Trinkmenge und Medikamentendosierung: Was Herzpatienten bei Hitze beachten müssen

Alfred Domke

Extreme Hitze: Was Herzpatienten und Senioren beachten sollten

Die aktuellen sommerlichen Temperaturen bereiten nicht allen Menschen Freude. Vor allem Patienten mit Herz- und Blutdruckproblemen verlangt die Hitze viel ab. In manchen Fällen muss die Medikamentendosierung angepasst werden. Zudem sollte – nicht nur dieser Personenkreis – derzeit viel mehr trinken. Experten haben noch mehr Hitzetipps für herzkranke und ältere Menschen.


Hitze verlangt Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vieles ab

Die aktuellen Temperaturen über 30 Grad Celsius können vor allem für ältere Personen und diejenigen, die an Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, zur Herausforderung werden. Mögliche Folgen der extremen Hitze sind Müdigkeit und Schwindel sowie Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe. Gefährdete Personen sollten daher dringend Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Für manche Menschen, die wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind, kann es aufgrund der aktuellen Hitzewelle sinnvoll sein, die tägliche Trinkmenge und die Medikamentendosierung zu ändern – aber nur in Abstimmung mit einem Arzt. (Bild: sebra/fotolia.com)

Anpassung der Trinkmenge und Änderung der Medikamentendosis

Gesundheitliche Folgen wie sie oben beschrieben wurden, „können Betroffene vorbeugen, indem sie mit ihrem behandelnden Arzt Vorsichtsmaßnahmen besprechen, die je nach Herzerkrankung unterschiedlich sein können“, erklärte der Herzspezialist Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in einer Mitteilung.

Als Beispiele nannte er die „Anpassung der Trinkmenge oder notwendige Dosierungsänderungen bei Medikamenten“.

In einem Beitrag hat die Herzstiftung wichtige Empfehlungen für Herzpatienten zum Umgang mit der Sommerhitze zusammengefasst.

Leichte Bekleidung und kühlere Umgebung

Das Blut nimmt die übermäßige Wärme aus dem Körper auf und transportiert sie zu den kleinen Hautgefäßen, die wie „Kühlschlangen“ die Wärme an die Luft abführen.

Je größer die Fläche der unbedeckten Haut, je kühler und trockener die vorbeistreichende Luft, und vor allem je mehr Blut vom Herzen durch die Hautgefäße gepumpt wird, desto mehr Wärme kann der Körper abgeben.

Ein gesundes Herz kann diese Mehrbelastung problemlos bewältigen. Ein krankes Herz dagegen kommt schneller an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.

„Ältere Menschen und vor allem Patienten mit einer Herzschwäche sollten daher möglichst größere Hitze meiden, sich körperlich schonen und besonders darauf achten sich sommerlich zu kleiden“, empfiehlt Prof. Andresen.

Zusätzlicher Flüssigkeitsverlust bei Einnahme von bestimmten Medikamenten

Auch über den Schweiß gibt der Körper Wärme ab, verliert dabei aber an Flüssigkeit und Elektrolyten (Salze: Natrium, Kalium, Magnesium): bei sehr heißem Wetter ein bis zwei Liter Flüssigkeit pro Tag.

Trinken ist daher für den Ausgleich dieses Flüssigkeits- und Salzverlusts so wichtig.

„Gesunde Menschen trinken bei Durst automatisch so viel, wie sie zum Ausgleich brauchen. Aber bei älteren oder herzkranken Menschen kann das Durstgefühl nicht richtig intakt sein, so dass sie nicht ausreichend trinken und der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen wird“, warnt Prof. Andresen.

„Wenn in einer solchen Situation durch eine zusätzliche Einnahme wassertreibender Medikamente (Diuretika) ein stärkerer Flüssigkeitsverlust entsteht, nimmt das Blutvolumen in den Gefäßen ab: der Blutdruck sinkt und es kann vor allem beim Aufstehen aus liegender oder sitzender Position zu Kreislaufkollaps mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kommen.“

Gefahr durch zu starke Flüssigkeitszufuhr

Da auch die ausgeschwitzten Salze nicht hinreichend ausgeglichen werden, kommt es zu weiteren Beschwerden wie Kopfschmerzen, allgemeine Müdigkeit aber auch Muskelkrämpfen und bisweilen Herzrhythmusstörungen.

Ältere Menschen und Patienten mit einer Herzschwäche müssen daher an heißen Tagen angehalten werden genügend, zusätzlich ein bis zwei Liter pro Tag, zu trinken.

Auch alle anderen Personen sollten angesichts der aktuellen Hitzewelle die tägliche Trinkmenge erhöhen. So meinte ein Experte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), dass man derzeit täglich mindestens einen Liter Wasser zusätzlich trinken sollte.

Laut Prof. Andresen sollten herzkranke Personen aber auch nicht zu viel trinken, da eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr bei ihnen zur Verschlechterung ihrer Herzleistung führen kann.

„Deshalb sollten herzkranke Patienten ihre Trinkmenge, aber auch die Medikamenteneinnahme, mit ihrem betreuenden Arzt abstimmen. Tägliches Wiegen hilft, die notwendige Trinkmenge festzulegen“, so der Experte.

Tägliches Wiegen zur Kontrolle der Trinkmenge

Wie in der Mitteilung der Herzstiftung erklärt wird, sollten sich Herzpatienten, besonders diejenigen mit Herzschwäche, morgens vor dem Frühstück und nach dem ersten Gang zur Toilette wiegen.

Generell ist ein regelmäßiges Wiegen am Morgen zur Kontrolle der Flüssigkeitsbilanz ausreichend. Durch zusätzliches Wiegen am Abend lässt sich die Flüssigkeitsbilanz über den Tag grob einschätzen.

Ist das Körpergewicht trotz Flüssigkeitszufuhr um mehr als ein Pfund angestiegen, ist die Trinkmenge zu hoch.

Wer als Herzschwächepatient trotz Flüssigkeitszufuhr abgenommen hat, sollte – nur in Abstimmung mit dem Arzt – die Dosierung der Entwässerungsmittel herabsetzen. (ad)