Schwindel Ursachen und Therapie

Schwindel kann organische oder psychische Ursachen habe.
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Schwindel (Vertigo) Gleichgewichtsstörung

Schwindel ist neben Kopfschmerzen eines der häufigsten Leitsymptome, mit denen Menschen sich an Ärzte oder Heilpraktiker wenden. Die Angaben schwanken zwischen einem Vorkommen von 10% bis 17% in der deutschen Bevölkerung. Als Symptom kann Schwindel spontan auftreten, anfallsweise wiederkehren oder als Dauerschwindel bestehen bleiben. Nach den Beschreibungen von Betroffenen geht Schwindel dabei meist mit der Empfindung von gestörtem Gleichgewicht und Unsicherheit einher und kann beispielsweise als Schwankschwindel oder auch eher diffus wahrgenommen werden. Es sind unterschiedliche Schwindelsyndrome bekannt, für die nicht unbedingt eine unmittelbare Störung des Gleichgewichtssinns ursächlich sein muss. Die meisten Syndrome haben eine gutartige Ursache, verlaufen günstig und sind verschiedenen Therapieformen gut zugänglich.

Schwindelformen

Schwindel wird üblicherweise nach unterschiedlichen Kriterien eingeteilt, etwa nach der subjektiven Wahrnehmung, nach Dauer, Auslöser oder Herkunft der Beschwerden. Natürlich findet man die Symptome in der Praxis nicht immer so klar voneinander abgegrenzt, Mischformen und Übergänge kommen durchaus vor.

Das Symptom kann als Drehschwindel wahrgenommen werden, was mit dem Gefühl vergleichbar ist, das nach einer schnellen Karussellfahrt vorübergehend bestehen bleibt.

Dagegen spricht man von Schwankschwindel, wenn der Boden sich unter den Füßen zu bewegen scheint, wie es nach längeren Bootsfahrten auch physiologisch vorkommt.

Der sogSchwindel-Vertigoenannte Liftschwindel geht mit dem Gefühl der Auf- und Abwärtsbewegung der Umgebung einher, wie sie aus Fahrten mit Aufzügen bekannt sind. Dreh-, Schwank- und Liftschwindel werden auch als systematischer Schwindel bezeichnet. In der Regel kommt er vor, wenn die Ursache für den Schwindel im Gleichgewichtssinn liegen.

Weniger eindeutig sind diese Scheinbewegungen der Umgebung bei diffusem Schwindel, dem als Oberbegriff verschiedene Empfindungen angehören, zu denen Leeregefühl und Drehen im Kopf, Verschwommensehen, Flimmern und Schwarzwerden vor den Augen, Übelkeitsanfälle, Gangunsicherheit, Schwächeanfälle, drohende Ohnmacht und Benommenheit bis hin zu einem Unwirklichkeitsgefühl gehören. Man spricht bei diffusem Schwindel auch von unsystematischen Schwindel. Meist kommt er bei Schwindelzuständen vor, die außerhalb des Gleichgewichtorgans entstehen.

Neben den beschriebenen Wahrnehmungen bestehen häufig Fallneigung in eine Richtung, Augenzittern (Nystagmus) sowie eine Reihe vegetativer Symptome, etwa Übelkeit und Erbrechen, Schweißausbrüche, Herzklopfen und Angst. Aufgrund der Vielzahl von zusätzlichen Symptomen ist die Rede von Schwindelsyndromen.

Ursachen und Auslöser

Um uns mit unserem Körper im Raum zu orientieren, muss das zentrale Nervensystem ständig Sinnesreize verarbeiten und koordinieren, die vom Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) im Innenohr, Augen und Rezeptoren von Muskeln und Sehnen hereinkommen und den jeweiligen Erfordernissen (Ruhe, Bewegung, Lagewechsel) angepasst werden. Vielen Menschen sind die Auswirkungen einer Irritation dieser Verarbeitung als Bewegungskrankheit ( Reisekrankheit) oder Höhenschwindel durchaus bekannt. Die Beschwerden können durchaus auch als Nebenwirkung von Medikamenten, Alkohol- oder Drogenkonsum entstehen. Nicht zuletzt führen organische und funktionelle Störungen in umschriebenen Bereichen genauso zu Schwindel wie Stress, Angst und psychisches Ungleichgewicht.

Ursache im Gleichgewichtsapparat

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr besteht aus Vorhoflabyrinth, Bogenapparat und dem vestibulärem Anteil des VIII Hirnnervs (Gleichgewichtsnerv). Für eine Reihe von Schwindelsyndromen betrachtet man als Ursache einen gestörten Gleichgewichtssinn.

Sind dabei periphere Anteile vom Labyrinth oder ein Nerv geschädigt und wird der Schwindel durch Kopfbewegungen oder Lagerungswechsel ausgelöst, können die Beschwerden z.B. ein Zeichen des häufigen aber gutartigen Lagerungsschwindels (BPPV) sein oder ein Symptom von M. Meniere, einer Erkrankung, die mit Schwindel und Ohrensausen (Tinnitus) einhergeht. Doch auch bakteriell oder viral entstandene Entzündungen, z.B. der Strukturen des Innenohrs (Labyrinthitis), des Gleichgewichtsnervs (Neuritis), Herpes Zoster-Infektion im Ohr sowie eines Infarkts im Labyrinth.

Läsionen zentraler Nervenbahnen oder der Großhirnrinde können zu (v.a. systematischem) Schwindel im Rahmen von Migräne, multipler Sklerose, akuter Durchblutungsstörung im Gehirn (TIA), Vergiftungen oder Tumor (Akustikusneurinom) auftreten.

Ursache außerhalb des Gleichgewichtssinn

Schwindel mit Ursache außerhalb des Gleichgewichtssinns (nicht vestibulärer Schwindel): Das Symptom kann seinen Ursprung auch in Organen und Funktionsbereichen haben, die außerhalb des Gleichgewichtsapparates liegen. Bei Blutarmut (Anämie) besteht z.B. eine Unterversorgung mit Sauerstoff, die zu Schwindel führen kann. Daneben sind Vitaminmangel, Unterzuckerung, Hyperventilation sowie ein niedriger Blutdruck mit Schwindelsymptomen direkt nach dem Aufstehen und evtl. Wetterfühligkeit, ursächlich zu berücksichtigen.

Im Bereich des Kopfes kommen weiterhin Störungen des Sehvermögens (z.B. latentes Schielen), eine verminderte Gehirndurchblutung durch Verkalkungsprozesse, Epilepsie oder Kopfverletzungen in Frage. Eine bedeutende Rolle spielt sicherlich der zervikale Schwindel, dessen Ursprung im Bereich der Halswirbelsäule zu finden ist.

Schwindel kann organische oder psychische Ursachen habe.
Schwindel kann organische oder psychische Ursachen habe. Bild: pathdoc/fotolia

Schwindel und Halswirbelsäule

Zervikaler Schwindel: Ein häufig vermuteter Zusammenhang besteht zwischen Schwindel und der Halswirbelsäule. Wenn andere strukturelle Ursachen ausgeschlossen sind, so wird mittlerweile häufig auch schon im konventionellen Medizinbetrieb auf andere Verfahren wie Osteopathie, Chiropraktik oder Rolfing verwiesen, die Gewebequalitäten und die Benutzung des Körpers im Alltag in Diagnose und Behandlung miteinbeziehen.

Dabei geht man in der Osteopathie davon aus, dass in der Muskulatur am Hinterkopf Gleichgewichtsrezeptoren sitzen könnten, die bei einem Hartspann dieser Muskeln abgeklemmt werden und Schwindel auslösen könnten. Beim Rolfing wird die Statik des gesamten Organismus berücksichtigt, um eine adäquate beschwerdefreie Funktion (ohne Schwindel) zu gewährleisten. Zugrunde liegt diesen Konzepten, dass Gleichgewicht für den menschlichen Organismus auch das Verhältnis vom Kopf zum Körper sein kann. Wenn dieses gestört oder unharmonisch ist, kann es folglich zu Beschwerden kommen. Daher wird in den Diagnosen auch nach nicht unbedingt als mit dem Schwindel zusammenhängend, erkennbaren Symptomen wie Nackenverspannungen, steifer Nacken, Schmerzen am Schulterblatt, Schulterstechen oder beispielsweise Kopfschmerzen am Hinterkopf gefragt.

Strukturelle Vertreter aus dem Medizinbetrieb vermuten hinter dem Zusammenhang zwischen Halswirbelsäule und Schwindel eher degenerative Prozesse an den Halswirbeln als Ursache. Durch diese soll es zu Bewegungseinschränkungen, Blutunterversorgung und Nervenleitungsproblemen und damit Funktionseinschränkungen von Gleichgewichtsorganen kommen.

Schwindel durch Kopfbewegung

Den Statistiken nach kommt das Auftreten von Schwindel am häufigsten im Rahmen eines sogenannten benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPPV) vor. Dabei kann es bei bestimmten Bewegungen oder Lagewechsel spontan zu Drehschwindelattacken kommen, der zwar sehr unangenehm, an sich jedoch harmlos sind. Ursächlich dafür sind kleine Steinchen, die sich im Innenohr befinden und manchmalzu größeren Gebilden verklumpen. Bei bestimmten (Kopf) Bewegungen können diese nunmit der Lymphflüssigkeit ungünstige Positionen erreichen und zu Schwindelanfällen führen. Verschiedene Lagerungsübungen helfen, den Beschwerden vorzubeugen bzw. sie frühzeitignach Beginn zu stoppen. Alternative Mediziner sehen einen möglichen Zusammenhang mit der Ernährungsweise der Betroffenen (siehe Schwindel und Ernährung).

Psychogener Schwindel

Schwindel kann im Rahmen vieler psychischer Störungen auftreten, zum Beispiel beim Depressiven Syndrom, Pyschosen und besonders bei Angststörungen. Höhenangst und andere spezifische Phobien, Agoraphobie mit oder ohne Panikattacken, gehen häufig mit Schwindel einher, der meist als diffuser und unsystematischer Schwindel beschrieben wird. Häufig dauert es sehr lange, bis eine psychogene Ursache vom Betroffenen akzeptiert wird. Nachdem sämtliche organische Ursachen ausgeschlossen wurden, wird vielfach mit der ärztlichen Diagnose des „phobischen Schwankschwindels“ die Empfehlung zur Psychotherapie ausgesprochen.

Altersschwindel

Die Wahrscheinlichkeit, an Schwindel zu leiden, steigt mit dem Alter deutlich an. Es gibt Angaben, nach denen zwischen 40% -50% der über 75 jährigen betroffen sein sollen. Sehr oft keine eindeutige organische Ursache für das Auftreten von Schwindel im Alter zu finden. Vermutlich kommen verschiedene altersbedingte Faktoren zusammen, die eine Schwindelsymptomatik begünstigen. Dazu gehören beispielsweise Herzschwäche, Herzstolpern und Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, Durchblutungsstörungen (insbesondere von Gehirn und Ohren), Störungen der Sehfähigkeit, Ohrenerkrankungen, Blutarmut, starke Schwankungen im Blutzuckerspiegel und Exsikose. Ältere Leute verspüren in der Regel immer weniger Durst, trinken zuwenig und sind so von innerer Austrocknung gefährdet. Das Älterwerden geht prozesshaft von statten, so dass ältere Menschen ihre Einschränkungen, z.B. durch Schwindel nicht wahrhaben wollen und ignorieren. Um Stürze zu vermeiden ist deshalb ein geeignetes Hilfsmittel (z.B. Rollator) nützlich. Regelmäßige Gleichgewichtsübungen, eine vitaminreiche basische Kost sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr können die Schwindelentwicklung aufhalten. Aus der Naturheilkunde sind Präparate aus Ginkgo biloba sowie physikalische Wasseranwendungen zu empfehlen (z.B. Gesichtsgüsse).

Ernährung als Auslöser

Alternativmedizinisch wird auch die Ernährung als Auslöser bzw. wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Schwindelsyndromen diskutiert. Dabei sollen vor allem Elektrolyte (insbesondere Kochsalz, Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphat) eine Rolle spielen. Die Endolymphe, eine Flüssigkeit die in den Ohrgängen eine wichtige Aufgaben übernimmt, soll über die Ernährung in ihrer mineralischen Zusammensetzung verändert werden und u.U. die Funktion des Gleichgewichtssinns beeinträchtigen. Daneben stehen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien unter dem Verdacht, Schwindel auszulösen, weil bei einzelnen Auslassversuchen (Weglassen der vermuteten Allergene) die Symptome sich besserten. Vorbeugend sollte grundsätzlich eine basische Kost bevorzugt werden, insbesondere aber wenn bereits Beschwerden bestehen.

Therapie

Beschwerden die lange andauern oder immer wiederkehren, sollten zunächst ärztlich und spezifizierend fachärztlich (HNO, Neurologie, Kardiologie) abgeklärt werden. Bei starker Schwindelattacke ist notärztliche Hilfe – nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit eines drohenden Schlaganfall – sinnvoll.

Konventionell stehen nach Anamnese und Befunderhebung die medikamentöse Behandlung zur Therapie der Grunderkrankung sowie zur symptomatischen Linderung des Schwindels im Vordergrund, z.B. mit Dimenhydrinat oder Pentoxyfellin. Bei Lagerungsschwindel zeigen verschiedene Lagerungsübungen jedoch bessere Erfolge. Psychotherapeutisch wird zunächst meist mit Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologischen Verfahren gearbeitet, die aber nach Absprache durch alternative Verfahren ergänzt werden können.

Stress kann ebenfalls zu Schwindel führen. (Henrie/fotolia)
Stress kann ebenfalls zu Schwindel führen. (Bild: Henrie/fotolia)

Naturheilkunde

Gerade bei chronischen Beschwerden können Naturheilverfahren Besserung schaffen. Je nach Ursache für den Schwindel werden Akupunktur, Ohrkerzen und Kneipp´sche Verfahren eingesetzt. Bei Beteiligung der Halswirbelsäule eignen sich manuelle Therapien, Rolfing, Osteopathie oder Craniosacraltherapie. Bei Stress und psychogener Ursache können z.B. Yoga, Meditation, Bachblüten, Progressive Muskelentspannung, Hypnosetherapie, Psychokinesiologie, Systemisches Familienstellen, Akupressur oder Autogenes Training Abhilfe schaffen, damit die Betroffenen wieder „festen Boden unter den Füßen“ erlangen und wieder „Halt finden“.

Vor allem bei Altersschwindel werden Phytotherapeutika mit Ginkgoauszügen eingesetzt. Schwindel bei Reisekrankheit kann man mit Ohrakupunktur und homöopathisch zubereiteten Kokkelskörnern (Coccolus) behandeln, häufig angewandte Homöopathika sind weiterhin Aurum, Viscum album, Tabaccum u.a., die idealerweise in individueller professioneller Anamnese ermittelt werden. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin)

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2: Uta Herbert  / pixelio.de