Morbus Preiser – Ursachen, Symptome und Therapie

Nekrosen können theoretisch an sämtlichen Hand- und Fingerknochen auftreten. Eine Spezielle Form ist die aseptische Kahnbeinnekrose, welche auch als Morbus Preiser bezeichnet wird. (Bild: elvira gerecht/fotolia.com)
Fabian Peters

Kahnbeinnekrose, Preiser-Krankheit

Bei Morbus Preiser handelt es sich um eine sogenannte aseptische Knochennekrose am Handgelenk, speziell des Kahnbeins. Handgelenkschmerzen und entsprechende Beeinträchtigungen der Bewegungsfähigkeit sind Folgen der Erkrankung.

Definition

Eine Nekrose des Os scaphoideums (Kahnbein), die ohne Einfluss von Krankheitserregern bzw. ohne Infektion verläuft, wird nach ihrem Entdecker als Morbus Preiser oder Preiser-Krankheit (Erstbeschreibung des Krankheitsbildes 1910) bezeichnet. Alternativ kann für die aseptische Knochennekrose am Kahnbein auch der Begriff „Skaphoidnekrose“ verwendet werden.

Nekrosen können theoretisch an sämtlichen Hand- und Fingerknochen auftreten. Eine Spezielle Form ist die aseptische Kahnbeinnekrose, welche auch als Morbus Preiser bezeichnet wird. (Bild: elvira gerecht/fotolia.com)
Nekrosen können theoretisch an sämtlichen Hand- und Fingerknochen auftreten. Eine Spezielle Form ist die aseptische Kahnbeinnekrose, welche auch als Morbus Preiser bezeichnet wird. (Bild: elvira gerecht/fotolia.com)

Auftreten und Ursachen

Wie bei allen Knochennekrosen, kommt es auch bei dieser Erkrankung zu einem Infarkt des Knochens mit entsprechender Unterversorgung im Knochengewebe. Betroffen ist das Kahnbein (Os Scaphoideum) am Handgelenk. In dem zweitgrößten Handwurzelknochen treten bei Morbus Preiser aus bislang ungeklärtem Grund Störungen der Blutzirkulation auf, was eine entsprechende Unterversorgung mit Mineralstoffen und Sauerstoff zur Folge hat. Die Knochensubstanz wird hierdurch zunehmend geschwächt und es setzt eine Osteonekrose ein.

Als Urache der Zirkulationsstörung werden Mikrotraumatisierung und traumatische Einflüsse zum Beispiel durch Frakturen (Knochenbrüche) diskutiert. Eine eindeutige, mediznisch belastbare Aussage zu den Auslösern der Erkrankung lässt sich bislang allerdings in den meisten Fällen nicht treffen. Ausnahmen bilden hier Kahnbeinnekrosen, die im direkten Zusammenhang mit einer Gefäßkrankheit wie beispielsweise einer Kollagenose stehen oder im Rahmen einer progressiven systemischen Sklerose auftreten.

Verschiedene allgemeine Risikofaktoren der Knochennekrosen wie beispielsweise die systemische Anwendung von Cortison oder eine Erkrankung an Diabetes werden ebenfalls im Zusammenhang mit der Preiser-Krankheit diskutiert.

Symptome und Beschwerden bei Morbus Preiser

Die Beschwerden bei einer Kahnbeinnekrose sind abhängig davon, welche und wie viele Teile des Knochens nicht akkurat versorgt werden. Hier ist es für die Symptomatik entscheidend, welcher Anteil des Kahnbeins von der Blutzirkulation abgeschnitten beziehungsweise von dem Knocheninfarkt befallen wurde. Kleine Knocheninfarkte können
auch symptomlos verlaufen.

Handgelenkschmerzen, die bis in den Unterarm ausstrahlen können, sind eine typische Folge der Preiser-Krankheit. (Bild: Adiano/fotolia.com)
Handgelenkschmerzen, die bis in den Unterarm ausstrahlen können, sind eine typische Folge der Preiser-Krankheit. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Meist zeigen sich bei einer Kahnbeinnekrose Handgelenkschmerzen, die zum Teil schlagartig auftreten, aber auch intervallartig sein und sich steigern können. Meist treten die die Schmerzen unter Belastung auf und strahlen in Richtung der sogenannten Foveola radialis (Grübchen zwischen Daumen und Handgelenk, auch anatomische Tabatière genannt) sowie in Richtung Unterarm aus, so dass auch begleitende Unterarmschmerzen auftreten können. Die Hand kann im Bereich des Kahnbeins zudem überwärmt und geschwollen erscheinen. Auch zeigen sich Schmerzen bei Druck auf das Os scaphoideum.

Durch die Nekrose des Kahnbeins drohen bei ausgeprägten Formen schlimmstenfalls erhebliche Bewegungs- und Belastungseinschränkungen der Hand, die mit deutlichen Einschränkungen im Alltag einhergehen. Berufliche Tätigkeiten mit den Händen können gegebenfalls nicht mehr ausgeführt werden.

Auch wenn der Verdacht auf eine Kahnbeinnerose sich oftmals bereits anhand der beschriebenen Symptomatik festmachen lässt, bedarf es zur Sicherung der Diagnose einer Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren (Röntgen, CT, MRT). Der Verlust der Knochsubstanz ist hier in der Regel deutlich erkennbar und es können auch Aussagen über den Schweregrad der Erkrankung getroffen werden. Nicht zuletzt dienen die bildgebenden Verfahren dem Ausschluss anderer Erkrankung, wie beispielsweise einer Kahnbeinfraktur oder eines Knochentumors.

Meist ist im Rahmen der Behandlung von Morbus Preiser einer Ruhigstellung mit einem Gipsverband vorgesehen. (Bild: Fenton/fotolia.com)
Meist ist im Rahmen der Behandlung von Morbus Preiser einer Ruhigstellung mit einem Gipsverband vorgesehen. (Bild: Fenton/fotolia.com)

Therapie

Die Behandlung der Preiser-Krankheit richtet sich direkt nach dem Ausmaß des Knocheninfarktes und kann von einer Ruhigstellung mittels Gipsverband und physiotherapeutischen Maßnahmen, über eine lokale oder systemische Medikation bis hin zu operativen Eingriffen reichen. Eine Operation wird zum Beispiel erforderlich, wenn das Kahnbein durch die Nekrose massive in seiner Form verändert ist. Auch kann der Knochen in einem frühen Krankheitsstadium geziel angebohrt werden, um die Blutzirkulation neu anzuregen und eine Regeneration der Knochensubstanz zu ermöglichen. Bei schweren Krankheitsformen besteht des Weiteren die Mögichkeit einer sogenannten Arthrodese (operative Gelenkversteifung), um die Funktion und Belastbarkeit zumindest teilweise wiederherzustellen. (tf,fp)

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