300.000 Amseln am Usutu-Virus gestorben

Fabian Peters

NABU: Tropisches Usutu-Virus tötet 300.000 Amseln

10.09.2012

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat erstmals berechnet, wie viele Amseln im vergangenen Jahr tatsächlich dem tropischen Usutu-Virus zum Opfer gefallen sind. Demnach verendeten rund 300.000 Vögel an den Folgen der Infektion. Trotz der zahlreichen Todesopfer sei die Amsel-Population in ihrem Bestand jedoch nicht gefährdet, so die Mitteilung des NABU.

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Um die Auswirkung des Usutu-Virus auf den Amsel-Bestand zu erfassen, haben die Forscher des NABU die seit dem Jahr 2006 gesammelten Daten der Vogelzählaktionen „Stunde der Gartenvögel“ und „Stunde der Wintervögel“ ausgewertet. Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass allein im Jahr 2011 rund 300.000 Amseln an dem tropischen Virus verstorben sind. „Die Zahlen zeigen, dass das Risiko für Amseln in bestimmten Regionen groß, aber bundesweit nicht bestandsgefährdend ist“, erläuterte der NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Mit der wachsenden Verbreitung der Erreger in der Vogelpopulation steigt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit von Infektionen beim Menschen. Übertragen werden die Erreger hierzulande laut Erkenntnissen der Experten des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI), der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) und der Universität Heidelberg durch die Nördliche Hausmücke. Der Erreger „überwintert in den Mückenweibchen und wird nur direkt von ihnen übertragen. Er kann weder von Vogel zu Vogel noch vom Vogel zum Menschen übertragen werden“, so die aktuelle Mitteilung des NABU.

Wachsende Verbreitung des Usutu-Virus
Den erstmaligen Ausbruch des Usutu-Virus in Deutschland verzeichneten die Experten „im Sommer 2011 am nördlichen Oberrhein im Grenzgebiet von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg“, berichtet der NABU. In einigen Regionen sei ein regelrechtes Massensterben zu beobachten gewesen. In 21 betroffenen Landkreisen ging der Amsel-Bestand laut Aussage der Experten innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel zurück. Im Sommer 2012 habe sich das Ausbruchsgebiet weiter vergrößert. „Das Ausbruchsgebiet hat sich im Sommer 2012 leicht ausgebreitet und umfasst nun die Rheinebene von Freiburg im Breisgau bis Köln und das Maintal aufwärts bis Frankfurt am Main und Hanau“, so die Mitteilung des Naturschutzbundes. Ein Grund zur Panik sei die Ausbreitung der Erreger jedoch nicht. Denn „wir können davon ausgehen, dass die Amseln zunehmend resistent gegen den Erreger werden“ und so in den betroffenen „Regionen ähnliche Massensterben von Jahr zu Jahr weniger extrem ausfallen“, erläutere der Vogelexperte des NABU, Lars Lachmann.

Am Usutu-Virus erkrankte Vögel melden
Angaben über die zukünftigen Folgen des tropischen Usutu-Virus auf die Amsel-Population sind bislang jedoch reine Spekulation. Um die Entwicklung des Virus zu beobachten und zu bewerten, sei die Bevölkerung weiterhin dazu aufgefordert, möglicherweise am Usutu-Virus erkrankte oder gestorbene Amseln zu melden. Die Vögel können zur Untersuchung auch an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg geschickt werden, berichtet der NABU in seiner aktuellen Mitteilung. Anzeichen einer Infektion seien apathisches und unkoordiniertes Verhalten sowie kahle Stellen im Bereich des Kopf- und Halsgefieders. Prinzipiell könnten sich die meisten Vögel mit dem aus Südafrika stammenden und im Jahr 2011 erstmals in Deutschland aufgetretenen Erreger infizieren. Tatsächlich fallen dem Virus aus bislang ungeklärter Ursache jedoch überwiegend Amseln zum Opfer. Laut NABU sind Amseln mit einem Anteil von 13 Prozent an der Vogelpopulation die am weitesten verbreitete Vogelart in Deutschland. Den Schätzungen der Experten zufolge leben hierzulande rund acht bis 16 Millionen Brutpaare beziehungsweise „nach der Brutzeit im Sommer circa 50 bis 60 Millionen Individuen.“

Mögliche Übertragung des Usutu-Virus auf den Menschen
Durch den Stich der Nördlichen Hausmücke können Usutu-Viren theoretisch auch auf Menschen übertragen werden, wie dies bereits bei mindestens einem Patienten aus dem hessischen Groß-Gerau der Fall war, in dessen Blut Antikörper gegen die Erreger nachgewiesen wurden. Die Infektion verläuft beim Menschen mit Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Juckender Hautausschlag in der Regel deutlich harmloser als bei Vögeln, kann jedoch schlimmstenfalls auch eine lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns mit sich bringen. Insbesondere ältere und ohnehin geschwächte Patienten sind nach Einschätzung der Experten bei einer Infektion mit dem tropischen Virus gefährdet. (fp)