Bei Erkältungen kann die Medizin nichts ausrichten

Sebastian

Gegen Erkältungsviren existieren keine konventionellen Medikamente

20.02.2012

Gegen 300 Erkältungsviren ist die konventionelle Medizin beinahe machtlos. Die Viren sind derart unterschiedlich, dass die Entwicklung selbst für profitorientierte Pharmaunternehmen ein heilloses Unterfangen wäre. Die Erreger sind in ihrer Beschaffenheit zu unterschiedlich und mutieren aufgrund des Austausches von Erbinformationen in relativ kurzer Zeit. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass altbewährte Hausmittel oder Mittel der Naturheilkunde effektiv und verträglich Erkältungskrankheiten lindern können und den Heilungsprozess beschleunigen.

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In der Notfallmedizin und bei schweren Erkrankungen erfindet die wissenschaftliche Medizin immer komplexere Behandlungsmethoden, um das Überleben des Patienten zu ermöglichen. Gegen grippale Infekte mit Symptomen wie Schnupfen, Gliederschmerzen, Fieber, Husten und Heiserkeit ist die Schulmedizin machtlos, obwohl Erkältungskrankheiten zu den häufigsten Gründen gehören, warum Menschen einen Hausarzt aufsuchen. Dieser verordnet in der Regel Bettruhe und schreibt den Patienten krank. Sind die Beschwerden stark ausgeprägt, das Fieber sehr hoch, werden zum Teil fiebersenkende Arzneien und Hustensaft zum verbesserten Abhusten verordnet. Ein alter Spruch der Medizin lautet: „Ein unbehandelter Schnupfen dauert eine Woche, ein behandelter jedoch sieben Tage.“ Eine andere Therapeuten-Aussage bezieht auch die Zeit des abklingenden Schnupfens ein: „Drei Tage kommt er. Drei Tage steht er. Drei Tage geht er.“

Viele unterschiedliche Erkältungsviren
Die lästigen Erkältungsinfekte können oftmals nicht bereits im Kein erstickt werden, denn in der Regel sind die Erreger von Schnupfen und Erkältungskrankheiten Viren. Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg erläutert gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“, dass in der Hauptsache Rhino- oder Adenoviren eine Erkältung verursachen. Allein bei den Rhino-Viren existieren weit mehr als 100 bekannte Unterarten. Bei den Adenoviren sind es mehr als 50 unterschiedliche. Da die Viren sehr unterschiedlich strukturiert sind, kann die Forschung keinen Impfstoff entwickeln, der gegen alle Viren schützt. Viele der Viren sind nach Angaben des Experten „sehr variabel“ und können durch den Austausch von Erbanlageninformationen in kurzer Zeit mutieren. „Selbst wenn man einen Impfstoff hätte, dann gibt es immer ganz bestimmt ein Virus, gegen das die Impfung nicht schützt. Und dann bekommen die Menschen genauso leicht einen Schnupfen wie vorher“, erläutert Schmidt-Chanasit.

Es existieren keine speziellen Medikamente gegen Erkältungskrankheiten
Anders als bei anderen viralen Erkrankungen existieren keine spezielle Arzneimittel gegen die Erreger von Erkältungen, um die Vermehrung zu stoppen, wie es beispielsweise bei Hepatitis der Fall wäre. Das Problem: Die Wirkstoffe müssten exakt auf die Viren spezialisiert sein. Durch die Vielfalt wäre es aber ein aussichtsloses Unterfangen und stehe nicht zum Verhältnis von Wirkung und Effekt. Zwar gebe es auch „Wege, gegen einzelne Erkältungsviren Medikamente zu entwickeln“, sagt der Virologe, „aber es bringt einfach nichts, weil die Vielfalt so groß ist.“ Die Wissenschaft müsste 10 Medikamente konzipieren, „die man dann vielleicht zur Verfügung hätte, genau das richtige auswählen müsste.“ Um das richtige Mittel zu verordnen, wäre im Vorfeld eine sehr aufwendige Diagnostik seitens des Arztes notwendig. Das würde dann aber bedeuten, dass man „mit Kanonen auf Spaßen schießt“, so Schmidt-Chanasit. Selbst wenn es Arzneien gebe, würde der Krankheitsverlauf nur um ein bis zwei Tage verkürzt werden. Leiden Betroffene nicht an schweren Vorerkrankungen, schafft ein gesunder Organismus die Abwehr auch von ganz allein. In der Regel dauert eine Erkältung dann gut eine Woche. In dieser Zeit wehrt sich Immunsystem mit seinen eigenen Mitteln.

Vorsicht bei chronischen Krankheiten
Schlimm kann es aber für Menschen werden, die bereits an chronischen Krankheiten leiden. Bei ihnen kann es zu Komplikationen kommen, dann wird aus einem „banalem Infekt eine schwerwiegende Krankheit. Eine Lungenentzündung wird unter anderem dann hervorrufen, wenn geschwächte Patienten zu der viralen Infektion sich noch eine bakterielle Entzündung zusätzlich einfangen. Dann wird in erster Linie der bakterielle Infekt mit Antibiotika behandelt. Laut mehrer Krankenkassen-Untersuchungen verschreiben viele Ärzte unnötig oft antibiotische Medikamente. „Unnötige Verschreibungen tragen dazu bei, dass immer mehr Bakterien resistent gegen Antibiotika werden.“ Antibakterielle Arzneien helfen nicht gegen Virusinfektionen, das wissen auch die Ärzte und verschreiben diese manchmal dennoch, weil der Patient dann beruhigt ist.

Unterschied zwischen Erkältung und Grippe
Neben einfachen Erkältungskrankheiten die in der Medizin als „grippale Infekte“ gelten gibt es auch die Influenza, die auch als „echte Grippe“ bezeichnet wird. Erreger sind die Influenzaviren. Die Patienten leiden dann unter wesentlich stärken Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber, Gliederschmerzen, Schnupfen und ausgeprägten Husten. Hier werden teilweise von den Ärzten sogenannte Neuraminidasehemmer verabreicht. Diese wirken jedoch nur dann, wenn diese bereits zu Beginn der Krankheit eingenommen werden. In aller Regel werden die Arzneien nur dann vom Arzt verschrieben, wenn zu erwarten ist, dass der Verlauf der Grippe stark ist. Denn ähnlich wie bei den antibiotischen Mitteln können sich auch Resistenzen bilden und dann wirken die Medikamente nicht mehr. Diese Medikamente haben keine Wirkungskraft bei Erkältungen, erklärt der Experte.

Am häufigsten treten grippale Infekte zwischen Herbst und Frühling auf. Ist es kalt draußen, benötigt der Organismus mehr Energie. Es kommt „zu einer örtlich begrenzten Abwehrschwäche, zum Beispiel in der Nase, sodass die Viren leichter eindringen können“, sagt der Virologe gegenüber der Zeitung.

Die Ansteckungsgefahren lauern beinahe überall. Ist ein Mensch erkrankt, hustet oder niest er die Viren über die Atemwege aus. Viele reiben sich die Nase oder schnäutzen in ein Taschentuch. Werden die Hände nicht sorgsam gewaschen, gelangen sie über die Handflächen an Türklinken oder anderen Gegenständen. Studien haben ergeben, dass die Viren stundenlang auf den Oberflächen überleben und sich somit auch übertragen können.

Nach der Kontaminierung gelangen die Erreger bereits in den Schleimhäuten auf Abwehrzellen. Diese informieren über ein ausgeklügeltes System das Immunabwehrsystem, dass wiederum sogleich damit beginnt, Antikörper zu bilden. Das Immunsystem bildet nunmehr sogenannte Fresszellen, die dafür sorgen, dass die Viren aus infizierten Bereich des Körpers entfernt werden. Gleichzeit setzt der Körper Symptome ein, die wir zwar auch als Beschwerden spüren, aber eine Abwehrreaktion des Körpers ist. So bilden sich in der Nase vermehrt Sekrete, um die Viren nach außen zu spülen. Der Organismus lässt die Körpertemperatur mittels Fieber ansteigen, um die Erreger abzutöten. Müdigkeit und Erschöpfung deuten daraufhin, dass der Körper all seine Kräfte auf den Abwehrkampf konzentriert. Ist dies gelungen, werden die Informationen über den Eindringling abgespeichert, um beim nächsten mal noch effektiver agieren zu können. Zumeist sind Menschen dann immun, wobei dieser Schutz nicht ausreicht, um auch andere Erkältungsviren abzuwehren. Aus diesem Grund kann es auch „wieder zu weiteren Erkältungen kommen“, erläutert der Virologe.

Bei Erkältungen kein Sport und viel Schonung
Ob Komplikationen auftreten oder die Erkältung nur einen einfachen Verlauf nimmt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob der Erkrankte dem Körper ausreichend Schonung bietet und die Krankheit ausreichend auskuriert. Wer sich nicht krank meldet, den Körper unnötigen Stress aussetzt und nicht genügend schläft, riskiert unter Umständen einen schwereren Verlauf. Denn der Körper braucht im Falle einer Infektionskrankheit genügend Energie, um erfolgreich zu sein. Verzichten sollte man deshalb auch auf Sport, wie Schmidt-Chanasit rät. „Wenn ich Leistungssport treibe, verbraucht der Körper Energie und hat weniger Ressourcen, um sich gegen das Virus zu wehren.“ Dann haben es die Viren leichter, sich weiter auszubreiten. Daher sollte der Körper nicht zusätzlich belastet werden. Eine schwerwiegender Verlauf ist beispielsweise das Ausbreiten auf das Herz. Bei der sogenannten „Herzgrippe“ bemerken die Patienten Herzstolpern, Herzrasen, Fieber und Schwindel. Dann ist eine Notweinweisung in eine Klinik erforderlich.

Alte Hausmittel und Heilpflanzen der Naturheilkunde
Alte Hausmittel haben sich bei Erkältungen bewehrt. Hilfreich ist es, gleich zum Anfang mit einer Kochsalzlösung zu inhalieren. Vitaminreiche Kost und eine ausgewogene Ernährung stärken die Abwehrkräfte. Neben ausgiebiger Ruhe und Schonung helfen ätherische Erkältungstees, warme Zitrone mit Honig, Hühnersuppe, Holundersaft und Tee von der Lindenblüte. Ein altes Hausmittel ist auch die Knoblauchsuppe. Knoblauch gilt neben der Zwiebel als natürliches Antibiotikum.

Die Naturheilkunde kennt ebenfalls anerkannte Verfahren, um die Beschwerden einer Erkältung zu lindern. Aktuell hat die Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg mitgeteilt, dass sich Heublumen als adäquate Pflanzen herausgestellt haben, um die Erkältungssymptome zu minimieren. Bei gleichzeitig auftretenden Halsschmerzen kann Salbei eingesetzt werden. Ebenfalls bewehrt haben sich ätherische Öle wie Fichtennadel, Lavendel, Pfefferminz und Thymian. Sie wirken schleimlösend, antibakteriell und antiviral. Allerdings sollten die Öle nicht bei Kleinkindern eingesetzt werden. Heilpraktiker Andreas Harms rät seinen Patienten homöopathische Mittel wie Kalium jodatum (Kali-i.). „Eine Selbstbehandlung mit Jod setzt allerdings eine vorige ärztliche Abklärung voraus, sagt Harms. Denn bei einer Schilddrüsenerkrankung können sonst schwerwiegende Komplkationen auftreten“. Wichtig sei zudem, „für frische Luft zu sorgen und auch im Winter in möglichst kalten Räumen zu schlafen.

Fieber ist ein gutes Abwehrmittel des Körpers. Bei Werten zwischen 37,5 und 39 Grad Celsius sollten keine fiebersenkenden Mittel eingesetzt werden. „Das kann auch dazu führen, dass der Körper selbst nicht so effektiv gegen die Infektion vorgeht.“ Erst bei höheren Werten und nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt sollten Fiebersenker zum Einsatz kommen. (sb)