Schwindel am Morgen: Diese Schwank-Beschwerden können auf eine Demenz hindeuten

Schwindelgefühle am Morgen sollten nicht ignoriert werden

Manche Menschen kommen morgens nur schwer aus dem Bett, dies ist allerdings noch nicht wirklich ungewöhnlich. Wenn Sie aber öfter beim Aufstehen das Gefühl von Benommenheit haben oder Ihnen schwindlig ist, könnten dies Warnzeichen für die Entstehung von Demenz sein.


Die Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Maryland stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Benommenheit oder Schwindelgefühle am Morgen auf die Entstehung von Demenz hinweisen können.

Schwindel und Benommenheit nach dem Aufstehen können auf Demenz hindeuten. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Was ist eine orthostatische Hypotonie?

Wenn Menschen nach dem Aufstehen Schwindelgefühle haben oder eine leichte Benommenheit einsetzt, deutet dies auf eine sogenannte orthostatische Hypotonie hin. Orthostatische Hypotonie tritt auf, wenn der Blutdruck beim Wechsel von einer sitzenden in eine stehende Position plötzlich abfällt. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Menschen mit diesem Beschwerdebild im mittleren Alter etwa 1,5-mal häufiger an Demenz erkranken und doppelt so häufig einen Schlaganfall erleiden. Das Team von der Johns Hopkins Universität in Maryland erklärte, dass die Ergebnisse einen neuen Marker zeigen, den Mediziner frühzeitig erkennen können, um das Auftreten altersbedingter Krankheiten zu verhindern oder zu verzögern.

Welche Symptome hat eine orthostatische Hypotonie?

Wenn Sie nach dem Sitzen oder Liegen aufstehen, muss der Körper Blut und Sauerstoff zum Gehirn schicken. Geschieht dies nicht, kann Ihr Blutdruck deutlich sinken, was bei einer sogenannten orthostatischen Hypotonie der Fall ist, sagen die Mediziner. Symptome der Erkrankung sind Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen, Übelkeit, Müdigkeit und Ohnmacht. Es gibt viele mögliche Ursachen, zu denen beispielsweise Alter, Anämie, Dehydrierung und bestimmte Medikamente wie Betablocker zählen.

Wie wird die orthostatische Hypotonie behandelt?

Die Behandlung der orthostatischen Hypotonie hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Wenn die Erkrankung aufgrund von Dehydrierung auftritt, werden Ärzte eine Zunahme der Flüssigkeitsaufnahme vorschlagen. Wenn ein Medikament die Ursache ist, kann Ihr Arzt die Art der Verschreibung oder Dosierung ändern. Eine weitere Behandlung erfolgt in Form eines Kompressionsstrumpfes, der den Rückstau von Flüssigkeit in den Beinen verhindert, wenn sich eine Person hinlegt oder sitzt.

Verbindung zwischen orthostatischer Hypotonie und Herzerkrankungen?

Orthostatische Hypotonie wurde mit Herzkrankheiten, Ohnmachtsanfällen und Stürzen in Verbindung gebracht, wird Studienautor Dr. Andreea Rawlings von der Johns Hopkins University von BBC News zitiert. Deshalb wollten die Forscher eine große Studie durchführen, um festzustellen, ob diese Form des niedrigen Blutdrucks auch mit Problemen im Gehirn, insbesondere mit Demenz, zusammenhängt.

Untersuchung hatte mehr als 11.700 Teilnehmer

Für die Studie wurden mehr als 11.700 Teilnehmer untersucht und für einen Zeitraum von 25 Jahren medizinisch überwacht. Die Teilnehmer, die im Durchschnitt 54 Jahre alt waren, hatten zu Studienbeginn weder einen Schlaganfall noch eine Herzerkrankung erlitten. Zu Beginn der Studie bat das Team die Probanden, sich 20 Minuten lang hinzulegen und dann schnell zu stehen. Der Blutdruck wurde einmal im Ruhezustand und fünfmal im Stehen gemessen. Die Mediziner fanden heraus, dass etwa fünf Prozent der Gruppe zu Beginn der Studie unter orthostatischer Hypotonie litten.

Wie stark war das erhöhte Risiko für Demenz?

Im Verlauf der Studie entwickelten etwa neun Prozent der Teilnehmer eine Demenz und etwas mehr als sieben Prozent einen ischämischen Schlaganfall. Dieser tritt auf, wenn eine Arterie im Gehirn aufgrund eines Blutgerinnsels blockiert ist. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer mit orthostatischer Hypotonie zu Beginn der Studie selbst bei der Behandlung eine 54 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hatten, eine Demenz zu entwickeln, verglichen mit Menschen, welche nicht an dieser Erkrankung litten. Neun Prozent der Teilnehmer ohne orthostatische Hypotonie entwickelten Demenz, im Vergleich dazu entwickelten 12,5 Prozent der Menschen mit Demenz. Außerdem hatten Menschen mit orthostatischer Hypotonie das doppelte Risiko, einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden, erklären die Wissenschaftler.

Weitere Forschung ist nötig

Die Messung der orthostatischen Hypotonie im mittleren Lebensalter könnte ein neuer Weg sein, um Menschen zu identifizieren, die sorgfältig wegen Demenz oder Schlaganfall medizinisch überwacht werden sollten, sagt Dr. Rawlings. Weitere Studien seien jetzt notwendig, um zu klären, was diese Verbindungen verursachen könnte und um mögliche Präventionsstrategien zu untersuchen. (as)