Skandal: Von Uniklinik hochgelobter Brustkrebs-Bluttest existiert nicht

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Uniklinik Heidelberg: Skandal um hochgepriesenen Bluttest für Krebs

Im Februar hatte das Universitätsklinikum Heidelberg einen „Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“ angekündigt. Die Klinik berichtete über einen neuen Bluttest, der die Erkennung von Brustkrebs verbessern soll. Inzwischen ist bekannt, dass es diesen Test gar nicht gibt.


Verschiedene Bluttests zur Krebsdiagnostik

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder über medizinische Durchbrüche in der Krebsdiagnostik berichtet. So entwickelten Forscher einen Bluttest, der Hautkrebs feststellen kann. Und israelische Wissenschaftler arbeiteten an einem Verfahren, mit dem man Lungenkrebs früh erkennen soll. Laut australischen Experten könnte ein neuer Bluttest sogar alle Krebserkrankungen erkennen. Und auch deutsche Forscher berichteten vor kurzem über einen neuen Bluttest, der bei der Erkennung von Brustkrebs helfen soll. Doch dieser Test existiert gar nicht.

Ein vor wenigen Monaten gepriesener Bluttest für Brustkrebs existiert offenbar gar nicht. (Bild: StudioLaMagica/fotolia.com)

Die medizinische Sensation gibt es gar nicht

Im Februar berichtete die Uniklinik Heidelberg im Februar in einer Pressemitteilung von einem „Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“.

Es ist die Rede von einem neuen Verfahren, das mit Hilfe eines Bluttests die Erkennung von Brustkrebs verbessern kann.

„Der von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolutionäre Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen“, sagte Prof. Dr. Christof Sohn, Geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg.

Seine Kollegin Prof. Dr. Sarah Schott fügte an: „Das neue blutbasierte Verfahren ist deutlich weniger belastend für Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht.“

Doch die medizinische Sensation existiert offenbar gar nicht.

Uniklinik in der Kritik

Schon bald nach der Ankündigung gab es Zweifel an der wissenschaftlichen Grundlage des angepriesenen Tests.

Auch die Uniklinik reagierte und berichtete im März in einer Mitteilung, die Kritik Ernst zu nehmen.

Im April stellte das Klinikum Strafanzeige gegen Unbekannt. „Als öffentliche Einrichtung sieht sich das Universitätsklinikum aufgrund der Anzeichen eines unlauteren Vorgehens bei der Entwicklung und Ankündigung des potentiellen Bluttests zur Brustkrebsdiagnostik, der am 21. Februar der wissenschaftlichen Fachwelt und Öffentlichkeit vorgestellt worden war, zu diesem Schritt veranlasst“, heißt es in einer Meldung dazu.

Zudem wurde angekündigt, dass eine „Unabhängige Kommission zur Aufklärung Sachverhalt Bluttest“ gegründet wird.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) nun schreibt, sollte auch der Tumorbiologe Magnus von Knebel Doeberitz den Test prüfen. Er kam bereits Anfang April zu einem niederschmetternden Ergebnis.

In einer Stellungnahme, die der SZ vorliegt, heißt es: „Daher muss klar festgehalten werden, dass es das in der Pressemitteilung erwähnte Verfahren bisher nicht gibt.“

Den Angaben zufolge gebe es noch nicht einmal einen Prototypen. „Somit können auch keinerlei Angaben zum diagnostischen Wert des avisierten, aber noch nicht vorhandenen Produktes gemacht werden“, erklärte der Experte.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Laut SZ ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft. Auch der Verdacht des Insiderhandels und der Börsenmanipulation stünden im Raum.

Wie es heißt, zeigen Unterlagen aus dem Klinikum, dass der gesamte Vorstand in die Vorgänge verstrickt ist.

Die deutsche HeiScreen GmbH, eine Ausgründung des Universitätsklinikums Heidelberg, die den Test entwickelt haben soll, weist auf ihrer Webseite darauf hin, dass „der Test für Brustkrebs nicht als Früherkennungstest angekündigt wurde“.

Und: „Die deutsche HeiScreen GmbH geht nach wie vor davon aus, dass es – insbesondere bei einer Subgruppenbetrachtung – einen sehr sinnvollen Anwendungsbereich für den Test geben wird“, heißt es dort weiter. (ad)