Sehr agressive Krebsformen: Dieses Eiweiß fördert Bauchspeicheldrüsenkrebs

Alfred Domke

Protein begünstigt Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Während bei den meisten anderen Krebsarten Fortschritte in der Vorbeugung, Früherkennung und Therapie die Sterblichkeitsraten senken konnten, steigen sie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs kontinuierlich an. Das Pankreaskarzinom ist eine der aggressivsten Krebsarten und bisher kaum therapierbar. Hilfreich wäre eine frühere Diagnose. Forscher haben nun festgestellt, dass ein bestimmtes Protein die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigt.

Immer mehr Menschen sterben an Bauchspeicheldrüsenkrebs

Experten zufolge sind in Deutschland immer mehr Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verzeichnen. Die Sterblichkeitsraten steigen dramatisch. Das Pankreaskarzinom ist eine der aggressivsten Krebsarten und bisher kaum therapierbar. Jedoch gab es in den letzten Jahren Fortschritte im wissenschaftlichen Verständnis der Entstehung des Karzinoms auf molekularer Ebene. So spielen neben bestimmten Risikofaktoren auch genetische Veränderungen eine Rolle. Forscher haben nun festgestellt, dass ein bestimmtes Protein die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigt.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der aggressivsten Krebsarten und bisher kaum therapierbar. Hilfreich wäre eine frühere Diagnose. Forscher haben nun festgestellt, dass ein bestimmtes Protein die Entstehung des Pankreaskarzinoms begünstigt. (Bild: Coloures-pic/fotolia.com)

Abnorme Menge eines bestimmten Proteins

Ein Team um die Labormedizinerin Jelena Todoric vom Klinischen Institut für Labormedizin der Medizinischen Universität (MedUni) Wien und den Molekularbiologen Michael Karin von der University of California in San Diego konnte im Rahmen einer Studie zeigen, dass eine gestörte Autophagie der Zellen den genetischen Veränderungen vorausgehen kann.

Dabei entsteht eine abnorme Menge des Proteins p62/SQSTM1, das die Bauspeicheldrüsenzellen ungünstig beeinflusst und als Folge jene Gewebeveränderungen verursacht, die sich zu einem Pankreaskarzinom weiterentwickeln, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Fachjournal „Cancer Cell“.

Diagnose erfolgt oft erst spät

Bauchspeicheldrüsenkrebs macht anfangs kaum Beschwerden, weshalb die Diagnose zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium erfolgt.

Wenn die klassischen Beschwerdebilder wie Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auftreten, können in vielen Fällen keine Behandlungserfolge mehr erzielt werden. Weniger als zwanzig Prozent der Patienten sind dann noch operabel.

Es ist in der medizinischen Forschung bekannt, dass 16 Prozent der gesunden Menschen und 60 Prozent von an Pankreatitis, also an Bauspeicheldrüsenentzündung, erkrankten Patienten, sogenannte Vorläuferläsionen in der Bauchspeicheldrüse aufweisen.

Daraus kann sich später mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit ein Karzinom entwickeln.

Aber auch genetische Faktoren, Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes und eine chronische Bauspeicheldrüsenentzündung spielen eine Rolle.

Störung der Autophagie

Wie all diese Faktoren miteinander zusammenhängen und welche Mechanismen dahinter stehen, war allerdings bisher unklar.

Jetzt ist es dem Team österreichischer und US-amerikanischer Forscher gelungen, im Rahmen einer Studie am Tiermodell und anhand von menschlichem Zellmaterial nachzuweisen, dass eine Störung der Autophagie der Zellen an der Entstehung des Karzinoms mitbeteiligt ist.

Die Autophagie ist jener notwendige Vorgang im Körper, bei dem Zellen eine Art Recycling betreiben und eigene Bestandteile abbauen und wiederverwerten, sowie schlechte Proteine und zelluläre Abfälle abstoßen.

Wenn eine solche Störung vorliegt, die zum Beispiel durch Rauchen und Übergewicht verursacht werden kann, verschlechtert das die genetisch verursachten, bestehenden Läsionen an den Bauchspeicheldrüsenzellen, deren Funktion die Produktion von Verdauungsenzymen ist.

Es kommt dann zu einer ungewöhnlichen Anhäufung des Proteins p62/SQSTM1, das typischerweise bei chronischer Pankreatitis und in den Vorläuferläsionen (pankreatische intraepitheliale Neubildungen PanIN) erhöht ist.

Entwicklung zielgerichteter Medikamente

In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Akkumulation von p62/SQSTM1 die Entstehung von frühen Vorläuferläsionen, den sogenannten azinär-duktalen Metaplasien begünstigt. In der Folge entsteht aus einer Kaskade molekularer Aktivitäten dann das Pankreaskarzinom.

Dabei bewirkt zunächst das Protein p62 eine Verlagerung eines weiteren Proteins namens NRF2 in den Zellkern. Dieses wiederum stimuliert die Produktion vom Protein MDM2.

Erhöhtes MDM2 wandelt Azinarzellen, die bestimmte krebsverursachende Genmutationen aufweisen, in stark wuchernde Duktzellen um. Daraus wächst schließlich der maligne Bauchspeicheldrüsentumor, das Duktale Adenokarzinom der Pankreas.

Das Resultat der Studie legt nahe, dass ein neuer therapeutischer Ansatz in der Behandlung der Autophagie liegen könnte, da die meisten genannten Risikofaktoren diesen Prozess stören.

Die Entwicklung zielgerichteter MDM2-Medikamente könnte zukünftig die Entstehung des bösartigen Bauchspeicheldrüsenkrebses bei Menschen mit hohem Erkrankungsrisiko verhindern.

Bessere Therapieoptionen durch frühere Diagnose

Auch andere Forschungseinrichtungen haben sich in den vergangenen Jahren damit beschäftigt, wie das Pankreaskarzinom früher erkannt und besser behandelt werden kann.

So fanden Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) heraus, dass in Pankreaszellen die Fähigkeit zur Metastasierung häufig bereits entwickelt ist, bevor sich eine Zelle überhaupt in eine Krebszelle verwandelt hat.

Sie stellten zudem fest, dass ein spezifisches Enzym ursächlich für die Resistenz der Tumore ist.

US-amerikanische Experten wiederum fanden heraus, dass Bakterien bei der Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen können.

Und laut britischen Forschern könnte Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zukunft auch mit einem Urintest diagnostiziert werden.

All die Erkenntnisse, die dazu führen, die Erkrankung früher zu erkennen, können die Therapieoptionen verbessern. (ad)