Ärztereport: Warum Patienten zum Arzt gehen

Sebastian

Ärztereport: Warum Patienten in Deutschland zum Arzt gehen

02.02.2011

Die Barmer GEK stellte den neuen Ärztereport 2011 vor. Daraus ergeht, dass die Deutschen immer häufiger zum Arzt gehen. Die Ausgaben im Gesundheitssystem steigen, vor allem weil kostenintensive Diagnoseverfahren wie Kernspintomographie (MRT) und Computertomographie (CT) zunehmend verordnet werden.

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Die Deutschen gehen immer häufiger zum Arzt. Experten sehen darin nicht nur Anzeichen einer Sensibilisierung auf mögliche Erkrankungen, sondern auch eine zunehmende Belastung der Menschen durch die rasanter werdenden Arbeitswelt. Etwa 93 Prozent der Deutschen geht mindestens einmal pro Jahr zum Arzt. Die häufigsten Gründe für einen Arztbesuch sind Rückenschmerzen und Bluthochdruck. Beide Beschwerdebilder treten vor allem in der westlichen Industriewelt auf und rangieren auf Platz Eins und Zwei der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch. Für den Ärztereport 2011 der gesetzlichen Krankenkasse Barmer GEK wurden die Patientendaten von gut acht Millionen Menschen ausgewertet. Die Studiendaten zeigten, dass etwa 41 Prozent der Deutschen sich bis zu vier mal in unterschiedlichen Arztpraxen behandeln lassen. Rund 1,2 Prozent der Versicherten sucht einen Arzt sogar mehr als zehn mal im Jahr auf.

Die häufigsten Ursachen für einen Arztbesuch
Störungsbilder wie Rückenschmerzen (24,1 Prozent) und Bluthochdruck (25,7) sind die häufigsten Ursachen für eine Behandlung beim Arzt. Auf der Rangliste folgen Fettstoffwechselstörungen (18,6 Prozent), Atemwegsinfektionen (18,5) und Bauchschmerzen mit 9,9 Prozent. Stark zugenommen haben auch psychische und seelische Leiden. Aufgrund von Depressionen haben sich rund 9,4 Prozent und wegen Schlafstörungen etwa 4,5 Prozent der Patienten behandeln lassen. Die Volkskrankheit Diabetes Typ II rangiert unter den Top 10 der häufigsten Arztbesuche mit 6,9 Prozent und befindet sich auf Rang 9. Leiden wie Kopfschmerzen und Migräne gehören teilweise in der Bereich psychische Belastungen und rangieren auf Platz 11 und 12 mit jeweils 4,3 bzw. 4,1 Prozent. Dass die Deutschen immer übergewichtiger werden, spiegelt auch der Ärztereport wieder. Etwa 9,4 Prozent der Versicherten begaben sich aufgrund einer Adipositas in eine ärztliche Behandlung.

Diagnose-Verfahren verursachen hohe Ausgaben, obwohl der Nutzen oft zweifelhaft ist
Schwer zu schaffen machen den Krankenkassen die steigenden Mehrausgaben für teure Diagnose-Verfahren. Etwa sechs Millionen Menschen lassen pro Jahr eine Kernspintomographie durchführen. Allein dieses Verfahren verursacht jährlich Ausgaben von rund zwei Milliarden Euro. Die MRT wird im weltweiten Vergleich in Deutschland am häufigsten angewendet. „Mehr als sieben Prozent waren in der Röhre”, erläuterte der Barmer-Vize-Chef, Rolf-Ulrich Schlenker. Allerdings könne man an der Häufigkeit der Verfahren den Nutzen kaum erkennen. Denn nach Meinung der Studienautoren erfolgte im Anschluss einer MRT nur in 50 Prozent der Fällen eine tatsächliche Therapie. Zudem werden bei der MRT beispielsweise Schädigungen entdeckt und anschließend therapiert, obwohl der Patient zuvor unter keinerlei Einschränkungen litt. Beim CT- Röntgenverfahren setzen sich die Patienten einer hohen Strahlendosis aus. Viele Patienten wissen allerdings nichts davon oder werden nur unzureichend durch den behandelnden Arzt aufgeklärt.

Der Ärztereport 2011 gilt bei Experten als repräsentativ, da die Barmer GEK zu den Branchenführern unter den Krankenkassen gehört. Hierbei kann ein guter Durchschnittswert für die Gesamtbevölkerung in Deutschland errechnet werden. Mitte Februar will auch die Krankenkasse DAK ihren Gesundheitsreport 2011 vorstellen. (sb)