Erhöhte Sterblichkeit durch rotes Fleisch

Fabian Peters

Rotes Fleisch erhöht das Sterberisiko

13.03.2012

Der Verzehr von rotem Fleisch wurde bereits in zahlreichen früheren Studien mit erheblichen gesundheitlichen Risiken, wie beispielsweise einer Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs, Blasenkrebs oder Diabetes, in Zusammenhang gebracht. Nun haben US-Forscher erstmals die Auswirkungen des Verzehrs von rotem Fleisch auf die generelle Sterblichkeit untersucht.

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Die Forscher um Dr. An Pan und Frank Hu vom Department of Nutrition and Epidemiology an der Harvard School of Public Health berichten in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Archives of International Medicine“, ihre Studie komme zu dem eindeutigen Ergebnisse, dass die Sterblichkeit durch den täglichen Verzehr von rotem Fleisch signifikant erhöht wird. Daher sei eine Substitution des roten Fleischs durch andere gesündere Protein-Quellen zu empfehlen.

Kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs durch rotes Fleisch
Als rotes Fleisch werden im allgemeinen sämtliche Fleischsorten bezeichnete, die in rohem Zustand eine deutlich Rotfärbung aufweisen. Die sind zum Beispiel Rindfleisch, Schweinefleisch, Ziegen- oder Lammfleisch. Der Verzehr ist in den modernen Industrienationen relativ weit verbreitet, wobei bereits aus früheren Studien bekannt war, dass hiermit ein nicht unerhebliches Gesundheitsrisiko einhergehen kann. Denn bei regelmäßigem Konsum ist das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen und bestimmten Krebsleiden nachweislich deutlich erhöht. Die US-Wissenschaftler haben im Rahmen ihrer Studie nun die Daten von 37 698 Männern aus der Health Professionals Follow-up Study (1986-2008) und 83 644 Frauen aus der Nurses Health Study (1980-2008) ausgewertet. Sämtliche berücksichtigten Studienteilnehmer waren zu Beginn der Untersuchungen frei von kardiovaskulären Erkrankungen und Krebs. Alle vier Jahre wurde anhand von Fragebögen auch die Ernährung der Probanden erfasst.

Sterblichkeit bei täglichem Konsum von rotem Fleisch deutlich erhöht
Im Untersuchungszeitraum seien 23. 926 Studienteilnehmer verstorben, davon 5.910 infolge kardiovaskulärer Erkrankungen und 9.464 durch Krebs, berichten Frank Hu und Kollegen. Die Sterblichkeit stand dabei laut Aussage der Wissenschaftler auch in eindeutigem Zusammenhang mit dem Verzehr von rotem Fleisch. Um knapp 13 Prozent sei die Sterblichkeit bei täglichem Verzehr von unverarbeitetem roten Fleisch gestiegen, sogar um ganze 20 Prozent bei täglichem Verzehr von verarbeiteten Produkten wie Salami, Schinken oder anderen Wurstwaren, erklärten die US-Forscher Durch die Substitutionen von einer Portion rotem Fleisch pro Tag durch anderen Lebensmitteln (einschließlich Fisch, Geflügel, Nüssen, Hülsenfrüchten, fettarmen Milchprodukten und Vollkornprodukten) würde die Sterblichkeit um sieben bis neunzehn Prozent sinken, so die Aussage von Frank Hu und Kollegen. Nüsse als Ersatz für eine Portion roten Fleisches zeigen hier mit einer Reduzierung der Sterblichkeit um 19 Prozent den deutlichsten Effekt, aber auch Vollkorn und Geflügel brächten eine um 14 Prozent verringerte Sterblichkeit mit sich, erklärten die US-Forscher. Bei Fisch als Ersatz läge die Sterblichkeit immerhin noch um sieben Prozent geringer als beim täglichen Verzehr von roten Fleisch, schreiben Hu und Kollegen.

Konsum von rotem Fleisch reduzieren
Bezogen auf die Todesfälle im Verlauf der vorliegenden Studien erklärten die US-Wissenschaftler, dass 9,3 Prozent der Todesfälle bei Männern und 7,6 Prozent bei Frauen hätten verhindert werden können, wenn alle Teilnehmer ihren Verzehr von rotem Fleisch auf weniger als 0,5 Portionen (circa 42 Gramm) am Tag reduziert hätten. Dies verdeutlicht nach Ansicht von Hu und Kollegen, welche weitreichenden Effekte sich bereits mit kleineren Umstellungen der Ernährung erreichen ließen. Hier ergeben sich den US-Wissenschaftlern zufolge auch immense Einsparungsmöglichkeiten für das gesamte Gesundheitssystem. Denn Krebserkrankungen und kardiovaskuläre Erkrankungen bilden einen wesentlichen Kostenfaktor im Gesundheitswesen. Zwar sind längst nicht alle dieser Erkrankungen auf den Verzehr von rotem Fleisch zurückzuführen, doch der Anteil dürfte nach Schätzung der Experten nicht unerheblich sein, da rotes Fleisch sich auch in Deutschland einer konstant hohen Beliebtheit erfreut. So hat jede/r Deutsche laut Angaben des Deutschen Fleischer-Verbandes im Jahr 2011 fast 40 Kilogramm Schweinefleisch und mehr als acht Kilo Rind- und Kalbfleisch gegessen. Eine Reduzierung des Fleischkonsums scheint daher dringend angebracht. Denn soll die von den US-Forschern benannte Richtgröße von weniger als 42 Gramm am Tag eingehalten werden, so dürfte der Pro-Kopf-Konsum von rotem Fleisch in Deutschland die Grenze von 15 Kilogramm nicht überschreiten. (fp)