Wenn in der Kindheit und Jugend die Mundhygiene vernachlässigt wird, kann dies nicht nur die Zahngesundheit gefährden, sondern offenbar auch das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen.
Forschende der Universität Kopenhagen, des Danish Cancer Institute und des University College London haben in einer aktuellen Studie untersucht, ob Karies und Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) in der Kindheit mit dem Auftreten von atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter verbunden sind. Die besorgniserregenden Ergebnisse wurden in dem „International Journal of Cardiology“ veröffentlicht.
Einfluss der Mundgesundheit auf das kardiovaskuläre Risiko?
Dass Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleischs bei Erwachsenen einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bilden, ist schon länger bekannt. Ob Karies und Zahnfleischentzündungen im Kindesalter möglicherweise auch einen Einfluss auf das spätere Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen haben, blieb bisher allerdings unklar.
Anhand von 568.778 Teilnehmenden einer landesweiten dänischen Kohortenstudie sowie den Daten zur Mundgesundheit aus dem Nationalen Kinderzahnregister und den Daten zu atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus dem Nationalen Patientenregister überprüften die Forschenden nun Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit und dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen.
Die Teilnehmenden wurden zwischen 1963 und 1972 geboren und ihre Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden bis einschließlich 2018 erfasst. Die auftretenden Zahnfleischentzündungen und Karies-Fälle kategorisierten die Forschenden anhand des Schweregrads und des Verlaufs in der Kindheit.
Deutlich erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko
Laut den Fachleuten waren schwere Karies-Fälle im Kindesalter bei Jungen mit einem um 32 Prozent erhöhten Risiko für spätere atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit) verbunden und bei Mädchen sogar mit einem um 45 Prozent erhöhten Risiko.
Auch eine schwere Gingivitis in der Kindheit war laut den Forschenden mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall und/oder koronare Herzkrankheiten im Erwachsenenalter verbunden.
Entzündungen eine mögliche Erklärung
Mögliche Erklärungen für die beobachteten Zusammenhänge könnten in den Entzündungen liegen. „Wir vermuten, dass die Belastung durch hohe Entzündungswerte in Folge von Zahnfleischerkrankungen und Karies bereits im Kindesalter Einfluss darauf haben kann, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert“, so die Studienautorin Nikoline Nygaard von der Universität Kopenhagen.
Da in der Studie lediglich Korrelationen zwischen der Mundgesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht wurden, bleiben die Grundlagen dieser Zusammenhänge allerdings offen und es lässt sich kein direkter Kausalzusammenhang ableiten.
Gründliches Zähneputzen zur Prävention
Dennoch deuten die Studienergebnisse nach Ansicht des Forschungsteam auf ein erhebliches Präventionspotenzial hin, da gründliche Mundhygiene sowohl Karies als auch Zahnfleischerkrankungen vorbeugen könne.
„Man kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht heilen, indem man die Zähne von Kindern behandelt. Aber wenn wir unsere Bemühungen auf bestimmte Gruppen konzentrieren, können wir viele Menschen durch die Verbesserung ihrer Mundgesundheit in die richtige Richtung lenken“, so die Studienautorin Merete Markvart von der Universität Kopenhagen.
Insgesamt verdeutlichen die Studienergebnisse das Potenzial frühzeitiger Maßnahmen zur Verbesserung der Mundgesundheit, um das langfristige kardiovaskuläre Risiko zu senken, resümieren die Forschenden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- University of Copenhagen: Children with poor oral health more often develop cardiovascular disease as adults (veröffentlicht 02.03.2026), eurekalert.org
- Nikoline Nygaard, Francesco D'Aiuto, Anne Kirstine Eriksen, Anja Olsen, Evelina Stankevic, Lars Ängquist, Torben Hansen, Daniel Belstrøm, Merete Markvart: Childhood oral health is associated with the incidence of atherosclerotic cardiovascular disease in adulthood; in: International Journal of Cardiology (veröffentlicht 01.01.2026), internationaljournalofcardiology.com
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









