Neues Mittel gegen Kreisrunder Haarausfall

Heilpraxisnet

Alopecia areata: Medikament wirkt bei kreisrundem Haarausfall

02.09.2014

Über eine Million Menschen in Deutschland sollen von kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) betroffen sein. Zum Teil beginnen die Haare bereits im Kindesalter auszufallen. Für Betroffene scheint es jetzt neue Hoffnung zu geben: In einer Studie in den USA zeigte ein Wirkstoff erfolgversprechende Ergebnisse.

Mensch verliert bis zu 100 Kopfhaare pro Tag
Zwischen 70 und 100 Kopfhaare verliert jeder Mensch durchschnittlich pro Tag. Wenn diese nicht wieder nachwachsen, wird von permanentem Haarausfall gesprochen. Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) zählt dabei zu den häufigsten Formen. Presseberichten zufolge sollen über eine Million Deutsche davon betroffen sein. Auch die Krefelderin Jenny Latz bemerkte bereits als Zehnjährige kahle Stellen am Hinterkopf, woraufhin der Dermatologe Alopecia areata diagnostizierte, wie „Spiegel Online“ in einem aktuellen Beitrag berichtet.

Auslöser nicht vollständig erforscht
Noch sind die Auslöser der Erkrankung nicht vollständig erforscht. Vermutet wird, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der körpereigene T-Zellen die Haarwurzel angreifen. Ursachen, die zu den verschiedenen Arten von Haarausfall führen können, sind etwa ein Eisenmangel oder eine Erkrankung der Schilddrüse wie etwa eine Schilddrüsenüberfunktion. Doch auch durch verschiedene andere Krankheiten kann Haarausfall hervorgerufen werden, beispielsweise durch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Morbus Crohn, Bulimie oder Magersucht und in seltenen Fällen auch durch Infektionskrankheiten wie Typhusoder Scharlach.

Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten
Alopecia areata führt mitunter zu vollständigem Haarausfall undtrifft Frauen ebenso häufig wie Männer und kann in jedem Alter auftreten. Für Jenny Latz sahen die Behandlungsmöglichkeiten Mitte der 1970er Jahre noch dürftig aus: „In der Apotheke gab es Kortisonsalbe oder ein Kopfhauttonikum“, heißt es in dem „Spiegel Online“ Beitrag. Obwohl ihr beides nicht half, wuchsen die Haare mit der Zeit langsam wieder nach. Solche kortisonhaltigen Salben und Tabletten sind noch immer im Einsatz, zudem wird durch das Einwirken auf den Hormonhaushalt versucht, der Krankheit Einhalt zu gebieten. Wie der Münchner Facharzt für Dermatologie, Harald Bresser, berichtete, ist auch eine Behandlung mittels eines Lasers möglich, bei der das Licht wohl ein Absterben der aggressiven T-Zellen bewirkt.

Wirkstoff mit guten Ergebnissen getestet
Eine kürzlich im Fachblatt „Nature Medicine“ veröffentlichte Pilotstudie macht nun Betroffenen etwas Mut. Demnach fanden Wissenschaftler der Columbia Univeristy, New York, zunächst Immunzellen, die anscheinend für den Haarverlust verantwortlich sind. Daraufhin verabreichten die Forscher Mäusen sowie drei Patienten den Wirkstoff Ruxolitinib, der bislang nur bei der Behandlung einer Knochenmarkerkrankung, der sogenannten Myelofibrose, angewendet wird. Innerhalb von wenigen Monaten waren bei allen drei Patienten die Haare an den kahlen Stellen fast vollständig nachgewachsen. Obwohl in dem Fachartikel nicht auf Nebenwirkungen der Medikamentengabe eingegangen wird, kann der Wirkstoff nach Angaben von gesundheitsinformation.de Schwindel, Kopfschmerzen und andere Nervenstörungen auslösen.

Skeptische Reaktionen auf Studienergebnisse
Studienleiter Raphael Clynes erläuterte: „Wir haben begonnen, das Medikament zu testen. Wenn der Wirkstoff erfolgreich und sicher in der Anwendung bleibt, wird dies einen enorm positiven Effekt für alle haben, die mit dieser Krankheit leben.“ Die Wissenschaftler haben mittlerweile ein Patent für die Therapie eingereicht. Allerdings gibt es seit Bekanntgabe der Studienergebnisse auch skeptische Reaktionen. So meinte die Pressesprecherin des Vereins „Alopecia Areata Deutschland“, Kerstin Zienert: „Drei Behandelte reichen nicht aus.“ Weiter erklärte sie: „Wir sind an der Entstehung der Krankheit interessiert.“

Hoffnungsschimmer für Betroffene
Dazu forscht Regina Betz am Institut für Humangenetik der Universität Bonn. „Genom-weite Assoziationsstudien, die auf dem Vergleich genetischer Anlagen bei Patienten- und Kontrollgruppen beruhen, sind eine gute Basis, um Wirkstoffe für potenzielle Therapieansätze zu finden“, so die Humangenetikerin. Dabei könnten Wirkstoffe wie Ruxolitinib ein Hoffnungsschimmer für Betroffene sein. „Sie müssen aber erst an großen Patientengruppen untersucht werden, bevor man sie als Therapie verwendet.“ Jenny Latz bekam als 18-Jährige eine Perücke, doch die „juckte fürchterlich und sah künstlich aus“. Erst eine zweite passte besser. Doch als sie einen Mann kennenlernte, der ihr sagte: „Du bist auch so wunderschön“, verzichtet sie auf das Kunsthaar. Die Krefelderin engagiert sich heute, indem sie Vorträge hält und Rat gibt. Laut „Spiegel Online“ erklärte sie: „Die Alopecia areata ist mein Lebensthema geworden.“ (ad)

Bild: duxschulz / pixelio.de