Positiver Stress wirkt gegen entzündliche Darmerkrankung

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Bei Darmentzündungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa schützt positiver Stress den Darm. Dabei bilden Antikörper eine Schutzschicht. Eine neue Studie fand jetzt heraus, dass die gleichen Signale, die die Darmwand schädigen, sie auch schützen können. Das bedeutet: Entzündliche Darmerkrankungen entstehen, wenn die Balance kippt.


Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen nehmen zu. Dabei spielen genetische Anlagen ebenso eine Rolle wie Ernährung, Viren und Bakterien. Hier zeigten frühere Studien, dass eine Störung der Membranen des endoplasmatischen Retikulums (ER) einen wichtigen Einfluss in der Genese der Entzündung hat.

Chronische Darmerkrankungen können eine große Belastung für das Leben von Betroffenen sein. Morbus Crohn ist eine dieser Erkrankungen. Forscher fanden jetzt heraus, dass die gleichen Prozesse, die die Darmwand schädigen, diese auch schützen können. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Dauerdurchfall und Extrembauchschmerzen

Unter Morbus Crohn leiden in Deutschland rund 500.000 Menschen, und die Zahl der Erkrankten nimmt zu. Schaden nehmen vor allem die Darmwände, diese entzünden sich in hohem Ausmaß. Symptome sind extreme Bauchschmerzen, Fieber und ebenso chronischer wie starker Durchfall. Die Betroffenen können keinen normalen Alltag gestalten.

Blutstuhl und Fieber

Typisch für Colitis ulcerosa ist blutiger Stuhl, gemischt mit Schleim und in flüssiger Konsistenz. In den Schüben der Krankheit können die Betroffenen die Toilette kaum verlassen, körperliche Schwäche, Fieber und Bauchschmerzen kommen hinzu.

ER-Stress als Schaden

Das als ER-Stress bezeichnete Phänomen führt dazu, dass sich entzündliche Botenstoffe bilden und Zellen absterben. In der Folge kann der Darm nicht mehr als Barriere fungieren.

ER-Stress als Schutz

Eine neue Studie des Brigham and Women‘s Hospital der Harvard Medical School fand jetzt heraus, dass die gleichen Signale auch das Gegenteil bewirken können: Statt Zellen zu zerstören, schützen sie dann den Darm.

Abwehrzellen wechseln in die Darmschleimhaut

Der positive Effekt entsteht, wenn bestimmte Abwehrkörper aus der Bauchhöhle in die Darmschleimhaut wandern. Durch die Produktion von Antikörpern der Form Immunoglobulin A (IgA) stärken sie jetzt die Schleimhaut und festigen ihre Schutzbarriere. Statt Entzündungen auszulösen, schützen sie vor diesen.

Genetisch veränderte Mäuse

Die Wissenschaftler untersuchten Mäuse, die so verändert waren, dass sich in ihrer Darmschleimhaut ER-Stress entwickelte. Diese Tiere hatten eins gemeinsam: Die Menge der Antikörper war deutlich erhöht.

Antikörper im Darm selbst

Diese IgA-Antikörper bestehen als einzige Antikörper im Darm selbst und sorgen für eine Schutzschicht im Inneren der Darmoberfläche. Wurden die Antikörper im Versuch jetzt gehemmt oder wurde ihre Produktion verhindert, bildete sich der Schutz nicht – so entstehen dann vermehrt Darmentzündungen.

Mäuse und Menschen

Direkt übertragen lassen sich die Ergebnisse nicht, denn Mäuse sind keine Menschen. Aber die Erkenntnis bleibt: Stressreaktionen der Zellen im Darm können ebenso schädigend wirken wie einen Schutz aufbauen. Für zukünftige Studien stellt sich jetzt die Frage, ob und wann beim Menschen dieser Schutz sich in Schaden umkehrt, so ein Mitarbeiter der Studie, Professor Philip Rosenstiel vom Institut für Klinische Molekularbiologie an der CAU und Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster PMI. Wäre dieser Punkt gefunden, würde dies womöglich ganz neue Ansätze eröffnen, um entzündliche Darmkrankheiten zu behandeln. (Dr. Utz Anhalt)