Ohrensausen – Ohrenrauschen

Ohrensausen
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Ohrensausen / Tinnitus

Die als Ohrensausen bezeichneten Ohrgeräusche können auf eine Vielzahl von Ursachen zurückgehen. So tritt Ohrenrauschen zum Beispiel als Begleitsymptom von Kreislauferkrankungen, Blutdruckabweichungen, Verletzungen des Trommelfells, Innenohrdefekten, Entzündungen, Morbus Ménière (Erkrankung des Innenohres), Stoffwechselstörungen oder Tumoren auf. Auch zu hohe psychische Belastungen und Stress können die subjektiv wahrgenommenen Geräusche auslösen. Außerdem kann Ohrensausen durch akute Lärmbelastungen wie zum Beispiel bei Disko- oder Konzertbesuchen verursacht werden.

Inhaltsverzeichnis

Individuelle Symptome
Ursachen für Ohrensausen und Tinnitus
Ursachen für subjektiven Tinnitus
Ototoxische Substanzen als Ursache für subjektiven Tinnitus
Akutes und chronisches Ohrensausen
Diagnoseverfahren
Behandlungsmethoden
Behandlung in der Schulmedizin
Tinnitus-Retraining-Therapie
Tinnitus-Behandlung mit Hilfe der Verhaltenstherapie
Alternative Behandlungsmethoden
Massagen, Ausleitende Verfahren und Pflanzenheilkunde
Ernährungstherapien als Bestandteil der Tinnitus-Behandlung
Anthroposophische Medizin, Ayurveda und Aromatherapie
Biofeedback im Rahmen der naturheilkundlichen Tinnitus-Therapie
Ozontherapie und Orthomolekulare Medizin
Bachblütentherapie

Individuelle Symptome

Tinnitus ist der medizinische Oberbegriff für sämtliche Ohrgeräusche wie auch das sogenannte Ohrensausen. Da die akustischen Wahrnehmungen Begleiterscheinungen ernsthafter Erkrankungen sein können, ist bei regelmäßigem Auftreten dringend ein Arztbesuch zu empfehlen. Dabei sollte der Schwerpunkt der Untersuchung auf der Bestimmung und Behandlung möglicher Ursachen des Ohrensausens liegen, obwohl zahlreiche Behandlungsmethoden eine Behebung der Symptome versprechen, ohne den Ursachen des Tinnitus genauer auf den Grund zu gehen.

Ohrensausen
(Bild: A. R./pixelio.de)

Ohrensausen tritt meist als subjektiv wahrgenommenes wiederkehrendes Ohrgeräusch auf, das die Betroffenen auf einem oder beiden Ohren lokalisieren. Ohrensausen kann jedoch auch eher diffus im Kopf wahrgenommen werden, ohne dass eine eindeutig Zuordnung zu den Ohren möglich ist. Relativ häufig treten als Begleiterscheinungen eine Verminderung des Hörvermögens sowie Schwindel– und Benommenheitsgefühle auf. Die Dauer und Intensität der Ohrgeräusche ist dabei jedoch stark variabel, so dass die individuelle Belastung für Tinnitus-Patienten äußerst unterschiedlich ausfällt. Dabei wird in der medizinischen Fachwelt zwischen einem so genannten kompensierten Tinnitus und einem dekompensierten Tinnitus unterschieden. Beim kompensierten Tinnitus werden die Ohrengeräusche zwar wahrgenommen, doch die Betroffenen können ohne persönliche Beeinträchtigung mit ihnen leben – die akustischen Wahrnehmungen werden quasi ignoriert. Der dekompensierte Tinnitus wird von den Patienten hingegen als erhebliche Belastung empfunden und es drohen weitreichende Konsequenzen wie Depressionen, Schlafstörungen, Angstzustände und Konzentrationsstörungen, mit Auswirkungen auf zahlreiche Lebensbereiche. Tendenziell lässt sich feststellen: Je länger die Ohrgeräusche anhalten und je höher die Intensität der akustischen Störungen wahrgenommen wird, desto größer die Belastungen für die Betroffenen und das Risiko weiterer gesundheitlicher Probleme.

Ursachen für subjektiven Tinnitus

Bei einem subjektiven Tinnitus entstehen die Ohrgeräusche laut aktuellen Forschungsstand im auditorischen System ohne das tatsächlich akustische Reize vorliegen. Dabei kommen für das subjektiv wahrgenommene Ohrensausen zahlreiche Ursachen in Frage. So werden unter anderem Fremdkörper im Gehörgang, Entzündungen des Ohrs, Erkrankungen des Mittelohrs (z. B. Verknöcherung der Gehörknöchelchen, Otosklerose) sowie virale und bakterielle Infektionen für das Auftreten der unangenehmen Ohrgeräusche verantwortlich gemacht. Auch ein sogenanntes Schalltrauma, ausgelöst durch massive Geräuscheinwirkungen, wird häufig von subjektiv wahrgenommenem Ohrensausen oder Ohrenpfeifen begleitet. Außerdem gilt ein Hörsturz ebenso als mögliche Ursache für die belastenden Ohrgeräusche wie Tauchunfälle oder die eher seltenen Krankheiten des Innenohrs Morbus Menière, Hydrops cochleae und Endolymphschwankungen. Zudem können Autoimmunerkrankungen des Innenohrs sowie sogenannte Bogengangsdehiszenzen, welche eine Hyperempfindlichkeit gegenüber Geräuschen und Gleichgewichtsstörungen bedingen, das subjektiv wahrgenommene Ohrensausen verursachen. Tumore der Gehörnerven sind ebenfalls mögliche Ursachen des subjektiven Ohrensausens und bei Schwerhörigkeit (Hypakusis) kann subjektiver Tinnitus als eine Art Phantomschmerz auftreten. Auch Verspannungen der Halswirbelsäulen- und der Kiefergelenksmuskulatur bedingen gelegentlich Ohrgeräuschen, wobei die mit dem Arbeiten am PC verbundene Bewegungsarmut das Risiko entsprechender Symptome deutlich erhöht. Darüber hinaus gelten psychische Probleme und Stress als erhebliche Risikofaktoren für Ohrensausen.

Das menschliche Ohr (Anatomie)
Das menschliche Ohr – Anatomie. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Ursachen für Ohrensausen und Tinnitus

Zahlreiche Ursachen können Ohrensausen bedingen, wobei jedoch zwischen dem relativ verbreiteten subjektiven und dem seltenen objektiven Tinnitus zu unterscheiden ist. Während die subjektiven Ohrgeräusche nur von den Betroffenen registriert werden, beruhen objektive Tinnitus-Geräusche auf einer von außen wahrnehmbaren oder zumindest messbaren körpereigenen Schallquelle. Die möglichen Ursachen für einen objektiven Tinnitus sind dabei relativ überschaubar. Gefäßmissbildungen, Gaumensegelnystagmus (Erkrankung des weichen Gaumens) und Tubenfunktionsstörungen sind hier die häufigsten Verursacher der tatsächlich wahrzunehmenden Ohrgeräusche.

Ototoxische Substanzen als Ursache

Ohrensausen kann außerdem durch zahlreiche sogenannte ototoxische Medikamente und Substanzen (Ototoxität = „Ohrgiftigkeit“) , die zerstörerisch auf das Innenohr wirken, verursacht werden. Vor allem die Sinneszellen des Hör- und Gleichgewichtsorganes sowie der zugehörige Nerv im Gehirn werden von den ototoxischen Substanzen angegriffen. Zu den ototoxischen Substanzen zählen einige Antibiotika, Zytostatika, Diuretika, Chinin (auch enthalten in „Bitter Lemon“ und „Tonic Water“), Salicylate wie der Wirkstoff in Aspirin (Acetylsalicylsäure) und Protonenpumpeninhibitoren (Omeprazol). Auch verschiedene Lösungsmittel enthalten ototoxische Chemikalien. Außerdem gelten Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen, Schwefelkohlenstoff, Kohlenmonoxid und Zyanide als schädigen für das Gehör.

Akutes und chronisches Ohrensausen

Neben der Unterscheidung des Ohrensausens nach objektiver und subjektiver Wahrnehmung wird der Tinnitus in Deutschland auf Basis von Erfahrungswerten in akuten und chronischen Tinnitus unterteilt. Von akutem Ohrensausen ist demnach die Rede, wenn die Ohrgeräusche maximal drei Monate auftreten. Bei Anhalten der Symptome über einen Zeitraum länger als drei Monate liegt ein chronischer Tinnitus vor. Während in der akuten Phase der Tinnitus relativ häufig ohne weitere Behandlung wieder zurückgeht, stehen die Heilungsaussichten nach einem Übergang in die chronische Phase erheblich schlechter. Ohne entsprechende Therapie können die unangenehmen Ohrgeräusche Patienten über Jahre begleiten und zu einer erheblichen psychischen Belastung werden, die weitere gesundheitliche Probleme mit sich bringt. Da die Behandlungsaussichten umso höher liegen, je eher mit der Therapie begonnen wird, sollte spätestens ein bis zwei Tagen nach dem Einsetzen des Ohrensausens ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) aufgesucht werden, um eine erste Diagnose einzuholen.

Diagnoseverfahren

Als erstes sollte eine eingehende Untersuchung der Hals-, Nasen-, Ohrenpartie erfolgen, die dazu dient, mögliche Vorerkrankungen wie Ohrentzündungen, Nasennebenhöhlenentzündungen oder schnupfenbedingte Belüftungsstörungen der Ohrtrompete als Ursachen des Ohrensausens auszuschließen. Anschließend testet der HNO-Arzt den Gleichgewichtssinn der Patienten und überprüft mit einer Stimmgabel das Gehör. Bei der Überprüfung des Gehörs lässt sich auch feststellen, welche Töne für die Tinnitus-Patienten wahrnehmbar sind. Außerdem liefert die sogenannte audiometrische Untersuchung Anhaltspunkte über die empfundene Lautstärke des Ohrensausens und die Schwere der Erkrankung. Es können Blutuntersuchung, Röntgenuntersuchung, Dopplersonographien oder Magnetresonanztomographien folgen, um weitere Erkrankungen als Tinnitus-Verursacher auszuschließen. Auch eine psychoanalytische Bewertung der Symptome erscheint dabei sinnvoll, um mögliche psychische Gründe des Ohrensausens zu ermitteln. Weil Tinnitus durch unzählige Faktoren bedingt werden kann und oftmals eine kausal orientierte Behandlung, die an den Ursachen der Erkrankung und nicht an den Symptomen ansetzt, bessere Heilungsaussichten verspricht, kommt der exakten Diagnosestellung bei Ohrensausen eine besondere Bedeutung zu.

Behandlungsmethoden bei Ohrensausen

Entsprechend den möglichen Ursachen des Tinnitus bestehen zahlreiche erfolgversprechende Behandlungsmethoden. Die wenigsten davon sind jedoch eindeutig wissenschaftlich belegt und eine allgemein gültige Therapie zur Behebung der akustischen Wahrnehmungen besteht nicht. Die Behandlungsmethoden sollten neben den individuellen Ursachen auch dem Krankheitsbild (akut/chronisch) anpasst sein. So werden akustische Stimulationsverfahren, Verhaltenstherapien, medikamentöse Therapien, Physiotherapien und sogar operative Eingriffe zur Behandlung von Tinnitus eingesetzt. Die Erfolgsaussichten sind dabei jedoch äußerst unterschiedlich und stehen in direktem Zusammenhang mit den möglichen Ursachen des Ohrensausens.

Konventionelle Behandlung

Der schulmedizinische Ansatz zur Behandlung eines akuten Tinnitus sieht hierzulande in der Regel eine Medikation mit Glukokortikoiden (z. B. Kortison), Magnesium, Vitamin-E-Präparaten, intravenös verabreichten Lokalanästhetika und durchblutungsfördernden Wirkstoffen vor. Hierdurch soll in erster Linie eine bessere Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Ohrs gewährleistet werden, da angenommen wird, dass der akute Tinnitus Folge von Durchblutungsstörungen der kleinen Innenohrgefäße ist. Mit dieser medikamentösen Behandlung können in der akuten Phase des Tinnitus relativ häufig Behandlungserfolge erzielt werden, wobei jedoch bisher keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, die einen Erfolg der Tinnitus-Therapien unter Berücksichtigung möglicher Placebo-Effekte bestätigen. So könnten die zu verzeichnenden Behandlungserfolge auch auf die Placebo-Wirkung zurückgehen.

Tritt Ohrensausens als chronische Erkrankung auf, so sind die medikamentösen Behandlung jedoch ohnehin meist wirkungslos. Früher griff die konventionelle Medizin daher bei schwerem chronischem Tinnitus zu solch drastischen Maßnahmen wie der Durchtrennung des Hörnervs, doch wegen der niedrigen Erfolgsquote werden derartige Eingriffe heute nicht mehr durchgeführt. Stattdessen setzten Mediziner zum Beispiel auf Hörgeräte, die das Ohrensausen überdecken und für die Patienten nicht mehr wahrnehmbar machen sollen. Außerdem wird momentan in verschiedenen Studien untersucht, ob die transkranielle Magnetstimulation bestimmter Gehirnareale eine Linderung des Tinnitus bewirken kann. So werden die Gehirnareale, die bei Tinnitus-Patienten in der Aktivität verändert sind, durch magnetische Impulse stimuliert, um die akustischen Wahrnehmungen zu beheben. Darüber hinaus befindet sich der Einsatz von Hirnschrittmachern zur Behandlung von schwerem chronischen Tinnitus in der Testphase.

Tinnitus-Retraining-Therapie

Ergänzend werden in der Schulmedizin heute Methoden wie die Tinnitus-Retraining-Therapie, Verhaltenstherapien oder Entspannungsübungen zur Behandlung von chronischem Tinnitus genutzt. Bei der Tinnitus-Retraining-Therapie sollen Patienten zum Beispiel lernen, die Ohrgeräusche nicht länger als unangenehm wahrzunehmen. Dabei bildet die Verarbeitung des Tinnitus im zentralen Nervensystem und die bewusste Wahrnehmung den Mittelpunkt der Therapie. Die eigentlichen Ursachen des Ohrensausens werden bei der Retraining-Methode indes nicht weiter untersucht. Am Anfang des Tinnitus-Retrainig stehen hierzulande Beratung und Information, wobei die Patienten alles über die Erkrankung lernen sollen. Im weiteren Verlauf werden Hörtherapien eingesetzt, bei denen die Betroffenen regelmäßig akustischen Signalen ausgesetzt werden und ihr Gehirn im Umgang mit der Geräuschwahrnehmung trainieren. Darüber hinaus erfolgt eine begleitende psychotherapeutische Betreuung der Tinnitus-Patienten, die ebenfalls darauf abzielt, den Umgang mit den akustischen Wahrnehmungen zu erleichtern. Im Rahmen der psychotherapeutischen Begleitung sollen sich die Patienten auch Tinnitus vorbeugendes Verhalten wie Sport oder Entspannungsübungen (z. B. autogenes Training) aneignen.

Tinnitus-Behandlung mit Verhaltenstherapie

Die kognitiven Verhaltenstherapien werden vor allem bei Patienten mit schwerem chronischen Tinnitus genutzt; wobei mehrere repräsentative Studien eindeutige Behandlungserfolge belegen. Allerdings wird auch bei der kognitiven Verhaltenstherapie der Tinnitus an sich nicht behoben, sondern lediglich die Wahrnehmung der unangenehm Ohrgeräusche beeinflusst. Die kognitive Verhaltenstherapie wurde ursprünglich in erster Linie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, später jedoch auf andere Krankheiten übertragen, bei denen der Kognition eine wesentlich Bedeutung zugeschrieben wird. Als Kognition sind dabei mentale Prozesse der Informationsverarbeitung, des Erkennens, Begreifens, Urteilens und Wahrnehmens zu verstehen. Bei der Behandlung des Tinnitus mit kognitiven Verhaltenstherapien wird gezielt die mentale Wahrnehmung und Verarbeitung der Ohrgeräusche verändert, so dass die Patienten diese idealerweise nicht länger als unangenehm oder störend empfinden und die Beeinträchtigungen im Alltag minimiert werden können.

Alternative Behandlungsmethoden

Als Alternativen zu den oft kostspieligen schulmedizinischen Behandlungsmethoden bestehen zahlreiche Therapiemöglichkeiten im Bereich der Naturheilverfahren und der Homöopathie, die bei erheblich geringeren Kosten und Nebenwirkungen ähnliche Erfolge versprechen. Viele dieser Methoden werden mittlerweile außerdem von den Krankenkassen übernommen. Bevor die eigentliche Behandlung beginnen kann, sind jedoch im Rahmen der Amnese, mögliche Ursachen des Ohrensausens zu bestimmen. Anschließend werden entsprechende Behandlungsmethoden eingeleitet, wobei im Zweifelsfall eine Überweisung an Spezialisten des jeweiligen Fachgebietes notwendig ist. Psychotherapeutische Behandlungen, die einerseits der Aufarbeitung bestehender psychischer Probleme sowie anderseits der Stressvermeidung und -bewältigung dienen, sind dabei relativ häufig Bestandteil der Tinnitus-Therapie. Insbesondere stressbedingtes Ohrensausen soll durch Entspannungsmethoden wie zum Beispiel Yoga, Tai Chi oder autogenes Training erheblich reduziert bzw. gänzlich vermieden werden.

Massagen, Ausleitende Verfahren und Pflanzen

Sind Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen im Bereich der Halswirbelsäule Ursache des Tinnitus, werden in der der Naturheilkunde auch Massagen, Physiotherapie und Akupunktur zur Behandlung eingesetzt, jedoch mit äußerst unterschiedlichem Erfolg. Ähnliches gilt für die Homöopathie, welche bei der naturheilkundlichen Tinnitus-Therapie häufig eine wesentliche Rolle spielt und in der Verabreichung direkt auf die verschiedenen Formen des Tinnitus (einseitig, beidseitig / akut, subakut, chronisch / Tonlage und Tonintervalle) sowie die möglichen Ursachen (Stress, Lärm, Krankheiten) angepasst wird.

Die Humoraltherapie beziehungsweise die sogenannten Ausleitenden Verfahren werden ebenfalls zur naturheilkundlichen Behandlung des Ohrensausens eingesetzt. Durch die Ausleitungs- und Entgiftungstherapien soll das Blut gereinigt und der Körper von Schadstoffen befreit werden. Als Methoden kommen dabei neben dem klassischen Aderlass, der Einsatz von Blutegeln, die Baunscheidttherapie (nicht unumstrittene Reizung der Haut mit einem Nadelgerät), Wickel, Schwitzkuren und Schröpfen (Glasgefäße, die mit der Öffnung auf die Haut gesetzt und erwärmt werden) in Frage.

Auch der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) wird bei der naturheilkundlichen Tinnitus-Behandlung besondere Bedeutung zugeschrieben. So sollen zum Beispiel die im Ginko enthaltenen Substanzen eine Linderung des Ohrensausens bewirken, aber auch die begleitende Verabreichung von Melisse-, Hopfen- und Baldrianpräparaten ist häufig Bestandteil des ganzheitlichen Behandlungsansatzes der Naturheilkunde. Gleiches gilt für die stoffwechselfördernden Pflanzen wie zum Beispiel Artischocken, Brennnessel, Löwenzahn oder Mariendistel, die in der Pflanzenheilkunde auch zur Entgiftung des Körpers eingesetzt werden.

Ernährungstherapien

Der Ernährung wird in der Naturheilkunde ebenfalls eine wesentliche Bedeutung bei der Entstehung des Ohrensausens zugeschrieben. Da davon ausgegangen wird, dass auch eine Übersäuerung des Organismus Ursache des Ohrensausens sein kann, nutzen Heilpraktiker entsprechende Ernährungstherapien, um den Säure-Basen-Haushalt im Körper zu regulieren. Hierbei wird im Rahmen der Tinnitus-Therapie auch häufiger eine vegetarische Ernährung verordnet. Des weiteren empfehlen verschiedene Ernährungstherapien eine deutliche Reduzierung der Aufnahme säurebildender Nahrungsmittel, wie tierische Eiweiße (Fleisch, Wurst, Fisch und Eier), Milch und Milchprodukte, Sojaprodukte, Teig- und Backwaren, Süßspeisen und kohlensäurehaltige Getränke. Koffein (Kaffee, Cola), Alkohol und Nikotin sind dabei ebenfalls möglichst zu meiden. Außerdem wird in der Naturheilkunde oftmals ein Verzicht auf synthetische Lebensmittelzusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Farbstoffe und Geschmacksverstärker (Glutamat) empfohlen, um eine Übersäuerung des Organismus zu vermeiden. Da auch Stress den Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht bringen kann, werden die Ernährungstherapien bei der naturheilkundlichen Behandlung häufig mit entsprechenden Verhaltenstherapien und Entspannungsübungen gekoppelt. Empfohlen wird im Rahmen der Ernährungstherapien meist eine vollwertige, vitamin-, mineralstoff-, antioxidanzienreiche Ernährung bei gleichzeitig hoher Flüssigkeitsaufnahme – idealerweise als Kräutertee oder kohlensäurefreies Mineralwasser.

Anthroposophische Medizin, Ayurveda, Aromatherapie

Zu dem umfassenden Behandlungskatalog, den die Naturheilkunde bei der Tinnitus-Therapie zum Einsatz bringt, zählen außerdem Verfahren der Anthroposopischen Medizin und der traditionellen indischen Heilkunst Ayurveda. Die Behandlungsmethoden konzentrieren sich dabei nicht nur auf mögliche physische Ursachen des Ohrensausens, sondern berücksichtigen auch mentale, emotionale und spirituelle Faktoren.

Des weiteren empfehlen einige Heilpraktiker Aromatherapien zur Tinnitus-Behandlung. Dabei nutzen die Therapeuten ätherische Öle, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung unterstellt wird, meist zur äußerlich Anwendung bei Massagen. Die Öle können jedoch auch zu Hause zum Inhalieren oder Auftragen an bestimmten Körperstellen (z. B. Puls, Ellenbeuge, Schläfen) genutzt werden. Die Erfolgsaussichten der Aromatherapie bei der Behandlung des Ohrensausens sind jedoch im Vergleich zu den übrigen naturheilkundlichen Behandlungsmethoden eher gering.

Biofeedback im Rahmen der Naturheilkunde-Therapie

Eine weitere Methode, die in der Naturheilkunde relativ häufig zur Tinnitus-Therapie genutzt wird, ist das Biofeedback. Dabei wird den Patienten mit bild- bzw. tongebenden Verfahren Rückmeldung über mutmaßlich willentlich nicht beeinflussbarer physiologischer Parameter – wie Herzschlag, Atemfrequenz, Temperatur, Hautwiderstand, Muskelentspannung oder Gehirnfunktion (Neurofeedback) – erstattet. Im Rahmen der therapeutischen Begleitung erlernen die Patienten, die entscheidenden Parameter durch entsprechende Übungen eigenständig zu regulieren beziehungsweise möglichen Entgleisungen entgegenzuwirken. Mit Hilfe der Anleitung des Therapeuten wird der Einfluss von Verhalten, Gedanken und Gefühlen auf die verschiedenen Parameter sowie eine förderliche Reaktion darauf sehr schnell erlernt, so der Grundgedanke des Biofeedback. Am Ende sollen die erlernten Reaktionen sich als automatische physiologische Reaktion integrieren. Heilpraktiker berichten, dass bei Patienten mit Ohrensausen das Biofeedback – neben der generellen gesundheitsfördernden Wirkung einer Regulierung der dargestellten physiologischen Parametern – auch eine Art Ablenkungseffekt erzeugt, der zu einer deutlichen Linderung der Symptome beitragen kann. Denn die Betroffenen konzentrieren sich auf die dargestellten Körperfunktionen und versuchen diese gezielt zu beeinflussen, wodurch sie weniger auf das Ohrensausen achten.

Ozontherapie und Orthomolekulare Medizin

Werden als Ursache des Ohrensausens Innenohrerkrankungen vermutet, kommen in der Naturheilkunde auch Lymphdrainagen zum Einsatz, um durch die sanfte Massage der Lymphabflussgefäße des Ohres mögliche Lymphstaus (Lymphostasen) zu beseitigen und so die unangenehmen akustischen Wahrnehmungen zu vermeiden. Außerdem werden bis heute Maßnahmen der Orthomolekularen Medizin bei der Tinnitus-Therapie eingesetzt, obwohl die Behandlung des Ohrensausens mit der hochdosierten Verabreichung von Vitaminen und Mineralstoffen unter Medizinern äußerst umstritten ist. Denn den Erfahrungsberichten, die eine Linderung der Symptome beschreiben, stehen wissenschaftliche Studien gegenüber, die belegen, dass die überhöhte Einnahme der verwendeten Vitamine und Mineralstoffe zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Ebenfalls umstritten ist die Tinnitus-Behandlung mit Hilfe der Ozontherapie, bei der den Patienten meist im Rahmen einer Eigenbluttherapie bis zu 200 Milliliter Blut entnommen, anschließend mit einem Ozon-Sauerstoffgemisch angereichert und dem Patienten wieder injiziert. Das Ozon soll Bakterien, Pilze und Viren abtöten und eine Verbesserung der Durchblutung bewirken, doch drohen erhebliche Nebenwirkungen, die ernsthafte gesundheitlichen Problemen mit sich bringen können.

Bachblütentherapien

Gelegentlich wird auch die Bachblütentherapie bei der Behandlung des Ohrensausens eingesetzt, wobei bisher allerdings keine wissenschaftlichen Belege für einen möglichen Therapieerfolg vorliegen. Entsprechend den Grundsätzen des britischen Arztes Edward Bach werden im Rahmen der Therapie die negativen Seelenzuständen, welche Ursache aller Leiden und Krankheiten sein sollen, ermittelt und verschiedene Blütenessenzen eingesetzt, um die seelischen Gleichgewichtsstörungen zu beheben. Insgesamt 38 disharmonischen Seelenzuständen stellte Edward Bach dabei in den 1930er Jahren 37 verschiedene Blütenessenzen und eine Tinktur aus Fels-Quellwasser gegenüber, die eine Harmonisierung bewirken sollen. Obwohl in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen keine Wirkung des Bachblütentherapie nachgewiesen werden konnte, die über einen möglichen Placebo-Effekt hinaus ging, spricht wenig gegen den Einsatz der Blütenessenzen zur Behandlung des Tinnitus, da keine potenziell gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen bekannt sind.

Insgesamt bietet die Naturheilkunde zahlreiche Methoden zur Behandlung des Ohrensausens, deren Wirkung bisher nicht eindeutig wissenschaftlich belegt werden konnte. Doch am Ende zählt für die Patienten das Ergebnis und ob dies durch eine Placebo-Wirkung oder die eingesetzte Behandlungsmethode bedingt wurde, ist eher von untergeordneter Bedeutung. (fp)

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