Alptraumtherapie – Effektive Techniken, Übungen und Hilfe bei Alpträumen

Dr. Utz Anhalt
Alpträume sind eine ebenso wichtiges wie unterschätztes Problem der Psychotherapie. Doch heute gibt es fundierte Ansätze, die nicht wie früher diese Träume nur als Begleiterscheinung von Traumatisierungen oder psychischen Störungen „mitbehandeln“.

Traumatisierungen

Eine besondere Rolle in der Therapie von Traumatisierungen hatte Arbeit an Alpträumen von jeher, das diese für eine posttraumatische Belastungsstörung ein Leitsymptom darstellen. Den Betroffenen fällt es nicht nur schwer, Traumwirklichkeit und äußere Realität zu unterscheiden, ihre Alpträume treten auch gehäuft auf, und die damit verbundenen Empfindungen wirken in den Wachzustand intensiv hinein.

Alpträume treten oft bei Menschen auf, die ein traumatisches Erlebnis hatten. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

Bei Menschen ohne diese Störung gibt es unterschiedliche Theorien zu den nächtlichen Höllenfahrten. So gibt es Hinweise, dass belastende Situationen, mit denen wir uns tagsüber nicht hinreichend auseinander setzen, sich in unsere Träume drängen.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass die Alpträume das fortsetzen, womit wir uns am Tag beschäftigen. Viel versprechend sind Erkenntnisse der neuesten Hirnforschung. Demnach arbeitet das Gehirn während des Traums aktiv am Lösen von Problemen. Alpträume wären demnach keine überflüssigen Störenfriede, sondern eine zwar schmerzliche, aber notwendige mentale Arbeit an realen Problemen und realen Konflikten. Der Horrortrip hätte sogar eine therapeutische Funktion, indem er uns hilft, mit Ängsten umzugehen oder Lösungen für existentielle Situationen zu entwerfen.

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Dem entgegen spricht indessen, dass ein Alptraum dadurch definiert ist, das das Geschehen uns so erschreckt, dass wir davon aufwachen, und das führt gerade nicht dazu, im Traum ein Problem zu lösen. Auch führen dauerhafte Alpträume erst einmal keinesfalls zu einem besseren Umgang mit dem Alltag – im Gegenteil. Die Betroffenen fürchten sich vor dem Einschlafen, sie regenerieren sich nicht im Schlaf und leiden tagsüber an Müdigkeit.

Die Verhaltenstherapien

Verhaltenstherapien sind praktisch ausgerichtet. Sie gehen davon aus, dass Lebensprobleme im Gefolge psychischer Störungen sich nicht dadurch lösen lassen, dass man sie immer wieder durchanalysiert, sondern dadurch, dass die Betroffenen ihr Verhalten in den belastenden Situationen ändern.

Deswegen gehen Verhaltenstherapeuten nicht jeden Traum bis ins Detail durch, um „verborgene Botschaften“ zu entschlüsseln. Wichtig ist für sie hingegen, ob in Alpträumen bestimmte Situationen immer wieder auftauchen und welche Situationen diesen in der Alltagswelt entsprechen.

Dann geht es darum, dass der Patient in genau diesen Situationen sein Verhalten ändert und damit die Situation ihren Stachel verliert. Zeigt sich im Traum ein realer Konflikt? Wenn nicht, dann geht es in der Verhaltenstherapie darum, die Alpträume unter Kontrolle zu bekommen und so den Betroffenen eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

Konfrontationstherapie gegen Alpträume

Erfolge zeigt die Konfrontationstherapie, die sich mit therapeutischem Schreiben, therapeutischen Malen und anderen Methoden, sich selbst zu erkennen, überschneidet. Die Patienten schreiben dazu ihren Alptraum auf, lesen ihn sich und dem Therapeuten mehrmals hintereinander laut vor. Sie sollen die negativen Gefühle, die auftreten, unbedingt zulassen und über sie reden.

Oft hilft es schon, den Inhalt des Alptraums aufzuschreiben. (Bild: jcomp/fotolia.com)

Sie reden solange über diese negativen Gefühle, bis diese irgendwann weniger werden und im besten Fall verschwinden. Dr. Renate Daniel vom C.G. Jung Institut in Zürich rät: „Es hilft auf jeden Fall, den Albtraum mit jemandem zu besprechen und ihn verstehen zu lernen.“ Der Expertin zufolge sollten Konflikte betrachtet und ein Lösungsweg gesucht werden, denn ihrer Erfahrung nach würden die Schwierigkeiten nicht von allen verschwinden. Ratsam sei es für Betroffene, zu schauen, wie er/sie mit dem Problem umgehen kann – denn schon durch die Beschäftigung mit dem Thema beruhige sich das Seelische.

Es sei dabei aber keine Pflicht, mit einem anderen Menschen über die Träume zu sprechen, betont Dr. Daniel. Auch alles aufzuschreiben könne bereits helfen, denn meist müsse das Erlebte nur in Worte gefasst oder aufgezeichnet werden, erklärt Daniel. Dann könne es sogar schon reichen, wenn die Aufzeichnungen in eine Schublade gelegt werden.

Imagery Rehearsal Therapy

Dieses aktive Imaginieren geht über die Konfrontation mit den bedrückenden Bildern einen Schritt hinaus. Hier geht es nicht nur darum, die Alpträume ins Bewusstsein zu holen, sondern sie aktiv zu verändern.

Die Betroffenen schreiben sich die Inhalte ihres Traums nicht nur auf, sondern entspannen sich und führen sich die Bilder vor das innere Auge. Hier hilft bei wiederkehrenden Träumen, ein Traumtagebuch zu führen und sich so immer klarer über die vorkommenden Bilder zu werden.

Die Patienten verändern jetzt in ihrer Imagination den Inhalt so lange, bis die belastenden Elemente ihren Schrecken verloren haben. Diese Methode eignet sich ausgezeichnet für Menschen, die sowieso eine rege Fantasie haben.

Besonders wichtig ist sie, wenn die Träume auf reale Konflikte schließen lassen. Dann fördert sie es sogar, diese wirklichen Probleme besser zu händeln. Sie steht nicht im Konflikt zur Hirnforschung, sondern wendet deren Erkenntnisse praktisch an. Wenn Alpträume tatsächlich Problemarbeit darstellen, dann erfüllen sie diese Arbeit unzureichend, wenn sie ihrerseits wieder Probleme auslösen.

Die Imaginationstherapie hilft der nächtlichen Arbeit gewissermaßen auf die Sprünge. Bieten die Alpträume das Rohmaterial, indem sie belastende Situationen aufzeigen, arbeitet der Betroffene diese Situationen bewusst durch.

Dabei muss es sich gar nicht um die reale Situation handeln, sondern nur um einen bildlichen Ausdruck davon. Träume ich zum Beispiel immer wieder davon, dass mich ein General an die Front schickt, wo mir Granaten die Gedärme zerreißen, und ich verändere den Inhalt so, dass ich Nein sage, und der General keine Macht mehr über mich hat, könnte sich dies so in meinem Unbewussten einpflanzen, dass ich in realen Situationen ebenfalls Nein sage, wenn Menschen unzumutbare Forderungen an mich stellen.

Der Alptraumforscher Reinhard Pietrowsky sieht es zwar als sinnvoll an, wenn sich der Therapeut am Deuten der Traumbilder beteiligt, warnt dabei aber aber vor Pauschalisierungen, wie sie in der Esoterikszene und bei „Wunderheilern“ verbreitet sind. Demnach könne die Deutung der Träume zwar für die Therapie sinnvoll sein – allerdings eher als Ausgangspunkt für wichtige Themen und „nicht so platt, dass man etwa von Spinnen-Träumen auf die Angst vor einer dominanten Mutter schließt“, so der Experte.

Viele Alpträume handeln davon, verfolgt zu werden. (Bild: grandfailure/fotolia.com)

Fragen stellen

Laut Dr. Renate Daniel ist das häufigste Alptraummotiv, verfolgt zu werden. Jetzt ginge es um folgende Fragen: Welcher seelische Anteil ist es, der mich verfolgt? Was genau verfolgt mich? Handelt es sich um Schuldgefühle oder die Vergangenheit, um alte Überzeugungen oder Verhaltensmuster? Hat der Traum etwas mit mir zu tun? Verdränge ich, dass eine Beziehung nicht läuft? Wer verfolgt mich, oder wovor laufe ich weg? Handelt es sich um Dinge, die mir peinlich sind? Diese Fragen zu beantworten, ist bereits ein großer Schritt auf dem Weg, sie zu lösen.

Wann ist eine Alptraumtherapie sinnvoll?

Wenn Sie chronisch unter Alpträumen leiden, ist eine Therapie unbedingt empfehlenswert. Ihnen geht es wie jemand, durch dessen Dach das Wasser tropft, und dem die einfachen Werkzeuge fehlen, um das Loch zu stopfen.

Alpträume belasten ebenso schwer, wie die Methoden, sie in den Griff zu bekommen, einfach zu lernen sind. Falls nicht tiefer gehende Störungen vorliegen, also die Träume zum Beispiel Ausdruck einer schweren Depression sind, verbessert sich die Lebensqualität der Betroffenen bereits nach wenigen Sitzungen. Die schlechten Träume verschwinden, der Schlaf wirkt wieder entspannend, die Patienten sind fitter, sie haben mehr Energie und fühlen sich besser.

Dr. Renate Daniel berichtet von einem besonders dramatischen Fall, in dem die Betroffene Jahrzehnte zu spät therapeutische Hilfe suchte. Es handelte sich um eine 75-jährige Frau, die noch nie Kontakt mit der Psychotherapie hatte. Die Tochter hatte ihre Mutter nun geschickt, da diese seit ihrem 15. Lebensjahr – also seit 60 Jahren – unter Albträumen litt. Die Betroffene hatte aufgrund der langen Zeit die Hoffnung auf Hilfe bereits aufgegeben, doch nach etwa 15 Therapie-Sitzungen hörten die Albträume endlich aufgehört. „Es hat somit nicht allzu lange gedauert, bis sich die Seele beruhigt hatte. Das hat mich sehr beeindruckt, dass die Arbeit an dieser chronischen Problematik relativ einfach war“, so Dr. Daniel.

Kompensation oder Korrektiv?

Ferenczi sah 1934 Träume grundsätzlich als Versuch, traumatische Erfahrungen psychisch zu bewältigen. Carl Gustav Jung hielt alle Träume, auch Alpträume, als Mittel der Psyche, um sich selbst zu steuern und Erfahrungen zu kompensieren und zu korrigieren.

Demnach kompensiert der Alptraum gerade die Anteile der Persönlichkeit, die der Träumer im Wacherleben leugnet. Je mehr jemand seine ihm peinlichen Anteile leugnet, desto drastischer weisen ihn folgerichtig seine Träume darauf hin.

Dem entgegen steht die Hypothese einer Kontinuität. Sie vermutet, dass Alpträume das Wacherleben fortsetzen. Die Ängste des wachen Menschen sind demnach auch die Ängste, die er im Traum hat.

Dabei ging Jung nicht schlicht davon aus, dass jemand immer genau das Gegenteil von dem träumt, worauf er sich in seinem wachen Leben einseitig richtet. Ein übertrieben optimistischer Mensch hat also nicht notwendig Alpträume, um ihm zu zeigen, dass nicht alles in rosarote Wolken getaucht ist.

Vielmehr kann, laut Jung, ein Traum auch grotesk die einseitigen Fixierungen überzeichnen. Die negativen Gedanken eines Kulturpessimisten, der davon ausgeht, dass die Gesellschaft sowieso den Bach runtergeht, könnte sich also nachts in einen Alptraum steigern, in dem apokalyptische Monstren die Welt verwüsten und ihm so zeigen, dass sein Blick auf die Welt übertrieben ist.

Nach Carl Gustav Jung können sich negative Gedanken im Traum auch massiv steigern, um die übertriebene Sicht auf die Dinge zu verdeutlichen. (Bild: grandfailure/fotolia.com)

Das Traumskript

Traumtherapie basiert darauf, dass Alpträume, die wiederkommen, im Gehirn als Skript gespeichert sind. Zugleich ist dieses Skript wenig mit dem autobiografischen Gedächtnis vernetzt; die Betroffenen nehmen also vor allem negative Emotionen wahr, die sich auch in den Gedanken am Tag wiederholen, erhalten aber wenig konkrete Hinweise, wenn es sich um eine konkrete Erfahrung handeln sollte, die dahinter steckt.

Die REM-Phase des Schlafes kennzeichnet ein hohes Ausmaß an Bildern, die im Traum zu mehr oder weniger zusammen hängenden Geschichten werden. Und das Skript im Gehirn nimmt jetzt, salopp gesagt, die Form eines Comics an. Je häufiger sich der Alptraum wiederholt, desto stärker wird das gespeicherte Muster, denn die Verbindungen unserer Synapsen verstärken Vertrautes. Außerdem stärkt die Intensität des jeweiligen Traums den Prozess.

Zugleich führen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, wie Neurosen, „Dünnhäutigkeit“, Hochsensibilität oder Depressionen den Stress, den der jeweilige Traum auslöst. Verzerrte Wahrnehmungen und ungesundes Verhalten verhindern wiederum, dass das Gehirn das Skript ausgrenzt.

Dazu gehören zum einen Wahrnehmungen von Menschen, bei denen die Alpträume Teil weitreichender affektiver Störungen sind. Wer unter Psychosen leidet und wen paranoide Wahnvorstellungen quälen, wer nachts wie tags von Verfolgungsängsten getrieben wird, dem gelingt es kaum, in Distanz zu den negativen Emotionen zu gehen.

Gefährdet sind auch Menschen, die den sinnvollen Rat, das Traumgeschehen bewusst zu machen, fehl interpretieren als „sich in die Gefühle des Traums fallen zu lassen“. Wer sich in negative Gefühle wie Todesangst, Wut oder Verzeiflung unreflektiert hinein begibt, bei dem werden sie stärker und irgend wann zur Gewohnheit ohne Alternativen.

Altpraum und Angst

Forschungen dazu, ob Alptraum und ängstliche Persönlichkeit zusammen hängen, brachten unterschiedliche Ergebnisse. Bis heute ist ein direkter Zusammenhang nicht belegt – wohl aber besteht eine Verbindung zwischen diagnostizierten Angststörungen und wiederholten Alpträumen, die ein Symptom dieser psychischen Beschwerden darstellen.

Eindeutiger ist ein Zusammenhang zwischen Menschen mit „dünnen Grenzen“, also Hochsensiblen und häufigen Alpträumen. Solche Menschen haben eine hohe Durchlässigkeit zwischen Wirklichkeit, Fantasie, Tagtraum und Traum. Sie sind offen, ihre Beziehungen sind ebenso intensiv wie konfliktreich, sie reagieren intensiv auf Kritik und denken viel über die Probleme ihrer Mitmenschen nach, bisweilen so stark, dass die Probleme anderer zu ihren eigenen werden.

Solche Menschen verfügen über eine große Fantasie, sind leicht hypnotisierbar und einfach zu begeistern. Oft sind sie außergewöhnlich kreativ und haben einen direkten Zugang zu ihrer inneren Bilderwelt – sie malen häufig oder schreiben fantastische Geschichten.

Die Betroffenen nehmen Träume oft sehr ernst und verfügen über ein ausgeprägtes Verständnis für Traumsymbole. Sie sind auch gegenüber physikalischen Reizen wie Gerüchen, Licht oder Geräuschen empfindlich. Sie können in der Stunde nach dem Aufwachen bisweilen kaum zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden.

Diese Menschen haben intensive und häufige Alpträume; dies liegt aber nicht generell daran, dass sie generell negativere Empfindungen haben als Menschen die nicht derart träumen, sondern sie träumen insgesamt intensiv und häufig. Ihre gesamte Traumwelt ist äußerst aktiv, und damit erleben sie auch massiver Alpträume.

Besonders kreative Menschen träumen häufig von sehr bizarren Dingen. (Bild: Andrey Kiselev/fotolia.com)

Kreativität und Alpträume

Verbunden mit Dünnhäutigkeit, aber nicht identisch, ist Kreativität. Besonders kreative Menschen erinnern sich häufig an ihre Träume und erleben darin phantasievolle Storys, aber oder deswegen auch viele und oft bizarre Alpträume.

Hier gilt: Weil sie insgesamt eine blühende Traumwelt erfahren, haben sie ebenso mehr schöne Träume wie Alpträume.

Gestalttherapie

Die Gestalttherapie nach Pearls sieht sich an der Schnittstelle zwischen Therapie, Theorie und Phiosophie. Grundidee ist, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Pearls ging davon aus, dass Träume wichtige Hinweise eines Menschen an sich selbst enthalten, die jedoch entschlüsselt werden müssten.

Der Traum enthalte dabei nicht notwendig die Lösung eines Problems, sondern würde oft das Problem nur zeigen. Traumfiguren, Geschehnisse und Gestalten würden Aspekte des Träumenden aufzeigen.

Der Unterschied zur Psychoanalyse besteht darin, dass der Therapeut nicht derjenige ist, der den Traum analysiert. Er begleitet den Träumenden vielmehr. Der Träumende selbst gestaltet die Traumarbeit. Wesentlich ist es, das Traumerlebnis zu aktivieren.

Rollenspiele und heißer Stuhl

Die Methoden der Gestalttherapie umfassen zum Beispiel psychoaktive Rollenspiele und den „heißen Stuhl“, wo ein Teilnehmer seine Träume erzählt, und die anderen zuhören. Im Dialog sollen so die Inhalte deutlich werden.

Statt den Traum „nur“ durchzuanalysieren, fordert die Gestalttherapie dazu auf, die Inhalte zu spielen und auszudrücken, da sie Verhaltensalternativen, psychische Umstrukturierungen und Bedürfnisse des Betroffenen ausdrücken.

Entspannung

Therapeuten setzen auch auch Enspannungstechniken ein, um Alpträume zu lindern. Hier geht es darum, die Schwelle zu erhöhen, auf der sie ausgelöst werden, indem der Stress der Betroffenen reduziert wird.

Zu diesen Verfahren gehört die Progressive Muskelrelaxation, die Edmund Jacobson speziell gegen Angststörungen entwickelte. Auch autogenes Training, Meditation oder Yoga können bei einer Entspannungstherapie helfen.

Entspannungstechniken allein reichen nicht aus, um mit den Träumen umzugehen, da sie lediglich den Trigger Stress reduzieren. Sie können aber eine gute Ergänzung zu anderen Therapien bieten, besonders für Menschen, die akut betroffen sind, vergleichbar einer Kopfschmerztablette, die die Symptome lindert.

Entspannungstechniken können gerade im akuten Fall eine Therapie sinnvoll unterstützen. (Bild: fizkes/fotolia.com)

Schlafhygiene

Stress zu reduzieren ist auch das Motiv für Konditionierungsverfahren und Psychoerziehung. Dazu gehört Aufklärung über Ernährung, Bewegung, das Schlafumfeld, Stimulantien und Strategien der Stressbewältigung.

Es gibt zwar keine Studien, die die Evidenz für die Wirksamkeit der Schlafhygiene bei Alpträumen belegen, allerdings ist es plausibel, anzunehmen, dass ein ungestörter Schlaf auch für eine Alptraumtherapie hilfreich ist.

Manche Träume haben tatsächlich mit solchen äußeren Umständen zu tun. Wer zum Beispiel vor dem Einschlafen überreichlich schwere Mahlzeiten verschlingt, könnte zum Beispiel träumen, bewegungsunfähig zu sein.

Aufklärung bedeutet zum Beispiel den Betroffenen Informationen über die Genese von Alpträumen sowie deren Häufigkeit und Intensität zu geben, um ihn so zu entlasten.

Exposition

Eine Expositionstherapie geht davon aus, dass Alpträume sich wie jedes andere Verhalten verstärken können, aber auch schwächer werden oder verschwinden. Damit ähneln sie Triggern, die Angstzustände auslösen.

Die Betroffenen konfrontieren sich so lange mit dem Alptraum, bis er ihnen keine Angst mehr einflößt. Therapeut und Patient finden erst einmal die angsteinflößenden Elemente heraus. Dann wird der Patient für diese Elemente desensibilisiert, zum Beispiel, indem der Träumende sich entspannt. Ist er entspannt, stellt er sich Teile des Alptraums vor, und zwar so lange, bis er sich den gesamten Traum ohne Angst imaginieren kann.

Studien ergaben, dass diese systematische Desensibilisierung reinen Entspannungsmethoden überlegen ist.

Selbsexposition

Selbstexposition geht über in therapeutisches Schreiben. Die Träumenden schreiben hier ihre Alpträume auf und stellen sie sich dann noch einmal vor. Im Unterschied zur systematischen Desensibilisierung läuft diese Imagination nicht schrittweise und es fehlen Entspannungstechniken.

Expositionstherapien führen zu weniger, schwächeren oder gar keinen Alpträumen. Ein Nachteil ist aber, dass es für die Patienten eine Belastung bedeutet, sich der angstbesetzten Traumsituation zu stellen. Viele Patienten setzen sich deshalb einer solche Therapie nicht aus und müssen auf andere Verfahren zurück greifen.

Vorsicht ist bei Patienten mit posttraumatischen Alpträumen geboten. Hier kann eine Exposition schaden, denn sie käme einer Traumakonfrontation gleich, ohne aber den entsprechenden Rahmen bieten zu können. (Dr. Utz Anhalt)

Referenzen
https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-19461/Dissertation%20Th%C3%BCnker.pdf
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/Int.1-Alptraeume.pdf
https://www.bluewin.ch/de/leben/lifestyle/redaktion/2017/17-03/albtraeume-und-was-sie-bedeuten.html