Geschwollene Hände – Ursachen, Diagnose und Behandlung

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Angeschwollene Hände

Unsere Hände sind als Wendepunkte des Blutflusses und Stoffwechsels einer besonderen Sensibilität ausgesetzt. Andererseits verrichten wir mit ihnen auch eine große Fülle an motorischen Tätigkeiten, was eine spezielle Vernetzung der Nervenbahnen in diesem Körperbereich erfordert. Beide Funktionsaspekte der Hand machen diese aber leider auch anfällig für bestimmte Beschwerden, sofern eine Funktionsstörung vorliegt. Geschwollene Hände treten hier im Rahmen sehr zahlreicher Störeinflüsse auf. Finden Sie deshalb nachstehend einen Überblick über die Eigenheiten und Ursachen von Handschwellungen.


Ursachen

Die Hand (Manus) gehört zu den Extremitäten des Körpers, welche medizinisch auch als Akren bekannt sind. Beide Begriffe entstammen der Antike, wobei sich das Wort Extremitäten vom Lateinischen extremus für „äußerster“ ableitet. Das Wort Akren ist sinnverwandt dem Altgriechischen akros für „äußerst“ entlehnt und betont damit ebenfalls die besondere Lage der Extremitäten, zu denen neben den Händen auch die Arme, Beine und Füße sowie die vorstehenden Kopfanteile (zum Beispiel Ohren und Nase) und die Außenanteile der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale zählen. Jeder dieser Körperbereiche ist durch eine besonders starke Durchblutung gekennzeichnet, womit sich schon eine mögliche Ursachen für die Schwellung der Hände auftut.

Mit unseren Händen verrichten wir eine Fülle an motorischen Tätigkeiten, doch sind sie auch anfällig für Beschwerden wie beispielweise geschwollene Hände. Hierbei kommt eine Vielzahl an Auslösern in Betracht. (Bild: nidafoto/fotolia.com)

Herz- und Gefäßbeschwerden

Sollten die Blutgefäße der Hand erkranken beziehungsweise verletzt sein, so reagiert das umliegende Handgewebe nicht selten mit Gewebeschwellungen. Denkbar ist zum Beispiel ein verletzungsbedingter Bluterguss (Hämatom) unter der Haut, der dann eine lokale Schwellung provoziert. Dabei sei erwähnt, dass ein Hämatom an der Hand nicht unbedingt durch große Gefäßschäden verursacht sein muss, wie sie etwa bei

  • Quetschungen,
  • Prellungen,
  • Stich- oder Schnittverletzungen

entstehen. Auch mikroskopisch kleine Perforationen der Blutgefäße lassen nach und nach kleinere Mengen an Blutflüssigkeit ins Gewebe abwandern. Verursacht werden derartige Schäden an den Gefäßwänden meist durch Arteriosklerose. Die Verkalkung der Gefäße begünstigt nicht nur Schäden an den Blutgefäßen, sondern erhöht auch das Risiko von

Alles Faktoren, die ebenfalls als Ursache für die geschwollenen Hände in Betracht kommen. Chronischer Bluthochdruck kann darüber hinaus die Entstehung von Thrombosen begünstigen, die zusätzlichen Druck auf das Gewebe ausüben.

Auch im Zusammenhang mit einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) können geschwollene Hände als Symptom auftreten. Die Erkrankung sorgt nicht selten für eine Ödembildung in den Extremitäten, was dem, durch die Herzinsuffizienz entstandenen, verschlechterten Bluttransport geschuldet ist. Das Blut staut sich hier häufig auf, was den Gefäßdruck erhöht und so vermehrt Blutflüssigkeit durch die Gefäßwände in das angrenzende Gewebe drängt. Zudem kann auch der Blutstau selbst das Gewebe der Hand anschwellen lassen, sofern der Rückstau des Blutes dort stattfindet. Das Risiko hierfür ist relativ hoch, denn an den weit vom Körper entfernten Extremitäten wirkt sich eine verminderte Pumpleistung des Herzens besonders massiv aus.

Gelenkerkrankungen

Wie allen Extremitäten wird den Händen in Sachen Motorik und Sensorik eine besondere Rolle zu gesprochen. Sie sind für das Fühlen, Tasten, Greifen, Halten, Heben sowie für komplexe Handarbeit unerlässlich und werden deshalb im Alltag besonders gefordert. Nervenstörungen und Gelenkerkrankungen als Ursache für eine geschwollene Hand sollten deshalb immer sorgfältig beobachtet werden, um bleibende Schäden zu vermeiden. Gerade Gelenkerkrankungen wie Arthrose neigen dazu, reizbedingte Schwellungen zu fördern. Im Bereich der Hand ist hier die Fingerarthrose die häufigste Ausprägung des Gelenkverschleißes. Ferner kann es durch die arthrotischen Vorgänge zu Entzündungen in den Hand- und Fingergelenken kommen, als deren Begleitsymptom die Schwellung auftritt. Man spricht bei besagten Gelenkentzündungen auch von Arthritis.

Auch Arthrose bei können durch den Gelenkverschleiß Verformungen und Schwellungen an den Händen auftreten. (Bild: sebra/fotolia.com)

Besonders häufig von arthrotischen und entzündlichen Prozessen der Hand- und Fingergelenke betroffen sind Menschen, die überdurchschnittlich viele feinmotorische Tätigkeiten mit ihren Händen ausführen. Gemeint sind hier unter anderem das Tippen an der Tastatur, filigrane Handarbeiten und manuelle Wellness- und Kosmetikberufe. Dementsprechend bilden folgende Berufstätigkeiten in Sachen geschwollene Hände eine besondere Risikogruppe:

  • Bürokräfte,
  • Schriftsteller,
  • Arbeiter in der Produkt- und Textilfertigung,
  • Friseure,
  • Kosmetikerinnen,
  • Masseure.

Bei Berufen im kosmetischen Bereich kommt erschwerend hinzu, dass betroffene Personen täglich mit einer Vielzahl an Pflegeprodukten in Kontakt kommen, die gegebenenfalls von den Händen nicht vertragen werden und so zu Reizreaktionen mit Handschwellungen als Begleitsymptom führen.

Hauterkrankungen

Ein dermatologisches Krankheitsbild, das besonders häufig mit Schwellungen an der Hand in Verbindung gebracht wird, ist Sklerodermie. Der Name beschreibt eine krankhafte Verhärtung des hauteigenen Bindegewebes, die zwar nur selten Schmerzen, dafür aber immer wieder Ödeme an den Hand- und Fußextremitäten verursacht. Auch chronische Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte können durch die krankheitstypischen Hautveränderungen reizbedingte Schwellungen hervorrufen und daher bei Mitbeteiligung der Extremitäten für geschwollene Hände sorgen.

Ein besonders kniffeliges Ursachenfeld, das den Händen und Fingern mit Schwellungen zu schaffen machen kann, sind entzündliche Hauterkrankungen. Ein Phänomen, von dem hier in den letzten Jahren immer häufiger die Rede ist, stellt die sogenannte Dyshidrosis. Es handelt sich hierbei um eine Erkrankung, die sich zunächst durch kleine Bläschen unter der Haut bemerkbar macht, welche mit einer entzündlichen Flüssigkeit gefüllt sind. Nach einer Weile platzen diese Bläschen auf, sodass das Entzündungssekret ins umliegende Gewebe abfließt. Es folgt eine mehr oder weniger starke entzündliche Reaktion, welche zu äußerst lästigen Schwellungen an der betroffenen Hand beziehungsweise an den Fingergliedern führen kann.

Welche Ursachen der Dyshidrosis zugrunde liegen, ist bislang noch nicht bekannt. Experten vermuten aber, dass sich im Zuge der Krankheit bestimmte Stoffwechselabbauprodukte in den Händen einlagern und so die Entzündung und Schwellung provozieren. Auch als Vorstufe zu Hautkrankheiten wie Neurodermitis wird Dyshidrosis gelegentlich erwähnt, was der Erkrankung eventuell auch immunologische Aspekte zukommen lässt. Ebenso werden Stress und feucht-kaltes Wetter, wie es für den Frühling und Herbst bekannt ist, mit der Krankheit assoziiert.

Temperatur- und Wetteraspekte

Schon an der Dyshidrosis, die vermehrt in feucht-kalten Jahreszeiten auftritt, zeigt sich, dass unsere Hände Temperaturen nicht nur fühlen, sondern auch recht extrem darauf reagieren können. Wer kennt nicht die klammen und teils auch geschwollenen Hände im Winter?

Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Durchblutung unserer Hände bei Kälte etwas aus dem Takt kommen kann. Das gilt umso mehr, da die Hände zu den am weitesten vom Rest des Körpers entfernten Extremitäten gehören. Im Zuge der Kälteexposition verengen sich die Blutgefäße relativ schnell, was zum einen den Blutdruck erhöht, zum anderen aber auch die Fließeigenschaften des Blutes verändert. Kaltes Blut wird dickflüssiger, wodurch insbesondere der Sauerstofftransport behindert wird. Der Sauerstoffmangel in Händen und Fingern kann dann zu Blaufärbungen der Haut, besser bekannt als Zyanose, führen. Zudem fördert die Kälteeinwirkung auch die Entstehung von Frostbeulen, eine Gewebeschwellung, die durch anhaltend kühle Temperaturen bevorzugt an Fingern und Füßen entsteht.

Kontakt mit großer Hitze kann zu Verbennungen und Schwellungen an den Händen führen. Brandblase werden zum Schutz vor Wundverunreinigung gezielt mit Gewebewasser angereichert. (Bild: BVpix/fotolia.com)

Umgekehrt kann auch sehr große Hitze das Handgewebe reizen und für Schwellungen sorgen. Bestes Beispiel ist hier die Brandblase im Rahmen einer Verbrennung. Brandverletzungen werden vom Körper nämlich gezielt mit Gewebewasser angereichert, um die Verletzung luftdicht vor Wundverunreinigungen zu versiegeln. Was insbesondere bei großen Brandblasen sehr bedrohlich aussieht, ist also ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers zur Vorbeugung von Wundinfektionen.

Sonstige Ursachen

Apropos Infektionen, sollte eine Wunde an der Hand tatsächlich durch Keime verunreinigt werden, so muss auch hier mit Entzündungen und Schwellungen gerechnet werden. Gerade so mancher Insektenstich, bei dem Keime aus dem Speichel der Insekten in die Stichwunde gelangen, entfacht an der Hand gut und gerne mal eine recht extreme Schwellung. Und auch ein Warzenleiden, das gemeinhin durch eine Infektion mit Papillomviren ausgelöst wird, sorgt für Gewebewucherungen, die nicht ohne eine gewisse Schwellung vonstattengehen.

Nicht zu vergessen sind des Weiteren Allergien als Ursache für eine geschwollene Hand. Gerade bei Allergien gegen bestimmte Insektengifte, aber auch bei Lebensmittelallergien (zum Beispiel Nussallergie) oder Kontaktallergien kann eine Schwellung als allergische Reaktion auftreten.

Auch Hormonstörungen und Erkrankungen wie Wassersucht können als Ursache für die Handschwellung nicht ausgeschlossen werden. Darüber hinaus sind systemische Erkrankungen wie Gicht und Rheuma dafür bekannt, Schwellungen an den Extremitäten zu verursachen.

Begleitsymptome

Geschwollene Hände können für die Betroffenen sehr einschränkend sein, da mit dem Umfangszuwachs der Hände und Finger sehr häufig auch weitere Begleitsymptome verbunden sind wie:

  • Spannungsgefühle,
  • Bewegungseinschränkungen,
  • Missempfindungen und Schmerzen,
  • Lähmungserscheinungen,
  • Durchblutungsstörungen,
  • Hautverfärbungen.

Die betroffene Hand, und vor allem die Finger, fühlen sich aufgequollen an, die Haut spannt und Schmuck kann plötzlich einschneiden. Ebenso kann es durch die Schwellung geschehen, dass der gewohnte Bewegungsradius in den Finger- und Handgelenken eingeschränkt ist. Die Finger können nicht mehr adäquat gestreckt und gebeugt werden, das Zugreifen und damit die gesamte Feinmotorik sind erheblich erschwert.

Das wahrgenommene Spannungsgefühl auf der Haut und die Bewegungseinschränkung gipfeln mitunter in ernstzunehmende Schmerzzustände oder sogar in Missempfindungen und Lähmungserscheinungen. Hierzu kommt es, wenn die Schwellung der Hand ein vom Körper tolerierbares Maß überschreitet und umliegende anatomische Strukturen abdrückt. So können beispielsweise Nerven komprimiert werden, was sich in Missempfindungen (zum Beispiel Kribbeln oder Pieksen) oder Lähmungen einzelner Finger, und sogar der ganzen Hand äußern kann. Auch die versorgenden Blutgefäße können durch den Umfangszuwachs abgeklemmt werden. Hieraus resultiert eine Durchblutungsstörung, die sich zusätzlich durch eine bläulich-blässliche Verfärbung der Fingerspitzen und weißlichen Verfärbung der Nägel zu erkennen gibt. Drückt man in diesem Zustand auf die Fingernägel der Betroffenen, kann man beobachten, dass sich die kleinsten Blutgefäße der Fingerspitzen gar nicht mehr oder nur sehr zögerlich mit Blut füllen – ein Hinweis auf eine Durchblutungsstörung. Bei einem gesunden Menschen würden die durch den Druck weißlich verfärbten Nägel innerhalb von weniger als drei Sekunden wieder ihre typische rosige Farbe aufweisen, was auf eine gesunde kapillare Füllungszeit schließen lässt.

Auch die Haut selbst kann, bedingt durch die Umfangsvermehrung der geschwollenen Hand, weitere Begleitsymptome entwickeln, denn sie kann dem zunehmenden Druck nur bis zu einem gewissen Grad standhalten. Irgendwann bahnt sich das angesammelte Gewebswasser seinen Weg nach außen und tritt durch kleine Mikrorisse nach außen oder sammelt sich in sogenannten Spannungsblasen. In diesem Zustand ist die Haut sehr anfällig für weitere Verletzungen von außen. Da sich hierdurch wiederum Eintrittspforten für Krankheitserreger ergeben, muss die geschwollene Hand unbedingt vor äußeren Einflüssen mit erhöhter Verletzungsgefahr geschützt werden.

Vorsicht ist bei einer Entzündung in der Hand geboten. Diese muss nicht lokal bleiben, sondern kann sich auch auf den gesamten Körper ausbreiten. (Bild: Tanapat Lek,jew/fotolia.com)

Ist eine lokale Entzündungsreaktion Ursache für die Schwellung der Hand, kann letztere auch in Kombination mit einer Rötung und schmerzhafter Überwärmung des betreffenden Hautareals auftreten. Zusätzliche Vorsicht ist geboten, wenn sich Fieber, Abgeschlagenheit und Leistungsverlust zeigen, da diese Begleitsymptome einen Hinweis darauf geben, dass die Entzündung nicht mehr lokal auf die Hand begrenzt ist, sondern im Begriff ist, sich im ganzen Körper auszubreiten.

Liegt eine Herzinsuffizienz vor, können neben einer Schwellung der Extremitäten durch Ödembildung auch weitere Begleitsymptome auftreten, die sich meist schleichend einstellen und auf den ersten Blick nicht mit den geschwollenen Händen in Beziehung stehen. Hierzu gehören:

  • Leistungsverlust,
  • Kurzatmigkeit,
  • trockener Husten,
  • häufiger nächtlicher Harndrang (Nykturie),
  • wahrnehmbare Herzrhythmusstörungen.

Diagnose

Verschwindet die Schwellung der Hände unter Anwendung der unten beschriebenen Akutmaßnahmen nicht innerhalb kurzer Zeit von selbst und ist auch nicht durch physiologische Vorgänge wie beispielsweise eine Endschwangerschaft oder große Hitze in den Sommermonaten zu erklären, dann sollten Betroffene unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin hinzuziehen.

Geschwollene Hände werden den Medizinern schon durch die Umfangsvermehrung der Hände offensichtlich. Im Verlauf der Konsultation werden der Arzt oder die Ärztin während der körperlichen Untersuchung ein besonderes Augenmerk auf Veränderungen der Hautfarbe, offensichtliche Hautdefekte und Bewegungseinschränkungen legen. Außerdem werden im Rahmen der Anamnese gezielte Fragen gestellt, um einen ersten Fokus für die zugrundeliegende Ursache zu bekommen. Hierbei werden Fragen zu folgenden Bereichen gestellt:

  • Weiteren Begleitsymptome,
  • aktuellen Veränderungen im Leben (z.B. Schwangerschaft, Kinderwunschbehandlung, Wechseljahre, Auslandsreise oder neue Medikamente),
  • vorangegangene Ereignisse (z.B. Insektenstiche, Verletzungen oder Operationen).

Je nachdem, welcher Fokus sich Arzt oder Ärztin auf Grundlage der körperlichen Untersuchung und Anamnese als in Frage kommende Ursachen für die geschwollenen Hände offenbart, schließen sich hieran noch weitere unterschiedliche Diagnosemethoden an:

  • Labordiagnostik:Im Rahmen von Laboruntersuchungen können im Blut verschiedene Werte bestimmt werden, die die vermuteten Ursachen untermauern oder ausschließen. Hierzu gehören die Entzündungswerte, Hormonwerte, Rheumafaktoren, Herzenzyme, Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte.
  • Bildgebung:
    Mittels bildgebender Verfahren (zum Beispiel Röntgen, CT oder MRT) können orthopädische Erkrankungen als in Frage kommende Ursachen untersucht werden.
  • Kardio-Diagnostik:
    Steht eine kardiologische Ursache im Fokus, schließt sich hieran ein sehr breites Spektrum aus möglichen Untersuchungen an. Dieses umfasst unter anderem:

    • Röntgenaufnahme des Thorax,
    • EKG,
    • Blutdruckmessungen,
    • Herzechokardiografie,
    • Belastungsuntersuchungen (Ergometrie).

Therapie

Entsprechend der zahlreichen Ursachen für eine geschwollene Hand sind auch die Behandlungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich. Man kann medikamentös behandeln, aber auch im Bereich der Hausmittel und der Naturheilkunde verschiedene Ansätze finden, die Linderung verschaffen können.

Sofortmaßnahmen

Als Erstmaßnahme bei plötzlich geschwollenen Händen empfiehlt es sich zunächst, einige Sofortmaßnahmen durchzuführen, um zu sehen, ob sich die Beschwerden dadurch in den Griff bekommen lassen. So ist es zum Beispiel sinnvoll, den betroffenen Arm über Herzhöhe zu halten. Dies erleichtert die Durchblutung der Extremitäten und kann bei leichten Durchblutungsstörungen ohne bestimmten Krankheitswert (zum Beispiel bei kaltem Wetter) helfen. Wenn nötig, kann man den Arm währenddessen auch mit einem Kissen unterstützen.

Ebenfalls eine gute Sofortmaßnahme ist es, die Muskeltätigkeit anzuregen, indem man leichte gleichförmige Bewegungen mit Handgelenk und Fingern ausführt. Leichte Kreisbewegungen sowie das abwechselnde Anspannen und Lockerlassen der Hände sind hier besonders zu empfehlen.

Eine Sofortmaßnahme bei geschwollenen Händen kann die lokale Kühlung sein – zum Beispiel mit kühlem Wasser. Dies gilt aber nur, wenn Kälte nicht der Auslöser für die Schwellung war. (Bild: maroke/fotolia.com)

Ein dritter Schritt besteht darin, eine lokale Kühlung durchzuführen, was allerdings nur sinnvoll ist, wenn Kälte nicht als Auslöser für die Schwellung in Betracht kommt. Möglich ist es zum Beispiel, kühles Wasser über die Hand laufen zu lassen, ein lauwarmes Handbad durchzuführen oder kurzzeitig Kühlelemente (zum Beispiel Coolpacks oder Eiswürfel) aufzulegen. Bei letzteren ist allerdings darauf zu achten, sich keine Erfrierungen zuzuziehen und die Kälteanwendung nur zeitlich begrenzt mit angemessenen Pausen durchzuführen.

Hausmittel

Um bei geschwollenen Händen selbst tätig zu werden, kann der Patient neben den bereits erwähnten Sofortmaßnahmen auch einige Hausmittel anwenden. Zum Beispiel lässt sich in manchen Fällen über die Ernährung ein Abschwellen der Hand erreichen. Wichtige Schritte sind hier:

  • Die richtige Trinkmenge einhalten:
    Solange Arzt oder Ärztin nichts anderes verordnet haben, sollten Betroffene mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Liegt dem Geschehen jedoch eine Herzschwäche zugrunde, kann es sein, dass eine Trinkmengenbeschränkung von eineinhalb Liter oder in schweren Fällen sogar noch weniger verordnet wird. Als Getränke sollten hauptsächlich Wasser und ungesüßte Tees ausgewählt werden.
  • Salzarme Ernährung:
    Eine sehr salzreiche Ernährung begünstigt die Einlagerung von Wasser im Gewebe. Und wer regelmäßig zu Fertiggerichten und Fast Food greift, muss noch nicht einmal aktiv zum Salzstreuer greifen, um sich übermäßig salzreich zu ernähren. Fertigprodukte, Gerichte vom Imbissstand, Wurst und eingelegte Fleischwaren ebenso wie Teigwaren werden schon während der Fertigungsprozesse mit vielen Salzen gewürzt. Um eine salzärmere Ernährungsweise zu etablieren, sollte man also möglichst auf frische Zutaten setzen und den Konsum obiger Lebensmittel auf ein Minimum reduzieren.

Um die Zirkulation im Gewebe der geschwollenen Hand anzuregen, kann man Handmassagen und leichte Dehnübungen anwenden. Hierfür führt man leichten Druck beginnend an den Fingerspitzen aus, den man vorsichtig in Richtung Handgelenk fortsetzt. Dabei kann man auch die Finger auseinanderspreizen, strecken und beugen. Diese Übung kann man fünf bis zehn Minuten lang durchführen und dann sollte man schon eine merkliche Besserung der Symptome verspüren.

Verstärken Handmassagen und Dehnübungen das Beschwerdebild, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da es sich dann um eine (arteriell bedingte) Durchblutungsstörung handeln kann.

Naturheilmittel

In der Naturheilkunde kann man auch einige Behandlungsansätze und heilpflanzliche Anwendungen finden, die bei geschwollenen Händen schnell Linderung verschaffen. Beispielsweise kann dem lauwarmen Handbad zusätzlich noch etwas Salz oder Apfelessig hinzugefügt werden. Das Salzwasser unterstützt die Abschwellung der Hände, indem es infolge des Konzentrationsgefälles einen Austritt des Gewebewassers fördert. Dem Apfelessig wiederum wird eine ausschwemmende und entschlackende Wirkung nachgesagt. Im Bereich der Heilkräuter, helfen vor allem Pflanzen, die eine solche Wirkung haben. Hierzu gehören:

  • Brennnessel,
  • Löwenzahn,
  • Grüner Hafer,
  • Spargelwurzel,
  • Birkenblätter.

Die genannten Heilkräuter können als Zusatz einem Handbad zugeführt werden, wobei man gemeinhin circa einen Esslöffel des getrockneten Krauts pro Anwendung nutzt.

Aus der Naturheilkunde bieten sich Heilkräuter an, welche eine abschwellende Wirkung haben, wie zum Beispiel Birkenblätter, die man einem Handbad zufügt. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Alternativ kann man die Heilpflanzen aber auch in Form eines Tees mehrmals täglich genießen. Hierfür mischt man ein bis zwei Teelöffel von maximal drei der Kräuter in einer Tasse und übergießt sie mit kochendem Wasser. Nach einer Ziehzeit von sieben bis zehn Minuten kann der Tee getrunken werden. Mehr als die empfohlene Dosis beziehungsweise Ziehzeit sollte es aber nicht sein, da der Tee ansonsten ungenießbar wird.

Auch bei den Schüßler Salzen kann man zur unterstützenden Behandlung von geschwollenen Händen fündig werden. Beispielsweise gilt das Schüßler Salz Nummer 10 als das sogenannte Ausleitungssalz. Zweimal täglich zwei bis drei Tabletten des Salzes Natrium sulfuricum soll sämtliche Ausscheidungsprozesse fördern und damit letztlich auch zu einer Abschwellung der geschwollenen Hände beitragen.

Calcium fluoraticum wird in der Homöopathie dagegen gerne zur Begleitbehandlung von Arthrose genutzt. Gleiches gilt für Silicea. Homöopathische Präparate wie Belladona wiederum werden bei Entzündungen empfohlen. Bei Gelenkentzündungen im Speziellen, ebenso wie bei Rheuma, greifen Homöopathen dagegen eher auf Bryonia oder Rhus toxicondendron zurück. Arnica, eine Heilpflanze, die nicht nur als homöopathische Lösung, sondern auch als Zusatz für Heilbäder oder Umschläge genutzt werden kann, soll dagegen bei Schwellungen durch Überanstrengung oder Zerrung helfen.

Medikamentöse Therapie

Geht es um Medikamente, so werden diese in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Ursache ausgewählt. Bei Herzschwäche kommen beispielsweise Blutdrucksenker wie Ramipril oder Valsartan in Frage. Auch herzstärkende Medikamente (zum Beispiel Digitalispräparate oder Carvedilol) und entwässernde Arzneimittel wie Furosemid oder Torasemid sind denkbar.

Geschwollene Hände die durch Allergien oder Insektenstiche ausgelöst werden, behandelt man mit einem Antihistaminikum. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Ein hormonelles Ungleichgewicht lässt sich lediglich durch Hormonersatzpräparate beheben, die beispielsweise einen Mangel an Östrogen oder Testosteron ausgleichen. Schwellungen durch Allergien oder Insektenstiche werden gemeinhin mit einem Antihistaminikum behandelt.

Bei Gelenkentzündungen oder Rheuma verabreichen Fachleute wiederum Schmerzmittel und entzündungshemmende Präparate. Denkbar ist hier unter anderem eine Behandlung mit Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol oder Schmerzsalben wie Voltaren. Entzündungshemmende Arzneimittel wie Kortison kommen dagegen nur im äußersten Notfall zum Einsatz, da sie selbst eine Reihe an schweren Nebenwirkungen hervorrufen können.

Operative Therapie

In sehr seltenen Fällen verbirgt sich hinter einer geschwollenen Hand ein muskulär- und blutungsbedingtes Kompartementsyndrom in Folge eines Traumas. Hier kann unter Umständen nur die chirurgische Eröffnung des betroffenen Areals Linderung verschaffen und Komplikationen wie beispielsweise irreversible Schäden an Nerven und Blutgefäßen abwenden.

Mögliche Krankheiten bei geschwollenen Händen

  • Bluterguss,
  • Quetschungen,
  • Prellungen,
  • Stichverletzungen,
  • Schnittverletzungen,
  • Frostbeulen,
  • Brandblasen,
  • Insektenstiche,
  • Arteriosklerose,
  • Durchblutungsstörungen,
  • Bluthochdruck,
  • Gefäßentzündungen,
  • Thrombosen,
  • Herzschwäche,
  • Arthrose,
  • Arthritis,
  • Sklerodermie,
  • Neurodermitis,
  • Schuppenflechte,
  • Dyshidrosis,
  • Warzeninfektion,
  • Allergie,
  • Hormonstörung,
  • Wassersucht,
  • Gicht,
  • Rheuma.

(ma)

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Bernhard Hirt et al.: Anatomie und Biomechanik der Hand, Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014
  • Michael Hammer: Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V., (Abruf 06.08.2019), RheumaLiga
  • Michael J. Shea, Andrea D. Thompson: Schwellungen (Ödem), MSD Manual, (Abruf 06.08.2019), MSD
  • M. Schneider et al.: Interdisziplinäre Leitlinie Management der frühen rheumatoiden Arthritis, Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V., (Abruf 06.08.2019), DGRH

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.