Nässende und eiternde Wunden – Ursachen und Therapie

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Nässende Wunde- Ursachen und Behandlung

Jeder, der schon einmal eine größere Verletzung erlitten hat, kennt die Phase des Wundheilprozesses, bei der eine noch nicht vollständig verheilte Wunde ein durchsichtiges bis gelbliches Wundsekret absondert, nachdem der anfängliche Blutfluss eigentlich schon längst versiegt ist.


Umgangssprachlich spricht man bei dieser Sekretausspülung einer Verletzung auch davon, dass die Wunde nässt. Bis zu einem gewissen Punkt ist dieser Sekretfluss nichts schlimmes, denn dahinter verbirgt sich zunächst einmal ein natürlicher Mechanismus des Körpers. Mit Hilfe dieser Absonderungen versucht sich der Organismus nämlich vor Krankheitserregern zu schützen, die in die Wunde gelangen könnten. Kritisch zu bewerten ist der Fluss von Wundsekret allerdings, wenn er überdurchschnittlich lange anhält und im schlimmsten Fall sogar mit Eiterabsonderungen einhergeht. Hier sind Wundheilstörungen und bzw. oder Wundinfektionen sehr wahrscheinlich. Einzelheiten zu nässenden und eiternden Wunden sowie geeignete Behandlungsmaßnahmen verrät unser Beitrag zum Thema.

Was ist Wundsekret?

Als Wundsekret (Exsudat) ist in der Medizin eine Flüssigkeit definiert, die ganz gezielt nach der Entstehung einer Verletzung aus dem verwundeten Gewebe austritt. Das klare Wundsekret wird hierbei auch als Serum bezeichnet, da es neben einem geringen Anteil an Zellresten aus der Wunde maßgeblich aus natürlichem Blutserum besteht. Dieses enthält folgende Komponenten:

  • Wasser (ca. 91 Prozent),
  • Proteine (ca. sieben Prozent),
  • Elektrolyte, Nährstoffe und Hormone (ca. zwei Prozent).
Jeder, der schon einmal eine größere Verletzung erlitten hat, kennt die Phase des Wundheilprozesses, bei der eine noch nicht vollständig verheilte Wunde ein durchsichtiges bis gelbliches Wundsekret absondert. Dieses wird auch als Serum bezeichnet, es besteht hauptsächlich aus natürlichem Blutserum. (Bild: Mila Supynska/fotolia.com)

Das Wort Exsudat entstammt der lateinischen Sprache und bedeutet übersetzt so viel wie „austretende Flüssigkeit“. Medizinisch wird dieser Mechanismus des Austritts von Wundflüssigkeit auch als Exsudationsphase bei der physiologischen Wundheilung bezeichnet. Die wichtige Funktion des Wundsekrets innerhalb der Wundheilung ist damit aber noch nicht umschrieben.

Bei oberflächlichen Wunden sorgt das austretende Exsudat nämlich zunächst einmal dafür, dass schädliche Wundkeime ausgespült werden, was eine natürliche Wunddesinfektion bewirkt. Des Weiteren bildet das Wundsekret bei äußeren Verletzungen eine schützende Wundkruste – auch Grind oder Wundschorf genannt – auf dem verletzten Hautareal, um die Wunde von äußeren Einflüssen „abzuschirmen“, während das Blutserum darunter mit der Regeneration von Haut- und Gewebezellen beschäftigt ist. Zu diesem Zweck gerinnt das Exsudat und verhärtet sich, wobei die Blutgerinnungsfaktoren des im Wundsekret enthaltenen Blutserums eine wichtige Rolle spielen. Das geronnene Wundsekret nimmt infolge eine leicht gelbliche bis braune Färbung an, weshalb der Grind in der Regel etwas dunkler erscheint als der Rest des Hautareals. Hinzu kommen ggf. Beimengungen roter Blutkörperchen aus mitverletzten Gefäßen, die das geronnene Exsudat ebenfalls dunkler färben.

Die Inhaltsstoffe des Serums verursachen im Wundbereich nun aber nicht nur eine herkömmliche Verkrustung, sondern im nächsten Schritt auch eine erhöhte Zellteilung, wodurch sich die Geweberegeneration beschleunigt. Sofern es keine Komplikationen bei der Wundheilung gibt, verkrusten kleinere Verletzungen (z.B. leichte Kratz-, Schnitt- und Schürfwunden) innerhalb eines Tages, sodass die Wundheilung danach ungestört ihren Lauf nehmen kann.

Entstehung von nässenden Wunden

Anders verhält es sich, wenn das Sekret auch noch Tage nach der Verletzung weiter abgegeben wird. Man spricht dann von einer nässenden Wunde. Für diese kann es zwei Gründe geben. Die einfachste Erklärung ist hier, dass eine Wunde schlichtweg sehr groß ist und deshalb mehr Zeit benötigt, um zu verkrusten. Die Exsudationsphase kann hier durchaus mehrere Tage dauern, wie es beispielsweise bei schweren Verbrennungen oder großflächigen Schürfwunden der Fall ist.

Bei schweren Verbrennungen oder großflächigen Schürfwunden kann das Sekret auch noch Tage nach der Verletzung weiter abgegeben werden. Man spricht dann von einer nässenden Wunde. (Bild: Pornpimon/fotolia.com)

Leider steigt mit dem Flächenumfang von Wunden aber auch das Risiko von Wundverunreinigungen. Schon eine leichte Fremdkörperirritation der Wunde aufgrund von direktem Kontakt der Verletzungsfläche mit Schmutzpartikeln (z.B. bei Schürf- oder Kratzwunden) reicht diesbezüglich aus, um noch während der Wundentstehung geringfügige Infektionsprozesse in Gang zu setzen. Eine alarmierende Immunreaktion erfolgt bei Wundverunreinigungen relativ schnell. Sie führt zunächst dazu, dass die feinen Gefäße und Gewebezellen im Bereich der Wunde durchlässiger für Abwehrstoffe des Immunsystems werden. Hierdurch soll das Eintreffen besagter Abwehrstoffe am Verletzungsort beschleunigt und ihnen ihre Reparaturarbeit im Bereich der Verletzung erleichtert werden.

Ebenso gelangen durch die erhöhte Gefäß- und Gewebedurchlässigkeit größere Mengen an Exsudat in die Wunde, welches dann vermehrt dem Ausschwemmen von Infektionserregern dient. Chronisch infizierte Wunden erfordern in diesem Zusammenhang ein stetiges Ausspülen von Erregern, weshalb der Sekretfluss nicht mehr versiegt oder gerinnt. Es kommt also zu einer anhaltend nässenden Wunde.

Wie zu Beginn schon beschrieben stellen nässende Wunden an sich noch kein gesundheitliches Problem dar. Die Absonderung des Sekretes ist vom Körper gewollt und soll die Wunde auf zwei Wegen schützen:

  • Wundreinigung – indem bereits in die Wunde eingedrungene Krankheitserreger mit dem Wundfluss wieder nach außen befördert werden, findet eine natürliche Reinigung der Wunde statt.
  • Infektionsschutz – da die Krankheitserreger die Flüssigkeitsbarriere des Wundsekrets, wie auch den Abwehrmechanismus der darin enthaltenen Abwehrstoffe, nicht überwinden können, schützt anhaltendes Nässen größerer Wunden effektiv vor dem Eindringen neuer Erreger aus der Umgebung.

Wenn eine Wunde also ein wenig nässt, muss das noch kein Weltuntergang sein. Da es im Zuge einer Verletzung verhältnismäßig schnell zu kleineren Wundverunreinigungen kommen kann und das Immunsystem im Wundfall meist auch sehr heftig reagiert, kann das Nässen bis zu einem gewissen Punkt als natürlicher Prozess betrachtet werden. Allerdings haben infektionsbedingte Entzündungen eine entscheidende Veränderung in der Zusammensetzung des Wundsekrets zur Folge. Da es hier nämlich nicht mehr nur um die Schließung einer Wunde, sondern auch um einen aktiven Infektionsschutz geht, kommt es bei Wundentzündungen und Wundinfektionen zu einer vermehrten Anreicherung des Exsudats mit folgenden Stoffen:

  • Infektionserreger – Keime, die in die Wunde eingewandert sind, werden vom Wundsekret ausgespült, weshalb sich die Erreger vermehrt im Exsudat infizierter Wunden tummeln.
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) – Leukozyten sind bei infizierten Wunden für die Erkennung und Bekämpfung von Infektionskeimen verantwortlich, wobei sich zwischen folgenden, im Wundsekret befindlichen Leukozyten unterscheiden lässt:
  • Fresszellen (Makrophagen) – gemäß ihres Namens fressen Makrophagen alias Fresszellen schädliche Infektionskeime, analysieren diese und senden die aus den vernichteten Erregern gewonnenen Informationen an das Immunsystem weiter, welches dann die Produktion spezifischer Antikörper veranlasst.
  • B-Lymphozyten – produzieren auf Alarmierung des Immunsystems hin Antikörper zur Bekämpfung der Wundkeime.
  • T-Lymphozyten – erkennen und bekämpfen ebenfalls Infektionskeime im Bereich der Wunde.
  • erhöhter Anteil an Proteinen – da die Leukozyten wie alle Abwehrzellen des Immunsystems aus Eiweiß bestehen, finden sich in unklarem Exsudat auch vermehrt Proteine. Darüber hinaus besitzen Proteine selbst ebenfalls eine gewisse Schutzfunktion, weshalb sie bei Verletzungen vermehrt auf den Plan treten.
  • Zellrückstände – ein gewisses Maß an Zellresten aus der Wunde lässt sich im Exsudat nicht vermeiden. Auch sie stellen eine Form der Wundirritation dar, was ein Entzündungsgeschehen im Bereich der Verletzung zusätzlich begünstigt.

Wichtig: Auch wenn sich geringfügige Entzündungsprozesse und Wundverunreinigungen bei einer Verletzung als normal einstufen lassen, ist es unabdingbar, die Wunde nach ihrer Entstehung zeitnah zu desinfizieren und anschließend steril zu halten, um keine chronische oder gar eiternde Wunde heranzuzüchten!

Es ist wichtig, eine Wunde nach ihrer Entstehung zeitnah zu desinfizieren und anschließend steril zu halten, um einer Entzündung möglichst vorzubeugen! Das Nässen kann aber bis zu einem gewissen Punkt als natürlicher Prozess betrachtet werden.(Bild: wittayayut/fotolia.com)

Eiternde Wunden durch Wundinfektion

Nässende und eiternde Wunden sind nicht das Gleiche. Deutliches Anzeichen für Eiterbeimengungen im Wundsekret ist dabei eine merklich veränderte Farbe und Konsistenz des frischen Exsudats. Erscheint klares Wundsekret nur im geronnenen Zustand gelblich, so fällt eitriges Wundsekret auch im flüssigen Zustand deutlich gelb verfärbt auf. Außerdem ist eitriges Exsudat auch nicht mehr durchsichtig, sondern stark eingedickt. Ursache hierfür ist ein erhöhter Anteil an Proteinen, Zellrückständen und natürlich Infektionskeimen im Sekret.

Sollte sich eine Verletzung von vornherein in einem infektionsträchtigen Milieu, sprich in einer unsauberen und stark keimbelasteten Umgebung ereignet haben, ist die Gefahr einer eitrigen Wundinfektion natürlich umso höher. Typische Beispiele für risikoträchtige Umgebungen in dem Zusammenhang sind Badeanstalten, Baustellen, Spielplätze oder auch der heimische Garten. Ein Sonderfall sind zudem stationäre Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime, in denen bekanntlich sehr viele Keime zirkulieren.

Gerade Krankenhäuser sind hier eigentlich Einrichtungen, in denen Menschen wieder gesund werden sollen. Unglücklicherweise ist aber auch das Infektionsrisiko in Krankenhäusern sehr hoch. Immer wieder ist hierbei die Rede von den sogenannten Krankenhauskeimen. Damit sind Infektionserreger gemeint, die besonders häufig nach einem Aufenthalt im Krankenhaus zu Infektionen führen, und zwar mit Vorliebe auf dem Wege einer Wundinfektion. Typische Erreger sind diesbezüglich unter anderem:

  • Staphylokokken,
  • Enterokokken,
  • Klebsiellen,
  • Acinetobacter
  • und Pseudomonas.

Sie übertragen sich zum einen mittels Belüftungsanlagen der stationären Einrichtungen, zum anderen ist natürlich auch direkter Wundkontakt denkbar. Dies ist beispielsweise bei Operationswunden der Fall, wenn im OP und bei der postoperativen Versorgung unsauber gearbeitet wird.

Warnung: Erschwerend hinzu kommt bei Krankenhauskeimen eine relativ gefährliche Entwicklung im Bereich der Keimresistenz. Durch den steten Einsatz von Antibiotika haben sich inzwischen nämlich multiresistente Keime entwickelt, die sich vorzugsweise in stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen ausbreiten.

Das Infektionsrisiko in Krankenhäusern ist sehr hoch, wenn z. B. im OP und bei der postoperativen Versorgung unsauber gearbeitet wird. Erschwerend hinzu kommt bei Krankenhauskeimen eine relativ gefährliche Entwicklung im Bereich der Keimresistenz. (Bild: Gorodenkoff/fotolia.com)

Neben diesem spezifischen Szenario gibt es natürlich noch eine Reihe anderer denkbarer Einflussfaktoren, die eine eiternde Wunde durch keimbelastete Umgebungen begünstigen. Einige der häufigsten Ursachen finden Sie nachstehend im Überblick:

  • Verletzung durch Tierbisse: Das Gebiss von Tieren ist für gewöhnlich nicht steril. Nahrungsreste, aber auch bakterielle Verunreinigungen im Mundraum sind allgemein üblich, weshalb ein Tierbiss als besonders infektionsträchtig gilt. Nicht zuletzt können bei einem derartigen Biss auch infektiöse Tiergifte in die Wunde gelangen, die dann eine Eiterbildung verursachen. Dies ist insbesondere bei Schlangen- oder Insektengiften der Fall.
  • Verletzung durch keimbelastete Objekte: Ob nun durch verunreinigtes Operationsbesteck oder Objektbeteiligung bei Unfallverletzungen und Verletzungen durch tätliche Auseinandersetzungen – die Möglichkeiten, sich durch keimbelastete Oberflächen eine infektionsträchtige und eiternde Wunde zuzuziehen, sind vielseitig. Außerhalb des Krankenhauses sind hier meist Schnitt- und Schürfwunden durch verunreinigte Glasscherben, scharfkantige Metallfragmente oder schmutzige Messer in das Geschehen involviert.
  • unzureichende Sterilhaltung der Wunde: Häufig spielen in die Entstehung einer eiternden Wunde auch mangelnde Hygienemaßnahmen zur Wundbehandlung eine Rolle. Mal verbleiben zu Beginn in die Wunde gelangte Keime an Ort und Stelle, weil die Verletzung nicht ausreichend gereinigt wurde, mal wird die Wunde nur unzureichend abgedeckt oder ein durchnässter Verband bzw. ein durchnässtes Pflaster nicht oft genug gewechselt. Apropos Nässe, abgesehen von einer nässenden Wunde sind gerade feuchte Wundverschlüsse besonders infektionsträchtig. Gerade dann, wenn Verbände und Pflaster unzureichend gelüftet werden, ergibt sich um die Wunde ein sauerstoffarmes und feuchtes Milieu, in dem Keime hervorragend gedeihen.

Infektionsrisiko: Wundheilstörung

Gemeinsam ist den genannten Faktoren, dass sie neben einer Wundinfektion auch zu einer verzögerten Wundheilung und damit zu Wundheilstörungen führen. Denn chronisch entzündliches und im Infektionsprozess begriffenes Gewebe kann sich nicht oder nur schwer regenerieren.

Zusätzlich zu einer Wundinfektion gibt es in diesem Zusammenhang noch weitere Faktoren, die eine schnelle Wundheilung beeinträchtigen. Dies gilt insbesondere für Vorerkrankungen oder Mangelernährung. Zum einen kann hierdurch der Sekretfluss an sich eingeschränkt werden, weil dem Körper nicht die nötige Energie zur Verfügung steht, um ausreichend Exsudat zu produzieren. Zum anderen kann auch die Abwehrfähigkeit des Wundsekrets unter den Gesundheitsbeschwerden leiden, beispielsweise, wenn die Abwehrstoffproduktion verzögert ist und deshalb nicht genug Leukozyten im Blutserum vorhanden sind. Das Risiko einer Infektion durch Wundverunreinigung steigt hierdurch enorm an.

Einen kleinen Überblick zu den wichtigsten Einflussfaktoren bei Wundheilstörung finden Sie in der nachstehenden Übersicht:

  • bestehende Grunderkrankung: Viele Erkrankungen des Körpers begünstigen das Auftreten von Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen. Dies liegt einerseits an dem durch die Grunderkrankung geschwächten Immunsystem. Andererseits können Erkrankungen wie chronische Gefäßleiden auch die Durchblutung des Wundareals stark einschränken oder Störungen im Hormonsystem zu einem generellen Ungleichgewicht im Körper führen. Beispiele für mögliche, die Wundheilung gefährdende Krankheiten sind diesbezüglich:
    • Diabetes mellitus,
    • Chronische Venenschwäche, peripher arterielle Verschlusskrankheit (pAVK),
    • chronische Infektionskrankheiten (z.B. HIV oder Tuberkulose)
    • und Morbus Cushing
  • Ernährungsfehler: Die Ernährung hat erheblichen Einfluss auf die Wundheilung, da zahlreiche im Essen enthaltenen Nährstoffe für den Wundschluss notwendig sind. Eine sehr eiweißarme Ernährung entzieht dem Körper beispielsweise Proteine, die zur Produktion von Antikörpern gebraucht werden. Auch die essentiellen Aminosäuren, die der Organismus für die Regeneration von Zellgewebe benötigt, können nur über eine proteinreiche Ernährung zugeführt werden. Weitere Ernährungsfaktoren, welche die Wundheilung negativ beeinflussen, sind Übergewicht und Vitaminmangel.
  • Einnahme bestimmter Medikamente: Einige Medikamente haben als unerwünschte Nebenwirkung einen schlechten Einfluss auf die Wundheilung. Hierzu gehören unter anderem Arzneimittel, welche die Blutgerinnung hemmen (Antikoagulanzien). Auch Kortikosteroiden sowie manchen Zytostatika und Psychopharmaka wird eine wundheilstörende Wirkung nachgesagt.
  • Rauchen: Nikotin ist dafür bekannt, die Durchblutung von Organen und Gewebe empfindlich zu beeinträchtigen. Dies kommt auch bei der Wundheilung zum Tragen, wobei durch die Durchblutungsstörung oftmals nicht genug Exsudat an die Wunde gelangt.
Nikotin ist dafür bekannt, die Durchblutung von Organen und Gewebe empfindlich zu beeinträchtigen. Dies kommt auch bei der Wundheilung zum Tragen, wobei durch die Durchblutungsstörung oftmals nicht genug Exsudat an die Wunde gelangt. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

Wundinfektionen und ihre Folgen

Eine Wunde, die nicht oder nur sehr langsam abheilt, kann sowohl das Risiko von Narbenbildungen erhöhen, als auch eine Ausbreitung von Wundinfektionen im Körper provozieren. Im schlimmsten Fall droht im Zuge eines solchen Infektionsgeschehens eine Blutvergiftung (Sepsis), die mitunter sogar tödlich enden kann.

Wunden, die in offensichtlich verschmutzter Umgebung entstehen, tragen darüber hinaus ein besonders hohes Risiko, an Wundstarrkrampf (Tetanus) zu erkranken. Dahinter verbirgt sich eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Clostridium tetani ausgelöst wird und zu schweren Muskelkrämpfen und Herzschäden führt. Aus diesem Grund sollte man als Präventivmaßnahme stets für einen ausreichenden Tetanus-Impfschutz sorgen.

Ebenfalls nicht auszuschließen ist bei infizierten Wunden eine Wundnekrose, also das Absterben von Gewebe im Bereich der Verletzung. Hierzu kommt es, wenn Gewebe durch anhaltende Infektions- bzw. Entzündungsvorgänge nicht mehr ausreichend durchblutet wird und infolge der Minderversorgung ein Gewebeuntergang einsetzt.

Es wird ersichtlich, dass eiternde Wunden lediglich die Spitze des Eisbergs sind, wenn es um die Folgen einer infizierten Wunde geht. Umso wichtiger ist es, die Zeichen einer ernsten Wundinfektion beizeiten richtig zu deuten. Typische Symptome sind diesbezüglich:

  • zunehmende Druckempfindlichkeit und Schmerzen im Wundgebiet,
  • Schwellung, Rötung und Überwärmung der Wundumgebung,
  • anhaltend eitriger und bzw. oder blutiger Wundfluss (gelblich-grünliches, milchiges Sekret),
  • unangenehmer Wundgeruch,
  • leichtes bis starkes Fieber,
  • allgemeines Krankheitsgefühl,
  • Übelkeit und Erbrechen
  • und körperliche Schwäche.

Diagnose

Die Diagnose von äußerlichen Wunden ist mit einer Blickdiagnose häufig schon abgeschlossen. Schwieriger wird es dagegen, wenn es sich um innere Wunden handelt. Eine nässende oder eiternde Wunde kann hier oftmals zu Abszessen oder Ödemen führen, die sich dann meist nur durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT erkennen lassen. Auch endoskopische Untersuchungen sind bei nässenden bzw. eitrigen Wunden im inneren des Körpers denkbar.

Die Diagnose von äußerlichen Wunden ist mit einer Blickdiagnose häufig schon abgeschlossen. Bei inneren Wunden sind meist bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT angebracht. (Bild: Tyler Olson/fotolia.com)

Therapie

Die beiden wichtigsten Schritte zur Behandlung nässender und eiternder Wunden ist erstens die Beseitigung eventuell vorhandener Krankheitserreger im Wundmilieu durch entsprechende Wunddesinfektion. Zweitens muss das Risiko einer weiteren Keimbesiedlung durch weitgehende aseptische Maßnahmen niedrig gehalten werden, bis die Wunde vollständig verheilt ist. Gelegentlich ist auch eine Operation vonnöten, um die Heilung zu beschleunigen.

Aseptische Wundbehandlung

Eine aseptische Wundbehandlung zielt darauf ab, Keime bei der regelmäßigen Wundversorgung von der Verletzung fernzuhalten. Gehen Sie deshalb wie folgt vor:

  1. Vor dem Berühren der Wunde und des Deckverbandes die Hände desinfizieren oder zumindest gut mit Seife waschen. Soweit vorhanden sollte man eventuell auch Einmalhandschuhe tragen.
  2. Nach dem Entfernen des Deckverbandes müssen die Hände – zumindest bei sehr stark infizierten Wunden – erneut desinfiziert werden. Als nächstes wird die Wunde mit einem schleimhautfreundlichen Desinfektionsmittel besprüht, sodass wirklich alle Hautbereiche durchtränkt sind. Falls nötig, ist überschüssiges Desinfektionsmittel mit einer sterilen Kompresse vorsichtig abzutupfen. Wichtig ist es außerdem, die Wunde während der aseptischen Wundbehandlung nicht direkt mit den Fingern zu berühren, sondern wenn möglich eine sterile Pinzette zu verwenden.
  3. Die gewählte bzw. vom Arzt verordnete Wundauflage muss dann vorsichtig und locker auf die Wunde aufgebracht werden, damit das Gewebe darunter trotz Verband bzw. Pflaster weiterhin ausreichend Luft bekommt. Insgesamt sind Deckverbände aus Kompressen oder Binden so zu wählen, dass sie die Wundauflage großzügig überragen. Zur Stabilisierung kann man sofern nötig das nächstgelegene Gelenk in den Verband mit einbeziehen. (Bei kleineren Alltagswunden muss dieses Vorgehen nicht so eng verfolgt werden. Hier reicht in der Regel eine kurze Desinfektion oder sogar ein Ausspülen der Wunde mit sauberem Leitungswasser und die Versorgung mit einem kleinen, sterilen Wundschnellverband oder Pflaster. Auch auf die Verwendung von Einmalhandschuhen und sterilen Instrumenten kann hierbei getrost verzichtet werden.)
  4. Während die Therapie von nässenden Wunden sich darauf beschränkt, einen komplikationslosen Heilungsprozess zu ermöglichen und negative Einflüsse zu vermeiden, erweitert sich die Therapie von eiternden Wunden zusätzlich noch um die Beseitigung der Infektion. Hier ist es unbedingt ratsam, einen Wundtherapeuten hinzuzuziehen, denn das Repertoire an infektionseliminierenden Wundauflagen ist in den letzten Jahren sehr gewachsen. Außerdem gibt es zu fast jeder möglichen Wundauflage beachtenswerte Tipps und Tricks, die oft nur dem Personal bekannt sind, die täglich damit arbeiten. In der Regel erfolgt der Verbandswechsel bei infektionsträchtigen Wunden deshalb durch ärztliches Fachpersonal.

Ernährung

Der Betroffene kann selbst auch viel zu einer Heilungsförderung beitragen. Eine eiweiß- und vitaminreiche Ernährung sollte sich beispielsweise recht einfach durch den täglichen Verzehr von Quarkspeisen oder auch Fleischmahlzeiten und viel Obst und Gemüse erreichen lassen. Auch ein Nikotinentzug sollte im Sinne einer positiven Wundheilung bei ausgeprägten Infektionen und Wundheilungsstörungen in Betracht gezogen werden.

Eine eiweiß- und vitaminreiche Ernährung, wie z. B. Quark mit Früchten, trägt ebenfalls zur Wundheilung bei, ebenso wie der Verzicht auf Nikotin! (Bild: annabell2012/fotolia.com)

Heilkunde und Homöopathie

In der Wundtherapie hat die Naturheilkunde in den letzten Jahrzehnten ein großes Umdenken erreicht. Der Trend geht nämlich weg von dauernder Desinfektion und täglichem Verbandswechsel und hin zum Herstellen eines natürlichen Milieus, beispielsweise durch luftdichte Verbände, die nur alle 3 bis 4 Tage gewechselt werden und eine natürliche Hautbarriere imitieren sollen. Außerdem bietet die Naturheilkunde ein paar Wundauflagen, die auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich wirken, aber in Studien nicht zu verleugnende Erfolge gebracht haben. Hierzu gehören unter anderem:

  • Auflagen mit Silberlösungen zur Wunddesinfektion,
  • Auflagen mit Honiglösungen zur Wunddesinfektion und Wundheilungsförderung
  • und Auflagen mit lebenden Maden zur Entfernung von infiziertem und abgestorbenem Gewebe (eklig aber effektiv).

Davon abgesehen gibt es natürlich auch eine Fülle von Wundheilkräutern, die sehr zuverlässig wirken. Allen voran ist hier der Beinwell zu nennen, der seinen Namen dem Umstand verdankt, dass er insbesondere bei Verletzungen und Brüchen im Beinbereich erstaunliche Heilfortschritte erzielen kann. Grundsätzlich ist Beinwell aber auch bei allen anderen Arten von Verletzungen eine gute Hilfe. Weitere Heilkräuter zur Behandlung von Wunden sind:

Medikamente

Zusätzlich zur lokalen Behandlung der Wunde selbst können auch systemisch wirkende Medikamente eingesetzt werden, die zum einen der Wundheilung zuträglich sind und zum anderen auch negativ beeinflussende Grunderkrankungen behandeln können. Möglich ist hier beispielsweise eine Therapie mit Antibiotikum und Kortikosteroiden, wenn eine Ausweitung der Infektion zu erwarten ist.

Auch die Einstellung des entgleisten Blutzuckerspiegels bei Diabetes-Patienten, zum Beispiel mittels oraler Antidiabetika oder Insulininjektionen, spielt bei der Wundheilung eine große Rolle.
Außerdem sollte unbedingt auch an die Begleitsymptome gedacht werden. Fieber und Schmerzen beeinträchtigen nicht nur den Körper, sondern auch die Wundheilung. Aus diesem Grund können auch Schmerzmedikamente in das Behandlungsregime mit einbezogen werden. Oftmals bietet es sich an, diese auch kurz vor dem Durchführen des Verbandswechsels zu verabreichen, um diesen für den Betroffenen erträglich zu gestalten.

Operation

Ist die Wundheilungsstörung sehr weit fortgeschritten und betrifft nicht mehr nur die obere Hautschicht, sondern breitet sich in die Tiefe des Gewebes aus und bildet Wundtaschen, bleibt oft nur noch das chirurgische Ausschneiden von Wundgewebe mittels Debridement. In den meisten Fällen kann dies unter lokaler Betäubung durchgeführt werden, jedoch kann es auch vorkommen, dass die Wundtaschen so tief sind und auch schon auf den Knochen übergreifen, sodass der Eingriff in Vollnarkose durchgeführt werden muss. Der Chirurg schneidet großflächig das infizierte Gewebe aus und entfernt alle nicht mehr zu rettenden Areale. Mitunter versucht er durch das Legen von Nähten eine Adaption der Wundränder zu erreichen.

Eine relativ junge Therapieform bei sehr tiefen und schlecht heilenden Wunden ist die sogenannte Vac-Therapie. Hierbei wird die Wunde luftdicht verschlossen und mittels eines Sogs ein Unterdruckmilieu erzeugt, welches sich Studien zur Folge sehr positiv auf die Wundheilung auswirkt. (ma)