Gicht Symptome und Therapie

Ein akuter Gichtanfall äußert sich durch stechende Gelenkschmerzen, die häufig das Grundgelenk der großen Zehe betreffen. (Bild: ThamKC/fotolia.com)
Fabian Peters
Stechende Gelenkschmerzen nach üppigem Fleischverzehr oder exessivem Alkoholkonsum sind typische Anzeichen für einen akuten Gichtanfall. Die Erkrankung kann leicht in ein chronisches Stadium übergehen und dauerhafte Schäden an den Gelenken bedingen. Sowohl gegen die Schmerzen während der akuten Schübe, als auch gegen ein erneutes Auftreten der Beschwerden bestehen allerdings relativ gute therapeutische Möglichkeiten. Auch zeigen naturheilkundlihe Maßnahmen bei Gicht eine durchaus überzeugende Wirkung und verschiedene Hausmittel sind hervorragend zur Prävention geeignet.

Definition

Gicht wird oftmals als Gelenkerkrankung verstanden, ist tatsächlich jedoch eine Stoffwechselkrankheit, deren Folgen sich nicht nur in den Gelenken, sondern auch im Bereich der inneren Organe (insbesondere der Nieren) manifestieren können. Durch Fehlfunktionen im Purin-Harnsäure-Stoffwechsel reichert sich übermäßig Harnsäure im Organismus an (Hyperurikämie) und es entstehen Harnsäurekristalle, die sich in den Gelenken ablagern und dort Entzündungen hervorrufen. Auch die Nieren werden durch die Hyperurikämie langfristig geschädigt, was schlimmstenfalls ein lebensbedrohliches Nierenversagen zur Folge haben kann.

Ein akuter Gichtanfall äußert sich durch stechende Gelenkschmerzen, die häufig das Grundgelenk der großen Zehe betreffen. (Bild: ThamKC/fotolia.com)
Ein akuter Gichtanfall äußert sich durch stechende Gelenkschmerzen, die häufig das Grundgelenk der großen Zehe betreffen. (Bild: ThamKC/fotolia.com)

Symptome

Kennzeichnend für die Erkrankung ist ein schubweiser Verlauf, wobei die akuten Phasen auch als Gichtattacke, Gichtanfall und akute Gichtarthritis bezeichnet werden. Ein solcher Anfall tritt in der Regel relativ unvermittelt auf und macht sich vor allem durch eine Entzündung der Gelenke bemerkbar, die durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen hervorgerufen wird. Jüngste Forschungen haben hier gezeigt, dass durch die Kristalle der Mechanismus eines direkten „Kristall-vermittelten Zelltodes“ und eine entsprechende Nekrose im Gewebe ausgelöst werden. Dies ist wiederum Ursache der Entzündung.

Die Gelenkentzündung geht ihrerseits mit Schwellungen, Überwärmungen, Rötungen und Schmerzen einher. Dabei kann sich die Entzündung theoretisch in jedem Gelenk des Körpers manifestieren. Besonders häufig sind allerdings vor allem die Großzehen-Grundgelenke, Sprung- und Handgelenke betroffen. Als sichtbares Anzeichen des akuten Anfalls zeigt sich ein „stark entzündetes Gelenk, das sich sehr heiß anfühlt und hochrot bis bläulich gefärbt, dick geschwollen und extrem berührungsempfindlich ist“, erläutert die Deutsche Rheuma-Liga. Zudem sind mitunter Begleitsymptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Herzrasen und Übelkeit zu beobachten. Unbehandelt kann der akute Krankheitsschub bis zu zehn Tagen anhalten.

Chronischer Verlauf

Erfolgt keine Therapie der Erkrankung, sind die Attacken in immer kürzeren Zeitabständen festzustellen, wodurch die betroffenen Gelenke auf Dauer irreversibel geschädigt werden. Knochenzerstörungen und Gelenkdeformierungen sind typische Folgen. Im weiteren Verlauf geht die Krankheit nach einigen Monaten bis Jahren in ein chronisches Stadium über. „Die Gelenke sind dann so weit zerstört, dass der Kranke oft unter ständigen Bewegungsschmerzen oder Schwellungen leidet“, berichtet die Deutsche Rheuma-Liga. Die Harnsäuresalz-Kristalle können sich zudem in den Nieren ablagern und zum Beispiel zur Bildung von Nierensteinen führen. Hierdurch wird die Nierenfunktion nachhaltig beeinträchtigt, was diese Form der Erkrankung für die Patienten weitaus gefährlicher macht als die Gelenkgicht. Nicht zuletzt drohen auch Ablagerungen der Harnsäure-Kristalle unter der Haut beispielsweise an den Ohren, in Schleimbeuteln oder an Sehnen. Bei vielen Patienten bildet sich ein sogenannter Gichtknoten (Gichttophus), der als deutliche Verdickung auch äußerlich sichtbar wird.

Auch die Fingergelenke sind bei Gicht vermehrt betroffen und langfristig drohen erhebliche Deformierungen der Gelenke. (Bild: Karin Bangwa / pixelio.de)

Ursachen

Zu den Ursachen der Erkrankung lässt sich festhalten, dass hier bei einem Großteil der Patienten eine genetische Disposition vorliegt, die Krankheit demnach zumindest teilweise vererbbar ist. Das Beschwerdebild wird im weiteren Verlauf bedingt durch eine Beeinträchtigung des Purin-Harnsäure-Stoffwechsels, der durch eine übermäßige Bildung von Harnsäure und/oder durch eine zu geringe Ausscheidung über die Niere geprägt ist. Letztlich verbleibt ein zu hoher Anteil der Harnsäure im Organismus, der Harnsäurespiegel im Blut steigt (Hyperurikämie) und es beginnen sich Harnkristalle an verschiedenen Stellen abzulagern. Erste Beschwerden zeigen sich oftmals nach einem besonders reichhaltigem Essen (mit viel Fleisch und/oder Fisch), exzessivem Alkoholgenuss, einer Infektionskrankheit oder auch ungewohnt starker körperlicher Belastung, da hierdurch vermehrt Harnsäure im Körper anfällt. Die Störung des Purin-Harnsäure-Stoffwechsels selbst geht bei vielen Betroffenen auf eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion zurück, sie kann jedoch auch durch Krankheiten des blutbildenden Systems und andere seltene Erkrankungen bedingt werden.

Risikofaktoren

Zahlreiche Faktoren können das Auftreten eines Gichtanfalls bedingen, wobei insbesondere hoher Fleisch-, Fisch- und Alkoholkonsum ein oft untersschätztes Risiko darstellen. Die enthaltenen Purine werden zu Harnsäure verstoffwechselt, was deren Konzentration nach oben treibt. Aber auch Fasten und Diäten mit Diuretika sind als Risikofaktoren zu nennen. Des Weiteren wird der Verzehr von Limonade und Fruchtsaftgetränken ebenso in Zusammenhang mit der Erkrankung gebracht, wie beispielsweise der übermäßige Konsum von frischen Erbsen, Rosinen, Tomaten oder Tofu. Auch einige Arzneimittel sind als potenzielle Auslöser bekannt. So ist bei blutdrucksenkenden Arzneien generell Vorsicht geboten, wenn bereits Probleme mit dem Purin-Harnsäure-Stoffwechsel vorliegen.

Die Lebensweise und Ernährung können das Auftreten der Krankheitsschübe massiv beeinflussen. (Bild: Henrie/fotolia)
Die Lebensweise und Ernährung können das Auftreten der Krankheitsschübe massiv beeinflussen. (Bild: Henrie/fotolia)

Diagnosestellung

Der erhöhte Harnsäurespiegel im Blut lässt sich mittels eines Harnsäuretests relativ einfach nachweisen. Bei gesunden Menschen sind Harnsäurewerte von drei bis sechs Milligramm pro 100 Millilitern Blutserum normal. Männer haben meist einen etwas höheren Wert als Frauen. Erhöht sich der Wert auf mehr als sieben Milligramm pro 100 Milliliter, kann dies auf eine Gichterkrankung hinweisen. Der Test auf Harnsäure bildet bis heute das wichtigste Instrument für eine frühzeitige Diagnosestellung. Eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit auf enthaltene Harnsäurekristalle kann im späteren Verlauf ebenfalls wichtige Anhaltspunkte zur Diagnose liefern. Entscheidend für die diagnostische Bewertung ist letztlich jedoch auch das kennzeichnende klinische Bild der Beschwerden.

Röntgenuntersuchungen können erst im späteren Krankheitsstadium, wenn sich bereits vermehrt Harnsäurekristalle in den Gelenken abgelagert haben, einen Beitrag zur Diagnosestellung leisten. Sie dienen zudem der Verlaufskontrolle, da hier Veränderungen der Knochensubstanz und Deformierungen der Gelenke in der Regel gut erkennbar werden. Schädigung der Nieren lassen sich gegebenenfalls mit Hilfe einer Laboruntersuchung des Urins und bildgebenden Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen, Computertomographie und Magnetresonanztomographie bestimmen.

Therapie

Ziel der Behandlung ist grundsätzlich eine Normalisierung des Harnsäurespiegels. Hierfür stehen zwei verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung, welche entweder die Harnsäurebildung hemmen oder deren Ausscheidung fördern. „Benzbromaron heißt der Wirkstoff, der die Harnsäureausscheidung durch die Nieren verstärkt“ und „der Wirkstoff Allopurinol verringert die Harnsäurebildung im Körper“, erläutert hierzu die Deutsche Rheuma-Liga. Die akuten Attacken werden darüber hinaus meist mit sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika NSAR therapiert, die eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung entfalten. Auch das Gift der Herbstzeitlosen, der Wirkstoff Colchizin, wird zur Behandlung der akuten Symptome angewandt – aufgrund der drohenden Nebenwirkungen allerdings heute sehr viel seltener als früher. Nicht zuletzt ist der Einsatz von Kortison als Möglichkeit der medikamentösen Behandlung eines akuten Krankheitsschubes zu nennen.

Üppiges Essen mit viel Fleisch und Bier dazu ist als Risikofaktor für einen aktuen Gichtanfall zu bewerten.  Insgesamt lässt sich über die Ernährung massiver Einfluss auf das Beschwerdebild nehmen. (Bild: Dar1930/fotolia.com)
Üppiges Essen mit viel Fleisch und Bier dazu ist als Risikofaktor für einen aktuen Gichtanfall zu bewerten. Insgesamt lässt sich über die Ernährung massiver Einfluss auf das Beschwerdebild nehmen. (Bild: Dar1930/fotolia.com)

Ernährung

Allgemein spielt die Ernährung bei Gicht eine maßgebliche Rolle, da mit der Nahrung aufgenommene Purine im Körper zu Harnsäure verstoffwechselt werden. So ist laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine dauerhafte Ernährungsumstellung die Basis für eine langfristig erfolgreiche Behandlung. „Eine konsequent durchgeführte Ernährungstherapie hilft dabei, Arzneimittel einzusparen bzw. kann eine medikamentöse Behandlung sogar überflüssig machen“, so der Hinweis der DGE. Dem Auftreten erneuter Schübe kann durch Einhaltung eines speziellen Ernährungsplans durchaus effektiv entgegengewirkt werden. Dieser sollte laut DGE „eine purinarme Ernährung mit reichlich Getreideprodukten, Kartoffeln, ausgewählten Gemüsearten, Salat und frischem Obst, fettarmer Milch und Milchprodukten, Eier in Maßen sowie ausreichend Flüssigkeit und wenig Alkohol, vor allem wenig Bier“ umfassen. Bestehendes Übergewicht gilt es möglichst abzubauen, allerdings ist Fasten kontraproduktiv, da hierdurch die Harnsäureausscheidung gehemmt und auf diese Weise sogar ein akuter Anfall provoziert werden kann. Detailliertere Hinweise können Betroffene der DGE-Infothek „Essen und Trinken bei Gicht“ entnehmen.

Naturheilkundliche Therapie

Die Ernährungstherapie ist auch bei der naturheilkundlichen Behandlung der Gichterkrankungen ein maßgeblicher Faktor. Durch die Einhaltung spezieller Diäten soll die Bildung von Harnsäure reduziert beziehungsweise deren Ausscheidung gefördert werden. Darüber hinaus kennt die Naturheilkunde jedoch verschiedenen weitere Behandlungsansätze, mit denen eine medikamentöse Therapie – insbesondere bei leichteren Erkrankungsformen – oft gänzlich vermeidbar ist. Auch können naturheilkundliche Verfahren zur Linderung der akuten Beschwerden eingesetzt werden. Vor allem der Pflanzenheilkunde und der Hydrotherapie werden hier durchaus überzeugende Wirkungen zugesprochen. Aber auch die Homöopathie und andere Verfahren kommen gegen Stoffwechselkrankheit zum Einsatz.

Insgesamt bietet die Naturheilkunde zahlreiche Ansatzpunkte zur Linderung der Symptome und nicht zuletzt spielt bei der naturheilkundlichen Behandlung im Sinne der Prävention auch eine Regulierung des Säure-Basen-Haushalts oftmals eine maßgebliche Rolle. Durch basenreiche Kost soll eine Übersäuerung des Organismus vermieden und damit dem Auftreten eines akuten Gichtanfalls entgegengewirkt werden. Welche naturheilkundlichen Verfahren zum Einsatz kommen, ist am Ende stark abhängig vom individuellen Beschwerdebild der Patienten und die anschließend dargestellten Methoden bilden nur einen Ausschnitt des Spektrums möglicher Behandlungsansätze.

Insbesondere Löwenzahn und Brennnesseln sind als Heilpflanzen zur Behandlung von Gicht bekannt. Doch die Natur hält darüber hinaus zahlreiche weitere Helfer parat. (Bild: shibanuk/fotolia.com)
Insbesondere Löwenzahn und Brennnesseln sind als Heilpflanzen zur Behandlung von Gicht bekannt. Doch die Natur hält darüber hinaus zahlreiche weitere Helfer parat. (Bild: shibanuk/fotolia.com)

Pflanzenheilkunde

Verschiedene Heilpflanzen können kombiniert mit einer konsequenten Ernährungstherapie zur Normalisierung des Harnsäurespiegels beitragen, so dass sich eine medikamentöse Therapie unter Umständen gänzlich erübrigt. Selbst bei schwerem Krankheitsverlauf kann mit Hilfe der Heilpflanzen die Menge der erforderlichen Arzneien oft deutlich reduziert werden, berichten Professor Dr. med. Wolfgang Exel und Kollegen in ihrem Buch „Naturheilkunde richtig anwenden“. Durch die Heilpflanzen lasse sich die Aktivität der Harnorgane anregen und die Ausscheidung der Harnsäure fördern. Begleitend sollte viel Wasser getrunken werden. Patienten mit einer beeinträchtigten Nierenfunktion müssen hier jedoch vorsichtig sein und sollten nur in Rücksprache mit dem Arzt auf entsprechende Heilpflanzen zurückgreifen.

Als heilpflanzliche Behandlungsmethoden, die bei der Stoffwechselkrankheit eine besonders vielversprechende Wirkung zeigen, nennt Maria Treben in ihrem Werk „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ neben Vollbädern mit Brennnessel-Zusatz und dem Verzehr frischer Löwenzahn-Stengel (fünf bis sechs pro Tag), auch Tee aus Bärlapp, Ehrenpreis, Maisbart, Schlüsselblumen oder Großem Huflattich. Die Teemischungen lassen sich zudem gut als Hausmittel gegen die Erkrankung einsetzen.

Blutreinigende Teemischung nach Maria Treben:
50 Gramm Schlüsselblumen
50 Gramm junge Schossen vom Holunder
15 Gramm Brennnesselblätter
15 Gramm Löwenzahnwurzeln

Von der Teemischung wird ein gehäufter Teelöffel mit 250 Millilitern kochendem Wasser aufgebrüht und der Aufguss sollte anschließend rund drei Minuten ziehen. Zwei Tassen des Tees werden im Tagesverlauf schluckweise getrunken.

Weitere erwähnenswerte Heilpflanzen sind Wacholder, Birkenblätter, Goldrute und Ackerschachtelhalm, welche meist für die Zubereitung von Kräuterteemischungen genutzt, jedoch auch pur (beispielsweise Wacholder) verzehrt oder zu speziellen Tinkturen verarbeitet werden können.

Hydrotherapie

Kneippsche Anwendungen sind als spezielle Verfahren der Hydrotherapie bei akuten Gichtanfällen eine besonders vielversprechende Methode zur Schmerzlinderung und Eindämmung der Entzündung. Vor allem kalte Kneippanwendungen wirken schnell gegen die Schmerzen. Am besten geeignet ist dabei laut Aussage von Professor Dr. med. Wolfgang Exel und Kollegen das kalte Teilbad, wobei das Wasser durch beigefügte Eiswürfel möglichst stark heruntergekühlt werden sollte. Anschließend tauchen die Patienten das betroffene Gelenk für rund 30 Sekunden in das kalte Wasser. Dies kann nach kurzer Pause mehrmals wiederholt werden. Allerdings bestehen einige Kontraindikationen für die kalten Kneippanwendungen. So sollte beispielsweise das kalte Teilbad bei Durchblutungsstörungen unbedingt vermieden werden. Auch bei Herz-Kreislauferkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck ist Vorsicht geboten und vor dem Einsatz der Hydrotherapie sollte hier ein Arzt konsultiert werden.

Homöopathie

Aus dem Bereich der Homöopathie haben sich verschiedenen Mittel bei der Behandlung des Beschwerdebildes bewährt. Vor allem mit Ledum palustre und Bryonia als Folgemittel lassen sich die akuten Symptome eines Gichtanfalls lindern. Auch andere homöopathische Mittel versprechen Besserung, wobei die Auswahl allerdings erfahren Therapeuten beziehungsweise Ärzten vorbehalten bleiben sollte. Gleiches gilt für den Einsatz der Schüssler Salz Therapie. Hier können zum Beispiel die Schüssler Salze Nr. 8 (Natrium Chloratum), Nr. 9 (Natrium Phosphoricum) oder Nr. 11 (Silicea) zur Anwendung kommen. (fp)

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