Angst

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Angst: Chronische Ängste

Angst ist eine entwicklungsgeschichtlich uralte Emotion, die uns Menschen bis heute vor Gefahren schützt und zur Vorsicht zwingt. Sie ist eng mit körperlichen Prozessen verwoben und kann entsprechend auch durch organische Störungen verursacht werden. Das Zusammenspiel von Veranlagung und Lebensgeschichte bestimmt unsere persönliche Angstbereitschaft, die aber (entwicklungsbedingt, durch psychologische Beratung oder naturheilkundliche Maßnahmen) durchaus beeinflussbar ist.

Reize reizen das Nervensystem
Der Prozess von der Wahrnehmung eines äußeren Reizes bis hin zum wahrgenommenen Angstgefühl ist komplex, er verläuft über die Sinnesorgane durch verschiedene Gehirnbereiche (insbesondere das limbische System), löst dann über das vegetative Nervensystem und mit Hilfe von Hormonen körperliche Prozesse aus, die sich als Erregung in Form von messbaren körperlichen Veränderungen, nämlich Blutdruckanstieg, Schwindel, Herzklopfen, Hyperventilation, Blässe, Zittern und sogar Ohnmacht, zeigt. Die Interpretation der Situation sowie angeborene und erlernte Persönlichkeitsstrukturen führen dann dazu, dass wir diese Erregung als Angst wahrnehmen oder eben nicht.

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Angst kann krankhafte Züge annehmen und sich dabei in massiven körperlichen Symptomen manifestieren. (Bildnachweis: günther gumhold/pixelio.de)

Wir leben in einer reiz-vollen Welt. Reize unterschiedlichster Qualität beschießen stetig unsere Sinnesorgane als Bild, Wort, Schrift, Duft, Gestank, Licht, Ton, Farbe, Geschmack, Geschwindigkeit, Geschrei, Berührung und Gedränge. Während der Eine diese Reize als sicheren Rahmen modernen Lebens wahrnimmt, fühlt sich ein Anderer überreizt, gestresst, entwickelt innere Unruhe, Anspannung und sogar Angstgefühle.

Angst als Reaktion
Angst kann auch als Reaktion vorübergehend verstärkt auftreten, etwa nach dem unerwarteten Verlust einer geliebten Person, einem Autounfall oder in ersten Wochen mit dem plötzlich benötigten Herzschrittmacher. Dies ist immer noch als normaler Anpassungsvorgang zu verstehen, der mit zunehmender Akzeptanz der Situation bzw. dem Verblassen der Erinnerung nachlässt. Erst wenn das alltägliche Leben dauerhaft durch spezifische oder allgemeine Angstgefühle eingeschränkt wird, kann von einer Angststörung ausgegangen werden.

Körperliche Erkrankungen können mit Angst einhergehen
Es gibt eine Reihe von körperlichen Erkrankungen, die Angstgefühle bis hin zur Panikattacke mit sich bringen können. Dazu gehören Funktionsstörungen der Schilddrüse (Hyperthyreose, Hypothyreose), ein Herzinfarkt, Angina Pectoris und Herzrhythmusstörungen. Erkrankungen der Atmungsorgane, wie die chronische Bronchitis und Asthma führen häufig zur Hyperventilation und damit zu (mitunter panischen Angstgefühlen). Angst kann bei Unterzuckerung (Hypoglykämie) eines Diabetikers entstehen sowie bei neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie oder Hirnveränderungen, die mit Schwindel einhergehen. Ein Tumor der Nebennierenrinde (Phäochromozytom), durch den übermäßig Adrenalin produziert wird, verursacht ebenfalls unter anderem Angst und Panik. Desweiteren kann die Epilepsie als neurologische Erkrankung erwähnt werden, genau wie die Schizophrenie als Beispiel einer Psychose. Diese Erkrankungen sind zum Teil lebensbedrohlich und sollten ärztlich behandelt und überwacht werden. Letztlich sind noch Missbrauch und/oder Entzug von Alkohol, Drogen und Medikamenten als Faktoren zu nennen, die Angst auslösen können, welche sich durch Abstinenz bzw. mäßigen Gebrauch verliert.

Angst in der Naturheilpraxis
Naturheilkundlich kann das Problem erhöhter innerer Spannung und Angstbereitschaft mannigfältig angegangen werden.
Die traditionelle westliche Heilkunde zielt im Wesentlichen darauf ab, den Betroffenen nach seiner Konstitution zu behandeln. Diagnostisch dienen dazu das Gespräch sowie Anlitz- und Irisdiagnose, bei der anhand bestimmter Färbungen und Zeichen die individuellen, organisch angelegten Schwachpunkte bestimmt werden. Der erkannten Konstitution sollen Lebensweise und Ernährungsgewohnheiten angepasst werden, um körperlich und seelisch dauerhaft im Gleichgewicht zu bleiben. Man versucht zusätzlich, mit passenden Heilpflanzen eine Harmonisierung der Konstitution herbeizuführen. In der Praxis finden sich häufig reizoffene, vegetativ stark reagierende Menschen, die zu Angst und Rückzug neigen. Hier gilt es, das vegetative Nervensystem zu stärken und Entspannung zu fördern. In anderen Fällen ist es sinnvoll, mit Leber-, Galle- und Darmtherapeutika die Verdauungssäfte anzuregen, um eine optimale Aufnahme wesentlicher Nährstoffe, Mineralien und Vitamine zu erreichen.
In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) gilt die Angst als Emotion den Nieren zugehörig. Entsprechend werden nierenwirksame Kräuter verschrieben bzw. Akupunkturpunkte des Nierenmeridians behandelt.

Ebenfalls individuell und seelische Aspekte stärker einbeziehend geht die klassische Homöopathie vor, bei der durch Gespräche und Beobachtungen idealerweise das Konstitutionsmittel gefunden wird. Auch eine Bachblütentherapie kann das seelische Gleichgewicht wieder herstellen, insbesondere, wenn sie mit beratenden Gesprächen einhergeht. Hypnose und Selbsthypnose können dazu verhelfen, sich mit seinen inneren Empfindungen und Wahrnehmungen anzunehmen und darüber hinaus mehr Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit der Außenwelt zu erlangen.

Atemübungen sind leicht zu erlernen und sehr effektiv, weil sie überall ohne Hilfsmittel eingesetzt werden können. Verschiedene Techniken können helfen, vegetativ auf „Ruhe“ umzuschalten, aber auch, durch eine bessere Sauerstoffversorgung das Wohlbefinden zu steigern. Gekoppelt mit einfachsten Meditationstechniken kann die Wirkung sich noch erhöhen. Atemübungen und Meditation sind auch Bestandteile von ganzheitlichen Systemen wie Yoga, Tai Chi oder Qi-Gong. Ebenso können psychologische Beratung, z.B. systemisch oder klientenzentriert und energetische Methoden wie Cakraarbeit, Aurosoma, die Therapie mit Heilsteinen oder Klopfakupressur die Persönlichkeitsentwicklung voranbringen und helfen, entspannter auf Reize und Anforderungen zu reagieren.

Anmerkung: In der Fachliteratur wird häufig zwischen Furcht und Angst unterschieden. Furcht bezeichnet dabei die berechtigte Reaktion auf konkrete Bedrohung, während Angst denselben Zustand ohne „reellen“ Auslöser beschreibt. In diesem Artikel werden diese Begriffe synonym und in Abgrenzung zur Angststörung im Sinne der gängigen Diagnostik nach ICD-10/DSM-IV verwendet. (Dipl.-Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin)

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