Zahnwachstum

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Zahnwachstum bei Kindern

Das Zahnwachstum beginnt bei Babys meist ab dem fünften bis siebten Monat. In der Regel verläuft das Durchbrechen der Milchzähne ohne Komplikationen. Es treten jedoch häufig Begleitbeschwerden wie Zahnfleischschmerzen, leichtes Fieber, Appetitlosigkeit und allgemeines Unwohlsein auf. Für die Eltern bedeutet das meist wenig Schlaf und eine anstrengende Zeit. Um den Kindern das Zahnen zu erleichtern, gibt es zahlreiche Naturheilverfahren, die Beschwerden beim Zahnwachstum lindern können.


Schnelle Hilfe bei schmerzendem Zahndurchbruch

Die ersten Zahndurchbrüche bei Kindern sind häufig mit Schmerzen verbunden. Dies kann für die Kleinen aber auch für die Eltern zur Belastungsprobe werden. Eine Reihe von bewährten Hausmitteln kann diese Phase erleichtern. So hilft beispielsweise das Herumbeißen auf einem gekühlten Beißring oder auf gekühlten Karotten oder Apfelstücken, die Schmerzen zu lindern. Natürliche Mittel mit Kamille und Myrrhe können auf die betroffene Stelle aufgetragen und vorsichtig einmassiert werden. Dies fördert die Durchblutung und wirkt entzündungshemmend. Sollten sich die Schmerzen nicht bessern, kann ein Kinderarzt auch schmerzlindernde Salben empfehlen.

close-up Baby mouth with two rises teeth
Das Zahnwachstum ist bei Babys oft mit einer Vielzahl an körperlichen Begleitsymptomen verbunden. (Bild: seregraff/fotolia.com)

Zahnwachstum – ein kurzer Überblick

Bei den einen unproblematisch für andere eine Zerreißprobe. Das Zahnwachstum kann mitunter für Kind und Eltern eine Belastung darstellen, auch wenn es sich hierbei um einen natürlichen Prozess handelt, der in der Regel nicht ursächlich für Erkrankungen ist. Hier ein kurzer Überblick über das Zahnwachstum und die damit verbundenen möglichen Beschwerden:

  • Definition: Das Zahnwachstum beschreibt die Entwicklung der Zähne, die von den Anlagen im Embryonalstadium über die Ausbildung der Milchzähne bis hin zur fertigen Entwicklung des bleibenden Gebisses reicht.
  • Milchzahngebiss: Das Milchzahngebiss ist circa im Alter von drei Jahren abgeschlossen. Es besteht aus je zehn Zähnen im Ober- und Unterkiefer: Vier Milchschneidezähne, zwei Milcheckzähne und vier Milchbackenzähne.
  • Bleibendes Gebiss: Das bleibende Gebiss eines Erwachsenen besteht inklusive der Weisheitszähne aus je 16 Zähnen im Ober- und Unterkiefer: Vier Schneidezähne, zwei Eckzähne, vier kleine Backenzähne, vier große Backenzähne und zwei Weisheitszähne.
  • Symptome beim Zahndurchbruch: Bei Babys kommt es häufig zu Anzeichen von Unwohlsein im Zuge des Zahndurchbruchs. Es kann zu Symptomen wie leichtem Fieber, Appetitlosigkeit, vermehrtem Speichelfluss, erhöhter Erregbarkeit, Schlafstörungen und Ausschlag im Gesicht kommen.
  • Diagnose: Das Zahnwachstum ist ein natürlicher Prozess und bedarf in der Regel keiner ärztlichen Hilfe. Ein Arzt sollte in regelmäßigen Abständen die Entwicklung der Zähne überwachen, um bei Bedarf einschreiten zu können. Bei akuten Schmerzen kann ein Kinderarzt aufgesucht werden.
  • Behandlung von Durchbruchsschmerzen: Gekühlte Beißringe, Karotten- oder Äpfelstücke sowie Zahnfleischmassagen mit natürlichen Mitteln aus Kamille und Myrre können die Schmerzen lindern. Ein Kinderarzt kann weitere entzündungshemmende oder schmerzlindernde Salben und Gels empfehlen.

Definition

Als Zahnwachstum wird die Entwicklung der Zähne (Odontogenese) von der Entstehung ihrer Anlagen im Embryonalstadium über die Ausbildung und den Durchbruch der Milchzähne bis hin zu den bleibenden Zähnen bezeichnet. Häufig wird der Begriff jedoch nur auf die Milchzähne und die bleibenden Zähne bezogen.

Mit drei Jahren haben die meisten Kinder ein vollständiges Milchzahngebiss entwickelt. Im Alter von sechs Jahren beginnen die Milchzähne herauszufallen, um den bleibenden Zähnen Platz zu machen. (Bild: Radarani/fotolia.com)

Die Entwicklung der Zähne

Das Zahnwachstum und die Zahnentwicklung beginnen ungefähr in der sechsten Schwangerschaftswoche, wenn im Bereich des späteren Ober- und Unterkiefers jeweils eine Zahnleiste aus dem Mundhöhlenepithel entsteht. Im weiteren Verlauf der Entwicklung des Kindes im Mutterleib bilden sich über verschiedene Stadien allmählich die Milchzähne, die innerhalb der ersten zwei bis drei Lebensjahre durchbrechen und vollständig entwickelt sind. Meist beginnt das äußerlich sichtbare Zahnwachstum mit den ersten beiden Zähnchen im Unterkiefer. Sind alle Milchzähne vorhanden, verfügt das Kleinkind über jeweils zehn Zähne im Ober- und Unterkiefer, die im Alter von sechs bis neun Jahren allmählich von den bleibenden Zähnen abgelöst werden. Dieser Prozess verläuft in zwei Phasen: In der ersten Phase (sechs bis neun Jahre) brechen die ersten bleibenden Zähne hinter der Milchzahnreihe durch. Die Milchzähne fallen allmählich aus und die seitlichen und mittleren Schneidezähne brechen durch. In der zweiten Phase (neun bis zwölf Jahre) kommt es zunächst zum Durchbruch der Eckzähne und der sogenannten Prämolaren (Backenzähne, die einen Milchzahnvorgänger haben). Dann brechen auch die anderen großen Backenzähne durch. Der Durchbruch der Weißheitszähne, der letzten bleibenden Zähne, erfolgt erst ab dem 18. Lebensjahr.

Das Kindergebiss

Das Milchzahngebiss besteht aus 20 Zähnen und ist in der Regel im Alter von zwei bis drei Jahren voll entwickelt. Es enthält je zehn Zähne im Ober- und Unterkiefer – vier Milchschneidezähne, zwei Milcheckzähne und vier Milchbackenzähne (Molaren). Gewöhnlich brechen nach etwa sechs Monaten als erstes die unteren Schneidezähne durch. Wenig später folgen dann die oberen. Wenn das Kind um die 18 Monate alt ist, zeigen sich die ersten Milcheckzähne. Ab diesem Alter oder ab zwei Jahren brechen oft auch die ersten Backenzähne durch. In den meisten Fällen sind im Alter von drei Jahren alle Milchzähne sichtbar.

Vom ersten bis zum letzten Zahn

Die folgenden Angaben sind eher als Erfahrungswerte zu verstehen und können bei den einzelnen Personen sowohl in der Reihenfolge als auch vom Zeitpunkt sehr unterschiedlich sein. Dies ist in den meisten Fällen auch kein Grund zur Besorgnis. Der Wachstumsprozess sollte durch regelmäßige Besuche von einem Arzt kontrolliert werden, der so rechtzeitig eingreifen kann, falls eine Fehlentwicklung vorliegen sollte. Die folgende Tabelle zeigt, ab welchem Alter welche Zähne erwartungsgemäß durchbrechen.

  • Um die sechs Monate: Die ersten mittleren Schneidezähne brechen durch.
  • Um die neun Monate: Die seitlichen Milchschneidezähne werden sichtbar.
  • Circa ab 18 Monaten: Die ersten Milcheckzähne zeigen sich.
  • Zwischen dem 18. Monat und zwei Jahren: Die ersten Milchbackenzähne setzen sich durch.
  • Nach dem dritten Lebensjahr: Alle Milchzähne sind durchgebrochen.
  • Ab sechs Jahren: Der erste große Backenzahn bricht durch.
  • Ab sieben Jahren: Die mittleren Schneidezähne werden durch bleibende Schneidezähne ersetzt.
  • Ab acht Jahren: Die bleibenden seitlichen Schneidezähne brechen durch.
  • Ab neun Jahren: Die bleibenden Eckzähne und die bleibenden kleinen Backenzähne im Unterkiefer setzen sich durch.
  • Ab zehn Jahren: Die bleibenden kleinen Backenzähne im Oberkiefer werden sichtbar.
  • Ab elf Jahren: Die bleibenden Eckzähne des Oberkiefers und die zweiten kleinen Backenzähne im Ober- und Unterkiefer zeigen sich.
  • Ab zwölf Jahren: Die zweiten bleibenden große Backenzähne brechen durch.
  • Im Alter von 15 Jahren: Die bleibenden Zähne sind komplett sichtbar.
  • Ab 18 Jahren: Die Weisheitszähne brechen durch. Dieser Prozess kann sich bis zum 25. Lebensjahr oder länger hinziehen.
Die Pflege der Zähne sollte bereits mit dem ersten Zahn beginnen. (Bild: Anke Thomass/fotolia.com)

Die richtige Pflege der ersten Zähne

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt, die ersten Babyzähne regelmäßig mit einem Wattestäbchen zu reinigen, da diese bereits die Gesundheit und das Wachstum der darauffolgenden Zähne beeinflussen können. Milchzähne haben einen weicheren Zahnschmelz als die bleibenden Zähne und sind besonders anfällig für Karies. Deshalb sollten Eltern mit der Zahnpflege der Kinder so früh wie möglich beginnen. Wenn vier bis fünf Zähne durchgebrochen sind, sollte eine spezielle Baby-Zahnbürste zur Reinigung verwendet werden. Ungefähr ab dem dritten Lebensjahr können die Eltern ihren Kindern das Zähneputzen selbst beibringen. Das Bürsten der Zähne sollte aber in der ersten Zeit noch von einem Elternteil unterstützt werden. Dabei sollte Kinderzahnpasta verwendet werden, die entweder keinen oder nur einen sehr geringen Fluoridanteil hat.

Zahndurchbruch-Symptome

Normalerweise verlaufen der Durchbruch und das Wachstum der ersten Zähne beim Kind ohne Komplikationen. Häufig sind Babys, die zahnen, jedoch quengelig und zeigen allgemeine Anzeichen von Unwohlsein, die bis hin zu Fieber und Durchfall reichen. Eltern klagen während dieser Zeit häufig über besonders kurze Nächte.

Erste Anzeichen für den Durchbruch der Milchzähne sind bei Babys um den fünften bis siebten Lebensmonat starker Speichelfluss und das „Beißen“ in Gegenstände. Viele Kinder weinen dann häufiger und zeigen einen geröteten Po. Im Mundraum erscheint das Zahnfleisch wund und rötlich. Fieber oder Fieberschübe, Erbrechen und Durchfall mit Bauchschmerzen können ebenfalls hinzukommen, wobei starke Symptome in der Regel nicht direkt mit dem Zahndurchbruch zusammenhängen, da dieser ein natürlicher Wachstumsprozess und keine Erkrankung ist.

Diagnose von Problemen beim Zahnwachstum

Stellen Eltern fest, dass ihr Baby während des Durchbruchs der Zähne an begleitenden Beschwerden leidet, ist meist ein Besuch beim Kinderarzt oder Heilpraktiker ausreichend. Ein Zahnarzt muss nur in seltenen Fällen konsultiert werden, beispielsweise wenn sich keine Anzeichen für den Milchzahndurchbruch zeigen und möglicherweise bereits in der Anlage der Zähne Entwicklungsstörungen aufgetreten sind oder die ersten Zähne ungewöhnlich oder krank aussehen.

Bei der Untersuchung wird zunächst der Mundraum des Kindes begutachtet und gegebenenfalls vorsichtig abgetastet. Darüber hinaus werden Fragen nach den genauen Beschwerden gestellt, um eine andere Ursache der Probleme auszuschließen. Bestehen Zweifel an der vollständigen Ausbildung der Milchzähne, kann ein Röntgenbild Aufschluss über das Zahnwachstum im Ober- und Unterkiefer geben.

Ein gekühlter Beißring kann oft die Schmerzen bei den ersten Zahndurchbrüchen lindern. (Bild: inarik/fotolia.com)

Behandlungsoptionen beim Zahnwachstum

Bei den häufigsten Beschwerden, an denen Babys während des Zahnwachstums leiden, wie Zahn- beziehungsweise Zahnfleischschmerzen und allgemeinem Unwohlsein, sind Hausmittel und Naturheilverfahren sehr effektiv. So lindert ein kühlender Beißring die Schmerzen im Mund. Natürliche Mittel mit Kamille und Myrrhe wirken zudem entzündungshemmend und können auf die betroffenen Stellen geträufelt und anschließend sanft einmassiert werden. Auf diese Weise wird die Durchblutung des Zahnfleisches gefördert und der Zahndurchbruch erleichtert. Um das Zahnfleisch zu massieren, können die Kinder auch auf einer Karotte oder trockenem Brot kauen.

Regelmäßige Kontrollen zur Prävention

Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Früherkennung von Krankheiten bei Kindern regelt die zehn Früherkennungsuntersuchungen, die in den ersten sechs Lebensjahren standardmäßig erfolgen sollten. Laut der Richtlinie sollte die erste Kontrolle der Zähne im Rahmen der U5-Untersuchung stattfinden, die zwischem dem fünften und achten Lebensmonat erfolgt. Ab diesem Zeitpunkt sollte jede folgende Standard-Früherkennungsuntersuchung (also U6, U7, U7a, U8 und U9) eine Kontrolle der Zähne beinhalten.

Was Sie auch ausprobieren können

Die folgenden Tipps sind zwar wissenschaftlich nicht bewiesen, werden aber vielfach angewendet. So sollen Bernsteinketten aus der Steinheilkunde ebenfalls bei Zahnschmerzen helfen, indem sie minimale Mengen von Bernsteinsäure an die Haut abgeben und so die Wundheilung beschleunigen sowie bei der Bekämpfung von Infektionen unterstützen sollen. In der Homöopathie können je nach Art der Begleitbeschwerden während des Zahnens unter anderem Chamomilla, Kreosotum (vor allem bei Durchfall), Magnesium phosphoricum, Calcium phosphoricum, Belladonna sowie Podophyllum (vor allem bei Durchfall) zur Anwendung kommen. (ag; vb; aktualisiert am 24. Dezember 2018)


Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Internetauftritt der kassenärztlichen Bundesvereinigung, (Abruf 05.08.2019), KZBV
  • Internetauftritt des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V., (Abruf 05.08.2019), bvkj
  • Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern (Kinder-Richtlinie), Gemeinsamer Bundesausschuss, (Abruf 05.08.2019), GBA
  • Thomas Weber: Memorix Zahnmedizin, Thieme Verlag, 5. Auflage, 2017