Heilerde

junge frau mit gesichtsmaske
Susanne Waschke

Heilerde ist ein uraltes Heilmittel, das – neu entdeckt – heute wieder häufiger zum Einsatz kommt. Bereits im Zeitalter der römischen und griechischen Antike wurde dies angewandt. Schon im alten Ägypten wurde der Schlamm des Nils bei Beschwerden im Bewegungsapparat verwendet. Der bekannte Arzt des Altertums, Hippokrates, gab jungen Müttern heilende Erde, um sie innerlich zu reinigen. Auch Hildegard von Bingen setzte verschiedene Erdarten in ihren Therapien ein. Viele Tierarten nehmen instinktiv Erde zu sich, um sich Mineralstoffe zuzuführen und ihre Nahrung besser zu verdauen.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsstoffe und Wirkung
Äußerliche Anwendung
Kosmetische Anwendung
Innerliche Anwendung
Dosierung und Einnahme
Heilerde Bad
Pulver, Kapsel, Granulat, Paste

Inhaltsstoffe und Wirkung

Vor vielen Jahren waren schon die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft in der Naturheilkunde bekannt. Gerade die Erde stand im Mittelpunkt und wurde als solche in Form einer heilenden Substanz zur Therapie verwendet. Der bekannte Pfarrer Sebastian Kneipp setzte nicht nur Wasser in seinen Therapien ein, sondern auch Lehm, zum Beispiel bei Hauterkrankungen. Adolf Just, ein bekannter deutscher Naturheilkundler, empfahl, Löss auch innerlich zu verwenden. Emanuel Felke, sein Schüler, beschäftigte sich weiterhin intensiv damit und war vor allem erfolgreich mit der Anwendung von Heilerde. Ihm ging der Ruf des „Lehmpastors“ nach. Als Felke ein Kind war, sah er, wie sich ein Hund, der schwer verletzt war, in Lehm wälzte. Zu seinem Erstaunen waren nach ein paar Tagen seine Wunden verheilt.

Erde, genauer gesagt, Lehm, Heilerde, Löss oder auch Fango sind heute immer noch für ihre heilende Wirkung bekannt und werden zur Therapie verschiedenster Unpässlichkeiten oder auch Erkrankungen eingesetzt. Der Begriff Heilerde ist sogar im medizinischen Wörterbuch „Pschyrembel“ zu finden.

Heilerde besteht aus naturreinem Löss, entstanden in der Eiszeit. Je nach Abbaugebiet, unterscheiden sich etwas die Inhaltsstoffe. Jedoch ist diese „gesunde Erde“ allgemein reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Sie enthält Kieselsäure, Kalzium, Kalium, Aluminium, Magnesium, Eisen, Selen, Zink, Kupfer, Mangan, Lithium – um nur einige wichtige Inhaltsstoffe zu nennen. Das feine, staubähnliche, lockere Material wird getrocknet, gemahlen und gesiebt. Egal, ob innerlich oder äußerlich angewandt, die heilende Erde muss keimfrei sein und ohne jegliche Verunreinigung, was durch einen Trockenvorgang bei 130 °C gewährleistet wird.

Heilerde innerlich angewandt, verdankt der hohen Absorptionsfähigkeit ihre Wirkung. So kann die Erde Gifte, Erreger, Gas, überschüssige Gallensäuren, Cholesterin, Nahrungsfette und Flüssigkeiten binden. Je kleiner die einzelnen Körnchen sind, desto größer wird die Gesamtoberfläche und umso aufnahmefähiger ist sie dadurch. Damit Medikamente nicht gebunden werden und deren Wirkung vermindert wird, sollte die Einnahme zeitlich versetzt, zwischen ein und zwei Stunden, erfolgen.

Heilerde, wenn äußerlich angewandt, wirkt antientzündlich, abschwellend, schmerzlindernd, Juckreiz stillend, austrocknend und beruhigend. Auch Bakterien und Wundsekrete werden gebunden. Trocknet sie auf der Haut ab, so entsteht eine Sogwirkung, wodurch zum Beispiel ein entzündlicher Erguss von innen nach außen abtransportiert wird. Zusätzlich wird noch der Stoffwechsel im betroffenen Gebiet angekurbelt, wodurch der Abtransport von Schlacken und die Versorgung mit Sauerstoff angeregt werden.

Sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt, ist die Liste für die Anwendung des heilenden Pulvers sehr lang. Sind die Beschwerden recht unklar und/oder die Symptome stark, ist auf jeden Fall ein Arzt hinzuzuziehen.

Äußerliche Anwendung

Die äußerliche Anwendung von Heilerde in Form von Umschlägen und Kompressen unterscheidet sich in warm oder kalt. Warme Auflagen steigern die Durchblutung, entspannen die Muskulatur und lindern die Schmerzen. Kalte Anwendungen wirken vasokonstriktiv (Gefäß zusammenziehend), schmerzlindernd und auf den Stoffwechsel dämpfend. Ob kalt oder warm zum Einsatz kommt, richtet sich nicht immer nach Art der Beschwerden, sondern auch nach dem Empfinden. Sehnen sich die Betroffenen nach einer bestimmten Temperatur, so sollte dem unbedingt nachgegeben werden.

Zur Anwendung kommt stets Heilerde, die auch medizinisch zugelassen ist. Das heilende Pulver wird mit kaltem oder warmem Wasser zu einem dicken Brei angerührt, direkt auf die betroffene Stelle aufgebracht und mit einem Tuch abgedeckt. Eine andere Möglichkeit ist das Bestreichen eines feuchten Baumwolltuches mit dem Brei, welches anschließend auf die Haut gelegt, mit eine trockenen Tuch abgedeckt und eventuell mit einem Wolltuch umwickelt wird. Auch kann der Brei als ganz dünne Auflage mit einem Pinsel auf die Haut aufgetragen werden, zum Beispiel im Gesicht.

Für alle Heilerde Anwendungen ist zu sagen, dass bei einer Verschlechterung der Symptomatik die Erde abgewaschen und ein Arzt aufzusuchen ist.

Bei Entzündungen im Bereich des Bewegungsapparates, wie zum Beispiel bei Sehnenscheidenentzündungen, rheumatischen Beschwerden, Quetschungen, Prellungen oder bei Arthrose wird eine kalte Heilerde-Auflage empfohlen. Bei Abszessen oder eitrigen Entzündungen der Haut ist ebenso ein Versuch mit kaltem Umschlag zu empfehlen. Dieser sollt circa eine halbe Stunde auf dem schmerzenden Bereich bleiben und die Anwendung kann mehrmals am Tag durchgeführt werden. Dabei ist es wichtig, auf das eigene Empfinden zu achten. Ist der Umschlag unangenehm, so sollte dieser entfernt werden.

Warme Kompressen haben den Vorzug bei Hexenschuss, Muskelverspannungen, Verhärtungen, chronischen Entzündungen und Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule.

Weitere Anwendungsbereiche für den äußerlichen Gebrauch der heilenden Erde sind Insektenstiche, allergische Hautirritationen, Neurodermitis und Psoriasis. Wickel mit Heilerde steigern die Durchblutung und kurbeln den Stoffwechsel im Gewebe an, was sich positiv auf die Behandlung der Cellulite auswirken kann. Das braune Pulver kommt auch trocken zum Einsatz. Zum Beispiel, um damit Mundwinkelrhagaden (eingerissene Mundwinkel) zu betupfen. Auch bei kleineren, offenen Wunden darf dies aufgestreut werden, aber nur, wenn die Verletzung mit einem Mullverband abgedeckt ist.

junge frau mit gesichtsmaske
Gesichtsmasken mit Heilerde werden vor allem zu kosmetischen Zwecken eingesetzt. Bild: Picture-Factory/fotolia.com

Kosmetische Anwendung

Die äußerliche Anwendung hat auch in der Kosmetik ihren Platz, so zum Beispiel bei fettiger, unreiner Haut. Ein Brei wird mit kaltem Wasser angerührt und auf das Gesicht aufgetragen, Augen und Lippen dabei ausgespart. Diese Gesichtsmaske ist, wenn ganz getrocknet, mit lauwarmem Wasser zu entfernen. Die Haut wird durchblutet und somit der Stoffwechsel angeregt, der Impuls zur Selbstheilung gegeben. Die beste Tageszeit dafür ist der Abend. Die Anwendung kann über Nacht noch nachwirken. Eventuelle Rötungen bilden sich bis zum nächsten Morgen zurück. Tritt nach der Anwendung ein unangenehmes Spannungsgefühl auf, so wird das Gesicht mit einem hochwertigen Jojoba- oder Nachtkerzenöl versorgt. Einzelne größere Pickel werden mit etwas Heilerde-Brei betupft und das ganze mehrmals täglich wiederholt.

Heilerde wird auch gerne für ein Peeling genutzt. Ein dünner Brei wird aufgetragen, das Pulver trocknet an und wird anschließend mit einem feuchten Waschlappen abgerubbelt.

Haare und Kopfhaut profitieren ebenfalls von einer Anwendung mit der heilenden Substanz. Gerade bei fettigen Haaren und Schuppen kann diese helfen. Ein Brei wird auf Kopfhaut und Haar gebracht und einmassiert. Je nach Fettigkeit, kann das Ganze bis zu zwanzig Minuten einwirken, am besten eingepackt in ein Frottiertuch. Anschließend wird dies mit lauwarmem Wasser abgespült. Ein Shampoo ist nicht nötig. Auch das Haare Waschen mit Heilerde Wasser ist möglich. Der naturreine Löss bindet überschüssige Talgabsonderungen, öffnet die Ausführungsgänge der Drüsen und wirkt somit einer Schuppenbildung entgegen. Dabei kehrt der Glanz ins Haar zurück.

Innerliche Anwendung

Die große Aufnahmefläche der Heilerde, die sich aus den staubfeinen, kleinen Körnchen ergibt, macht eine Anwendung zur Ausleitung möglich. Diese feine Erde kann Giftstoffe, Cholesterin und Fett im Darm aufnehmen, binden und sie dann auf natürlichem Wege aus dem Körper schleusen. Dies ist eine einfache aber wirksame Methode, zum Beispiel eingesetzt im Rahmen einer Frühjahrskur.

Bei Durchfall stoppt das Trinken von Heilerde-Wasser den Flüssigkeitsverlust, bindet zusätzlich die Gifte im Darm und bringt sie zur Ausscheidung. In diesem Falle muss die heilsame Erde jedoch häufiger angewandt werden. Bei starken und/oder länger andauernden Durchfällen, eventuell mit Blutbeimengung, ist jedoch unbedingt ein Arzt aufzusuchen.

Aber auch bei Obstipation (Verstopfung) kann diese besondere Erde Erleichterung bringen. Die Wirkung beruht darauf, dass die sehr kleinen Partikel der Erde wie eine Art Massage im Darm wirken. Wichtig ist jedoch, dass die Einnahme mit genügend Flüssigkeit erfolgt und die Einmaldosis nicht mehr als ein halber Teelöffel ist.

Eine Darmsanierung wird durch die Einnahme von Heilerde unterstützt, da sich diese besonders positiv auf den Darm auswirkt. Hier befindet sich auch der größte Teil des menschlichen Immunsystems. Das bedeutet, dass ein „gesunder Darm“ in der Regel auch ein gesundes Abwehrsystem nach sich zieht.

Das erdige Pulver enthält, wie bereits erwähnt, eine Menge an Mineralien. Diese tragen zur Neutralisation überschüssiger Magensäure bei. Verdauungsprobleme, wie Blähbauch, Sodbrennen, leichte Magenschmerzen, Reizmagenund Reizdarm sprechen ebenso recht gut auf die Einnahme dieses Pulvers an. Zusätzlich ist noch ein Leibwickel mit Heilerde zu empfehlen. Beschwerden, die jedoch schlimmer werden oder mehr als ein paar Tage andauern, gehören in die Hand eines Arztes.

Beim Abnehmen hilft Heilerde Wasser ebenso, da dies die Nahrungsfette im Darm binden kann. Dies gesunde Pulver hat zudem einen hohen Kieselsäureanteil, wodurch Bindegewebe, Haare und Nägel profitieren. Heilerde kann darüber hinaus zum Gurgeln verwendet werden. Dies hilft zum Beispiel bei Halsschmerzen und Mundgeruch sowie als Mundspülung bei Zahnfleisch- oder Mundschleimhautentzündungen. Hierfür wird konzentriertes Heilerdewasser verwendet.

Dosierung und Einnahme

Bei der Dosierung sowohl bei innerlicher oder äußerlicher Anwendung sollte nach den Anwendungsvorschriften des Herstellers gehandelt werden.

Ein konzentriertes Heilerdewasser wird aus 250 Milliliter Wasser mit zwei Teelöffeln Pulver angerührt. Dies ist die Tagesdosis, die vor Gebrauch umgerührt wird, stets mit Holz- oder Plastiklöffel. Bei der milderen Form wird vor dem Trinken das Wasser nicht verquirlt. Die Erde setzt sich ab und Mineralstoffe bleiben im Wasser gelöst. Diese Trinkform ist zum Beispiel zum Entgiften geeignet, wobei für das Gurgeln oder auch zur Mundspülung eher die konzentriertere Variante zum Einsatz kommt. Ein zusätzliches Glas Wasser sollte stets zur Hand sein, das entweder hinterher getrunken oder zum Mund ausspülen genutzt werden kann, um das unangenehme „Knirschen“ zwischen den Zähnen zu beseitigen.

Die innerliche Anwendung wird meist zweimal täglich, morgens nüchtern und abends vor dem Schlafengehen, in akuten Fällen öfter, empfohlen. Zu Mahlzeiten ist ein Abstand von einer Stunde einzuhalten, damit keine Vitamine gebunden und ausgeschieden werden. Wird Heilerde getrunken, so sollte dies in kleinen Schlucken erfolgen.

Für die äußere Anwendung wird in der Regel ein dicker oder auch dünnerer Brei mit warmem oder kaltem Wasser oder aber, je nach Indikation mit Kamillentee, Zinnkrauttee oder Essigwasser angerührt und direkt auf die Haut oder ein Tuch gebracht. Bei kleineren Flächen wird der Heilerde-Brei dicker, bei größeren Flächen dagegen dünner aufgetragen. Meist wird das Ganze dann noch mit einem Leinentuch abgedeckt. Im Normalfall wird die Auflage erst entfernt, nachdem sie angetrocknet ist. Fühlt sich die Anwendung jedoch unangenehm an, treten Juckreiz oder andere Symptome auf, ist die Erde sofort abzuwaschen.

Für die innere Anwendung gilt: Je akuter die Symptomatik ist, desto häufiger wird die Einnahme erforderlich. Jedoch sollte die angegebene Höchstdosis und die Dauer der Anwendung dabei nicht überschritten werden, da sonst der Dünndarm zu stark entfettet werden könnte.

Heilerde Bad

Heilerde kann, ins Badewasser gebracht, die Durchblutung fördern, den Juckreiz stillen und gleichzeitig die Haut mit wichtigen Mineralien versorgen. Dafür werden, während das Wasser in die Wanne einläuft, nacheinander circa acht Esslöffel Heilerde hinzugegeben. Da dies ein Heilbad ist, sollte die Dauer von fünfzehn bis zwanzig Minuten nicht überschritten werden. Danach wird geduscht und abfrottiert, was die Durchblutung zusätzlich unterstützt. Anschließend ist etwas Nachruhen angesagt. Ein zusätzlicher Peelingeffekt wird erreicht, indem das Pulver nicht sofort entfernt wird, sondern erst etwas antrocknet und dann mit einem feuchten Tuch abgewaschen beziehungsweise abgeduscht wird. Teilbäder sind ebenso möglich. So werden für die Füße zwei bis drei Esslöffel, für ein Sitzbad fünf Esslöffel benötigt. Die Badewanne oder der Waschtrog sind mit einem geeigneten Putzmittel nach dem Baden zu säubern, damit die Heilerde keine Spuren hinterlässt. Diese Heilbäder können bis zu dreimal pro Woche durchgeführt werden, solange keine Kreislaufprobleme auftreten.

Pulver, Kapsel, Granulat, Paste

Bekannt ist die heilende Erde vor allem als Pulver. Diese ist von fein bis mikrofein erhältlich, lose oder in Beuteln. Sie ist für die innerliche und äußerliche Anwendung gedacht. Für Personen, die Heilerde nicht in Pulverform einnehmen möchten, existieren Kapseln. Gerade für unterwegs ist dies eine gute Alternative. Heilerde Granulat, vor allem bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden, ist eine weitere Variante. Dies wird unzerkaut mit viel Flüssigkeit in Form von Tee oder Wasser geschluckt.

Zur kosmetischen Behandlung existieren Gesichtsmasken, bestehend aus Heilerde und verschiedenen Ölen, wie Sojaöl oder Mandelöl. Ebenso zur äußerlichen Anwendung ist eine fertige Heilerdepaste erhältlich, die nicht angemischt, sondern sofort einsatzbereit ist. (sw)

Advertising