Syphilis: Rückkehr der Lustseuche

Fabian Peters

Anstieg der Syphilis-Infektionen in Deutschland

02.07.2012

Die Zahl der Syphilis-Erkrankungen ist im vergangenen Jahr in Deutschland sprunghaft gestiegen. Experten warnen vor einer Rückkehr der Geschlechtskrankheit, die schon fast in Vergessenheit geraten war. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete einen Anstieg der Syphilis-Erkrankungen im Jahr 2011 um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Viviane Bremer, Syphilis-Expertin am Robert-Koch-Institut in Berlin, zeigte sich von dem massiven Anstieg der Syphilis-Infektionen „schon sehr überrascht, denn die Zahlen waren in den vergangenen Jahren stabil und 2010 sogar relativ niedrig." Insbesondere in Großstädten wie Köln, München, Hamburg oder Berlin verzeichnete das RKI im Jahr 2011 eine deutliche Zunahme der Syphilis-Erkrankungen.

Massiver Anstieg der Syphilis-Erkrankungen vor allem in Großstädten
Nachdem die Zahlen der Syphilis-Erkrankungen über Jahre auf relativ niedrigem Niveau stagnierten, ist im Jahr 2011 ein massiver Anstieg der Neuinfektionen zu beobachten. Die sogenannte „Lustseuche“ meldet sich zurück. Mit einem Anstieg um 22 Prozent auf 3.698 Syphilis-Infektionen im Jahr 2011 hat die Ausbreitung der Geschlechtskrankheit laut RKI wieder das Niveau von 1986 erreicht. Insbesondere in Großstädten war oftmals ein erheblicher Zuwachs bei den gemeldeten Neuinfektionen zu beobachten. Die Syphilis-Expertin des RKI erläuterte, die genauen Gründe hierfür seien nicht bekannt. Auch mit Blick auf die geschlechtsspezifische Verteilung der Erkrankungen hielt sich Viviane Bremer mit Erklärungen zurück. „Es sind hauptsächlich Männer betroffen, die Sex mit Männern haben. Aber daraus nun zu schließen, dass sich ein sorgloseres Verhalten ausbreitet, ist Spekulation", so Bremer. Laut RKI gehen „84 Prozent aller Angaben zu dem wahrscheinlichen Infektionsweg“ auf Sexualkontakte zwischen Männern zurück.

Syphilis erhöht das Risiko einer HIV-Infektion
Da Syphilis auch das Risiko einer HIV-Infektion erhöht, zeigten sich die Experten besonders besorgt. Die im Zuge der Erkrankung eintretenden Schleimhautschädigungen erleichtern den Erregern das Eindringen in den Organismus und begünstigten so eine HIV-Infektion. Bislang sei zwar kein Anstieg der HIV-Infektionen zu verzeichnen, doch die tatsächlichen Auswirkungen „können wir erst mit Zeitverzögerung einschätzen, in ein bis zwei Jahren“, erläuterte Viviane Bremer. Armin Schafberger von der Deutschen AIDS-Hilfe betonte in diesem Zusammenhang, dass bei den sexuell übertragbaren Krankheiten nicht nur die Entwicklung der Syphilis-Infektionen Sorge bereite, „aber diese Krankheit mit Blick auf HIV das höchste Risiko" berge. Um negativ Auswirkungen des Anstieg der Syphilis-Erkrankungen auf die Entwicklung der HIV-Infektionen zu vermeiden, werde die Deutsche AIDS-Hilfe ihre „Bestrebungen der letzten Jahre nochmals verstärken“, das heißt die Aufklärung intensivieren und zu vermehrten Syphilis-Tests aufrufen. Bei häufig wechselnden Partnern empfiehlt Armin Schafberger mindestens ein- bis zweimal pro Jahr einen entsprechenden Bluttest. Die Ergebnisse dieses Test werden anonym behandelt, auch wenn einen allgemeine Meldepflicht der Syphilis besteht.

Anzeichen einer Syphilis-Infektion
Mögliche Anzeichen einer Syphilis-Infektion sind rötliche Geschwüre an den Geschlechtsorganen beziehungsweise dort, wo die Erreger in den Organismus eindringen konnten. Im Anfangsstadium sind diese Geschwüre meist nicht von Schmerzen begleitet, geben allerdings eine wässrige Flüssigkeit ab, die den Syphilis-Erreger, das Bakterium Treponema pallidum, enthält. Bei Kontakt mit der Flüssigkeit droht eine Übertragung der Erkrankung. Rund zwei Monate nach der Infektion leiden die Betroffenen meist unter grippeähnlichen Symptomen, wie Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Die Lymphknoten schwellen an und es entwickelt sich ein Juckender Hautausschlag. Langfristig breiten sich die Erreger immer stärker im Körper aus und befallen auch andere Organe wie die Lunge, die Speiseröhre, den Magen oder die Leber. Auf Dauer können zudem Entzündungen des Gehirns auftreten, die schlimmstenfalls zu Lähmungen oder Demenz führen.

Gute Behandlungsmöglichkeiten bei frühzeitiger Diagnose der Syphilis
Eine frühzeitige Diagnose der Syphilis ist daher besonders wichtig, zumal bei umgehend eingeleiteter Therapie durchaus gute Heilungschancen bestehen. Die Erreger reagieren äußerst empfindlich auf den Einsatz von Penizillin. Allerdings kann sich bei unterlassener Behandlung „die Krankheit über Jahrzehnte hinziehen“, wobei Syphilis jedoch „nur noch in Einzelfällen so spät erkannt wird, dass dauerhafte Hirnschäden bleiben", erläuterte Viviane Bremer. Um das Risiko einer Syphilis-Infektion zu minimieren, empfiehlt die Expertin das Nutzen von Kondomen, denn die Erkrankung ist bei direktem Kontakt hochansteckend. Hier sind „Kondome wichtig, geben aber keinen 100-prozentigen Schutz“, mahnte die Expertin des RKI. (fp)