Studie: Social Media macht Jugendliche nicht depressiv

Wie wirkt sich die Nutzung von Social Media auf Jugendliche aus?

In der heutigen Zeit nimmt die Bedeutung von Social Media immer weiter zu und es wurde schon länger befürchtet, dass gerade Jugendliche durch die Nutzung von Social Media negativ beeinflusst werden. Forschende fanden jetzt allerdings heraus, dass die Auswirkungen der Nutzung von Social Media auf die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen lediglich begrenzt und wahrscheinlich nur äußerst gering sind.


Bei einer aktuellen Studie der international hoch anerkannten University of Oxford konnte festgestellt werden, dass sich die Nutzung von Social Media nur sehr gering auf die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen auswirkt. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS) publiziert.

Soziale Netzwerke wie Facebook bergen ein erhebliches Suchtpotenzial. Wie wirkt sich die Nutzung auf das Wohlbefinden unserer Kinder aus? (Bild: Cybrain/fotolia.com)

Diese Faktoren haben einen stärkeren Einfluss auf das Wohlbefinden

Es wurde bisher oft angenommen, dass Social Media einen großen Einfluss auf Jugendliche hat. Das Familienleben, die Freunde und das Schulleben haben allerdings einen weitaus größeren Einfluss auf das Wohlbefinden, sagen die Forschenden. Die Unternehmen sollten mehr Daten darüber veröffentlichen, wie genau Menschen soziale Medien nutzen, um mehr über die Auswirkungen von Technologien auf das Leben junger Menschen zu erfahren, fordern die Forschenden.

Bisherige Untersuchungen ergaben oft widersprüchliche Ergebnisse

Es ging bei der aktuellen Studie darum herauszufinden, ob Jugendliche, die Social Media überdurchschnittlich häufig nutzen, eine niedrigere Lebenszufriedenheit aufweisen oder ob Jugendliche mit geringerer Lebenszufriedenheit mehr Social Media nutzen. Bisherige Forschungsarbeiten zum Zusammenhang zwischen der Nutzung von Social Media und der psychischen Gesundheit von Kindern ergaben oft widersprüchliche Ergebnisse. Dies beruht häufig auf begrenzten Beweisen, welche nicht das vollständige Bild liefern, erläutern die Autoren der Studie.

Mädchen verbrachten mehr Zeit mit Social Media

Die aktuelle Studie kam zu dem Schluss, dass die meisten Verbindungen zwischen der Lebenszufriedenheit und der Nutzung von Social Media trivial sind und weniger als ein Prozent des Wohlbefindens eines Teenagers ausmachen. 99,75 Prozent der Lebenszufriedenheit einer Person hat nichts mit der Nutzung sozialer Medien zu tun, berichten die Autoren der Studie. In der Untersuchung, die zwischen dem Jahr 2009 und dem Jahr 2017 stattfand, wurden Tausende zehn bis 15-Jährige gefragt, wie lange sie an einem normalen Schultag Social Media nutzten. Zusätzlich wurde bewertet, wie zufrieden sie mit den verschiedenen Aspekten des Lebens waren. Die festgestellten Ergebnisse zeigen, dass Mädchen mehr Zeit mit der Nutzung von Social Media verbrachten, die Auswirkungen waren aber sowohl für Mädchen als auch für Jungen nur äußerst gering. Weniger als die Hälfte der festgestellten Effekte seien statistisch signifikant, erklären die Forschenden.

Zusammenarbeit mit Social-Media-Unternehmen?

Eltern sollten sich keine Sorgen um die Zeit der Nutzung von Social Media machen, sagen die Autoren. Die Ergebnisse zeigen keinen Anlass zu großer Besorgnis. Die Forschenden erklärten weiter, es sei jetzt wichtig, junge Menschen zu identifizieren, die durch bestimmte Auswirkungen von Social Media stärker gefährdet sind. Außerdem müssen andere Faktoren gefunden werden, die sich auf ihr Wohlbefinden auswirken. Es sind Treffen mit Social-Media-Unternehmen geplant, um zu besprechen, wie eine Zusammenarbeit stattfinden kann und mehr darüber zu erfahren, wie genau Menschen Apps nutzen, und nicht nur die Zeit, die sie mit der Nutzung verbringen.

Weitere Forschung ist nötig

„Die Industrie muss ihre Nutzungsdaten veröffentlichen und unabhängige Forschung unterstützen“, fordert Studienautorin Amy Orben von der University of Oxford in einer Pressemitteilung. Ein solcher Zugang sei der Schlüssel zum Verständnis der vielen Rollen, die Social Media im Leben junger Menschen spielt. In Zukunft sollten noch andere wichtige Faktoren berücksichtigt werden, wie beispielsweise der Einfluss von Smartphones und Computern auf die verbrachte Zeit mit anderen wichtigen Aktivitäten wie Schlaf, Bewegung und Zeit mit der Familie oder Freunden.

Schlaf ist äußerst wichtig für Kinder

Familien sollten sich an bereits früher in diesem Jahr veröffentlichten Leitlinien halten und beispielsweise vermeiden, eine Stunde vor dem zu Bett gehen Zeit vor dem Bildschirm von Smartphones oder ähnlichen Geräten zu verbringen, weil Kinder nicht nur wegen ihrer psychischen Gesundheit auf eine gute Nachtruhe angewiesen sind, raten die Forschenden. (as)