Millionen Deutsche haben chronische Schmerzen

Fabian Peters

Ein Achtel der Bevölkerung leidet unter Chronische Schmerzen

10.05.2011

Zahlreiche Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Das Marktforschungsinstitut GfK hat bei einer Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Apotheken Umschau“ herausgefunden, dass rund ein Achtel der Bevölkerung in Deutschland unter dauerhaften Schmerzen leidet.

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Chronischen Schmerzen sind den Ergebnissen der aktuellen Studie zufolge in einigen Körperregionen besonders häufig, berichtet die „Apotheken Umschau“. Die vom Marktforschungsunternehmen GfK durchgeführte repräsentative Untersuchung habe ergeben, dass insgesamt 13,3 Prozent der über 2.000 Befragten unter chronischen Schmerzen leiden, wobei Rückenschmerzen eindeutig das häufigste Beschwerdebild sind.

Rückschmerzen das häufigste Beschwerdebild
Bei der repräsentativen Umfrage zu der Verbreitung chronischer Schmerzen in der Bevölkerung hat das Marktforschungsinstitut GfK die Beschwerden von 2.064 Personen erfasst. Insgesamt gaben rund 13 Prozent der Studienteilnehmer an, dass sie über eine Zeitraum von sechs Monate unter dauerhaften oder regelmäßig wiederkehrenden Schmerzen litten. Dabei bildeten Rückenschmerzen das mit Abstand am häufigsten auftretende Beschwerdebild. Rund jeder zweite Studienteilnehmer (51 Prozent) mit chronischen Schmerzen litt unter Rückenproblemen, etwa ein Drittel der Befragten (34 Prozent) hatten Knieschmerzen und 28 Prozent der Probanden klagten über Probleme im Nacken- und Schulterbereich. Darüber hinaus waren auch chronische Schmerzen in Beinen und Füßen relativ stark vertreten (27 Prozent). Ebenfalls stärker verbreitet als oftmals angenommen, waren die schmerzhaften rheumatischen Beschwerden (25 Prozent), die beispielsweise durch Arthritis oder Arthrose verursacht werden können. Rund 23 Prozent der Befragten litten außerdem unter Hüftschmerzen. Die besonders gefürchteten chronischen Kopfschmerzen tauchen in der Liste der chronischen Schmerzen indes erst relativ am Ende auf. Lediglich 12 Prozent der Befragten gaben an unter chronischen Kopfschmerzen zu leiden, sieben Prozent erklärten, sie haben eine chronische Migräne.

Chronische Schmerzen oft äußerst intensiv
Bei Betrachtung der Zeiträumen, in denen die chronischen Schmerzen auftreten, konnte die Experten der GfK feststellen, dass knapp jeder zweite der Betroffenen (46 Prozent) dauerhaft unter Schmerzen leidet. Der Hälfte der chronischen Schmerzpatienten gönnen ihre Leiden nahezu keine Pause. Dabei ist den Ergebnissen der aktuellen Studie zufolge besonders kritisch, dass die Intensität der Schmerzen oft extrem hoch liegt. So ordneten 62 Prozent der Studienteilnehmer, die laut eigener Aussage nahezu ohne Unterbrechung an den Schmerzen leiden, die Intensität der wahrgenommenen Schmerzen auf einer Zehnerskala von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (extreme Schmerzen) im Bereich zwischen acht und zehn ein. Rund die Hälfte der Befragten mit chronischen Schmerzen hat jedoch auch schmerzfrei Zeiten. Zu den möglichen Ursachen konnten die Studienteilnehmer indes häufig nur wenig sagen. Rund ein Drittel der Befragten (34 Prozent) gab an, dass die Schmerzen unregelmäßig, unabhängig von Zeiten oder äußeren Umständen auftraten. 33 Prozent berichteten hingegen, dass ihre Schmerzen in erster Linie nach einem Wetterwechsel festzustellen sind.

Chronische Schmerzen als eigenständiges Krankheitsbild?
Bereit im März hatte die Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) darauf hingewiesen, dass chronische Schmerzen als ein eigenständiges Krankheitsbild zu betrachten sind. Die DGS hatte auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2011 das Problem chronischer Schmerzen thematisiert und die Einführung einer entsprechenden Facharztausbildung gefordert. Vor allem bei Kindern finde eine „regelrechte Unterversorgung“ statt, warnte die DGS. Den Experten zufolge sind viele Ärzte aufgrund mangelnden Wissens und der schlechten Honorarlage nicht oder nur unzureichend dazu in der Lage, Patienten mit chronischen Schmerzen angemessen zu therapieren. Es bedürfe dringend einer Anpassung der Lehrinhalte in den Universitäten und einer speziellen Facharztausbildung, um den individuellen gesundheitlichen Problemen der Schmerzpatienten gerecht zu werden, erklärte der Präsident der DGS, Gerhard Müller-Schwefe. Darüber hinaus kritisierte die DGS den zunehmenden Einsatz von Schmerzmitteln in Eigentherapie. Dem DGS-Präsidenten zufolge sollten die Betroffenen, statt immer häufiger zu Schmerzmitteln zu greifen und sich so weiteren gesundheitlichen Risiken aussetzen, lieber mit fachärtzlicher Unterstützung den Ursachen der Schmerzen auf den Grund gehen.

Schmerztherapien zur Behandlung chronische Schmerzen
Auch Schmerztherapien können laut Aussage der Experten bei Patienten mit chronischen Schmerzen eine erhebliche Linderung bewirken. Dabei sehen die Schmerztherapien in der Naturheilkunde zum Beispiel homöopathische Ansätze, Magnetfeldtherapie, Neuraltherapien, Biofeedback oder Akupunktur (als Ansatz der traditionellen chinesischen Medizin, TCM) vor. Darüber hinaus werden auch Entgiftungen und Entsäuerungtherapien sowie spezielle Entspannungsmethoden zur naturheilkundlichen Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt. Allerdings können auch Therapien auf psychologischer Ebene bei chronischen Schmerzen angebracht sein, da diese nicht immer durch körperliche Leiden begründet sein müssen. (fp)