Kann Gehirnjogging helfen, Alzheimer zu verhindern?

Ob Gehirntraining tatsächlich zur Alzheimer-Prävention dient, bleibt weiterhin umstritten. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)
Fabian Peters
Mit einer gesunden Lebensweise und Gehirnjogging gegen Alzheimer?
Die Behandlungsmöglichkeiten bei einer Alzheimer-Erkrankung sind bis heute äußerst begrenzt und lediglich eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs lässt sich mit den bestehenden therapeutischen Optionen erreichen. Umso wichtiger ist daher die Prävention. Hier wurde vielfach über positive Effekte einer gesunden Lebensweise und eines regelmäßigen Gehirntrainings berichtet, doch können diese Maßnahmen tatsächlich den Ausbruch der Krankheit verhindern?

Inwiefern sich Alzheimer durch Gehirnjogging oder eine gesunde Lebensweise vermeiden lässt, kann laut Aussage von Dr. Thorsten Müller und Gregor Leonhardt vom Medizinischen Proteom-Center der Ruhr-Universität Bochum (RUB) bislang nicht eindeutig beantwortet werden. Zwar würden Hinweise auf die positive Wirkung entsprechender Maßnahmen vorliegen, doch ließen sich diese nicht auf alle Patienten übertragen. Auch kommen die bisherigen Studien teilweise zu gegensätzlichen Ergebnissen. Generell spricht jedoch vieles für einen gesunden Lebensstil und regelmäßiges Training der kognitiven Fähigkeiten.

Ob Gehirntraining tatsächlich zur Alzheimer-Prävention dient, bleibt weiterhin umstritten. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)
Ob Gehirntraining tatsächlich zur Alzheimer-Prävention dient, bleibt weiterhin umstritten. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)

Zwei unterschiedliche Formen der Alzheimer-Erkrankung
Grundsätzlich sind laut Aussage der Experten zwei Alzheimerformen zu unterscheiden – die sporadisch vorkommende Form der Erkrankung, welche ab dem 65. Lebensjahr gehäuft auftritt, und die genetisch vererbbare Form. Präventive Maßnahmen können nur bei der ersten Form einen Effekt entfalten. „Bei letzterer liegen Mutationen im Erbgut vor, wodurch die Krankheit sehr früh auftritt“, so die Mitteilung der RUB. Gregor Leonhardt betont, dass „bei dieser Form von Alzheimer auch vorbeugende Maßnahmen wenig helfen.“Der Lebensstil und das Gehirntraining bieten hier keinen Schutz.

Umstrittene Auswirkungen der Bildung
Anders ist die Situation hingegen bei der sporadischen Altersdemenz. Theoretisch ließen sich viele der bekannten Risikofaktoren vermeiden, wobei insbesondere Fettleibigkeit, Diabetes Mellitus und eine geringe Bildung als solche genannt werden. Den größten Risikofaktor bildet allerdings das steigende Lebensalter und dieser lässt sich nicht ausräumen. Auch kann laut Aussage der Forscher der Zusammenhang mit der Bildung kritisch betrachtet werden. Denn bei „31 Studien, die in Europa zu diesem Thema durchgeführt wurden, konnten 19 Studien einen positiven Einfluss zwischen Bildung und der Alzheimer-Demenz herstellen, in zwölf Studien konnte dieser Bezug allerdings nicht gefunden werden“, erläutert Dr. Thorsten Müller. Eine eindeutige Aussage lässt sich demnach nicht treffen.

Welchen Effekt hat der Lebensstil?
Die Forscher der RUB verweisen darüber hinaus auf eine andere interessante Beobachtung in einer Studie an Nonnen, die auf Alzheimer-Demenz untersucht wurden und nach deren Tod eine Hirnautopsie zur objektiven Erfassung des Gehirnzustandes erfolgte. Zwar hätten die Frauen zu Lebzeiten keine Anzeichen einer Erkrankung gezeigt, doch seien post mortem bestimmte Proteine nachgewiesen worden, die auf Alzheimer hinweisen, berichtet die RUB. Hier stelle sich die Frage, ob der gesündere, stressarme Lebensstil im Nonnenorden einen Einfluss auf die ausbleibende Demenz hatte, obwohl die typischen Ablagerungen vorhanden waren. (fp)

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