Sind Omega-3-Fettsäuren sinnvoll fürs Herz?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Kann Omega-3 das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern?

Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Stoffe für die menschliche Ernährung. Sie sind also lebensnotwendig und können vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Seit Jahren streiten Experten darüber, ob diese Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt verringern. Nun gibt es neue Erkenntnisse dazu.


Omega-3-Fettsäuren müssen über die Nahrung aufgenommen werden

Omega-3-Fettsäuren können nicht vom Körper gebildet werden und müssen daher über die Nahrung aufgenommen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, 0,5 Prozent der täglichen Kalorien durch Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen. Das entspricht bei einem Erwachsenen etwa der Menge, die in einem Esslöffel Rapsöl enthalten ist. Gute Omega-3-Lieferanten sind unter anderem Walnüsse, grünes Blattgemüse (z.B. Feldsalat), einige pflanzliche Öle (beispielsweise Raps-, Walnuss- und Leinöl) und Chia-Samen. Vor allem aber Fisch liefert Omega-3-Fettsäuren.

Schon seit Jahren streiten Fachleute darüber, ob die in Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. Nun gibt es neue Erkenntnisse dazu. (Bild: bit24/fotolia.com)

Positiver Einfluss auf die Gesundheit

Omega-3-Fettsäuren haben einen positiven Einfluss auf unseren Körper. Experten zufolge stärken sie unser Immunsystem und erhalten die Gesundheit bis ins hohe Alter.

Zudem hat sich in Studien gezeigt, dass sie bei der Krebsvorsorge und der Alzheimer-Vorsorge helfen können.

Doch was bringen Omega-3-Fettsäuren fürs Herz? Darüber streiten Fachleute seit Jahren. Nun gibt es dazu neue Erkenntnisse.

Unklare Studienlage

Deutsche Wissenschaftler berichteten vor Jahren, dass Omega-3-Fettsäuren effektiv bei Gefäßverkalkungen wirken.

Und Forscher aus den USA stellten in einer Studie fest, dass der Konsum von Lebensmitteln, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, das Risiko für akute Herzinfarkte deutlich reduzieren kann.

Doch laut einer Untersuchung britischer Wissenschaftler schützen Omega-3-Ergänzungen nicht vor Herzleiden.

Stimmt es also, dass die in Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt verringern? Oder eben nicht?

Zwei Studien zeigen nun, wann sie wirken und wann sie nutzlos sind, wie ein Kardiologe erklärt.

Cholesterinspiegel kann gut eingestellt werden

Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden meist durch Ablagerungen von Blutfetten verursacht, die in zu hoher Konzentration vorhanden sind und die Gefäße verstopfen können.

Neben dem Cholesterin sind das vor allem sogenannte Triglyceride.

„Den Cholesterinspiegel können wir seit Langem recht gut einstellen“, erklärt Professor Dr. Dr. h.c. Christoph Bode, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie I am Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen, in einer Mitteilung.

„Bei den Triglyceriden gelang uns das bislang nicht zufriedenstellend. Hier sehen wir jetzt eine gute Chance“, so der Experte.

Hochrisiko-Patienten können profitieren

Wie es in der Mitteilung des Universitätsklinikums Freiburg heißt, wurde nun auf dem US-amerikanischen Herzkongress (AHA) die große REDUCE-IT-Studie mit mehr als 8.000 Patienten vorgestellt.

Alle Studienteilnehmer hatten bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder wiesen mehrere Risikofaktoren für solche Erkrankungen auf.

Es wurden nur Patienten untersucht, die erhöhte Triglyceridwerte (150 – 500 mg/dl) und – unter Einnahme eines Statins als Cholesterinsenker – recht niedrige LDL-Cholesterinwerte (40 – 100 mg/dl) aufwiesen.

Im Schnitt nahmen die Teilnehmer fünf Jahre lang täglich zwei Tabletten mit jeweils zwei Gramm einer aufgereinigten Omega-3-Fettsäure (Eicosapentaensäure – EPA).

Die Folge war, dass schwere Komplikationen wie ein Herzinfarkt um 25 Prozent seltener auftraten als in der Gruppe ohne EPA-Einnahme.

„Der Effekt ist sehr deutlich. Wir haben die Hoffnung, dass damit eine Lücke in der Behandlung von Hochrisiko-Patienten geschlossen werden kann“, sagt Professor Bode.

Es lässt sich aber bislang nicht eindeutig sagen, worauf der Effekt zurückzuführen ist.

„Möglicherweise ist die Blutgerinnung etwas herabgesetzt, so dass es seltener zu Blutgerinnseln in den Gefäßen kommt“, so der Kardiologe. „Aber auch eine Stabilisierung vorhandener Plaqueablagerungen in Gefäßwänden kommt in Betracht.“

Präparat nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Fisch vergleichbar

Den Angaben zufolge enthielt das in der Studie eingesetzte Präparat hochdosiert eine einzige Omega-3-Fettsäure und ist verschreibungspflichtig.

„Nahrungsergänzungsmittel aus dem Drogeriemarkt sind damit nicht vergleichbar. Die sind bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirkungslos“, so Professor Bode.

Dies wurde in einer weiteren Studie bestätigt, in der über 25.000 Teilnehmer ein Präparat einnahmen, das in der Konzentration mit solchen aus dem Drogeriemarkt vergleichbar ist. Hier verringerte sich die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht.

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, sind auch in Fisch Omega-3-Fettsäuren in Konzentrationen vorhanden, für die kein spezifischer Effekt nachweisbar ist.

Laut den Experten ist es aber trotzdem gesund, regelmäßig Fisch zu essen, da dieser auch viele andere gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wie Eiweiß, Vitamin D und A sowie notwendige Mineralstoffe wie Iod enthält. (ad)