Workaholic: Arbeitssucht macht krank

Heilpraxisnet

Workaholic: Arbeitssucht macht krank

13.07.2014

Der japanische Begriff „Karôshi“ steht für den Tod durch Überarbeitung. In Europa nahm man noch bis vor wenigen Jahren an, dass es dieses Phänomen hier nicht gibt. Doch sowohl in Österreich als auch in Deutschland soll bereits jeder neunte Arbeitnehmer arbeitssüchtig sein.

Jeder neunte Arbeitnehmer ist arbeitssüchtig
Den Tod durch Überarbeitung, im Japanischen als „Karôshi“ bezeichnet, gibt es in Europa nicht. Davon war man bis vor wenigen Jahren überzeugt. Doch wie „Der Standard“ berichtet, ist mittlerweile laut dem österreichischen Sozialministerium jeder neunte Arbeitnehmer in der Alpenrepublik arbeitssüchtig. Ähnlich sieht die Situation in Deutschland aus. So hatte die AOK im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass hierzulande ebenfalls mindestens jeder neunte Arbeitnehmer arbeitssüchtig ist.

Workaholics lassen Gedanken an Arbeit nicht mehr los
Bei Menschen, die unter Arbeitssucht leiden, auch Workaholics genannt, macht sich Unwohlsein breit, wenn Feiertage anstehen. Grundsätzlich lassen Arbeitssüchtige die Gedanken an den Job auch in der Freizeit nicht mehr los. Laut wissenschaftlicher Definition, wie etwa der Universität Bremen (Studie „Arbeitssucht“), ist Arbeitssucht „eine fortschreitende pathologische Fixierung auf Arbeit bzw. das Arbeiten, zu der wesentlich Kontrollverlust und Entzugserscheinungen gehören.“ Wurde die Sucht früher noch als „Managerkrankheit“ verschrieen, so seien es mittlerweile immer mehr Angestellt, Arbeiter und Selbständige, die Gefahr laufen, arbeitssüchtig zu werden.

Arbeitssucht nicht an quantitativen Kriterien festzumachen
Der Bonner Arbeitspsychologe Stefan Poppelreuter hatte im vergangen Jahr erklärt, dass Arbeitssucht nicht an quantitativen Kriterien wie beispielsweise der Anzahl der wöchentlichen Arbeitsstunden festgemacht werden könne, sondern hier spiele die individuelle Disposition eine entscheidende Rolle. Er erläuterte damals: „Wenn jemand der Arbeit verfallen ist, wenn sein Denken und Handeln nur noch um die Arbeit kreist, wenn er die Arbeitsdauer nicht mehr kontrollieren kann und selbst im Urlaub oder im Spital weiterarbeitet, wenn er mit Schweißausbrüchen, Herzrasen, Niedergeschlagenheit oder Gereiztheit auf arbeitsfreie Phasen reagiert und die Arbeitsdauer ständig steigert, dann deutet das auf eine Arbeitssucht hin.“ Außerdem seien begleitend „in der Regel psychosomatische Störungen wie Kopfschmerzen, funktionelle Herzbeschwerden und Schlafstörungen sowie psychosoziale Probleme wie Konflikte in der Familie oder Verlust von Freundschaften“ zu beobachten. Des Weiteren können Magenprobleme und Magenschmerzen auftreten.

Arbeit bekommt einen immer höheren Stellenwert
Häufig verlieren sich im Zuge eines permanenten Arbeitens Prioritäten, sowohl für die Arbeit selbst, als auch für das Wohlsein der Betroffenen. Laut Forschung seien die Grenzen vom leistungsorientierten Viel-Arbeiten hin zur Arbeitssucht an sich jedenfalls fließend. Quasi ein Prozess, der in der Regel in vier Phasen geteilt wird, wie „Der Standard“ schreibt. So herrsche in der Anfangsphase das Gefühl der Leistungsfähigkeit vor, Tatendrang und ein Sich-beweisen-Wollen sind wichtige Treiber. Die Resultate getaner Arbeit würden als „High“ erlebt, wodurch Arbeit einen immer höheren Stellenwert im Leben bekommt – häufig sogar nach den eigenen Interessen, dem Partner oder der Familie und Freunden.

Wochenenden und Feiertage durcharbeiten
Dieser hohe Stellenwert bedingt jedoch, dass sich Erfolgserlebnisse nach und nach seltener einstellen; somit werde „automatisch“ mehr gearbeitet und nach Rechtfertigungen für den hohen Arbeitseinsatz gesucht. Nicht nur, dass sich ohne Arbeits- und Termindruck Unwohlsein einstellt, sondern Betroffene leiden auch daran, überflüssig zu sein. Dazu kommen fehlender Schlaf und Entspannungsphasen. Erste körperliche Beschwerden, wie beispielsweise Bluthochdruck oder chronische Schmerzen, treten auf. In einer dritten Phase, die als chronisch bezeichnet wird, reißen Betroffene zunehmend mehr Arbeit an sich. Auch Delegieren geht dann nicht mehr und an Wochenenden sowie Feiertagen werde dann bereits durchgearbeitet. Oben drauf entsteht eine Diskrepanz zwischen unerledigter Arbeit und immer knapper werdenden psychischen und physischen Ressourcen.

Arbeitssucht kann tödlich enden
Häufig greifen Arbeitssüchtige dann zu Kaffee, Aufputschmitteln oder anderen Medikamenten. Viele begegnen dem Stress auch mit Alkohol, Zigaretten oder Drogen. Depressionen und Angst zustände können auftreten; nicht zuletzt auch deshalb, da das soziale Netzwerk, wie Familie und Freund, sich entfernt. Vollends entgleiten kann die Sucht, wenn der oder die Arbeitssüchtige sich in diesem kritischen Stadium befindet, in dem Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall schon so gravierend sind. Dann werden häufig schwere Depressionen im Zusammenhang mit Burnout diagnostiziert. Die schwersten Formen von Arbeitssucht sind letal, durch Herzversagen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Japan beschäftigt man sich offenbar schon länger mit der Problematik. Wie „Der Standard“ schreibt, soll es dort bereits mehr als 350 Behandlungszentren für Arbeitssucht geben. Auch im europäischen Raum würden die Selbsthilfegruppen immer mehr werden. (ad)

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