Eisenmangel – Ursachen, Symptome und Behandlung

Fabian Peters

Mangel des Spurenelements Eisen

Eisenmangel ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass aus verschiedenen Gründen auftreten kann und mitunter erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen hat. Allgemein werden als Ursachen Faktoren wie beispielsweise eine zu geringe Eisenaufnahme über die Nahrung, eine zu geringe Eisenresorption im Körper oder ein deutlicher Blutverlust genannt.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge leiden etwa zehnt Prozent der Frauen und drei Prozent der Männer in Deutschland an Eisenmangel. Welche Auslöser im Einzelnen damit im Zusammenhang stehen können und welche Behandlungsoptionen sich anbieten, erfahren Sie in den anschließenden Kapiteln.

Definition

Eisenmangel beschreibt eine Unterversorgung des Organismus mit dem erforderlichen Spurenelement, die theoretisch ohne weitere Symptome verlaufen kann. Verursacht der Mangel körperliche Beschwerden, sind diese nicht selten auf eine sogenannte Eisenmangelanämie (Blutarmut) zurückzuführen. Denn das Eisen wird zur Bildung der roten Blutkörperchen benötigt und eine Unterversorgung bedingt die Entwicklung einer entsprechenden Blutarmut, die äußerst schwerwiegende Symptomen mit sich bringen kann. Treten erste Beschwerden bereits vor der Blutarmut auf, wird dies in der Fachwelt als Sideropenie bezeichnet.

Eisen wird für die Bildung von roten Blutkörperchen benötigt. (Bild: phonlamaiphoto/fotolia.com)

Täglicher Eisenbedarf

Lediglich vier bis fünf Gramm Eisen finden sich im menschlichen Organismus und der Eisenbedarf pro Tag liegt in der Regel deutlich unter fünf Milligramm. Doch es muss mehr von dem Spurenelement über die Nahrung aufgenommen werden, als der Organismus eigentlich benötigt, da nur ein Bruchteil des aufgenommenen Eisens über die sogenannte Resorption dem Organismus zur Verfügung gestellt werden kann. Der Rest wird über den Verdauungstrakt ausgeschieden.

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zur Deckung des täglichen Bedarfs bei Jugendlichen und Erwachsenen die Aufnahme von zehn bis 15 Milligramm Eisen pro Tag. Kinder sollten demnach acht bis zehn Milligramm des Mineralstoffs täglich aufnehmen, Schwangere 30 Milligramm und Stillende 20 Milligramm. Im Organismus ist ein Großteil des Eisens (mehr als 65 Prozent) an das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen gebunden. Weiterhin finden sich größere Anteile in dem sogenannten Depot-Eisen wie Ferritin oder Hämosiderin, in bestimmten Enzymen und im Myoglobin.

Symptome bei Eisenmangel

Eisenmangel kann eine hohe Bandbreite an Beschwerden auslösen. Diese reichen von psychischen Beeinträchtigungen über Veränderungen des Hautbildes, der Haare und Nägel bis hin zur Entwicklung einer Blutarmut mit entsprechenden weiteren Symptomen. Die Beeinträchtigungen entstehen, weil das Spurenelement eine wichtige Rolle beim Sauerstofftransport, der Sauerstoffaufnahme und bestimmten Zellfunktionen spielt. Der Energiestoffwechsel ist ebenfalls auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen angewiesen. Die tatsächlich benötigte Menge ist dabei insgesamt minimal.

Fehlt dem Körper Eisen, zeigen sich häufig zunächst unspezifische Beschwerden wie eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, chronische Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Schwindel. Im weiteren Verlauf erscheint das Hautbild der Betroffenen zunehmend blass. Oft treten brüchige Nägel und Nagelveränderungen wie Rillen und sogenannte Koilonychien (Muldenförmige Veränderungen) auf. Eingerissene Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden) sind eine weitere typische Begleiterscheinung.

Ständige Müdigkeit und Konzentrationsprobleme können durch einen Eisenmangel bedingt sein. (Bild: stokkete/fotolia.com)

Die Folge einer Unterversorgung des Organismus mit Eisen können diffuser Haarausfall und brüchige Haare bzw. Spliss sein. Treten Mundwinkelrhagaden, Nagelveränderungen, Beeinträchtigungen des Haarwuchses sowie Zungenbrennen und Dysphagien (Schluckstörungen) infolge von Schleimhautdefekten gemeinsam auf, wird dies als Plummer-Vinson-Syndrom bezeichnet. Das Syndrom gilt als Risikofaktor für die Entstehung für Speiseröhrenkrebs.

Aufgrund des Mangels wird mit der Zeit die Blutbildung deutlich beeinträchtigt und es entwickelt sich eine sogenannte Eisenmangelanämie. Diese ist in erster Linie durch eine zu geringe Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes sowie eine entsprechende Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff gekennzeichnet. Dadurch kommt es bei den Betroffenen häufig zu Kopfschmerzen, Sehstörungen, Ohrensausen, kurzfristiger Bewusstlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen.

Da der Organismus versucht, die Sauerstoffversorgung trotzt geringerer Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes aufrecht zu erhalten, treten zudem oftmals eine erhöhte Atemfrequenz und ein beschleunigter Herzschlag bis hin zum Herzrasen auf.

Mitunter entwickelt sich in Folge des Eisenmangels auch ein Restless-Legs-Syndrom, welches eine neurologische Erkrankung mit Gefühlsstörungen und stetigem Bewegungsdrang in den Beinen (gelegentlich auch in den Armen) beschreibt.

Ursachen von Eisenmangel

In den meisten Fällen wird die Unterversorgung durch eine zu geringe Eisenaufnahme über die Nahrung bedingt. Dabei sind bestimmte Personengruppen, wie beispielsweise schwangere oder stillende Frauen aufgrund ihres ohnehin erhöhten Eisenbedarfs besonders gefährdet. Die weitläufig verbreitete Meinung, auch Vegetarier unterlägen einem erhöhten Risiko, ist mittlerweile eindeutig widerlegt. Bei entsprechender Aufnahme eisenhaltiger Obst- und Gemüsesorten, Hülsenfrüchten und Getreidesorten ist die benötigte Tagesdosis problemlos zu erreichen.

Einseitige Ernährung mit eisen- beziehungsweise nährstoffarmen Lebensmitteln stellt indes ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Allerdings enthält Fleisch in der Regel einen recht hohen Eisenanteil, so dass angesichts des extrem gestiegenen Fleischkonsums in den modernen Industrienationen das Risiko eines Mangels eher rückläufig ist. Doch auch bei einer angemessenen Aufnahme des Mineralstoffs über die Nahrung, kann die Resorption derart gering ausfallen, dass dem Organismus am Ende zu wenig Eisen zur Verfügung steht.

Der tägliche Eisenbedarf kann auch ohne Fleisch gedeckt werden. Viel von dem Spurenelement findet sich zum Beispiel in Hülsenfrüchten, Mandeln und Trockenobst. (Bild: airborne77/fotolia.com)

Neben der zu geringen Aufnahme und Resorption des Spurenelements, kann auch ein erhöhter Blutverlust zum Mangel führen, da für die Neubildung roter Blutkörperchen vermehrt Eisen benötigt wird. So zeigt sich zum Beispiel bei Patienten mit Blutungen im Magen-Darm-Trakt nach einiger Zeit häufig eine durch Eisenmangel verursachte Anämie (Blutarmut). Auch junge Frauen mit starken Menstruationsblutungen leiden gelegentlich an entsprechenden Beschwerden. Die durch Blutungen bedingten Eisenmangelanämien sind im Vergleich zu den durch Mangelernährung bedingten jedoch relativ selten.

Diagnosestellung

Zunächst bedarf es einer Analyse des Blutbildes, um den Mangel eindeutig festzustellen. Dabei wird zum Beispiel die Konzentration des Ferritins und des Hämoglobins ermittelt. Eine Ermittlung des direkten Eisengehaltes im Blut hat für die Diagnose keine Aussagekraft, da dieser stark schwankt und dem Organismus nicht in der erforderlichen Form zur Verfügung steht. Des Weiteren kann ein hoher Eisengehalt im Blut auch auf eine zu geringe Resorption zurückgehen, die ihrerseits das Auftreten einer Unterversorgung begünstigt.

Bestätigen die Blutuntersuchungen den Verdacht, bleibt zu klären, ob dieser auf eine Mangelernährung, eine zu geringe Resorption oder einen Blutverlust zurückgeht, um anschließend eine entsprechend angepasste Behandlung einzuleiten.

Behandlung

Maßgeblich für die erfolgreiche Behandlung ist in der Regel eine entsprechende Umstellung der Ernährung auf eisenhaltige Nahrungsmittel und resorptionsfördernde Inhaltsstoffe wie Vitamin C, schwefelhaltige Aminosäuren (Cystein) und Fruktose. Lebensmittel, die zu einer Verringerung der Eisenresorption führen, wie beispielsweise Schwarzer Tee, Kaffee, Calciumsalze oder die Oxalate in Spinat, Rote Bete, Rhabarber und Kakao, sollten indes im Rahmen der Therapie gemieden werden.

In schweren Fällen ist eine medikamentöse Behandlung möglich, doch diese will gut überlegt sein, da eine zu hohe Eisenaufnahme auch eine toxische Wirkung im Organismus entfalten kann. So droht beispielsweise bei einem überhöhten Ferritinspiegel eine Schädigung des Herzmuskels, der Leber und der Bauchspeicheldrüse.

Die medikamentöse Behandlung mittels Eisenpräparaten kommt daher nur in Betracht, wenn durch die Umstellung der Ernährung keine Beseitigung gelingt. Zumal diese Ppräparate häufig erhebliche Nebenwirkung im Magen-Darm-Bereich (zum Beispiel Bauchschmerzen) verursachen. Führt die orale Einnahme der der Mittel nicht zu dem gewünschten Erfolg, ist eine Anwendung als Infusion möglich.

Nahrungsmittel gegen Eisenmangel

In der Regel lässt sich durch eine konsequente Umstellung der Ernährung auf Nahrungsmittel mit hohem Eisenanteil erfolgreich beheben. Hierzu zählen neben dunklem Fleisch und Innereien auch zahlreiche pflanzliche Lebensmittel wie bestimmte Gewürze (schwarzer Pfeffer, getrockneter Koriander oder Petersilie), Feldsalat, Erbsen, Bohnen, Broccoli oder Roggen- und Weizenvollkorn. Allmählich zeigt sich eine Normalisierung des Ferritinspiegels, der als langfristige Messgröße für den Eisenhaushalt des Organismus gilt.

Die seit einigen Jahren in Deutschland ebenfalls verfügbaren Lebensmittel mit extra Eisenzusatz sind laut Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung jedoch eher kritisch zu bewerten und sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewandt werden. „Da nach derzeitigem Stand des Wissens bei einer dauerhaft hohen Versorgung mit Eisen das Risiko für die Entstehung von Herz- und Krebserkrankungen steigt, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von der Anreicherung von Lebensmitteln mit Eisen ab“, so die offizielle Position. Mit Eisen angereicherte Frühstückszerealien und eisenhaltige Nahrungsergänzungsmittel sind demnach nicht empfehlenswert.

Ist die Sideropenie auch auf medikamentösem Wege nicht in den Griff zu bekommen und entwickeln die Betroffenen eine schwere Eisenmangelanämie, bleibt eine Bluttransfusion als letzte Behandlungsoption.

Behandlung in der Naturheilkunde






Im wesentlichen basiert die Behandlung in der Naturheilkunde ebenfalls auf Maßnahmen der Ernährungstherapie, die eine erhöhte Eisenaufnahme sowie eine verbesserte Resorption zum Ziel haben. Ergänzend kann aus dem Bereich der Schüssler Salze das biochemischen Funktionsmittels Ferrum phosphoricum (Schüssler Salz Nr. 3) eingesetzt werden, um Verwertungsblockaden zu lösen und eine vermehrte Eisenresorption aus der Nahrung anzuregen.

Generell lässt sich auf unterschiedlichem Wege dem Eisenmangel mit den Mitteln der Natur begegnen, wobei auch eine Anregung der Verdauungsfunktion durch Pflanzenzubereitungen mit Bitterstoffen wie zum Beispiel Schwedenkräuter in Frage kommt. Weitere bewährte Hausmittel bei Eisenmangel sind Brennnessel-Tinkturen, Löwenzahn-Tee und Himbeersaft.

In der Regel gelingt auf Basis der Ernährungstherapie jedoch bereits eine erfolgreiche Behandlung der Unterversorgung, so dass weiterreichende Maßnahmen lediglich bei Komplikationen erforderlich werden. (fp, nr; zuletzt aktualisiert am 9.6.2017)