Neues System zur schnellen Viruserkennung: Können Grippewellen im Keim erstickt werden?

Gerät zur vollautomatischen Viruserkennung entwickelt

Ein deutsches Forschungsteam testete erfolgreich ein neues Diagnosegerät, mit dem sich schnell und direkt vor Ort Viren identifizieren lassen. In ersten Tests mit Influenza-Viren konnte das Gerät sogar den Subtyp der Viren erkennen. Laut den Forschenden kann das Gerät je nach Bedarf an neue Erreger angepasst werden. Dies könne im Kampf gegen Epidemien oder Pandemien wie beispielsweise einer Grippewelle, aber auch bei Krankheiten wie Vogelgrippe und SARS einen entscheidenden Vorteil bringen.


Forschende des Fraunhofer Institut in Mainz entwickeln zur Zeit ein System zur schnellen Diagnose von Influenzasubtypen, welches auch auf andere Erreger umprogrammiert werden kann. Das sogenannte Panplex-System wurde nun erstmals erfolgreich getestet. Das Gerät analysiert vollautomatisch Proben auf vorhandene Viren.

Es gibt zahlreiche verschieden Influenza-Viren, die sich in die großen Gruppen A,B und C einteilen lassen. Jede Gruppe hat noch zahlreiche Subtypen. Einen Influenza-Virus zu identifizieren erfordert eine händische Laboruntersuchung, die viel Zeit kostet. Dies soll nun ein vollautomatisches System übernehmen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Identifikation von Viren derzeit zu langwierig

Derzeit grassiert die Influenza wieder in Deutschland. Viele Personen werfen eine gewöhnliche Erkältung in einen Topf mit der „echten“ Grippe. Der Unterschied kann jedoch lebenswichtig sein. In der Influenzasaison 2017/2018 kam es in Deutschland zu über 300.000 Erkrankungen und fast 1.000 Todesfällen. Um eine Influenza eindeutig zu identifizieren, müssen erst Proben der Betroffenen ins Labor geschickt und dort untersucht werden. So kann es mehrere Tage dauern, bis der Arzt oder die Betroffenen die wichtige Information bekommen.

Schnelleres Handeln bei Virus-Epidemien

„Ziel ist es, schnell genaue Aussagen über die Grippeart treffen zu können, um schneller reagieren und gezielter behandeln zu können“, berichtet Dr. Tobias Schunck, der Projektleiter von Panplex, in einer Pressemitteilung zu dem erfolgreichen Test des Geräts. Die Fraunhofer-Forschenden konnten zeigen, dass der Nachweis verschiedener Influenzasubtypen zuverlässig funktioniert.

Schneller und genauer

Im Gegensatz zu jetzigen zeitaufwendigen Methoden soll das Gerät die Probenvorbereitung komplett automatisch abwickeln. Dies mache den Prozess nicht nur schneller, sondern auch genauer, da potentielle Fehlerquellen eliminiert werden. Herzstück des Diagnosesystem ist ein mikrofluidischer Chip, der die Arbeitsprozesse, die zuvor händisch im Labor abgewickelt wurden, selbstständig ausführt.

Gerät ist bereits an der Uniklinik Aachen im Einsatz

Das Panplex System soll nun noch während der aktuellen Grippesaison in klinischen Tests an der Uniklinik Aachen auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Forschenden sehen für das Gerät viele mögliche Einsatzgebiete, denn das System ist als Plattform-Technologie ausgelegt und kann an andere Krankheitserreger angepasst werden. Somit könnte es demnächst für den Nachweis von Erregern aller Arten eingesetzt werden, von denen ein pandemisches Potential ausgeht. (vb)