Neuer Wirkstoff gegen Diabetes Typ 2 entwickelt

Wissenschaftler untersucht Flüssigkeit im Labor

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Künstliches Protein soll gegen Diabetes helfen

Eine internationale Forschungsgruppe hat einen neuen Wirkstoff gegen Diabetes Typ 2 entwickelt. Es handelt sich dabei um ein künstliches Protein, das aus zwei im menschlichen Körper natürlicherweise vorkommenden Proteinen zusammengesetzt wurde.


Immer mehr Menschen hierzulande sind zuckerkrank. Laut Hochrechnungen wird die Zahl der Deutschen mit Diabetes in den nächsten Jahren auf bis zu zwölf Millionen ansteigen. Zwar lässt sich die Stoffwechselkrankheit in manchen Fällen auch gut durch einen gesünderen Lebensstil in Griff bekommen, doch viele Betroffene sind auf Medikamente angewiesen. Forschende haben nun einen neuen Wirkstoff gegen die Erkrankung entwickelt.

Wissenschaftler untersucht Flüssigkeit im Labor
Forschende haben einen neuen Wirkstoff gegen Typ-2-Diabetes entwickelt. Es handelt sich dabei um ein künstliches Protein, das aus zwei im menschlichen Körper natürlicherweise vorkommenden Proteinen zusammengesetzt wurde. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Wirkstoff könnte sich langfristig für die Therapie eignen

Laut einer Mitteilung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat eine internationale Forschergruppe, zu der ein Wissenschaftler der Magdeburger Uni gehört, einen neuen Wirkstoff gegen Diabetes Typ 2 entwickelt. Über ihre Erkenntnisse wird in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ berichtet. Prof. Dr. Christoph Garbers, der am Institut für Pathologie der Magdeburger Universitätsmedizin arbeitet, ist einer von den drei Deutschen im Team.

Den Angaben zufolge ist der neue Wirkstoff ein künstliches Protein, das aus den beiden im Körper natürlicherweise vorkommenden Proteinen Interleukin-6 und CNTF zusammengesetzt wurde und deren positive Eigenschaften vereint. Die appetit-zügelnde Funktion von CNTF war bereits lange bekannt, allerdings wurde es vom Immunsystem der Behandelten immer schnell inaktiviert und konnte somit nicht langfristig in der Therapie eingesetzt werden.

Durch die Kombination mit Interleukin-6, das nicht inaktiviert wird, konnte jetzt ein Wirkstoff entwickelt werden, der sich auch langfristig für die Therapie eignen könnte. Das neue Protein konstruierten die Forschenden am Computer. Dabei testeten sie auch aus, welche Eigenschaften sich wo befinden, um zu wissen, welche Teilstücke benötigt werden.

Senkung des Glukosespiegels

„Unser Protein kann all das, was man sich von einem Diabetes-Wirkstoff wünscht“, erklärt Prof. Garbers, der seit 2018 Professor für Experimentelle Pathologie an der Magdeburger Universität ist. „Er senkt den Glukosespiegel und wirkt so, dass man ausschließlich Fett, aber keine Muskelmasse abnimmt. Da er einen anderen Ansatz verfolgt als alle bisherigen Wirkstoffe, könnte er einmal Patienten helfen, bei denen diese nicht anschlagen.“

Wie es in der Mitteilung heißt, hat der Leiter der internationalen Forschergruppe, der Australier Mark Febbraio, inzwischen eine Firma gegründet mit dem Ziel, den Wirkstoff eines Tages als Medikament auf den Markt zu bringen. Als nächster Schritt stehen nun umfassende klinische Studien an.

Den Angaben zufolge bestand die Hauptaufgabe von Prof. Garbers, der gemeinsam mit zwei Kollegen aus Kiel in dem ansonsten australischen Team mitarbeitete, darin, herauszufinden, ob das künstliche Protein in dieser Form überhaupt funktioniert. Denn wenn man auch nur einen winzigen Teil solch eines Eiweißmoleküls verändert, kann es seine biologische Wirkung verlieren. Um die Wirkung zu testen, überprüfte der Pharmazeut etwa, ob sich Zellen, die mit dem Protein aktiviert wurden, teilen. (ad)

Autor:
Alfred Domke
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