Im Kloster dem Alltagsstress entfliehen

Heilpraxisnet

Im Kloster dem Alltagsstress entfliehen

24.12.2014

In unserem oft hektischen und lauten Leben empfinden viele Menschen eine starke Sehnsucht nach Stille. Um dem Stress zu entfliehen und zur Ruhe zu kommen bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Eine Alternative ist das Kloster: Dort kann man durch Schweigetage und Meditation dem Alltagsstress entkommen.

Klöster ziehen Stressgeplagte an
An Klosterpforten klopften einst Pilger oder Wanderer, heutzutage fliehen hinter die dicken Mauern Menschen vor der Tretmühle aus Hektik, Lärm und Leistungsdruck. Dort können sie bei Stundengebeten, Schweigetagen und Meditation wieder aufblühen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, ziehen auch die evangelischen Klöster in Niedersachsen immer mehr Stressgeplagte an. Kristina Weidelhofer, Sprecherin der Klosterkammer Hannover, erklärte gegenüber der Agentur: „Das Kloster gilt als Zufluchtsort, um mit sich selbst in Kontakt zu kommen und die verkümmerte Seele wieder aufblühen zu lassen.“

„Die Nachfrage ist riesig“
Die Kammer verwaltet zahlreiche kirchliche Liegenschaften in Niedersachsen, zu denen auch 17 evangelische Klöster und Stifte gehören. Davon sind 15 Frauengemeinschaften mit Äbtissinnen, Konventualinnen oder Kapitularinnen. Das Gethsemane-Kloster Riechenberg (Goslar) hat die Klosterkammer an eine Männerkommunität vermietet und das Kloster Bursfelde (Landkreis Göttingen) dient der Landeskirche als Geistliches Zentrum. „Jedes Kloster hat ein eigenes Profil. Für jeden Suchenden ist etwas dabei“, so Weidelhofer. Den Angaben zufolge öffnen sich manche Häuser dem Publikum nur für Führungen, andere bieten Seminare, Konzerte und Einkehrtage. „Die Nachfrage ist riesig“, so Gabriele-Verena Siemers, Äbtissin des nahe Hannover gelegenen Klosters Wennigsen. „Wir können längst nicht alle Menschen aufnehmen, die bei uns anfragen.“ In Wennigsen sind die offenen Meditationsabende und das Tanzen des Weihnachtsoratoriums die Renner. Der größte Teil der Teilnehmer ist weiblich.

Bogenschießen für Männer
„Die Menschen finden im Kloster etwas, was sie im normalen Gottesdienst nicht finden“, meint der Göttinger Theologe Joachim Ringleben. „Es gibt sehr viele Menschen, die sich eine Woche zurückziehen wollen. Es ist eine gute Alternative zum Stress.“Das Stift Börstel im Landkreis Osnabrück setzt auf Aktiv- und Outdoor-Angebote. „Das beliebteste Angebot ist das Bogenschießen“, erläuterte die Äbtissin Britta Rook. Dabei seien die Männer in der Überzahl. Auch neue Ideen wie das meditative Spinnen würden gut angenommen. Mitgeteilt wurde zudem, dass die Nachfrage nach Klostereintritten unterschiedlich ist. Interessenten sollten alleinstehend sein, also ledig, geschieden oder verwitwet.

Nur wenige für das Klosterleben geeignet
„Mit dem Nachwuchs ist es schwierig. Es gibt immer Männer, die für eine Zeit mitleben möchten. Aber den Schritt in die Verbindlichkeit suchen wenige“, teilte Achim Gilbert, Prior des Gethsemaneklosters (Goslar) der dpa mit. In Wennigsen hingegen heißt es: „Nachwuchssorgen haben wir nicht.“ Wie in Börstel herrscht dort keine Residenzpflicht. Zudem ist Börstel seit 400 Jahren mit katholischen und evangelischen Frauen gemischt besetzt. „Wir haben sehr viele Bewerbungen. Aber 80 Prozent sind überhaupt nicht geeignet“, so Rook. Psychische und physische Gesundheit sei Aufnahmebedingung. „Wir lassen uns bis zu zwei Jahre Zeit. Uns geht es hauptsächlich um Jüngere, möglichst keine über 60.“ Menschen, die weniger oder keinen Wert auf religiöse oder spirituelle Besinnung legen, haben eine Reihe weiterer Möglichkeiten dem Alltagsstress zu entfliehen. So bieten sich einige Entspannungsübungen zum Stressabbau, wie etwa Yoga oder Autogenes Training nicht nur zu Hause in der ruhigen Wohnung an, sondern auch zusammen mit anderen in speziellen Gruppen, die es in vielen Städten gibt. (ad)

Bild: Annamartha / pixelio.de