Alzheimer bereits an der Nase erkennen

Fabian Peters

Alzheimer-Diagnose anhand von Eiweiß-Ablagerungen auf der Nasenschleimhaut

16.11.2011

Alzheimer lässt sich bereits im Anfangsstadium der neurodegenerativen Erkrankung anhand von Eiweiß-Ablagerungen in der Nase erkennen. Chemiker der TU Darmstadt und Pathologen des Klinikums Darmstadt haben ein vielversprechendes Diagnoseverfahren entwickelt, das die sogenannten Tau-Proteine, welche eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen, bereits frühzeitig in der Nasenschleimhaut nachweisen kann.

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In einer aktuellen Pressemitteilung weist die TU Darmstadt darauf hin, dass mit dem neu entwickelten Diagnoseverfahren die entsprechenden Eiweiß-Ablagerungen „bereist vor Beginn einer Demenz in der Nasenschleimhaut“ nachgewiesen werden können. Für die Alzheimer-Patienten würde eine derart frühe Diagnose deutliche Vorteile mit sich bringen, da die Demenz-Erkrankung mit den derzeitigen therapeutischen Mitteln zwar nicht heilbar jedoch deutlich verzögerbar ist. Im Sinne der Betroffenen ließen sich durch die frühzeitig Diagnose noch einige Jahre gewinnen, in den die Patienten ein weitgehend normales Leben führen können.

Farbstoffe machen Eiweiß-Ablagerungen auf der Nasenschleimhaut sichtbar
Seit Jahren suchen Forscher weltweit nach Methoden, die eine möglichst frühzeitige Diagnose des Alzheimer-Risikos erlauben. Denn sobald „erste Symptome im Kurzzeitgedächtnis auftreten, sind schon erhebliche Schädigungen des Gehirns vorhanden“, erläuterten die Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt. Die Forschung konzentrierte sich dabei in jüngster Vergangenheit vor allem auf die nach Ansicht der Experten für das Absterben der Hirnzellen verantwortlich zu machenden Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn. „Bisher war lediglich bekannt, dass sich die schädlichen Ablagerungen nicht nur in Hirnzellen, sondern auch in den Nervenzellen der Augen zeigen“, erläuterte Professor Boris Schmidt vom Clemens-Schöpf-Institut für Organische Chemie und Biochemie der TU Darmstadt. Infolgedessen lag der Forschungsschwerpunkt auf der „Diagnose per Retina-Scan“, bei dem mit Hilfe „fluoreszierender Farbstoffe die Ablagerungen im Auge für den untersuchenden Arzt sichtbar“ gemacht werde, so Prof. Schmidt weiter. Im Rahmen ihrer Untersuchungen mit den fluoreszierenden Farbstoffen entdeckten Forscher der Technischen Universität und des Klinikums Darmstadt, dass die Farbstoffe auch entsprechende Eiweiß-Ablagerungen auf der Nasenschleimhaut sichtbar machen. „Wir haben die typischen Ablagerungen an den sogenannten Bowman-Drüsen in der Nase gefunden, die unter anderem das Nasensekret produzieren“, erläuterte Prof. Schmidt den Ansatz zur Entwicklung des nun vorgestellten neuartigen Diagnoseverfahrens.

Krankheitsstadium von Alzheimer lässt sich an der Nasenschleimhaut erkennen
Da die Eiweiß-Ablagerungen auf der Nasenschleimhaut sehr eng mit den Alzheimer auslösenden Ablagerungen im Gehirn korrelieren, liefere das neue Diagnoseverfahren auch relativ genaue Aussagen über das Krankheitsstadium der Patienten, betonte Prof. Schmidt die Vorteile der Untersuchungsmethode. Die Darmstädter Forscher haben ihr Verfahren zum Nachweis der Eiweiß-Ablagerungen bereits bei 100 verstorbenen Alzheimer-Patienten getestet, „um den frühestmöglichen Diagnosezeitpunkt feststellen zu können“, so die Aussage in der aktuellen Pressemitteilung. Dabei stellten Prof. Schmidt und Kollegen fest, dass Hirnstrukturen umso stärker befallen waren, „je mehr Tau-Ablagerungen in den Nasen der Patienten“ zu finden waren. Ein vergleichbarer „Zusammenhang konnte bei den Ablagerungen im Auge bislang nicht sicher festgestellt werden“, erläuterte Prof. Schmidt. Zudem seien bei der Nasenschleimhaut-Untersuchung der Aufwand und die Beeinträchtigung der Patienten weit geringer als bei dem Retina-Scan. Die Betroffenen könnten die Farbsubstanz in Tablettenform oder per Nasenspray einnehmen und für die anschließende Untersuchung reiche dann ein Licht-Endoskop aus, so die Aussage der Darmstädter Forscher.

Immer mehr Menschen von Alzheimer betroffen
Wie wichtig Fortschritte im Bereich der Alzheimer-Forschung sind, zeigt sich laut Aussage von Prof. Schmidt und Kollegen an der Entwicklung der neurodegenerativen Erkrankung in den vergangenen Jahrzehnten. Immer mehr Menschen sind betroffen, wobei keinerlei Aussicht auf Heilung besteht und die Alzheimer-Patienten im Zuge der Erkrankung zunehmend unter Symptomen wie zeitlicher und räumlicher Orientierungslosigkeit, Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und dem Verlust früheren Wissens oder erlernter Fähigkeiten leiden, was oftmals einen vollständige Veränderung der Persönlichkeit mit sich bringt. Alzheimer-Patienten sind in der Regel dauerhaft pflegebedürftig. Alzheimer ist laut Aussage der Darmstädter Forscher „die häufigste Form irreversibler Demenz“, wobei in Deutschland heute schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen an der Alzheimer-Krankheit leiden und für das Jahr 2030 ein Anstieg der Betroffenen auf 2,3 Millionen erwartet wird. Weltweit schätzt die Weltgesundheitsorganisation 42 Millionen Alzheimer-Erkrankte. Da die neurodegenerative Erkrankung bis heute nicht heilbar ist, „liegt die Hoffnung in Therapien, die ein Fortschreiten der Krankheit verzögern oder aufhalten“, so die Aussage der TU Darmstadt in der aktuellen Pressemitteilung. „Unabdingbar für deren wirkungsvollen Einsatz ist jedoch eine möglichst frühzeitige Diagnose der Erkrankung“, betonte Prof. Schmidt die Vorteile des neuen Diagnoseverfahrens. (fp)