Studie: Unregelmäßiger oder schneller Herzschlag erhöht deutlich das Demenz-Risiko

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Wirkt sich der Herzschlag auf die Entstehung von Demenz aus?

Eine Studie hat jetzt ergeben, dass wenn Menschen einen schnellen und unregelmäßigen Herzschlag haben, dies das Risiko für Demenz bei Betroffenen erheblich zu erhöhen scheint.


Bei einer aktuellen Untersuchung der Yonsei University in Seoul wurde festgestellt, dass unser Herzschlag auf ein erhöhtes Risiko für Demenz hindeuten kann. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „European Heart Journal“ publiziert.

Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern. Die Herzrhythmusstörung kann unbehandelt lebensbedrohlich werden. Forschende fanden jetzt heraus, dass die Erkrankung das Risiko für die Entsehung von Demenz erhöhen kann. (Bild: Sonja Calovini/fotolia.com)

Risiko für Alzheimer durch unregelmäßigen Herzschlag um 31 Prozent erhöht

Laut den Forschenden kann Vorhofflimmern dazu führen, dass Betroffene unwissentlich sogenannte Mini-Schlaganfälle erleiden, welche die Blutgefäße in ihrem Gehirn verändern. Beschädigte oder verstopfte Gefäße können verhindern, dass sauerstoffreiches Blut Bereiche des Organs erreicht und zum Absterben von Gehirnzellen führt. Im Laufe der Zeit könne dies das Gedächtnis, das generelle Denken oder die Sprachkenntnisse einer Person beeinträchtigen. Ein unregelmäßiger Herzschlag erhöhte das Risiko für Alzheimer, die häufigste Form der Demenz, um 31 Prozent, berichten die Autoren der Studie.

Vorhofflimmern verdoppelt das Risiko für vaskuläre Demenz

Zusätzlich zeigen die Ergebnisse der Studie auch, dass Vorhofflimmern das Risiko für vaskuläre Demenz mehr als verdoppelt. Diese Form der Demenz tritt auf, wenn der Zustand durch eine verminderte Durchblutung des Gehirns hervorgerufen wird. Das erhöhte Risiko blieb auch bestehen, nachdem Menschen, die einen Schlaganfall erlitten hatten, aus den Berechnungen der Untersuchung entfernt wurden. Bei Menschen, die Vorhofflimmern entwickelten und orale Antikoagulanzien einnahmen, verringerte sich das Risiko anschließend um knapp 40 Prozent, sagen die Forschenden.

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist eine Herzkrankheit, die zu einer unregelmäßigen und häufig ungewöhnlich hohen Herzfrequenz führt. Eine normale Herzfrequenz sollte regelmäßig sein und zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute liegen, wenn Sie sich ausruhen. Bei Vorhofflimmern ist die Frequenz des Herzens unregelmäßig und manchmal auch sehr schnell. In einigen Fällen können es erheblich mehr als 100 Schläge pro Minute sein. Dies kann zu Problemen wie Schwindel, Atemnot und Müdigkeit führen.

Daten von über 260.000 Teilnehmenden wurden ausgewertet

Für die Studie wurden 262.611 Menschen im Alter über 60 Jahre untersucht, welche anfangs weder an Vorhofflimmern noch an Demenz litten. Während des sieben Jahre langen Studienzeitraums entwickelten 10.435 der Teilnehmenden Vorhofflimmern, bei 2.522 dieser Personen (24 Prozent) wurde auch Demenz diagnostiziert. Dies steht im Vergleich zu den 36.322 (14 Prozent) Teilnehmenden, welche zwar an Demenz erkrankten, jedoch kein Vorhofflimmern entwickelten. Bei den 3.092 Menschen mit Vorhofflimmern, die Antikoagulanzien oder Blutverdünner einnahmen, war die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln, um 39 Prozent geringer. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Risk of dementia in stroke-free patients diagnosed with atrial fibrillation: data from a population-based cohort