Rückenschmerzen: Übergewicht schadet Bandscheibe

Astrid Goldmayer

Bei Übergewicht ist das Risiko für Bandscheibenschäden doppelt so hoch

30.01.2012

Bandscheibenprobleme und Rückenschmerzen treten doppelt so oft bei Übergewichtigen auf wie bei schlanken Menschen. Dies ergab jetzt eine großangelegte Studie der Universität Hong Kong. Laut einer aktuellen Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind inzwischen weltweit 1,5 Milliarden Menschen stark übergewichtig. Experten fordern mehr Aufklärung über Rückenerkrankungen und bessere Therapiemöglichkeiten für Patienten.

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Risikofaktor Übergewicht: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rückenleiden
Übergewicht gilt als Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten, zu denen unter anderem Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch Knie- und Hüftprobleme gehören. Laut der Studie ist nun wissenschaftlich bewiesen, dass Bandscheibenprobleme auch zu den Folgen von Adipositas (starkes Übergewicht) gehören.

Im Rahmen einer der größten Studien zum Thema Rückengesundheit und Gewicht untersuchten Ärzte unter der Leitung von Dino Samartzis 2599 Frauen und Männer, die aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammten. Ob sie unter Rückenschmerzen litten oder nicht, wurde dabei genauso wenig berücksichtigt wie der wirtschaftliche Hintergrund der Probanden. Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 42 Jahre alt. Die Wissenschaftler stellten zunächst den „Body Maß Index“ (BMI) fest, der als Zahl zur Bewertung des Gewichts in Relation zur Körpergröße angewendet wird. Darüber hinaus wurde bei jedem Probanden die Wirbelsäule mittels Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht.

Geringfügig mehr Männer litten unter Bandscheibendegeneration
Die Studie zeigt, dass 73 Prozent der Probanden an einer Bandscheibendegeneration litten. Dabei war der Anteil der Männer geringfügig höher als der der Frauen. Wie erwartet, nahmen die Rückenschäden mit dem Alter zu. Dino Samartzis berichtet: „Außerdem zeigte unsere Untersuchung, dass ein hoher BMI mit einer ausgeprägter Bandscheibendegeneration einhergeht.“ Er wies darauf hin, dass im Besonderen das Endstadium der Degeneration, wenn eine so starke Abnutzung der Bandscheibe vorliegt, dass die Zwischenräume der Wirbel stark verengt sind, Übergewichtige betrifft. Schlussendlich kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass das Risiko für eine solche Rückenerkrankung doppelt so hoch für Fettleibige ist wie für normalgewichtige Menschen.

Experten fordern mehr Aufklärung und bessere Therapien
Die Forderung von Experten nach mehr Aufklärung über Rückerkrankungen und deren Folgen sowie bessere Therapiemöglichkeiten klingt einleuchtend bei 1,5 Milliarden Fettleibigen nach WHO-Schätzungen. Doch was kann jeder einzelne für seine Rückengesundheit tun? Zunächst ist eine ausgewogene Ernährung Voraussetzung für einen gesunden Körper. Hinzu kommt ein ausreichendes Maß an Bewegung. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie aus Taiwan, würden 15 Minuten am Tag ausreichen, um die Lebenserwartung um bis zu drei Jahre zu verlängern.

Neben der Rückenschule gilt Tai Chi als besonders förderlich für eine gesunden Rücken. „Tai Chi Übungen sind geradezu dafür prädestiniert, den Rücken zu entlasten. Durch die Kräftigung der Beine und das Öffnen des Beckenbereichs sowie der Hüftgelenke wird der Oberkörper und damit der Rücken entlastet. Neben der korrekten Ausrichtung aller Gelenke, lernt der Tai Chi Spieler das Sinken. Diese Fertigkeit verstärkt die Entlastung der Wirbelsäule noch. Ich habe einige Schüler die erst nach ihrem Bandscheibenvorfall mit Tai Chi Chuan angefangen haben. Diese Berichten immer wieder von der spürbaren Entlastung des Rückens und der Verbesserung der Körperwahrnehmung, die ihnen hilft ungünstige Haltungen zu vermeiden“, berichtet Nils Klug, Tai Chi Lehrer aus Hannover.

Wissenschaftler der Harvard School of Public Health im US-amerikanischen Boston fordern zudem auch die Politik auf, etwas gegen die weltweit zunehmende Ausbreitung der Fettleibigkeit zu unternehmen. So könnte zum Beispiel die Erhebung von Zusatzsteuern auf ungesunde Nahrungsmittel und Getränke hilfreich sein. Außerdem sollte die Werbung für ungesunde Lebensmittel reglementiert werden, so die Forscher. (ag)