Jeder fünfte Todesfall mit Diabetes assoziiert: Mediziner fordern Diabetesplan

Alfred Domke

Dramatisch hohe Sterblichkeit: Experten fordern Nationalen Diabetesplan

Die Zahl der Diabetiker steigt seit Jahren massiv an. Laut einer aktuellen Studie wird fast ein Fünftel aller Todesfälle in Deutschland mit Diabetes assoziiert. Experten fordern nun wirkungsvollere Maßnahmen gegen die Erkrankung. Unter anderem sollen gesunde Lebensmittel von der Mehrwertsteuer befreit werden.


Zahl der Diabetiker steigt

Diabetes zählt zu den großen Volkskrankheiten in Deutschland. Derzeit leben hierzulande rund sechs Millionen Diabetiker, jedes Jahr kommen etwa 300.000 Patienten hinzu. Schlecht oder gar unbehandelt hat die Erkrankung dramatische Folgen: Die Komplikationsrate für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Schlaganfall ist laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) circa 2- bis 3-fach erhöht. Etwa jeder fünfte Todesfall hierzulande wird laut einer Studie mit der sogenannten Zuckerkrankheit assoziiert. Die DDG fordert nun einen Nationalen Diabetesplan.

Laut einer neuen Studie geht gut ein Fünftel aller Todesfälle in Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto von Diabetes mellitus. Experten fordern daher nun einen Nationalen Diabetesplan gegen die Erkrankung. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Ein Fünftel aller Todesfälle mit Diabetes assoziiert

Gut ein Fünftel aller Todesfälle in Deutschland geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto von Diabetes mellitus. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Diabeteszentrums (DDZ), die kürzlich in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht worden ist.

In der Konsequenz richtet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) einen dringenden Appell an die politisch Verantwortlichen, zügig wirkungsvolle Maßnahmen zur Verhältnisprävention umzusetzen.

Hierzu gehören beispielsweise die Mehrwertsteuerbefreiung für gesunde Lebensmittel sowie der „Nationale Diabetesplan“ zur Verbesserung der medizinischen Versorgung.

Auch die Verbraucherorganisation foodwatch hatte sich vor kurzem für die Abschaffung der Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse stark gemacht.

Höhere Sterblichkeit als angenommen

„In Deutschland gab es bislang nur Schätzungen zur diabetesbedingten Sterblichkeit basierend auf regional begrenzten Kohortenstudien und Surveys, bei denen nur wenige Menschen mit Diabetes untersucht wurden“, schreibt das DDZ in einer Mitteilung.

Doch seit 2014 stehen Wissenschaftlern Routinedaten der Gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung, die etwa 90 Prozent der deutschen Bevölkerung abbilden.

Sie wurden jetzt erstmals ausgewertet und zeigen: Jeder fünfte Todesfall ist mit Diabetes assoziiert. „Das sind fast zehnmal mehr Menschen als bislang angenommen“, kommentiert DDG Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland die neuen Erkenntnisse in einer Mitteilung.

Gesunde Lebensmittel von der Mehrwertsteuer befreien

Aufgrund der dramatischen Zahlen fordert die DDG wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen.

Dazu gehört ein gestuftes Mehrwertsteuersystem für Lebensmittel – ungesunde Produkte mit einem hohen Anteil an Zucker, Fett und Salz sollten teurer werden, gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse hingegen von der Mehrwertsteuer befreit werden.

Zudem sollte die Politik ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel erlassen, verbindliche Standards für eine gesunde Schulverpflegung und täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Kitas und Schule einführen.

„Diese Maßnahmen würden bewirken, dass künftig immer weniger Menschen an Diabetes erkranken. Das wiederum würde auch das Gesundheitssystem Deutschlands massiv entlasten“, betonte DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Nationaler Diabetesplan gefordert

Darüber hinaus fordert die DDG einen „Nationalen Diabetesplan“ für Deutschland. Die darin aufgeführten Ansatzpunkte zielen auf eine bessere medizinische Versorgung für Menschen mit Diabetes.

„Damit könnten wir das dramatische Sterblichkeitsrisiko von Diabetespatienten wirksam reduzieren“, so Bitzer.

„Die schockierenden Studienergebnisse zeigen einmal mehr, dass die Politik jetzt dringend gegensteuern muss, um die Erkrankungszahlen deutlich zu reduzieren und die Lebenserwartung von Diabetespatienten zu erhöhen“, bekräftigte auch DDG-Vorstandsmitglied Professor Seufert von der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Gesünderer Lebensstil

Allerdings können auch Betroffene selbst etwas unternehmen. Als Hauptrisikofaktoren für Typ-2-Diabetes gelten ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht beziehungsweise Adipositas.

Betroffenen wird in der Regel zunächst ein gesunder Lebensstil empfohlen. Oft kann bereits Abnehmen den Insulinspiegel wieder normalisieren.

Auch regelmäßige Bewegung trägt dazu bei, den hohen Blutzucker zu senken. Hierfür bieten sich unter anderem Sportarten wie Joggen, Nordic Walking, Radfahren oder auch Spazierengehen an.

Zudem haben wissenschaftliche Untersuchungen Hinweise darauf geliefert, dass bestimmte Lebensmittel eine positive Wirkung erzielen können. So zeigte eine Studie, dass Brokkoli bei Typ-2-Diabetikern den Blutzucker senkt. (ad)