Erdnussmehl gegen Erdnussallergie

Astrid Goldmayer

Immuntherapie: Ärzte entdecken Mittel gegen Erdnussallergie

31.01.2014

Immer mehr Menschen leiden an einer Erdnussallergie. Etwa jedes 50. Kind ist betroffen. Forscher am Addenbrooke’s Hospital im britischen Cambridge entdecken jüngst ein Mittel gegen Erdnussallergie. In ihrer experimentellen Studie verabreichten sie betroffenen Kindern kleinste Mengen eines Erdnussmehls, um sie desensibilisieren – mit Erfolg. Unabhängig vom Schweregrad der Erdnussallergie konnten 80 Prozent der Studienteilnehmer am Ende der Immuntherapie ohne Probleme eine Hand voll Erdnüsse essen.

Immuntherapie gegen Erdnussallergie
Erdnüsse sind der häufigste Auslöser für Lebensmittelallergien. Meist sind vor allem die Atemwege, das Verdauungssystem und die Haut von allergischen Reaktionen betroffen. In schweren Fällen kann die Erdnussallergie aber auch das Herz-Kreislaufsystem beeinflussen und einen lebensbedrohlichen Zustand herbeiführen. Menschen mit Erdnussallergie müssen deshalb sehr achtsam bei der Auswahl ihrer Nahrungsmittel sein. Zahlreiche Produkte enthalten zwar nur Spuren von Erdnüssen, aber auch diese können bei Allergikern gefährliche Reaktionen auslösen. Eine erfolgversprechende Therapie gegen die Allergie gab es bislang nicht.

Britische Forscher könnten jedoch nun ein Gegenmittel gefunden haben. Im Fachmagazin „The Lancet“ berichten Studienleiter Andrew Clark und seine Kollegen über ein Verfahren, dass bereits bei Pollernallergikern zum Einsatz kommt. Durch die langsam steigende Gabe des allergieauslösenden Stoffs soll eine Gewöhnung an die Allergene erreicht und die überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems verhindert werden. Clark und sein Team führte die Immuntherapie bei 99 Kindern unter 16 Jahren durch. Durch die Einnahme eines speziellen Erdnussmehls, das die Kinder über mehrere Monate in langsam steigender Dosis erhielten, gewöhnte sich ihr Immunsystem an die Erdnüsse. Zunächst bekamen die Kinder nur zwei Milligramm des Mehls, zuletzt waren es 800 Milligramm. Die häufigsten Beschwerden waren Juckreiz im Mundraum, Übelkeit und Magenschmerzen. Nach sechs Monaten waren die Symptome jedoch bei 80 Prozent de Kinder verschwunden, so dass sie sogar eine Hand voll Erdnüsse ohne Probleme essen konnten.

Wirksamkeit der Immuntherapie gegen Erdnussallergie muss in weiteren Studien untersucht werden
Mit der Studie sollte überprüft werden, ob eine Immuntherapie vor lebensgefährlichen allergischen Reaktionen schützen kann, falls Kinder aus Versehen erdnusshaltige Lebensmittel zu sich nehmen.

„Die orale Immuntherapie bewirkte bei den meisten Kinder mit Erdnussallergie jeden Schweregrades eine Desensibilisierung“, schreiben die Forscher im Fachmagazin. „Die Lebensqualität verbesserte sich nach der Behandlung.“ Weitere Studien müssten nun mit größeren Teilnehmerzahlen durchgeführt werden. Die Forscher weisen zudem daraufhin, dass ihre Ergebnisse nur auf die untersuchte Altersgruppe anzuwenden sind.

Matthew Greenhawt von der Universität Michigan bezeichnet das Resultat der Untersuchung als „außerordentlich vielversprechend". Es sei jedoch unklar, ob die Immuntherapie mit Erdnussmehl einen „bleibenden Effekt“ habe. (ag)

Bild: Lizzy Tewordt / pixelio.de