Sakroiliitis – Symptome und Behandlung

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Chronische Entzündung am Iliosakralgelenk

In der Medizin wird eine chronische Entzündung am Iliosakralgelenk als Sakroiliitis bezeichnet. Das Gelenk befindet sich im unteren Abschnitt der Wirbelsäule zwischen dem Darmbein und dem Kreuzbein. Nur sehr selten tritt eine Sakroiliitis als eigenständige Krankheit auf. In den meisten Fällen ist sie Folge anderer Krankheiten wie Morbus Bechterew, Morbus Reiter oder Morbus Crohn. Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Definition: Sakroiliitis ist eine chronische Entzündung am Iliosakralgelenk, die in den meisten Fällen als Folge bestimmter Erkrankungen auftritt.
  • Symptome: Rückenschmerzen, starke Schmerzen im Kreuz, die mitunter ins Gesäß oder in die Leiste ausstrahlen, Bewegungseinschränkungen, Haltungsschäden.
  • Ursachen: Häufig ist Sakroiliitis eine Folgeerkrankung von Morbus Bechterew, Morbus Reiter oder Morbus Crohn. Die genauen Ursachen sind bislang unklar.
  • Behandlung: Physiotherapie, Schmerztherapien, entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, bei schwerwiegenden Fällen wird operativ ein Implantat eingesetzt.

Das Iliosakralgelenk

Die Iliosakralgelenke haben eine Form wie ein Bumerang und nur einen Bewegungsumfang von 5 bis 7 Grad. Bei den vielen Menschen versteift das Gelenk mit fortgeschrittenem Alter und weist nur noch ein Mindestmaß an Beweglichkeit auf. Das Gelenk sitzt zwischen dem Kreuzbein, also dem vorletzten Endstück der Wirbelsäule, und dem Darmbein, welches die Beckenschaufeln bildet.

Das Iliosakralgelenk fängt sowohl den Druck der Beine als auch des Oberkörpers auf. Eine Entzündung hat starke Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Haltungschäden zur Folge. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Die Last auf den Iliosakralgelenk

Die Gelenke zwischen den beiden Beckenknochen und dem Kreuzbein haben eine große Last zu tragen. An dieser Stelle werden der Druck von unten, der durch die Beine erzeugt wird, und die Last vom Oberkörper kompensiert. Dadurch entsteht eine große Belastung in der Region. Ist dieses Gelenk entzündet, kann das für erhebliche Schmerzen und andere unangenehme Konsequenzen sorgen.

Krankheitsverlauf

Meistens ist der Verlauf einer Sakroiliitis langwierig und verschlechtert sich im Laufe der Erkrankung. Es treten starke Lendenwirbelschmerzen auf, die bis in das Gesäß oder in die Leiste (Leistenschmerzen) ausstrahlen. Außerdem kommt es häufig zu Bewegungseinschränkungen und Haltungsschäden.

Ist Sakroiliitis heilbar?

Die Erkrankung wird medizinisch als chronisch-progrediente Entzündung klassifiziert. Dies bedeutet, dass eine gänzliche Heilung nicht möglich ist. Tendenziell nimmt die Schwere der Erkrankung eher zu. Konstante und konsequente Behandlung, insbesondere durch Physiotherapie, mildert die Auswirkungen und ermöglicht eine höhere Lebensqualität.

Ursachen

Die genauen Ursachen gelten als nicht ausreichend verstanden. Experten vermuten, dass eine genetische Veranlagung dieses Leiden auslöst. Eine Sakroiliitis besteht nur sehr selten allein, sondern tritt häufig als Folge bestimmter Erkrankungen auf. Zu diesen zählen beispielsweise:

Heftige Kreuzschmerzen sind typische Symptome einer Sakroiliitis. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Symptome

Zu den typischen Symptomen einer Entzündung der Iliosakralgelenke zählen:

  • Kreuzschmerzen und Gesäßschmerzen, die häufig nachts oder morgens intensiver sind als tagsüber,
  • in die Leistengegend oder in die Beine ausstrahlende Schmerzen,
  • Bewegungseinschränkungen im Kreuz,
  • steife Beine,
  • Schmerzen beim Sitzen,
  • Probleme beim Gehen, längerem Stehen und Treppensteigen.

Diagnose

Zur Diagnose dieser Krankheit verwenden Mediziner häufig folgende Methoden:

  • Anamnese (Krankheitsgeschichte des Patienten),
  • ausführliche körperliche Untersuchungen,
  • „Stuhlsteigeversuch“ oder ähnliche Tests,
  • bildgebende Verfahren.

Stuhlsteigeversuch

Bei einem Verdacht auf Sakroiliitis wenden Mediziner häufig den „Stuhlsteigeversuch“ an. Dabei versuchen Betroffene mit einem Bein auf einen Stuhl zu steigen. Bei dieser Bewegung werden die typischen Beschwerden der Erkrankung ausgelöst.

Bildgebenden Verfahren

Die Entzündung am Iliosakralgelenk kann durch bildgebende Verfahren an der Lendenwirbelwirbelsäule und dem Becken gut dargestellt werden. Zusätzlich können andere Krankheiten durch die Aufnahmen ausgeschlossen werden. Deshalb werden bei der Diagnose häufig Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) angewendet. Während sich in Röntgenaufnahmen die Sakroiliitis erst in einem fortgeschrittenen Zustand zeigt, ermöglicht eine MRT-Aufnahme eine wesentlich frühere Diagnose.

Eine konstante und konsequente Physiotherapie zählt zu den gängisten und erfolgsversprechensten Behandlungen bei einer Sakroiliitis. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Sakroiliitis Behandlung

Die Art der Behandlung hängt von der Schwere der Erkrankung ab. In den meisten Fällen werden in frühen Stadien physiotherapeutische Maßnahmen ergriffen, die durch Anwendungen von Wärme-, Kälte- oder Elektrotherapie unterstützt werden. Außerdem werden häufig entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente verwendet. Wenn diese Maßnahmen an ihre Grenze stoßen, gibt es die Möglichkeit, operativ ein Titanimplantat einzusetzen, welches das Iliosakralgelenk stützt.

Physiotherapeutische Methoden

Als frühe Maßnahme wird häufig versucht, den Schmerz durch regelmäßige Physiotherapie zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern, beziehungsweise zu erhalten. Die gelernten Übungen können dann zum Teil auch zu Hause ausgeführt werden. Die Anwendung von Wärme-, Kälte- oder Elektrotherapie kann diesen Prozess unterstützen. Bei akuten Phasen sollte jedoch insbesondere auf eine Wärmebehandlung verzichtet werden, da diese die Symptome im akutem Zustand verschlechtert.

Medikamente

Bei einer Sakroiliitis werden häufig schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente verschrieben. Als Entzündungshemmer eignen sich beispielsweise nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Zur Schmerzlinderung kommen häufig Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Schmerzmittel nur phasenweise und nicht dauerhaft eingenommen werden. Bei besonders starken Schmerzen wird ein Schmerzmittel direkt in das Iliosakralgelenk gespritzt.

Schmerztherapien wie Reizstrombehandlungen haben bei einer Sakroiliitis gute Erfolge gezeigt. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

Schmerztherapie

Ein weiterer Aspekt in der Behandlung ist Linderung der starken Schmerzen. Neben der Einnahme von Schmerzmitteln kommen hier ergänzende Methoden in Frage. Dazu zählt beispielsweise:

Implantat

Wenn alle anderen Methoden nicht die gewünschten Erfolge erzielen, besteht die Möglichkeit, das Iliosakralgelenk durch ein Implantat zu stabilisieren. Das dreieckige Implantat aus Titan wird in einer minimalinvasiven Operation in das Iliosakralgelenk eingefügt, um dieses fortan zu stützen. (tf, aktualisiert am 25. April 2018 vb)