Wie lange Warten nach einer Fehlgeburt?

Sebastian

Schwangerschaft: Kein langes warten nach einer Fehlgeburt? Laut einer neuen Studie kann sogar längeres Warten durchschnittlich das Risiko erhöhen, eine erneute Fehlgeburt zu erleiden.

(07.08.2010) Viele Gynäkologen raten Frauen nach einer Fehlgeburt (Abort) zunächst eine längere Zeit bis zur nächsten Schwangerschaft abzuwarten. Die Meinungen der Mediziner über die Wartezeiten sind jedoch geteilt. Auch die Gründe für eine Fehlgeburt sind unterschiedlich. Schottische Wissenschaftler untersuchten nun die unterschiedlichen Wartezeiten bis zur nächsten Schwangerschaft und erlangten zu erstaunlichen Erkenntnissen. So könnten sich längere Wartezeit bis zur nächsten Schwangerschaft sogar ungünstig auf den weiteren Verlauf auswirken.

Fehlgeburten werden in Frühaborte (bis zur 12. Schwangerschaftswoche) und in Spätaborte unterteilt, wobei Frühaborte wesentlich öfter vorkommen. Nach einer Fehlgeburt wollen die meisten "Wunsch-Eltern" nicht aufgeben und einen erneuten Versuch starten. Doch viele Paare sind in der Frage verunsichert, ob zunächst eine längere Zeit vergehen sollte, bis ein erneuter Versuch gestartet wird. Meistens sind die Auskünfte der Frauenärzte ebenfalls dürftig, die meisten raten dazu, eine längere Zeit bis zur nächsten Schwangerschaft vergehen zu lassen. Wissenschaftler der schottischen Universität von Aberdeen gingen der Frage nach, in welchen Zeitfenstern erneute Aborte erfolgten und welche Schwangerschaften erfolgreich verliefen.

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In der Studie konzentrierten sich die Forscher auf die Frage, wie sich lange Wartezeiten auswirken. Im Studienverlauf wurde der Schwangerschaftsverlauf von rund 30.000 Frauen untersucht. Alle Frauen hatten sich in eine schottische Klinik begeben, weil sie eine Fehlgeburt erlitten. Die Auswertung der Daten erfolgte zwischen den Jahren 1980 bis 2000.

Zunächst stellten die Studienautoren fest, dass Frauen die schon einmal eine Fehlgeburt hatten, über ein erhöhtes Risiko verfügen, einen erneuten Abort zu erleiden. Die Auswertung zeigte jedoch auch, dass die maximale Frist von einem halben Jahr bis zu einer erneuten Schwangerschaft sich günstig auf den weiteren Schwangerschafts-Verlauf auswirkt. Denn die Frauen hatten im Durchschnitt seltener eine Fehlgeburt erlitten, als Frauen die länger als ein halbes Jahr warteten. Das Risiko senkte sich insgesamt für einen zweiten Abgang, Schwangerschaftsabbruch oder einer Bauchhöhlenschwangerschaft. Auch das Risiko sank insgesamt um 34 Prozent für Kaiserschnitte, Frühgeburten oder ein niedriges Geburtsgewicht. Die Notwendigkeit eines frühzeitigen Schwangerschaftsabbruchs (minus 57 Prozent) und das Risiko einer Eileiterschwangerschaft (minus 52 Prozent) waren vermindert. Beide Risiken stiegen bei einem Intervall von mehr als 24 Monaten Wartezeit an.

In den westlichen Industrienationen bekommen Frauen immer später ein Kind. Das wirkt sich insgesamt ungünstig für einen Schwangerschaftsverlauf aus. So erläuterte die Studienautorin Sohinee Bhattacharya, es sei generell problematisch eine Schwangerschaft ins höhere Alter zu verschieben. Viele Frauen in der westlichen Welt bekommen erst mit 35 Jahren ihr erstes Kind. Allein aus dieser Tatsache besteht ein erhöhtes Risiko für einen Abort. Denn mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen während einer Schwangerschaft. Allein aus dieser Tatsache heraus bedeutet jede weitere Verzögerung ein höheres Risiko einen erneuten Abort zu erleiden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt noch immer eine Mindeswartezeit von sechs Monaten. Auf Grund der gesellschaftlichen Wandlung und der Studienergebnisse müssten diese Empfehlung neu überdacht werden. Bhattacharya erläuterte, eine überarbeitete Empfehlung dürfe jedoch nur für die westliche Welt gelten, da die Studie den Schwangerschaftsverlauf von schottischen Frauen untersuchte. In Dritte-Welt-Ländern könnte eine gleiche Studie möglicherweise zu anderen Ergebnissen führen. Die Studie erschien im „British Medical Journal“ (BMJ 2010; 341: c3967). (sb)