Knorpel-Zellen aus der Nase fürs Kniegelenk

Heilpraxisnet

Kniegelenk mit Knorpel-Zellen aus der Nase reparieren

30.08.2014

Vor allem ältere Menschen haben häufig mit Gelenkerkrankungen zu kämpfen. Doch auch bei Jüngeren können die Gelenke, etwa in Folge von Unfällen oder Verletzungen, geschädigt sein. Wissenschaftler haben nun eine Methode entwickelt, mit der geschädigte Gelenkknorpel durch Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand repariert werden können.

Geschädigte Gelenkknorpel durch Abnutzung und Verletzungen

Zwar haben in Deutschland in erster Linie ältere Menschen mit Gelenkerkrankungen zu kämpfen, doch auch die Gelenke von Jüngeren können beispielsweise durch Unfälle oder Verletzungen geschädigt sein. Bei Senioren sind die Gelenkknorpel im Knie häufig durch Abnutzung (Arthrose) oder Rheumatoide Arthritis geschädigt. Rund fünf Millionen Menschen hierzulande sollen an der Volkskrankheit Arthrose leiden. Etwa jeder dritte Mann und jede zweite Frau über 60 Jahren sei von Kniescheibenschmerzen beziehungsweise Kniegelenkschmerzen betroffen.

Gelenkknorpel durch Nasenknorpel reparieren

Da sich Gelenkknorpel nicht regenerieren, suchen Ärzte schon seit langem nach Möglichkeiten, die jeweiligen Knieschmerzen durch diese Schäden zu lindern. Oft bedeutet dies komplizierte Operationen etwa durch den Einsatz eines künstlichen Kniegelenks mit darauf folgenden langwierigen Rehabilitationen. Ein Wissenschaftler-Team am Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel um Prof. Ivan Martin, Professor für Tissue Engineering, sowie Prof. Marcel Jakob, Chefarzt der Traumatologie, hat nun eine Methode vorgestellt, mit der geschädigte Gelenkknorpel durch Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand repariert werden können. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“.

Knorpelzellen der Nasenscheidewand können sich selbst regenerieren

Die Knorpelzellen der Nasenscheidewand haben eine besondere Fähigkeit: sie können sich selbst regenerieren. Die Forscher entnahmen für die laufende klinische Studie bisher bei sieben von insgesamt 25 unter 55-jährigen Patienten kleine Biopsien von sechs Millimeter Durchmesser aus der Nasenscheidewand und isolierte daraus die Knorpelzellen, die dann auf ein Vielfaches vermehrt wurden. Diese Zellen wurden dann auf ein Gerüst aufgebracht, um ein Knorpelstück von etwa 30 mal 40 Millimeter Größe zu züchten. Einige Wochen später wurde das Knorpelstück anstelle des geschädigten Gelenkknorpels im Kniegelenk eingesetzt.

Weitere Überprüfungen in den nächsten zwei Jahren

Es soll nun geprüft werden, wie dieses Transplantat vertragen wird und ob es sich mit dem umliegenden Knorpelgewebe im Kniegelenk verbindet. Dies soll jeweils nach sechs, zwölf und 24 Monaten im Kernspintomographen untersucht werden. „Die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung und den präklinischen Studien über die Eigenschaften der Nasenknorpelzellen und den daraus gezüchteten Transplantaten haben die Möglichkeit eröffnet, eine innovative Behandlung für Knorpeldefekte bei Patienten zu untersuchen“, so Prof. Ivan Martin zu den Studienergebnissen.

Mit demselben Verfahren Nasenflügel rekonstruiert

Schon früher haben die Wissenschaftler in Basel mit demselben Verfahren in einer klinischen Studie, in Zusammenarbeit mit der plastischen Chirurgie, Nasenflügel rekonstruiert, die von Tumoren befallen waren. So wurde im April diesen Jahres berichtet: „Erstmals Nasenflügel aus gezüchtetem Knorpel“. Demnach waren Nasenflügel bislang aus Knorpelstücken rekonstruiert worden, welche aus dem Ohr, der Nasenscheidewand oder den Rippen des Patienten herausoperiert werden. In der Regel ist das sehr schmerzhaft. Die Forscher um Professor Martin hatten für die neue Methode kleine Proben von Knorpelzellen von fünf Patienten im Alter zwischen 76 und 88 Jahren genommen, diese vermehrt und dann auf die 40-fache Größe der ursprünglichen Probe weiterwachsen lassen. Schließlich wurde den Senioren das Gewebe, welches in die gewünschte Form für die Nase gebracht worden war, eingepflanzt und mit einem Hauttransplantat bedeckt. Die Patienten zeigten sich ein Jahr nach der Operation mit ihrem Äußeren und mit ihrer Atem-Fähigkeit zufrieden. (ad)

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