Was hilft bei Sodbrennen in der Nacht?

Fabian Peters

Sodbrennen in der Nacht – Was tun, wenn der Schmerz den Schlaf raubt?

Den Ergebnissen einer US-Umfrage mit 2.603 Teilnehmern zu Folge leidet eine Vielzahl (ca. 45 Prozent) der Sodbrennen-Patienten auch nachts an dem schmerzhaften Brennen hinterm Brustbein (Brustschmerzen). Etwa die Hälfte von ihnen empfindet die Symptome der Krankheit nachts sogar intensiver als tagsüber. Einschlaf- und Durchschlafstörungen sind die Folge.

Ausreichend Schlaf ist für den Körper eine wesentliche Voraussetzung, um sich zu regenerieren und dauerhaft leistungsfähig zu sein. Wird die Nachtruhe öfter durch das schmerzhafte Auftreten von Sodbrennen gestört, lässt die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Betroffenen massiv nach und es können langfristig erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten. Denn anhaltender Schlafmangel schwächt nicht das Immunsystem und kann zu Änderungen der Stoffwechselaktivität führen. Zudem wird die Speiseröhre durch nächtliches Sodbrennen stärker stärker angegriffen als tagsüber, da durch den verminderten Schluckreflex im Schlaf die Schleimhaut länger dem Kontakt mit der aggressiven Magensäure ausgesetzt ist und im Schlaf weniger des säure-neutralisierenden Speichels produziert wird. Außerdem trägt die flache Lagerung im Bett dazu bei, dass der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre begünstigt wird..

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Sodbrennen (Reflux) entsteht als schmerzhafte Erkrankung im Bereich der Speiseröhre, die als schlauchförmiges, muskuläres Organ vom Rachen durch den Brust- in den Bauchraum führt. Am Übergang zum Magen sitzt ein Schließmuskel, der den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre verhindern soll. Ist dieser Muskel nicht voll funktionsfähig, tritt Magensäure in die Speiseröhre ein und erzeugt bei Kontakt mit der Schleimhaut der Speiseröhre ein schmerzhaftes Brennen hinter dem Brustbein. Bei viele Patienten wird dieser Prozess durch einen Zwerchfellbruch zusätzlich verstärkt. Außerdem können die Überproduktion von Magensäure sowie Abflussstörungen am Übergang von Magen in den Zwölffingerdarm ebenfalls Ursache einer Reflux-Erkrankung seien.

Fachleute gehen davon aus das ca. 10 bis 20 Prozent der Deutschen an Reflux leiden, wobei ca. 10 Prozent als Folge des chronischen Sodbrennens eine Entzündung der Speiseröhre entwickelnnnn, so Professor Ekkehard Schippers, Chefarzt an der Chirurgischen Klinik des Würzburger Juliusspitals und Leiter der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie. Er erklärte weiter, dass es bei etwa 10 Prozent der Patienten mit entzündeter Speiseröhre anschließend zu einer Umwandlung der entzündeten Schleimhaut in hochgefährlichen Speiseröhrenkrebs kommt.

Hilfe bei Sodbrennen in der Nacht

Nächtliches Sodbrennen lässt sich jedoch in den Meisten Fällen ebenso wie 80 Prozent der generellen Reflux-Erkrankungen durch ein paar einfache Verhaltensregeln vermeiden. Wenn die Betroffen nur eine paar Kleinigkeiten beachten, ist ihnen meist schon erheblich geholfen. So raten die Experten den Betroffene vor dem Einschlafen zu versuchen, bewusst Entspannung für Körper und Geist herbeizuführen. Das Erlernen von Entspannungsverfahren, z.B. von Yoga, Tai Chi, Selbsthypnose oder Autogenem Training kann hier nachhaltig helfen. Außerdem das Schlafzimmer gut durchlüften und am wichtigsten: Abends keine ausgeprägten Mahlzeiten zu sich nehmen bzw. kurz vorm ins Bett gehen nichts mehr essen. Darüber hinaus ist ein Spaziergang nach den Mahlzeiten generell förderlich, da die Verdauung angeregt wird und der Magen sich beruhigt.

Außerdem rät der Fachmann, das Kopfteil des Bettes leicht zu erhöhen, um den Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre auch nachts zu verhindern. Da bei starkem Übergewicht der Druck im Bauchraum erhöht und Sodbrennen begünstigt wird, ist bei übergewichtigen Patienten zudem eine Gewichtsreduktion ratsam. Der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten kann ebenfalls, dazu beitragen, dass sich die Symptome spürbar lindern. Einige Ärzte und Internetseiten bieten zudem für die Betroffenen Checklisten an, mit deren Hilfe sie ihre Lebensgewohnheiten so umstellen können, dass die Beschwerden in den meisten Fällen verschwinden oder zumindest spürbar abgeschwächt werden.

Sollte das Sodbrennen dennoch über einen längeren Zeitraum anhalten, raten die Fachleute dazu in jedem Fall den Arzt aufzusuchen. Denn „ist die Schleimhaut entzündet und hat der Betroffene immer wieder Beschwerden, kann (auch) eine Operation sinnvoll sein“, so Schippers. Im Rahmen des minimal-invasiv durchführbaren Eingriffes kann so ein eventueller Zwerchfellbruch verschlossen und der Schließmuskel verstärkt werden. Insbesondere bei Patienten, die keine Wirkung auf die verfügbaren Medikamente zeigen, kann diese Vorgehensweise ratsam sein. Außerdem „stellt sich natürlich, insbesondere bei jüngeren Menschen, auch die Frage nach der Langzeitmedikation“, so Schippers. „Will ein jünger Mensch wirklich sein Leben lang Tabletten schlucken, um kein Sodbrennen mehr zu bekommen, wenn man ihm auch durch eine Operation langfristig helfen kann?“ (fp)