbelastung vermieden werden soll, stellt die Kontrastmittelsonografie das Mittel der Wahl dar.

In der onkologischen Therapie wird die Kontrastmittelsonografie ebenfalls zunehmend angewendet. „So können wir hiermit zu einem sehr frühen Zeitpunkt sehen, ob beispielsweise eine Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie erfolgreich anspricht oder ohne Wirkung auf die Tumorentwicklung bleibt, was im CT oft erst viel später sichtbar wird“, erläutert Dr. Weskott. Mit der CEUS kann der Arzt erkennen, ob die Tumordurchblutung dank der Therapie zurückgedrängt oder gar ganz eliminiert werden konnte. „Dies ist entscheidend für einen Krebspatienten, denn wenn wir sehen, dass eine Therapie nicht wirksam ist, muss frühzeitig über Alternativen nachgedacht werden.“

Auch bei den interventionellen und invasiven Therapieansätzen werden Ultraschall-Kontrastmittel häufig bereits beim Eingriff zur Therapiesteuerung und erster Therapiekontrolle eingesetzt. „Bei leberchirurgischen Eingriffen etwa kann die CEUS helfen, bislang unentdeckte kleine Lebertumoren aufzudecken und zum Beispiel mit der Radiofrequenzablation in derselben Sitzung auszuschalten“, sagt Dr. Weskott. „Mittlerweile ist die CEUS aus dem klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken“, so der DEGUM-Experte – vor allem nicht bei der Behandlung von Krebspatienten. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM): Mit sanften Kontrastmitteln Krebs frühzeitig per Ultraschall aufspüren, (Abruf: 01.10.2019), idw - Informationsdienst Wissenschaft
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Ultraschall, (Abruf: 01.10.2019), Krebsinformationsdienst

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.