Acrodermatitis

Zecke krabbelt auf der Haut.

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ICD-Codes für diese Krankheit: L90.4 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Acrodermatitis chronica atrophicans

Die Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) oder Herxheimer-Krankheit (nach ihrem Entdecker Karl Herxheimer) zählt zu den möglichen Spätfolgen eines Zeckenstichs beziehungsweise einer Borreliose-Infektion und beschreibt fortschreitende Schädigungen (Läsionen) der Haut, die bis hin zu einem Absterben von Gewebe mit weiteren Folgebeschwerden reichen.


Acrodermatitis – Symptome

Die Acrodermatitis ist eine späte Hautmanifestation der Borreliose und am häufigsten bei Frauen im Alter über 40 Jahren festzustellen. Bis zu drei Prozent aller Menschen, die sich hierzulande mit Borreliose infizieren, entwickeln als Spätfolge eine Acrodermatitis chronica atrophicans. Die Hautschäden treten mehrere Jahre nach der Erstinfektion auf und meist ist zunächst die Streckseite eines Beines oder Armes betroffen. Aber auch auf der Handaußenseite und Fußoberseite zeigen sich mitunter erste Symptome. Im weiteren Verlauf können zudem andere Körperstellen wie zum Beispiel die Fußsohlen und sehr selten auch der Rumpf oder das Gesicht befallen werden.

Zecke krabbelt auf der Haut.
Eine Acrodermatitis ist Folge der durch Zecken übertragenen Borreliose. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

Erste Anzeichen der Acrodermatitis sind leichte bläulich-rötliche Verfärbungen der Haut und ödematöse Schwellung mit einer begleitenden Entzündung. Im weiteren Verlauf der sogenannten plasmazellulären Hautentzündung wird die Haut öberflächlich aber auch subkutan (zum Beisiel im Unterhautfettgewebe) zunehmend geschädigt, was einen Gewebeverlust (Atrophie) mit Degeneration der Schweißdrüsen und Haarfollikel und einen Rückgang von Kollagen und elastischen Fasern zur Folge hat. Auffällige Hinweise sind zudem ein sogenannter Ulnarstreifen (streifenförmige Rötungen am Unterarm) oder die Verdickung der Achillessehne beziehungsweise eine Verbreiterung der Ferse am Unterschenkel. Auch die Bildung von Knötchen und Verhärtungen ist mitunter festzustellen und mit der Zeit entsteht durch den Verlust des Bindegewebes eine sogenannte “Pergamenthaut” (fehlende Elastizität; extrem dünn).

Etwa zwei Drittel der Betroffenen entwickeln zudem eine periphere Neuropathie in den entsprechenden Extremität, die sich als Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Gliedern bemerkbar macht. Auch zeigt sich mitunter eine begleitende Lyme-Arthritis mit Symptomen wie Gelenkschmerzen oder Schwellungen im Bereich der Gelenke.

Diagnose der Acrodermatitis

Fällt der Verdacht auf Acrodermatitis, ist die ärztliche Diagnosestellung relativ verlässlich. Allerdings muss zunächst ein Zusammenhang zwischen den Hautbeschwerden und einer möglichen Borreliose hergestellt werden, was sich in der Praxis mitunter schwierig gestaltet und erhebliche Verzögerungen bei der Diagnosestellung mit sich bringen kann. Die Diagnose erfolgt in der Regel über einen Nachweis der Erreger, wobei vor allem Blutuntersuchungen auf Antikörper gegen Borreliose eine entscheidende Rolle spielen. Auch Gewebeproben der Haut können für histologische Untersuchungen genutzt werden, um die Diagnose zu sichern.

Acrodermatitis – Behandlung

Antibiotika sind bei den Borreliose-Spätfolgen das Mittel der Wahl, um die Erreger zu eliminieren und damit die Symptome zu lindern. Bei einer Acrodermatitis ohne neurologische Beteiligung kann beispielsweise eine Doxycyclin-Therapie über 30 Tage zu Anwendung kommen und bei zusätzlicher neurologischer Symptomatik ist eine intravenöse Therapie mit Ceftriaxon möglich. Die genauen Schritte der Therapie müssen je nach Ausmaß des Beschwerdebilds von ihrer Ärztin beziehungsweisen ihrem Arzt ausgewählt werden. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Elfie Fust, Zeckenbisse: Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten; Grundlagen u. Praxis; Auflage: 2., erw. (8. Juli 2009)
  • Gary P. Wormser: Lyme Disease; in in Goldman's Cecil Medicine (Twenty Fourth Edition), Volume 2, 2012, Seite 1930-1935; (2012)
  • L.H. Sigal: Lyme Borreliosis; in Reference Module in Biomedical Sciences, Elsevier (2014), sciencedirect.com
  • Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Kutane Manifestationen der Lyme Borreliose; in Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Infektiologie (Abruf 08.09.2019), derma.de

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.