Sulcus ulnaris- oder Kubitaltunnelsyndrom

Fabian Peters

Sulcus-Ulnaris-Syndrom, Kubitaltunnelsyndrom, Ulnarisrinnen-Syndrom

Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern haben oft ihre Ursache in einer Nervenkompression weiter oben im Arm. So auch bei dem sogenannten Kubitaltunnelsyndrom, welches durch eine Kompression des Nervus ulnaris in dem Kubitaltunnel am Ellenbogen bedingt ist. Oft wird diese durch langes oder häufiges Aufstützen des Ellenbogens (Ellenbogenschmerzen) ausgelöst.

Definition

Das Kubitaltunnelsyndrom beschreibt eine Kompression des Nervus ulnaris in dem Kubitaltunnel am Ellenbogen, welche mit entsprechenden Beeinträchtigungen im Versorgungsbereich des Ulnarisnervs einhergeht. Früher wurde das Beschwerdebild meist als „Sulcus-nervi-ulnaris-Syndrom“ oder „Sulcus-Ulnaris-Syndrom“ bezeichnet, was jedoch die Lokalisation der Nervenkompression nur unzureichend wiedergibt. Weitere Bezeichnungen sind Ulnarisneuropathie am Ellenbogen und Ulnarisrinnen-Syndrom. Darüber hinaus wird mitunter zwischen einer primären Form und einer sekundären Form unterschieden, wobei letzterer beiespielsweise die Begleiterscheinung einer Ellenbogengelenksarthrose sein kann.

Das Kubitaltunnelsyndrom wird durch eine Kompression des Ulnarisnervs bedingt und geht mit Beschwerden im Versorgungsbereich des Nervs einher. (Bild: bilderzwerg/otolia.com)

Symptome und Verbreitung

Das Kubitaltunnelsyndrom gilt als das zweithäufigste Kompressionssyndrom eines peripheren Nervs. Die Inzidenz beträgt laut einer im „Deutschen Ärztblatt“ veröffentlichten Studie 24,7 auf 100.000 Einwohner, wobei Männern etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen. Auch treten die Beschwerden im linken Arm deutlich häufiger auf als im rechten.

Geprägt ist das Syndrom durch wiederkehrende Gefühlsstörungen im Versorgungsgebiet des Nervus ulnaris. So zeigen sich oft Missempfindungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl) im Kleinen Finger und dem Ringfinger. Mit zunehmender Schädigung des Nervs kommen dauerhafte Sensibilitätsstörungen und Schmerzen hinzu, die von der Hand bis in den Unterarm und Ellenbogen reichen können. Darüber hinaus ist nicht selten eine zunehmende Muskelschwäche und eine Atrophie der versorgten Muskulatur festzustellen. Die Kraft lässt in einigen Handmuskeln deutlich nach. Auch einfache Tätigkeiten, wie das Halten eines Stiftes beim Schreiben werden so gegebenenfalls zum Problem.

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Die Beschwerden beim Kubitaltunnelsyndrom treten vor allem im Bereich des Ringfingers und des Kleinen Fingers auf. (Bild: fosupaksorn/fotolia.com)

Ursachen

Am Ellenbogen verläuft der Ellennerv (Nervus Ulnaris), welcher vor allem die Außenseite der Hand versorgt, in einer Rinne, dem sogenannten Kubitaltunnel. Beim Beugen unseres Armes wird der Nerv automatisch gegen die mittlere Wand des Tunnels gezogen. Zusätzlich wird der mittlere Kopf des Trizepsmuskels, der hier ansetzt, mit an den Nerven-Kanal gezogen. Ein Band (Lig. Collaterale ulnare), das über den Kanal und seitlich an ihm verläuft, verhindert, dass der Nerv ausweichen kann und übt somit gleichfalls Druck auf ihn aus. Unter diesen Ausgangbedingungen kann leicht eine Kompression des Nervs erfolgen, wenn beispielsweise externe Belastungen bzw. Überlastungen hinzukommen.

Beispielsweise leiden viele Menschen, die am PC arbeiten, an dem Syndrom, da sie sich über lange Zeiträume mit dem Ellenbogen aufstützen und so eine Situation schaffen, in welcher der Nerv mit den oben beschriebenen Mechanismen dauerhaft abgedrückt wird. Auch eine Prellung des Ellenbogen kann den Druck auf den Nervus ulnaris erhöhen. Veränderungen im Gewebe wie beispielsweise Knochenvorsprünge oder Tumore bilden weitere möglcihe Ursachen. Nicht zuletzt sind bei Menschen mit einer sogenannten Polyneuropathie, wie sie beispielsweise bei Diabetes auftreten kann, die Nerven oft besonders anfällig gegenüber äußerem Druck. Auch Übergewicht und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises gehören zu den Risikofaktor. Nicht zuletzt können vorausgegangen Verletzungen das Risiko des Kubitaltunnelsyndroms erhöhen.

Werden beim Arbeiten am PC oder Notebook regelmäßig die Ellenbogen aufgestützt, kann dies die Beschwerden eines Kubitaltunnelsyndroms auslösen. (Bild: undrey/fotolia.com)

Diagnose

Die auftretenden Berschwerden lassen in der Regel recht schnell den Verdacht auf eine Nervenkompression aufkommen, allerdings bleibt dabei zu überprüfen, welcher Nerv betroffen ist und an welcher Stelle die Kompression vorliegt. Eine elektrophysiologische Untersuchung des Nervs besipielsweise mit Hilfe einer Elektroneurographie bleibt hier unerlässlich, um die Schädigung objektiv festzustellen. Allerdings bereitet hier mitunter die Lokalisation der Nervenkompression entlang dessen Verlauf Schwierigeiten. Ultraschalluntersuchungen und das Verfahren der sogenannten MR-Neurographie können hier Aufschluss bringen. Die MR-Neurographie erlaubt zudem einen Einteilung des Kubitaltunnelsyndroms in verschiedene Schweregrade.

Neben der Engstelle am Ellenbogen sollten im Rahmen der Diagnosestellung auch die Loge von Guyon mit ihrer Symptomatik (Loge-de-Guyon-Syndrom) berücksichtigt werden. Gleiches gilt für mögliche Engstellen des Nervs oberhalb des Ellenbogens.

Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms

Grundsätzlich ist es sinnvoll im Sinne der Prävention – aber auch während der Therapie – häufiger die Position des Armes zu wechseln und den Arm zu bewegen, um einseitige Belastungen zu vermeiden, die eine Nervenkompression begünstigen können. uch eine Polsterung des Ellenbiogens kann hier hilfreich sein. Ansonsten ist bei Auftreten der Beschwerden in erster Linie Schonung geboten. Auch physiotherapeutische Behandlungen können unterstützend angewendet werden.

Gehen die Beschwerden nicht zurück sollte laut Empfehlung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (USH) sollte möglichst zeitnah darüber entschieden werden, inwiefern eine Operation notwendig ist. Denn zu langes Warten könne die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich verschlechtern. Ein operativer Eingriff zielt dabei vor allem auf die Dekompression des Nervs, was jedoch unterschiedliche Maßnahmen erfordern kann. Dabei wird zwischen der endoskopischen Dekompression und den offenen Eingriffen unterschieden.

Nicht selten bleibt ein operativer Eingriff die einzige Option, um eine Entlastung des Ulnarisnervs zu erreichen. (Bild: Ratthaphon Bunmi/fotolia.com)

Meist ist laut Angaben des USH eine endoskopische DeDekompression möglich, bei der über einen kleinen Schnitt am Ellenbogen ein spezielles Endoskop entlang des Nervenverlauf geschoben werden kann. So lässt sich der Nerv optisch überprüfen und bei Bedarf können kleinere vorliegende Engpässe behoben werden. Meist lässt sich der Eingriff ambulant durchführen und die Betroffenen können noch am selben Tag wieder nach Hause.

Die offene Dekompression ist hingegen etwas aufwendiger. Hier wird das abdeckende Band über dem Kubitaltunnel von außen durchtrennt, der Verlauf des Nervs kontrolliert und es erfolgt bei Bedarf eine Beseitigung des einengenden Gewebes. Gegebenenfalls kann hier auch eine Verlagerung des Ulnarisnervs vorgenommen werden. (tf, fp; zuletzt aktualisiert 24.01.2017)