Gliederschmerzen – Schmerzen in den Gliedern: Ursachen und Behandlung

(Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Fabian Peters
Gliederschmerzen werden von den Betroffenen als Schmerzen der Muskeln, Gelenke und Knochen in den Extremitäten (Armen und Beinen) wahrgenommen und sind oftmals eine Begleiterscheinung von Erkältungen oder anderen Infektionen. Sie können in sämtlichen Extremitäten gleichzeitig auftreten oder auch nur einen Arm beziehungsweise ein Bein betreffen. Die unterschiedliche Ausprägung der Gliederschmerzen ermöglicht auch Rückschlüsse auf die Ursachen der Beschwerden.

Definition

Die als Gliederschmerzen bezeichnete Kombination aus Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen in den Extremitäten ist bei Erkältungen und grippalen Infekten im Zusammenspiel mit Kopfschmerzen und Fieber ein relativ häufig auftretendes Symptom.

(Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Gliederschmerzen können im Zusammenhang mit Infektionen stehen, aber auch auf andere Ursachen zurückgehen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Von den Erkrankten werden die Beschwerden als ziehende Schmerzen empfunden, die in ihrer Intensität und Dauer äußerst unterschiedlich ausfallen können. Von leichten Muskel- und Gelenkschmerzen, die bereits nach kurzer Zeit wieder verschwinden, bis hin zu extremen Schmerzen, die sich über Tage, Wochen oder Monate hinziehen und die Lebensqualität der Erkrankten massiv beeinträchtigen.

Die Leiden gehen zwar in den häufigsten Fällen auf eine Infektionskrankheit zurück, können jedoch auch zahlreiche andere Ursachen haben. Schlimmstenfalls droht ein chronischer Verlauf, bei denen die Betroffenen dauerhaft unter den Symptomen leiden. Klingen die Beschwerden nicht nach kurzer Zeit wieder ab, ist dies möglicherweise ein Hinweis auf eine Grunderkrankung, die in jedem Fall medizinisch versorgt werden sollte.

Mehr zum Thema:

Infektionen als Ursache der Gliederschmerzen

Zu den unterschiedlichen Ursachen von Gliederschmerzen zählen neben Erkältungen und grippalen Infekten andere Infektionskrankheiten wie Windpocken, Masern, Röteln oder Malaria. In seltenen Fällen kann die sogenannte „Leptospirose“ der Grund sein, bei welcher sich die Extremitätenschmerzen oftmals auf den Schien- und Wadenbereich konzentrieren.

Bei einer Trichinose (Wurmerkrankung) sowie bei der meist durch Zecken (Zeckenbiss) übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Borreliose und Babesiose sind Gliederschmerzen ein häufig auftretendes Begleitsymptom. Zudem können die Beschwerden in den Extremitäten im Rahmen einer Nierenentzündung auftreten.

Liegt eine Infektion vor, sind die Gelenk- und Muskelschmerzen (Myalgie) meist ein Hinweis darauf, dass diese den ganzen Körper erfasst und das Immunsystem entsprechende Abwehrreaktionen eingeleitet hat. Weitere mögliche Gründe können Vergiftungen und die Nebenwirkungen einiger Medikamente sein. Störungen und Erkrankungen des Nervensystems kommen ebenfalls als Auslöser der Beschwerden in Betracht.

Weitere Ursachen von Extremitätenschmerzen

Gehen die Schmerzen mit der Zeit nicht zurück, sondern entwickeln einen chronischen Charakter, so ist dies als Hinweis darauf zu bewerten, dass eine schwerwiegendere Grunderkrankung vorliegt, die dringend medizinisch versorgt werden sollte. Oftmals sind in solchen Fällen nicht alle Extremitäten gleichermaßen betroffen, sondern die Probleme beschränken sich auf ein Bein oder einen Arm.

Chronische Schmerzen im Bein können zum Beispiel ein Hinweis auf Durchblutungsstörungen sein. (Bild: jayzynism/fotolia.com)

Hintergrund können hier zum Beispiel Durchblutungsstörungen oder ein eingeklemmter beziehungsweise entzündeter Nerv sein. Die ausschließlich auf den Arm beschränkten Gliederschmerzen sind dabei derart häufig, dass sie unter einem extra Begriff zusammengefasst werden: Brachialgie. Diese meist über einen längeren Zeitraum auftretenden Beschwerden sind als Begleiterscheinung von Nervenstörungen, Nervenentzündungen (Neuritis) und eingeklemmten Nerven bekannt.

Brachialgien können in einigen Fällen auch durch Schmerzen, die von der Wirbelsäule oder den Ellenbogen ausstrahlen, bedingt sein. Weiterhin ist es möglich, dass die Armschmerzen nach einer Röntgenbestrahlung der Achselhöhle bei Brustkrebspatientinnen oder einer radikalen Entfernung der weiblichen Brust auftreten.

Grunderkrankungen als Auslöser der Beschwerden

Vor allem bei älteren Personen sind oftmals Grunderkrankungen wie Arthrose, Rheuma oder Gicht Ursache der Beschwerden. Eine Arthrose kann grundsätzlich in jedem Gelenk des Körpers auftreten, ist jedoch besonders häufig an den Knien und Händen zu beobachten. Gicht erfasst hingegen besonders häufig die Beine und Fußgelenke. Der Sammelbegriff Rheuma steht für verschiedene rheumatische Erkrankungen, die Schmerzen der Knochen, Knorpel, Muskeln oder Sehnen hervorrufen können.

Handelt es sich um Beinschmerzen, sind Probleme mit dem Ischiasnerv (siehe Ischiasnerv eingeklemmt), dem vorderen Oberschenkelnerv (Nervus femoralis) sowie dem Nervengeflecht des Rückenmarks und der oberen Lendenwirbelsäule als mögliche Auslöser bekannt.

Muskelverspannungen können ebenfalls Extremitätenschmerzen verursachen, die sich in der Regel auf ein Bein oder einen Arm konzentrieren. Diese treten vor allem infolge von Fehlbelastungen am Arbeitsplatz und falsche Bewegungen bei sportlichen Aktivitäten auf.

Fehlhaltungen und einseitige Belastungen (z.B. durch Mausklicken) können langfristig zu Verspannungen und Gliederschmerzen führen. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Viele Frauen leiden Frauen im Vorfeld ihrer Regelblutung unter dem sogenannten prämenstruellen Syndrom (PMS), welches nicht nur Unterbauchschmerzen, Kopfweh, empfindliche Brüste und Konzentrationsstörungen, sondern auch Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen in den Extremitäten mit sich bringen kann.

Schmerzen in Armen und Beinen durch Polyneuropathie

Die Beschwerden können ein mögliches Symptom der sogenannten „Polyneuropathie“ sein. Bei dieser handelt es sich um eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei welcher die Betroffenen – je nach dem, welche Nerven betroffen sind – z.B. unter einem andauernden Kribbeln und Kältegefühl in den Beinen oder Lähmungen leiden.

Im Großteil der Fälle sind Diabetes mellitus oder übermäßiger Alkoholkonsum die Ursache für die Nervenerkrankung. Weitere mögliche Auslöser sind unter anderem schwere Schädigungen der Nierenfunktion (Urämie), Vergiftungen, Entzündungen oder Infektionen wie Borreliose. Die Polyneuropathie äußert sich Anfangs häufig in einer Art Kribbeln oder Brennen, bevor das typische schmerzhafte Ziehen in den Armen und Beinen einsetzt.

Diagnose zur Behandlung von Gliederschmerzen

Um eine effiziente medizinische Behandlung zu ermöglichen, bedarf es speziell auf die Ursachen der Erkrankung abgestimmter therapeutischer Ansätze. Daher sind vorerst die Ursachen der Beschwerden im Rahmen einer präzisen ärztlichen Diagnose genau zu identifizieren. Die Intensität und Dauer der Schmerzen in den Armen oder Beinen können hier einen ersten Hinweis auf eine mögliche Grunderkrankung liefern.

Um die Schmerzen in Armen oder Beinen richtig behandeln zu können, ist eine gründliche ärztliche Untersuchung und sichere Diagnose erforderlich. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Ist eine Erkältung, Grippe oder eine der anderen oben genannten Infektionskrankheiten der Hintergrund, gestaltet sich die ärztliche Diagnose meist relativ unkompliziert. Oftmals kann diese bereits anhand der körperlichen Verfassung, der Frage nach dem Krankheitsverlauf und weiteren Symptomen gestellt werden. Im Zweifelsfall erfolgen Untersuchungen von Blut- und Urinproben im Labor, um die entsprechenden Antikörper oder Krankheitserreger nachzuweisen und einen eindeutigen Befund zu ermöglichen. Auch die Entnahme einer Probe des Hirnwassers kommt hier zur Diagnose-Stellung in Betracht.

Deuten weder der Krankheitsverlauf noch die Symptome oder Laboruntersuchungen auf eine Infektionskrankheit hin, folgen weitere Schritte, bei denen unter anderem die Schmerz- und Druckempfindlichkeit, Reflexe, Muskelkraft und die Sensibilität getestet werden. Die entsprechenden neurologischen Untersuchungen müssen im Zweifelsfall von einem Facharzt (Neurologen) durchgeführt werden.

Für die Diagnosestellung können dabei Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), die Methode der Elektromyographie (Messung der elektrischen Muskelaktivität), Computertomographie sowie eine Röntgenaufnahme der betroffenen Extremität verwendet werden.

Behandlung der Gliederschmerzen durch Facharzt

Entsprechend den vielfältigen Ursachen fallen auch die möglichen therapeutischen Maßnahmen äußerst unterschiedlich aus. Generell gilt: Die Therapie sollte explizit auf die Schmerzursachen abgestimmt werden. Hier besteht bei den eher harmlosen, durch Erkältungen und grippale Infekte ausgelösten Gliederschmerzen häufig die Option, mit bewährten Hausmitteln das Beschwerdebild der Betroffenen deutlich zu lindern.

Liegen schwerere Erkrankungen wie beispielsweise eine Polyneuropathie oder andere Krankheiten des Nervensystems vor, sollte in jedem Fall eine Behandlung durch einen Facharzt erfolgen. Dieser würde zum Beispiel bei einer Neuritis entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika und Antirheumatika verschreiben. Weiterhin kommt bei entsprechenden Beschwerden eine sogenannte „Plexusblockade“ mit lokaler Betäubung des betroffenen Nervs in Betracht. Häufig werden in der Schulmedizin ergänzend Schmerzmittel (Analgetika) zur kurzfristigen Behandlung der Beschwerden verwendet. In eher seltenen Fällen wird ein chirurgischer Eingriff durchgeführt.

Medikamente, pflanzliche Wirkstoffe und Hausmittel

Bei den erkältungs- und grippebedingten Extremitätenschmerzen lässt sich sowohl mit den herkömmlichen Medikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol als auch mit zahlreichen naturheilkundlichen Verfahren und Präparaten eine deutliche Linderung der Symptome erzielen. Die herkömmlichen Arzneimittel versprechen dabei aufgrund ihrer schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung positive Effekte.

Bestimmte Heilpflanzen – wie zum Beispiel Arnika – können aufgrund ihrer schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung auf natürlichem Wege helfen. (Bild: franzdell/fotolia.com)

Ähnliche Heilwirkungen werden in der Naturheilkunde pflanzlichen Antiphlogistika wie Weidenrinden, Kamillenblüten, Arnikablüten, dem Goldrutenkraut oder Weihrauch zugeschrieben. Weiterhin lässt sich bei erkältungs- und grippebedingten Schmerzen in den Extremitäten beispielsweise durch den Einsatz kalter Wickel für die Waden häufig eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes erreichen. Zeigen die Wadenwickel keine Wirkung, kann z.B, ein so genanntes absteigendes Vollbad als wirkungsvolles Hausmittel gegen Fieber eingesetzt werden.

Den Betroffenen, die nicht unter Fieber leiden (bzw. nur unter moderatem), verschafft unter Umständen ein warmes Bad Linderung. Verstärkt werden kann die Wirkung, wenn dem Badewasser zusätzlich durchblutungsfördernde Essenzen beispielsweise von Birken-, Brennnesselblättern oder Fichtennadeln beigefügt werden.

Ein weiteres bewährtes Hausmittel bei Erkältung ist das Inhalieren. Das Einatmen des heißen Dampfes kann sehr wohltuend bei Schnupfen und quälendem Husten sein, da es die gereizten Schleimhäute befeuchtet und festsitzenden Schleim aus der Nase und dem Bronchialsystem löst.

Anleitung für Inhalation mit Salzwasser

  1. Füllen Sie eine Schüssel mit kochendem Wasser
  2. Geben Sie etwas Koch- oder Meersalz hinzu (Neun Gramm pro Liter Wasser)
  3. Beugen Sie den Kopf über den Wasserdampf
  4. Legen ein Handtuch über Ihren Kopf, damit der Dampf nicht entweichen kann
  5. Atmen Sie während des Inhalierens ruhig und tief ein und aus
  6. Wiederholen Sie die Anwendung zwei- bis dreimal täglich für jeweils fünf bis zehn Minuten

Nicht nur die Alternativmedizin rät bei erkältungs- und grippebedingten Gliederschmerzen viel Flüssigkeit aufzunehmen. Am besten geeignet sind hier Wasser und Tees mit Kamillenblüten, Weidenrinde-, Lindenblüten- oder Ingwer. Wichtig ist es, dem Körper viel Schlaf und Ruhe beziehungsweise Erholung zu gönnen. Körperliche Anstrengung sollte soweit wie möglich vermieden werden.

Liegt den Schmerzen in den Extremitäten eine Erkältung oder Grippe zugrunde, sind Ruhe und Erholung sowie ausreichendes Trinken besonders wichtig. (Bild: kathrinleu/fotolia.com)

Gliederschmerzen in der Naturheilkunde

In der Naturheilkunde werden oft homöopathische Mittel eingesetzt, die sowohl gegen erkältungsbedingte Schmerzen in den Extremitäten als auch gegen die Beschwerden bei Gicht, Arthritis, Rheuma und Erkrankungen des Ischiasnervs helfen sollen. Im ersten Fall haben sich zum Beispiel Bryonia alba, Gelsemium sempervirens und Rhus toxicodendron bewährt.

Gegen Gicht und Arthritis finden Wirkstoffe wie Acidum formicicum, Calcium fluoratum, Calcium hypophosphoricum oder Ledum palustre Anwendung. Bei Rheuma stehen homöopathische Mittel wie Abrotanum, Ammonium chloratum, Aranin, Berberis, Calcium sulfuricum, Dulcamara, Ginseng, Kalium iodatum oder Rhododendron zu Verfügung.

Ist beispielsweise der Ischiasnerv eingeklemmt, greift die Homöopathie auf Wirkstoffe wie Ammonium carbonicum, Arnica montana, Cinnabaris, Delphinium Staphisagria, Glonoinum, Gnaphalium oder Mandragora e radice zurück. Weitere naturheilkundliche Verfahren, die bei Ischiasschmerzen wirkungsvolle Hilfe bieten können, sind unter anderem die Osteopathie sowie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). (fp, nr; zuletzt aktualisiert am 4.1.2017)

Advertising