Ländlicher Lebensstil Grund für globale Adipositas-Epidemie?

Wie wirkt sich das Leben auf dem Land auf das Gewicht aus?

Ländliche Lebensstile sind ein Hauptgrund für die globale Adipositas-Epidemie. Dies widerspricht der verbreiteten Ansicht, dass Gewichtsprobleme besonders ein Problem in Städten sind.


Bei einer aktuellen Untersuchung des Imperial College London konnte festgestellt werden, dass ein Hauptgrund für die Zunahme von Fettleibigkeit der Lebensstil der Menschen in ländlichen Gegenden ist. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Nature“ publiziert.

Macht das sogenannte Landleben die Menschen dick? (Bild: JackF/fotolia.com)

Adipositas hat sich seit 1975 fast verdreifacht

Die Raten von Adipositas haben sich seit dem Jahr 1975 fast verdreifacht, wobei die steigende Anzahl von Menschen in Städten mitunter als Ursache angegeben wird. In der aktuellen Studie zum Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 112 Millionen Erwachsenen stellten die Forschenden jedoch fest, dass die Fettleibigkeit zwar überall zunimmt, der BMI in ländlichen Gemeinden jedoch schneller gestiegen ist als in Städten. Die Ergebnisse der umfassenden globalen Studie widerlegen die allgemein verbreitete Auffassung, dass die zunehmende Anzahl von in Städten lebenden Menschen die Hauptursache für den weltweiten Anstieg der Fettleibigkeit darstellt, erläutern die Autoren der Studie. Das bedeutet, dass ein Umdenken nötig ist, um dieses globale Gesundheitsproblem anzugehen.

Was ist der BMI?

Der BMI ist ein international anerkannter Index, anhand dessen ermittelt wird, ob jemand ein gesundes Körpergewicht hat. Ein Wert zwischen 19 und 25 auf der Skala gilt als normales und gesundes Gewicht. Die Studie ergab, dass 55 Prozent des Anstiegs des durchschnittlichen BMI weltweit in ländlichen Gemeinden auftrat. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen, die auf dem Land leben, stieg der durchschnittliche BMI zwischen dem Jahr 1985 und dem Jahr 2017 um 2,1. Im Vergleich dazu lag der Anstieg in Städten bei 1,3 für Frauen und bei 1,6 für Männer.

Ärmere Länder sind noch stärker betroffen

In den meisten Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen war der Trend sogar noch ausgeprägter, da hier 80 Prozent des Anstiegs der Fettleibigkeit von Menschen in ländlichen Gemeinden verursacht wurde. Einer der Hauptgründe hierfür sind Veränderungen des Lebensstils. Beispielsweise führe die zunehmende Nutzung von Autos und die Mechanisierung der Landwirtschaft dazu, dass die ländliche Lebensweise erheblich weniger körperliche Aktivität als es in der Vergangenheit umfasst.

Städte bieten Fülle an Möglichkeiten zur Gewichtsabnahme

Die Diskussionen um die öffentliche Gesundheit konzentrieren sich eher auf die negativen Aspekte des Lebens in Städten, berichten die Autoren der Studie. In Wirklichkeit bieten Städte aber eine Fülle von Möglichkeiten für eine bessere Ernährung, mehr Bewegung und Erholung sowie eine insgesamt verbesserte Gesundheit. Solche Möglichkeiten sind in ländlichen Gebieten oft schwerer zu finden. Es gab jedoch eine Ausnahme von diesem Trend: Frauen im ländlichen Afrika südlich der Sahara haben einen niedrigeren BMI als Gegenstücke in Städten. Dies liegt den Forschenden zufolge vor allem daran, dass in vielen dieser Gemeinden sowohl das häusliche als auch das landwirtschaftliche Leben immer noch auf Handarbeit angewiesen ist, wie beispielsweise das Holen von Wasser über Strecken von einem oder mehreren Kilometern. (as)