Wenig bekannte Krebs-Gefahr: Hoher Fruktose-Gehalt in Getränken mit Mais-Sirup

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wie wirkt sich ein regelmäßiger Konsum von Zucker und Mais-Sirup auf Krebs aus?

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen, dass der aufgenommene Zucker anscheinend direkt das Wachstum von Krebs fördern kann. Der tägliche Konsum Zucker gesüßten Getränken scheint das Wachstum von Darmtumoren zu verstärken.


Eine Untersuchung des Baylor College of Medicine ergab, dass bereits geringe Mengen von Mais-Sirup oder der Konsum zuckerhaltigen Getränken das Wachstum von Darmtumoren bei Mäusen fördert. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Science“ publiziert.

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Limonade enthält viel Zucker. In einem Versuch an Mäusen führte die Aufnahme von zuckerhaltingen Getränken zu einem erhöhten Risiko für Darmkrebs. (Bild: Brent Hofacker/fotolia.com)

Bereits 0,35 Liter Limonade pro Tag können das Risiko für Darmkrebs erhöhen

Wenn Mäuse bei der Studie täglich bescheidene Mengen an Mais-Sirup mit hohem Fruktosegehalt zu sich nahmen, das Äquivalent von Menschen, die täglich etwa zwölf Unzen (etwa 0,35 Liter) eines mit Zucker gesüßten Getränks trinken, führte dies dazu, dass das Wachstum von Darmtumoren in Mausmodellen beschleunigt wurde, unabhängig von bestehender Fettleibigkeit. Das Forschungsteam entdeckte bei der Studie auch den Mechanismus, durch den der Konsum von zuckerhaltigen Getränken das Wachstum von Krebs direkt fördern kann, was mögliche neue therapeutische Strategien nahe legt.

Fettleibigkeit erhöht das Risiko für viele Arten von Krebs

Eine wachsende Zahl von Beobachtungsstudien hat das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckerhaltigen Getränken, Fettleibigkeit und dem Risiko von Darmkrebs geschärft. Die gegenwärtige Vorstellung ist, dass Zucker hauptsächlich schädlich für unsere Gesundheit ist, weil der Konsum von zu viel Zucker zu Fettleibigkeit führen kann. Es ist bekannt, dass Fettleibigkeit das Risiko für viele Krebsarten (einschließlich Darmkrebs) erhöht. Es war jedoch unklar, ob ein direkter und kausaler Zusammenhang besteht.

Bei Mäusen wurde das APC-Gen entfernt

Zunächst erstellten die Forschenden ein Mausmodell für Darmkrebs im Frühstadium, bei dem das APC-Gen entfernt wurde. Das APC-Gen ist wichtig für die Entstehung eines kolorektalem Karzinoms. Das Entfernen dieses Proteins führte dazu, dass normale Darmzellen nicht aufhören zu wachsen und nicht absterben. So bilden sich Tumore im Frühstadium, welche als Polypen bezeichnet werden. Mehr als 90 Prozent der Patienten mit Darmkrebs haben dies Art der APC-Mutation.

Mais-Sirup ist das Hauptsüßungsmittel zuckerhaltiger Getränke

Das gesüßte Wasser bestand zu 25 Prozent aus Fruchtzucker in Form von Mais-Sirup, dem Hauptsüßungsmittel der zuckerhaltigen Getränke, welche von Menschen konsumiert werden. Mais-Sirup mit einem hohen Fruktosegehalt besteht aus Glukose und Fruktose im Verhältnis 45:55. Als die Forschenden das zuckerhaltige Getränk in einer Wasserflasche bereitstellten, damit die Mäuse mit einem modifizierten APC-Gen nach Belieben trinken konnten, nahmen die Tiere innerhalb eines Monats sehr schnell an Gewicht zu. Um den täglichen Konsum einer Dose Limonade ohne Gewichtszunahme beim Menschen zu simulieren, gaben die Forschenden den Mäusen stattdessen einmal täglich mäßig zuckerhaltiges Wasser mit einer speziellen Spritze.

Mäuse entwickelten bereits nach zwei Monaten größere Tumore

Nach zwei Monaten wurden die Mäuse mit einem modifizerten APC-Gen, die zuckerhaltiges Wasser erhielten, nicht fettleibig, sondern entwickelten Tumore, die größer und von höherem Grad waren als Tumore bei Mäusen, welche nur normales Wasser zu sich nahmen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass, wenn die Tiere im frühen Stadium der Entstehung von Tumoren im Darm sind, bereits mäßige Mengen an Mais-Sirup mit hohem Fruchtzuckergehalt in flüssiger Form das Tumorwachstum fördern, egal ob Fettleibigkeit vorliegt oder nicht.

Weitere Forschung ist erforderlich

Um diese Entdeckung auf den Menschen übertragen zu können, ist allerdings noch weitere Forschung erforderlich. Die Ergebnisse der Tiermodelle legen jedoch nahe, dass der regelmäßige Konsum von zuckerhaltigen Getränken die Entwicklungszeit von Krebs verkürzen kann. Beim Menschen dauert es normalerweise 20 bis 30 Jahre, bis sich Darmkrebs von gutartigen Tumoren im Frühstadium zu aggressiven Krebsarten entwickelt. Diese Beobachtung in Tiermodellen könnte erklären, warum der erhöhte Konsum von süßen Getränken und anderen Nahrungsmitteln mit hohem Zuckergehalt in den letzten 30 Jahren mit einem Anstieg der Darmkrebserkrankungen bei 25- bis 50-Jährigen in den USA korreliert.

Warum erhöht der Zucker das Risiko für Krebs?

Das Team untersuchte dann den Mechanismus, durch den der Zucker das Tumorwachstum fördert. Sie entdeckten dabei, dass die Mäuse mit einem veränderten APC-Gen die Mais-Sirup mit hohem Fruktoseanteil erhielten, große Mengen an Fruktose im Dickdarm aufwiesen. Zuckerhaltige Getränke erhöhen die Fruktose- und Glukosewerte im Dickdarm und im Blut. Tumore konnten die Fruktose und Glukose auf unterschiedliche Weise effizient aufnehmen. Zunächst wurde die aufgenommene Fruktose chemisch verändert. Dies ermöglichte es, die Produktion von Fettsäuren effizient zu fördern, was letztendlich zum Tumorwachstum beiträgt, erläutern die Forschenden. Die meisten früheren Studien verwendeten entweder Glukose oder Fruktose. Die Forschenden waren aber der Meinung, dass dieser Ansatz nicht den tatsächlichen Konsum von zuckerhaltigen Getränken widerspiegelt, da weder Getränke noch Lebensmittel nur Glukose oder Fruktose enthalten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Rolle der Fruktose bei Tumoren darin besteht, die Glukosefunktion bei der Steuerung der Fettsäuresynthese zu erhöhen. (as)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.