Schnupfenviren abhängig vom Zuckerstoffwechsel

Neue Erkenntnisse und mögliche Therapieansätze gegen Schnupfen

Rhinoviren sind überwiegend für Infektionskrankheiten der oberen Atemwege wie Schnupfen verantwortlich. Sie sind stark verbreitet und richten hohe wirtschaftliche Schäden durch Ausfälle von Arbeitskräften an. Trotz ihres verbreiteten Vorkommens gibt es keine effektive Behandlung gegen den klassischen Erreger des Schnupfens. Ein Wiener Forschungsteam hat nun neue Erkenntnisse über die Rhinoviren gewonnen. Offenbar sind die Viren abhängig von der Zuckerversorgung der befallenen Zellen. Ohne diese Versorgung kann keine starke Vermehrung stattfinden.


Ein Forscherteam der MedUni Wien hat herausgefunden, dass Rhinoviren, die für viele virale Erkältungskrankheiten verantwortlich sind, abhängig von dem Zuckerstoffwechsel der von ihnen infizierten Zellen sind. Damit sie sich stark reproduzieren können, verändern sie den Stoffwechsel der Zellen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass eine Blockierung der Energieproduktion in den infizierten Zellen zu einer starken Reduzierung der Virenvermehrung führte. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „PNAS“ veröffentlicht.

Trotz starker Verbreitung existieren zur Zeit keine effektiven Therapien gegen viralen Schnupfen. Ein Wiener Forschungsteam hat nun in einer Studie einen möglichen Angriffspunkt für Mekikamente gefunden. (Bild: pictworks/fotolia.com)

Die Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel

„In der Absenz eines eigenständigen Stoffwechsels sind Viren von der Versorgung durch ihre Wirtszellen abhängig“, erläutert der Hauptautor der Studie Guido Gualdoni in einer Pressemitteilung zu den Untersuchungsergebnissen. Die Zellversorgung stelle die Bausteine für die schnelle Vermehrung der Viren zur Verfügung.

Schnupfenviren als Nährstoffdiebe

Die Wiener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler infizierten Zellen im Labor mit den Schnupfenviren (RV-B14) und dokumentierten die Veränderungen im Stoffwechsel. „Die RV-Infektion war begleitet von einer signifikanten Zunahme des Zuckerstoffwechsels“, berichten die Experten. Die Viren manipulierten den Stoffwechsel der Zellen. So zeigte sich laut den Forschern eine Abnahme in der Oxidation von Fetten. Stattdessen wurde in der infizierten Zelle die Produktion von Fettsäuren angekurbelt und mehr Nährstoffe aus der Umgebung der Zelle beansprucht.

Ohne Versorgung keine Reproduktion

Das Forscherteam blockierte in weiteren Untersuchungen den Zuckerstoffwechsel der infizierten Zellen und drehte somit den Versorgungshahn für die Viren zu. Dies hatte drastische Konsequenzen für die Viren, die sich infolge nur schwerlich vermehren konnten. Die Wirtzellen selber wurden durch die Blockierung jedoch nicht beeinträchtigt. Daraus schlussfolgert das wissenschaftliche Team, dass der auf Hochtouren arbeitende Zuckerstoffwechsel von mit Rhinoviren infizierten Zellen vor allem für die virale Vermehrung wichtig ist.

Neue Medikamente und Therapiemöglichkeiten

Die jüngsten Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Zuckerstoffwechsel als möglicher Angriffspunkt für neue und wirksame antivirale Medikamenten gegen Schnupfen und Erkältungskrankheiten dienen könnte. Da Rhinoviren für die überwiegende Mehrzahl der Virusinfektionen der oberen Atemwege verantwortlich sind, könnten solche Arzneien von großem Interesse sein. Außerdem gebe es derzeit keine effektive Therapie gegen diese Viren, berichten die Forscher.

Was man gegen grippale Infekte tun kann

Wer derzeit unter grippeähnlichen Symptomen leidet, der hat sich vielleicht eine Sommergrippe zugezogen. Rhino- und Coronaviren sind in erster Linie für die winterliche Grippe verantwortlich. Bei sommerlichen Erkrankung sind meist Coxsackie-, Entero- oder Echoviren Auslöser. Falls eine neue Generation von antiviralen Medikamenten auf den Markt kommt, wird dies noch eine Weile dauern. Solange müssen Betroffene noch auf die klassischen Mittel zurückgreifen, wie beispielsweise:

Eine echte Grippe kann gefährlich werden

Eine echte Grippe kann eine ernstzunehmende Erkrankung darstellen. Erst vergangenen Winter 2017/18 traf eine harte Grippewelle Deutschland und forderte massenhaft Todesfälle. Sollten die Symptome schlagartig auftreten oder nicht nach ein paar Tagen verschwinden, ist dies unbedingt mit einem Arzt abzuklären. (vb)