Paare wiegen durchschnittlich mehr: Zusammenziehen fördert Gewichtszunahme

Das Gewicht der Liebe: Wenn Paare zusammenziehen, nehmen sie zu

Untersuchungen haben gezeigt, dass verheiratete Menschen meist länger leben als Singles. Andererseits sind Paare sehr oft dicker als Alleinstehende. Unklar war bislang, wie sich Veränderungen von Beziehungen auf das Körpergewicht auswirken und wann Paare am meisten zunehmen. Forscher haben nun festgestellt, dass es vor allem das Zusammenziehen ist, dass zu einer Gewichtszunahme führt.


Partner haben Einfluss auf die eigene Gesundheit

Dass sich eine Partnerschaft auch auf das körperliche Wohlbefinden auswirken kann, konnte schon in verschiedenen wissenschaftlichen Studien belegt werden. So berichteten etwa Forscher des University College London, dass viele Menschen dank dem Partner gesünder leben, unter anderem, weil sie ungesunde Verhaltensweisen ablegen. Und US-Wissenschaftler stellten fest, dass das Zusammenleben in einer Ehe die Gesundheit verbessert, weil die Partner niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol aufweisen. Allerdings wiegen Paare im Durchschnitt mehr als Alleinlebende. In einer deutschen Studie konnte nun gezeigt werden, was zu der Gewichtszunahme führt.

Paare leben meist gesünder und länger als Alleinstehende. Jedoch wiegen sie im Durchschnitt auch mehr als Singles. Forscher haben nun herausgefunden, warum das so ist. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Nicht die Eheschließung führt zur Gewichtszunahme

Paare haben ein höheres Körpergewicht als Singles – egal ob mit oder ohne Trauschein. Doch anders als bisher oft vermutet, ist es weniger die Eheschließung, als vielmehr das erste Zusammenziehen, dass zu einer Gewichtszunahme führt.

Das haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, der Universität Mannheim, der Universität Leipzig und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung herausgefunden.

Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, haben die Forscher Daten von 20.950 Einzelpersonen zwischen 19 und 100 Jahren über einen Zeitraum von 16 Jahren ausgewertet.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal „Health Psychology“ veröffentlicht.

Änderung der alltäglichen Ernährungsgewohnheiten

Die Forscher stellten fest, dass Paare nach dem Zusammenziehen etwa doppelt so viel zunehmen, wie Paare in den ersten vier Ehejahren.

Dieser Effekt bleibt bestehen, selbst wenn wichtige Einflüsse wie Alter, Kinderkriegen, Sport, Rauchen, Gesundheitszustand oder Stress herausrechnet werden.

„Das heißt, dass diese Gewichtszunahme vor allem mit der Beziehungsveränderung zusammenhängt“, erläutert Ralph Hertwig, Ko-Autor der Studie und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, in einer Mitteilung.

„Denn eine Änderung des Beziehungsstatus bedeutet oft auch eine Änderung der alltäglichen Essgewohnheiten – zum Beispiel gemeinsames Frühstücken, das allein vielleicht nicht stattgefunden hätte oder bescheidener ausgefallen wäre. In Gesellschaft isst man in der Regel mehr und nimmt somit mehr Kalorien zu sich“, so der Experte.

Bei Scheidungen nehmen beide Geschlechter am meisten zu

Wenn sich Paare trennen, sinkt der Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße setzt, bei Frauen und Männern hingegen wieder weitestgehend auf den Wert vor dem Zusammenziehen.

Wie es in der Mitteilung heißt, entspricht das der Vorhersage der sogenannten Heiratsmarkthypothese, wonach Menschen auf Partnersuche sich um ein niedrigeres Körpergewicht bemühen, da dies mit mehr Attraktivität verbunden wird.

Interessanterweise nehmen beide Geschlechter aber bei Scheidungen, die auf Trennungen folgen, am stärksten zu. Eine mögliche Erklärung dazu ist, dass viele Menschen – insbesondere Männer – bei der Scheidung wieder in einer neuen Beziehung sind.

„Mit Blick auf die Gewichtszunahme sind Zusammenziehen und Scheidung wichtige Zeitfenster für Prävention“, so Jutta Mata, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim und assoziierte Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

„Bisher wurden soziale Einflüsse – zu denen auch Beziehungsveränderungen zählen – in der Entstehung von Übergewicht kaum beachtet. Stattdessen wurden vor allem individuelle Faktoren wie Wissen oder Willensstärke diskutiert“, erklärt die Forscherin.

„Dabei zeigen unsere Ergebnisse, dass ein unverheirateter Mann, der vor dem Zusammenziehen leicht übergewichtig ist, im Durchschnitt etwa 7,5 Kilogramm zunimmt, nachdem er je mindestens vier Jahren ohne Trauschein zusammengelebt hat, verheiratet, getrennt und geschieden war. Dadurch erhöht er sein allgemeines Sterblichkeitsrisiko um bis zu 13 Prozent.“ (ad)