PCB-Belastung im Ei durch verseuchten Boden

Fabian Peters

Kontaminierter Asphalt Ursache der PCB belasteten Eier

02.06.2012

Nach wochenlangem Rätselraten über die Ursachen den PCB-Belastung in den Eiern von einem Bio-Hof aus dem Landkreis Oldenburg herrscht nun endlich Klarheit. Bereits Anfang Mai wurde der Betrieb wegen deutlicher Grenzwertüberschreitungen gesperrt, seither waren die Behörden auf der Suche nach der Belastungsquelle. „Die Ursache für die Höchstwertüberschreitung mit nicht dioxinähnlichen PCB in Eiern eines Betriebs aus dem Landkreis Oldenburg ist nunmehr ermittelt“, so die gestrige Mitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung. Bei der Untersuchung von Bodenmaterialien aus dem Auslaufbereich des Betriebs seien deutliche erhöhte PCB-Werte festgestellt worden.

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Asphalt-Material Ursache der PCB-Belastung
Vor knapp einem Monat war die Höchstwertüberschreitung in den Eiern des Betriebs, mit 80 Nanogramm PCB (Polychlorierte Biphenyle) pro Gramm Eifett; wobei nur 40 Nanogramm zulässig sind, bekannt geworden. Der Betrieb wurde gesperrt. Doch deutlich mehr als 400.000 Eier waren bereits „bis Ende April über die Packstelle in verschiedene Bundesländer und in die Niederlande geliefert worden“, berichtet das niedersächsische Landwirtschaftsministerium. Es folgte eine umfassende Rückrufaktion. Seither sind die Behörden auf der Suche nach der Quelle der PCB-Belastung. Die Auswertung der Bodenproben hat nun ergeben, dass insbesondere in dem Asphalt-Material, das zur Bodenbefestigung im Bereich des Auslaufzauns genutzt wurde, hohe Gehalte an PCB und Dioxinen enthalten sind. „Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen ist davon auszugehen, dass dieses Material die Ursache für den Eintrag der PCB in die Lebensmittelkette war“, so die Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums in Hannover am Freitag. Wahrscheinlich haben die Hennen das Material beim Picken aufgenommen.

Sanierung der PCB verseuchten Bodens zugesagt
Laut Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministerium hat der Bio-Hof aus Oldenburg zugesichert, den Auslauf zu sanieren und dabei auch den Asphalt unter dem Auslaufzaun zu beseitigen. Dieser wurde ursprünglich dort aufgebracht, um zu verhindern, dass die Hühner sich ein Weg in die Freiheit scharren. Nach Beseitigung des belasteten Materials und Herstellung eines neuen Untergrundes, soll der Betrieb mit neuen Legehennen bestückt werden. Die 1.800 Hühner, welche hier bis Anfang Mai täglich frische Bio-Eier legten, wurden aufgrund der PCB-Belastung bereits getötet. Sind die Mängel behoben, „kann die Eier-Produktion wieder aufgenommen werden, wobei eine engmaschige amtliche Kontrolle des Betriebs zunächst fortgesetzt wird“, erklärte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium. In welcher Form der Untergrund saniert beziehungsweise zukünftig gestaltet werden soll, konnte das Ministerium nicht sagen, da dies in der Eigenverantwortlichkeit der Betriebe liege.

PCB-Belastung in weiteren Betrieben
Zwar ist die Aufklärung der PCB-Belastung in dem Oldenburger Bio-Hof durchaus erfreulich, doch wurden in den vergangenen Monaten auch in den Eiern einiger anderer Betriebe erhöhte PCB – und/oder Dioxin-Belastungen nachgewiesen. So trat eine entsprechende Belastung zum Beispiel bei Eiern von drei Höfen aus dem Landkreis Aurich (Niedersachsen) und bei einen Hof aus dem nordrhein-westfälischen Landkreis Borken auf. Welche Ursachen die Verseuchung der Eier hier haben könnte, ist weiterhin unklar. Mit den Ergebnissen der Proben aus Aurich sei frühestens in zwei Wochen zu rechen, so die Auskunft des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Auch in dem Betrieb aus Borken wurden laut Auskunft des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) Bodenproben für Laboruntersuchungen genommen, deren Ergebnisse jedoch noch ausstehen.

Wenig Empörung über Dioxin- und PCB-Skandale
Immer wieder werden in Eiern zu hohe Dioxin- und PCB-Belastungen nachgewiesen. Zwar droht in den meisten Fällen keine akute gesundheitliche Gefahr, doch als kaum abbaubare Umweltgifte reichern sich die potenziell krebserregenden Substanzen mit der Zeit im Organismus an und so kann jede erhöhte Aufnahme von PCB oder Dioxin einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Da in den letzten Monaten eine Meldung über verseuchte Frühstückseier die andere ablöste, scheinen die Verbraucher jedoch bereits allmählich abzustumpfen. Die öffentliche Empörung über die letzten Meldungen zu PCB-verseuchten Eiern des Betriebes aus dem Landkreis Borken hielt sich eher in Grenzen. Allerdings haben die zahlreichen Dioxin-Skandale der letzten Jahre zumindest auf Seiten der Politik für Reaktionen gesorgt. So wurde ein Frühwarnsystem etabliert, dass unter anderem auch private Labore dazu verpflichtet, bei Nachweis von Dioxin-Werten oberhalb des Grenzwertes umgehend die zuständigen Behörden zu informieren. Da die Verunreinigung häufig vom Futter ausging, wurde außerdem der Strafrahmen für die Hersteller verunreinigter Futtermittel erhöht. Insgesamt hofft die Politik auf diese Weise, in Zukunft besser zu verhindern, dass belastete Frühstückseier in den Handel gelangen.

Verschärfte Kontrollen der Eier auf PCB und Dioxin
Kurzfristig führen die verschärften Regelungen – insbesondere im Bereich der Meldepflicht – jedoch dazu, dass mehr Fälle von Dioxin- und PCB-Verseuchungen in der Öffentlichkeit bekannt werden, erklärte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). So sieht Lindemann in den aktuellen Nachweisen auch eine Bestätigung der erfolgreichen Umsetzung verschärfter Kontrollmechanismen. Gegenüber der „Welt“ erläuterte Lindemann, die Fälle zeigen, „dass die Überwachung funktioniert und Belastungen schneller auffallen.“ Der niedersächsische Landwirtschaftsminister ergänzte, dass „künftig wohl mehr Fälle bekannt werden, als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren.“ In Bezug auf die Gefahr eines Abstumpfens der Öffentlichkeit gegenüber den Meldungen über verseuchte Frühstückseier betonte Lindemann: „Wir müssen der Bevölkerung zumuten, mit dieser Transparenz fertig zu werden“, denn im Ernstfall sei es „wichtig, dass die Erkenntnisse sofort veröffentlicht und die Verbraucher informiert werden.“

PCB-Verseuchung des Bodens
Möglicherweise sind die aktuellen Meldungen über PCB- und Dioxin im Frühstücksei nur die Spitze des Eisberges. Denn anders als bei den erhöhten Belastungen, die in der Vergangenheit durch verunreinigtes Futtermittel aufgetreten waren, ist die Ursache der Verseuchung bei dem Oldenburger Bio-Hof die PCB-Konzentration im Boden und auch bei den Betrieben aus Aurich und Borken könnte die Belastung vom Untergrund ausgehen. Doch dieser liegt hier in den meisten Fällen schon seit Jahren, so dass die Kontaminierung durchaus hätte früher auffallen müssen. Oft seien Altlasten im Boden, wie zum Beispiel PCB-haltige Altöle, Anlass der Verseuchung, so die Mitteilung der Behörden. Die eigentliche Verschmutzung könne Jahre zurückliegen und zum Beispiel durch frühere Produktionsprozesse bedingt worden sein. Polychlorierte Biphenyle sind ein chemischer „Werkstoff, den man etwa im Öl von Transformatoren findet", so die Auskunft eines Sprechers des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Recklinghausen. Niedersachsens Landwirtschaftsminister ergänzte, dass wir „natürlich auch von Fällen wissen, in denen solche Stoffe illegal entsorgt worden sind.“ Eine weitere Möglichkeit der Verunreinigung könnte Lindemann zufolge unbemerktes Auslaufen von Öl aus einer Maschine sein, das anschließend im Boden versickert und eine punktuelle Belastung verursacht. (fp)